Kloster Reute

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Blick von Westen auf Reute mit dem Kloster

Das Kloster Reute ist ein Kloster der Franziskanerinnen von Reute auf dem Klosterberg im Ortsteil Reute der Stadt Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 801 wurde erstmals eine Volkskirche in Reute erwähnt, die nach der Verwüstung durch die Ungarn 926 wiederaufgebaut wurde.[1]

1403 gründeten fünf Frauen das Franziskanerinnenkloster Reute, darunter die seliggesprochene Waldseerin Elisabeth Achler (1386–1420), heute „Gute Beth“ genannt.[2]

1784/86 wurde das Franziskanerinnenkloster im Zuge der Säkularisation von Joseph II. zwangsaufgelöst und in den Besitz der nunmehrigen Fürsten von Waldburg-Waldsee gegeben.[3]

1848 begründeten in Ehingen an der Donau fünf „Barmherzige Schwestern“ eine Gemeinschaft, die vom Bischof von Rottenburg als Gemeinschaft anerkannt wurde. 1869 erwarben diese Schwestern aus Ehingen die Klostergebäude im oberschwäbischen Reute und belebten das Kloster neu. Ab 1871 ist es das Mutterhaus der Kongregation der Franziskanerinnen von Reute. 1999 gründeten die Franziskanerinnen von Reute die St. Elisabeth-Stiftung.[2]

Klosterkirche St. Peter und Paul[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul wurde nach dem Abbruch der alten Pfarrkirche von 1623 bis 1629 oberhalb des Klosterbergs als großzügiger dreischiffiger Neubau errichtet; der spätromanische Turm von 1250 der alten Pfarrkirche blieb bestehen. Als Bauherr wird Abt Michael III. von den Augustiner-Chorherren im Kloster Waldsee benannt; die Finanzierung wurde durch Erzherzog Leopold von Österreich, Erzherzog Ferdinand und Kaiser Ferdinand II. sichergestellt.[4]

1634 wurden die Klostergebäude im Dreißigjährigen Krieg von durchziehenden Schweden vor der Schlacht bei Nördlingen in Brand gesteckt.[4]

1757 wurde das Chorgestühl eingebaut. Im Vorfeld der Seligsprechung von Elisabeth Achler 1766 erfolgte von 1764 bis 1766 eine großangelegte Sanierung. Die Kirche wurde barockisiert und geschmückt mit zahlreichen Fresken aus dem Leben der seligen Elisabeth Achler, die in dem spätromanischen Turm bestattet wurde. Die Fresken im Chor und Schiff der „Guten Beth“ wurden von Eustachius Gabriel hergestellt; Stifter war Martin Gerbert, Fürstabt des Klosters St. Blasien. Ein neuer Beth- und Fünfwundenaltar wurde von der Stadt Waldsee gestiftet und von Franz Konrad Kardinal von Rodt, Fürstbischof von Konstanz, geweiht. 1774 entstand das Hochaltarbild von Kremser Schmidt.[4]

1827 wurde der Hochaltar saniert und ab 1850 wurde die Kirche umfassend durch den unterhaltspflichtigen Staat Württemberg renoviert. Durch unprofessionelle Entscheidungen und Bearbeitungen wurden Fresken heruntergeschlagen und Decken, Wände, Fresken mit weißem Gips überzogen. 1865 wurde der barocke Marienaltar und 1868 der Josephsaltar ersetzt. 1870 wurde der Fünfwundenaltar sowie die Bethkapelle durch eine neuen Gestaltung mit einem Altar, Sarkophag und Großplastik ersetzt; die Decken- und Wandgemälde wurden von Jakob Söflinger im Nazarenerstil gefertigt. 1875 wurden die Chorgemälde im alten Stil wieder hergestellt wie auch der Hochaltar neu gestaltet. 1887 bis 1891 wurden die Fenster der Klosterkirche St. Peter und Paul wie auch der Bodenbelag ersetzt. 1905 wurde die neue Orgel von Eberhard Friedrich Walcker fertig. Ab 1906 wurden die übermalten Deckenfresken wieder freigelegt. Ab 1935 erfolgte eine Sanierung des Eingangs mit einem Sgraffito (Motiv: Petrus und Paulus) durch Josef Nicklas aus Reute sowie eine Außensanierung. Nach einem großen Brand 1957 erfolgte eine weitere Großsanierung mit Gestaltung von Kanzel, Hochaltar, Seitenaltären. 1977/78 wurde die Reiser-Orgel im alten barocken Gehäuse eingebaut.[4] 2007 erfolgte eine Altar und Stuckrestaurierung.[1]

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut wurde in den 1950er Jahren mit sechs Glocken cis'-e'-fis'-a'-h'-cis" durch Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossen; das vormalige Geläut von der Glockengießerei Grüninger in Villingen hatte die Weltkriege nicht überstanden. 2008 erfolgte eine Generalsanierung des Glockenturms samt Geläut.[5][4]

Eine Turmuhr wurde 1904 durch die Turmuhrenfabrik Philipp Hörz eingebaut.[4]

Klosterbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Klosterbezirk sind der „Gut-Betha-Brunnen“ und die Franziskuskapelle sowie im Parkgelände ein Weg mit Kreuzwegstationen und der weiträumige Klosterfriedhof zu besichtigen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franziskanerinnen: Kloster Reute-Bad Waldsee, Stadtarchiv Bad Waldsee, Eppe Verlag 1994, ISBN 3890890245

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Klosterkirche St.Peter und Paul in Reute: Ende gut, alles gut, denkmalschutz.de, abgerufen am 16. Juni 2019
  2. a b Kloster Reute: Unsere Geschichte, Kloster Reute, abgerufen am 16. Juni 2019
  3. Die katholische Bewegung in unseren Tagen, Abt 1873, S. 113
  4. a b c d e f Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul: Kirchengeschichte, Seelsorgeeinheit Bad Waldsee, abgerufen am 16. Juni 2019
  5. Klosterkirche St.Peter und Paul in Reute, Seelsorgeeinheit Bad Waldsee, abgerufen am 16. Juni 2019

Koordinaten: 47° 54′ 0″ N, 9° 42′ 0″ O