Kornhaus (Kempten)

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Das Kornhaus in Kempten (Allgäu) ist ein markantes, barockes Gebäude der ehemaligen Stiftsstadt Kempten. Es wurde nach den Plänen Johann Jakob Herkomer errichtet. Das kreuzförmige Bauwerk mit der Anschrift Großer Kornhausplatz 1 diente der Kornlagerung. Heute ist in dem Gebäude ein Festsaal sowie das Allgäu-Museum untergebracht.

Das Kornhaus in Kempten

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rupert von Bodman geb den Bau des Kornspeichers in Auftrag, woraufhin Johann Jakob Herkomer die Pläne erstellte. Nach der Fertigstellung nach 1700 wurde in dem Kornhaus Roggen, Gerste und Korn gehandelt und notiert. Im Jahr 1803 ging das Bauwerk wegen der Säkularisation an das Königreich Bayern über. Dieses ließ das Gebäude allmählich verfallen. Ab 1893 lagerte man das Korn auch in der Kornschranne des Rathauses. Damit verlor das Gebäude seine Bestimmung.[1]

Es wurde 1875 durch die Stadt Kempten erworben, die darin einen großzügigen Festsaal einrichtete. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1923 die Butter- und Käsebörse im Südflügel etabliert. Das Allgäuer Heimatmuseum wurde 1925 im Nordflügel eingerichtet. Der Wochenmarkt zog jeweils im Winter in den Gewölbekeller ein.[1]

Das Kornhaus ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[2]

Der letzte Wochenmarkt im Kornhaus fand im Jahr 1998 statt. Im folgenden Jahr wurde die neue Markthalle für diesen Zweck eröffnet. Eine Generalrenovierung erfolgte 1998. Neben seiner Funktion als Stadt- und Regionalmuseum dient es heute als Ort für Veranstaltungen wie Konzerte, Theaterstücke oder Tagungen.[1][3]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über dem Hauptportal befindet sich das Wappen des Fürstabtes Rupert von Bodman. Die Innenräumlichkeiten wurden im Laufe der Geschichte mehrfach verändert. So wurde von 1874 bis 1876 ein großer Festsaal eingerichtet. Das mächtige dreigeschossige Gebäude ist kreuzförmig und hat geschwungene Volutengiebel. Es wird durch rechteckige, quer- und hochovale Fenster belichtet. Im Mitteltrakt befinden sich drei Rundbogenöffnungen.[4][3]

Allgäu-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Allgäu-Museum (auch AllgäuMuseum) wurde 1999 im Kornhaus eröffnet. Das Kornhaus soll ab 2019 nicht mehr als Museum genutzt werden; ein Großteil der Exponate soll in das geplante Stadtmuseum im Zumsteinhaus überführt werden. Ein neues Allgäu-Museum soll dann im Marstall entstehen.[5]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rundgang beginnt mit einer Zeitreise durch die Kemptener Stadtgeschichte von der Gegenwart zurück ins frühe Mittelalter. Gezeigt werden unter anderem Fürstäbte und Patrizier, Fürstenglanz und Handwerk aus einer Zeit, als Kempten noch in katholische Stiftsstadt und protestantische Reichsstadt geteilt war. Gotische Drachenleuchter sind genauso ausgestellt wie einmalige Hinterlassenschaften des mittelalterlichen Alltags.

Die Abteilung Blicke ins Allgäu präsentiert farbenprächtige Fayencen, Reiseandenken, Trachtenhauben, Erzeugnisse aus verschiedenen Glashütten, Kuhglocken, Alpabtriebsschmuck und die eigens gebaute "Schubladenkuh".

Der Bereich Leben in der Stadt beschäftigt sich mit der Arbeit und Freizeit der städtischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Es werden dabei u.a. eine "gute Stube" aus der Biedermeierzeit, Porträts von Bürgerinnen und Bürgern, Spielsachen, Tabaksutensilien, Kleidung, Stock und Hut, Möbel sowie die Hofapotheke präsentiert. Zudem kann ein Lochplatten-Spielautomat aus einem Wirtshaus mit Hilfe einer Münze zum Klingen gebracht werden.

Das Leben der Landbevölkerung wird ebenfalls museal behandelt. Flachsbearbeitungsgeräte und milchwirtschaftliche Gerätschaften beleuchten zwei der wichtigsten ländlichen Arbeitsbereiche der letzten 150 Jahre. In einer Bauernstube kann ein Gespräch zwischen einer Magd und einem Taglöhner belauscht werden. Rosenkränze, Sargkronen, Jesulein oder Andachtsbilder belegen die vielfältigen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit. Zudem wird eine zwischen 1820 und 1843 entstandene aus über 250 Figuren bestehende Jahreskrippe gezeigt.

Unter dem Motto "Zeit ist Geld" werden in der letzten Ausstellungseinheit Turm- und Bilderuhren, ein im 17. Jahrhundert vergrabener Goldschatz, Zappler und andere Uhren zusammen mit Goldwaagen, Geldtruhen, Taler und Batzen ausgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stadt Kempten (Hrsg.): Das Kornhaus in Kempten. In: Youtube, 9. Dezember 2011, Kempten (abgerufen am 11. Juni 2012).
  2. Denkmalliste für Kempten beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-7-63-000-81
  3. a b Michael Petzet: Stadt und Landkreis Kempten. 1. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1959, S. 38 f.
  4. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bayern III – Schwaben. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München-Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03116-6, S. 573.
  5. Christine Tröger: Kornhaus soll ab 2019 als Museum ausgedient haben. Kreisbote, 16. Oktober 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kornhaus (Kempten) – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 47° 43′ 44″ N, 10° 18′ 35″ O