Maoismus

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Der Maoismus ist eine kommunistische politische Strömung, die sich auf die Schriften des chinesischen Revolutionärs Mao Zedong stützt. Die bekannteste Schriftensammlung des Maoismus ist das sogenannte Rote Buch, umgangssprachlich auch Mao-Bibel, eine thematisch geordnete Sammlung von Zitaten des „Großen Steuermanns“ Mao Zedong, die während der Kulturrevolution in China in den 1960er Jahren zusammengestellt wurde und in Übersetzungen weltweit verbreitet ist.

Die Theorie und ihr Einfluss in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maoismus beruft sich insbesondere auf die Schriften von Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Lenin und Josef Stalin. Die größte Bedeutung erreichte der Maoismus in seinem Ursprungsland, der Volksrepublik China, wo er seit der Revolution von 1949 offizielle Leitidee politischen Handelns war. Ziel des Maoismus in China war letztlich der industrielle Fortschritt, das Ein- und Überholen der imperialistischen Großmächte Großbritannien und USA.

Der Praxisbegriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genannten westlichen revolutionären Ansätze verschmolz Mao mit traditioneller chinesischer Philosophie. Im Gegensatz zur deutlich konservativeren Ethik des Konfuzianismus sucht der Maoismus die allgemeine Wohlfahrt nicht in der guten Lebensführung des Einzelnen, sondern verlangt in der Praxis die revolutionäre Umgestaltung der eigenen Lebensverhältnisse und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Die Theorie ist im Maoismus der Praxis untergeordnet. Jede Theorie müsse sich in der Praxis beweisen und bei Misserfolgen im politischen Kampf geändert oder verworfen werden.

Die „Mao-Bibel“, deutschsprachige Ausgabe, Peking 1972
Abzeichen mit dem Porträt Mao-Tse-Tungs

Widersprüche im Volk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Widersprüche im Volk, etwa zwischen Bauern und Arbeitern, sollten durch demokratische Diskussionen aufgelöst werden, politische Widersprüche in der Partei durch Kritik und Selbstkritik, untilgbare Widersprüche durch Auslöschung des Feindes.

Das war durch den Kampf gegen die japanischen Invasoren begründet, enthält aber bereits die Rechtfertigung der Diktatur: Indem Mao selbst bestimmt, wer Feind und wer Freund ist, hat er die Mittel und die Rechtfertigung zur physischen Vernichtung jeder Art von Opposition.

Einfluss in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maoismus beeinflusste die westdeutsche Studentenbewegung ab 1967, einige politische Gruppen bekannten sich zu den marxistisch-leninistischen Ideen Maos. In der Zeit nach dem Zerfall des SDS entstanden die K-Gruppen, die zumeist maoistisch ausgerichtet waren. Aber auch in der Geschichte von Bündnis 90/Die Grünen spielen ehemalige Angehörige der K-Gruppen eine Rolle. Nach Maos Tod im Jahre 1976 ging den maoistischen Zirkeln jedoch überwiegend die Inspiration aus. Prominente Ex-Maoisten in Deutschland sind die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Auch der Profi-Fußballspieler Paul Breitner posierte mit der Mao-Bibel.

Einfluss in anderen Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Roten Khmer in Kambodscha wurde außerhalb Chinas eine am Maoismus angelehnte Spielart des Marxismus-Leninismus in Albanien nach dem Austritt aus dem Warschauer Pakt zur offiziellen Staatsdoktrin unter Enver Hoxha. In der Zeit zwischen 1976 und 1979 kappte Hoxha allerdings auch diese Verbindung, da er die chinesische Außenpolitik (Theorie der Drei Welten) als opportunistisch kritisierte. Mehrere starke maoistische Parteien sind bis heute in Nepal aktiv, so die Vereinigte Kommunistische Partei Nepals (Maoistisch). Weitere maoistische Organisationen sind der sogenannte „Leuchtende Pfad“ (Sendero Luminoso), der im Bürgerkrieg in Peru die Regierung bekämpfte und zeitweise weite Teile des Landes kontrollierte, sowie die Partido Komunista ng Pilipinas und ihre Vorfeldorganisation „Nationale Demokratische Front der Philippinen“. Darüber hinaus sind in mehreren nordostindischen Bundesstaaten verschiedene auf die militante Bewegung der Naxaliten um 1970 zurückgehende Organisationen aktiv,[1] darunter in Bihar, Jharkhand, Andhra Pradesh und Assam; diese Organisationen sind auch heute noch maoistisch orientiert und firmieren weiter unter dem Oberbegriff Naxalismus.

In der Türkei war die heutige İşçi Partisi die erste Partei, die sich zum Maoismus bekannte. Ferner gibt es die Türkiye Komünist Partisi/Marksist-Leninist. Weiterhin existiert in der Türkei, inzwischen aber auch in Deutschland, die (in der Türkei illegale, in Deutschland legale) MLKP, die sich ebenfalls als maoistisch bezeichnet.

In Griechenland gibt es zwei legale maoistische Parteien, die KKE/μ-λ (Kομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας/ μαρξιστικό-λενινιστικό, KP Griechenlands/marxistisch-leninistisch) und die Μ-Λ KKE (Μαρξιστικό-Λενινιστικό Kομμουνιστικό Κόμμα Ελλάδας, Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands), deren Einfluss aber durch die weitaus mächtigere nicht-maoistische KKE begrenzt ist.

In den USA gibt es die von Bob Avakian geleitete Revolutionäre Kommunistische Partei.

Kuriositäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nanjie wird als das letzte maoistische Dorf Chinas bezeichnet.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saroj Giri: Maoists and the Poor: Against Democracy? Economic and Political Weekly 5. Dezember 2009.
  2. Tony Cheng: China's last Maoist village, in: Al Jazeera English, 25. Juni 2008.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Böke: Maoismus, Schmetterling Verlag, Stuttgart 2007.
  • Ingo Schäfer: Mao Tse-tung. Eine Einführung in sein Denken. C. H. Beck, München 1978. ISBN 3-406-06784-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]