Kjell Askildsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kjell Askildsen

Kjell Askildsen (* 30. September 1929 in Mandal, Norwegen) ist ein norwegischer Schriftsteller, der oft als „Norwegens Beckett“ bezeichnet [1] oder in die Nähe des US-Autors Raymond Carver gerückt wird. Anfangs Romancier, verlegte sich Askildsen im Laufe der Zeit auf minimalistische Erzählungen, in denen weder nennenswerte Ereignisse noch Entwicklungen stattfinden. Fesselt er dennoch viele Leser, dann durch seine knappe, treffende und hintergründige Sprache. Askildsen schreibt auf Bokmål. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt (2009) den Svenska Akademiens nordiska pris.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Askildsens erste aufsehenerregende Prosaarbeit war die 1953 veröffentlichte Kurzgeschichtensammlung Heretter følger jeg deg helt hjem (Von nun an begleite ich dich nach Hause), die wegen der Behandlung von Tabuthemen der damaligen Zeit sehr kontrovers aufgenommen wurde. Peter Deisinger: „Die Osloer Presse war begeistert, aber Bibliotheken verweigerten die Aufnahme des Buchs in ihre Bestände. Askildsens Vater, ein Kirchenmann und Regionalpolitiker in Mandal, verbrannte es in aller Öffentlichkeit. Dadurch ließ sich Askildsen jedoch nicht von dem Wunsch abbringen, Schriftsteller zu werden.“[2] In den folgenden Romanen nimmt Askildsen zumeist „die Perspektive eines Ich-Erzählers ein, der in einem existenzialistisch angehauchten Monolog – ganz in der Tradition von Albert CamusDer Fremde oder Jean-Paul Sartres Der Ekel – lakonisch seinen Alltag Revue passieren lässt.“[3] Während der 1970er Jahre gibt Askildsen ein Intermezzo in der maoistischen Bewegung, das seiner Literatur wenig bekommt. In den 1980er Jahren entwickelt er den erwähnten Stil: „schmallippig, nüchtern und verstörend mit den großen Fragen des Lebens als Thema“, wie die norwegische Wikipedia formuliert. Der Kritiker Peter Urban-Halle zeigt sich zwiespältig. Einerseits nennt er die Kargheit der jüngst in Alt som før (Ein schöner Ort) vorgelegten Geschichten „auf- und anregend“, zudem erheiternd; andererseits räumt er ein, Askildsens Stil – wenn sie denn einen haben sollten – dürfte nicht nach jedermanns Geschmack sein. „Er schreibt in einer schmucklosen, um nicht zu sagen maulfaulen Sprache, deren einzige Lust darin besteht, noch den letzten überflüssigen Buchstaben auszumerzen ..(..).. Und dann Askildsens Helden! Es sind ziemlich unsympathische Zeitgenossen: alte einsame, sture Männer, die vor sich hingrummeln, vollkommene Misanthropen, schnell beleidigt, nie zufrieden, auch nicht mit sich selbst, also neidisch auf jeden, der nur einen Funken Selbstbewusstsein hat. Sie fühlen sich in ihrer Einsamkeit wohl und doch wieder nicht.“ [4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heretter følger jeg deg helt hjem (Von nun an begleite ich dich nach Hause), Erzählungen, 1953
  • Herr Leonhard Leonhard, Roman, 1955
  • Davids bror, Roman, 1957
  • Kulisser, Erzählungen, 1966
  • Omgivelser, Roman, 1969 (verfilmt 1973 unter dem Titel Maria Marusjka, Regie Oddvar Bull Tuhus), dts. Perspektiven, Witten, Berlin 1974
  • Kjære, kjære Oluf, Roman, 1974
  • Hverdag, Roman, 1976 (dts.Eine Chance für Johan, Berlin 1980)
  • Ingenting for ingenting, Erzählungen, 1982
  • Thomas F's siste nedtegnelser til almenheten (F's letzte Nachrichten an die Öffentlichkeit), Erzählungen, 1983
  • En plutselig frigjørende tanke, Erzählungen, 1987
  • Et stort øde landskap, Erzählungen, 1991 (dts.Eine weite, leere Landschaft, Kiel 1992)
  • Hundene i Tessaloniki, Erzählungen, 1996
  • Samlede noveller, Erzählungen, 1999
  • Alt som før. Noveller i utvalg, Erzählungen, 2005, dts. Ein schöner Ort, deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel, München 2009
  • Vennskapets pris, Erzählungen, 2015

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So auch von The Times Literary Supplement, zitiert auf dieser Webseite, abgerufen am 23. Dezember 2010
  2. Zitiert nach dieser Webseite, abgerufen am 23. Dezember 2010
  3. Ebenfalls Peter Deisinger
  4. Rezension im Deutschlandradio, zitiert nach dieser Webseite, abgerufen am 23. Dezember 2010