CD-Klasse

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Typ CD p1
Schiffsdaten
Flagge Italien Italien
Schiffstyp Kleinst-U-Boot
Bauwerft Caproni
Stapellauf 1944
Ab 1944
Länge 11 m (Lüa)
Breite 0,91 m
Verdrängung 5,575 (voll 5,83 t)
 
Besatzung 1
Maschinenanlage
Maschine Überwasserfahrt 1 Carraro-Dieselmotor
Maschinen­leistung 60 PS (44 kW)
Höchst­geschwindigkeit 11,5 kn (21 km/h)
Propeller 1
Maschinenanlage
Maschine Unterwasserfahrt 1 Turbine
Maschinen­leistung 600 PS (441 kW)
Höchst­geschwindigkeit 30 kn (56 km/h)
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius 243 sm bei 11,5 kn Überwasserfahrt / bei 30 kn Unterwasserfahrt 13,5 sm
Tauchtiefe, max. 100 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
30 kn (56 km/h)

Typ CD bezeichnet ein Kleinst-U-Boot der italienischen Marine. Das von Secondo Campini im Zweiten Weltkrieg für die Caproni-Werke entworfene Boot verfügte über einen Wasserstrahlantrieb für die Unterwasserfahrt. Es kam bis zum Kriegsende nicht über das Stadium eines Prototyps hinaus.

Entwicklungsgeschichte

Im Februar 1942 beauftragte die italienische Marine Secondo Campini, ein einsitziges Kleinst-U-Boot mit Turbinenantrieb zu entwerfen. Campini hatte bereits 1931, damals noch unter dem von ihm selbst gegründeten Unternehmen VENAR (abgekürzt für Velivoli e natanti a reazione – dt. Flugzeuge und Schiffe mit Strahlantrieb) ein Boot mit Turbinenantrieb entworfen und erfolgreich getestet.

Beim Entwurf des Kleinst-U-Bootes griff er auf den Erfindergeist und die praktischen Erfahrungen von Mario de Bernardi zurück, die dieser unter anderem als Testpilot des ebenfalls von Campini entwickelten Thermojets Campini-Caproni C.C.2 gemacht hatte, weshalb das U-Boot auch als Modell Campini – De Bernardi bezeichnet wird. Mit der Ausführung des Projektes wurde das von Gianni Caproni geleitete gleichnamige Unternehmen betraut, mit dem sich die VENAR 1934 verschmolzen hatte.[1]

Als im Laufe des ersten Halbjahres 1943 infolge der immer häufigeren Luftangriffe auf Mailand die Produktion des bei Caproni im Mailänder Stadtviertel Taliedo gefertigten Kleinst-U-Bootes Typ CB nach Rovereto ausgelagert wurde, war davon auch die von Campini geleitete Entwicklungsabteilung am Typ CD betroffen.[2]

Zunehmender Rohstoff- und Materialmangel sowie parallel laufende Projekte hatten zur Folge, dass bis zum Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 kein Prototyp des Typs CD fertiggestellt worden war.

In der Folgezeit interessierte sich neben der Kaiserlich Japanischen Marine auch die deutsche Kriegsmarine für das Projekt. Letztere orderte schließlich am 22. März 1944 über 50 Boote bei Caproni.[3]

Im Anschluss an die Auftragsvergabe richtete man in Riva eine Werkstatt ein, in der die Endmontage mindestens eines, je nach Quelle auch zweier Prototypen mit anschließenden Tests im Gardasee stattfand.

Beschreibung und Verbleib

Der Typ CD war nach strömungsmechanischen Gesichtspunkten, in Anlehnung an die von Campini in der Luftfahrt gemachten aerodynamischen Erfahrungen, insbesondere was die Unterwasserfahrt betrifft, konzipiert worden. Er ähnelte im Aussehen mehr einem bemannten Torpedo als einem Kleinst-U-Boot, um den Strömungswiderstand so gering wie möglich zu halten. Im hinteren Drittel des Rumpfes lag der vollständig einziehbare Turm, der bei Überwasserfahrt weniger als einen Meter ausgefahren wurde. Das Boot verfügte über einen Druckkörper, in dem die einsitzige Operationszentrale untergebracht war, und über ein Periskop mit Zielvorrichtung für die zwei 450-mm-Torpedos. Letztere waren unter dem Bootsrumpf befestigt und stellten die einzige Bewaffnung dar.

Innovativ war der gewählte Antriebsmechanismus für die Tauchfahrt. Er bestand aus einer mit einem Sauerstoff-Gasgemisch betriebenen Turbine, die den für den Antrieb nötigen Rückstoß erzeugte. Der Sauerstoff wurde in mehreren im Rumpf eingebauten Druckflaschen mitgeführt und die Sauerstoffzufuhr der Turbine über ein Ventil gesteuert. Der Antrieb bot neben der Geschwindigkeit noch den Vorteil, dass das U-Boot dank fehlender Schraubengeräusche nur schwer mittels akustischer Ortung auszumachen war. Durch den Einsatz von Sauerstoff statt Druckluft stiegen auch keine Luftblasen an die Oberfläche, die die Position des Bootes hätten verraten können.[4]

Neben der mit Torpedos bewaffneten Variante sollten noch zwei weitere Modelle gebaut werden, eines auf den Transport von Haftminen und eines zum Zerschneiden von U-Boot-Netzen ausgerichtet. Für letztere Variante waren spezielle Greifarme am Bug vorgesehen.[3]

Der Typ CD gelangte nicht in Serienproduktion. Über den Verbleib der im Gardasee getesteten Prototypen gibt es keine übereinstimmenden Informationen. Je nach Quelle sollen ein oder sogar beide Boote kurz vor Kriegsende von den Deutschen im See versenkt worden sein. Nach anderen Quellen konnten amerikanische Truppen bei der Befreiung Rivas Ende April 1945 einen Prototyp sicherstellen, der anschließend in die Vereinigten Staaten gebracht wurde.[5]

Literatur

  • Annalisa Cramerotti: Il mezzo d’assalto Campini – De Bernardi in: Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Annali N. 23 2015, Osiride Edizioni, Rovereto 2016.
  • Achille Rastelli: Caproni e il mare. Progetti e realizzazioni per la guerra navale di un grande gruppo industriale milanese. Museo Aeronautica Gianni e Timina Caproni di Taliero, Mailand 1999. ISBN 978-88-87261-05-9.

Einzelnachweise

  1. Annalisa Cramerotti: Il mezzo d’assalto Campini – De Bernardi, S. 226
  2. Achille Rastelli: Caproni e il mare. Progetti e realizzazioni per la guerra navale di un grande gruppo industriale milanese. S. 63
  3. a b Achille Rastelli: Caproni e il mare. Progetti e realizzazioni per la guerra navale di un grande gruppo industriale milanese. S. 96
  4. Annalisa Cramerotti: Il mezzo d’assalto Campini – De Bernardi, S. 227–228
  5. Annalisa Cramerotti: Il mezzo d’assalto Campini – De Bernardi, S. 232–233