Krakelee

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Krakelee an einem Ölgemälde (Mona Lisa)

Als Krakelee, Kraklé oder Craquelé(e) (frz. craqueler = rissig werden lassen; craquelé = rissig, gesprungen) bezeichnet man ein maschenartiges Netz von kleinen Rissen oder Sprüngen[1] auf der Oberfläche von Ölgemälden, Steinen, Schmucksteinen, Lackierungen, Glasflächen, Glasuren von Keramikgegenständen oder an Wandmalereien, Fassadenputzen und -anstrichen. Bei Gemälden spricht man auch von Krakelüre. Das Krakelee kann alterungsbedingt sein, aber auch als gewünschter Effekt mit einem Krakeliermedium künstlich herbeigeführt werden.

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewusster Krakelee-Effekt durch pastosen Farbauftrag bei einem Kneipbild einer Studentenverbindung (1911, Detail)

Ein Craquelèe kann durch Alterung, technische Fehler oder durch die unterschiedliche Bewegung von Schichten (z.B. Malschicht) und Untergrund verursacht werden.[2] Ölgemälde, Lackflächen und Keramikgegenstände haben oft eine altersbedingte Krakelüre, die entsteht, wenn der Gegenstand starken Klimaschwankungen ausgesetzt ist. Der Untergrund – Leinwand, Holztafel oder Keramik – dehnt sich entsprechend der Luftfeuchtigkeit und Temperatur aus oder zieht sich zusammen. Die Farbe oder Lackschicht nimmt weniger Feuchtigkeit auf und kann sich daher den Bewegungen des Untergrunds nicht anpassen; sie bekommt Risse und kann sogar abplatzen.

Gewöhnlich wird Krakelee als natürliche Alterungserscheinung bei Restaurierungen nicht entfernt; ein Eingreifen ist erst dann geboten, wenn die Farbe abzuplatzen droht. Andererseits kann schwache oder fehlende Krakelüre bei antiquarischen Gegenständen ein Hinweis darauf sein, dass sie bereits restauriert wurden.

Keramik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit speziellem Reißlack oder Krakelierlack (auch Krakeliermedium genannt), der etwa im Bastelbedarf erhältlich ist, kann ein künstlicher Krakelee-Effekt erzeugt werden. Reißlack zieht sich beim Trocknen zusammen, wobei sich ein Muster von Sprüngen bildet. Dadurch soll oft ein „antikes“ oder „historisches“ Erscheinungsbild entstehen.

In der Keramikherstellung bildet sich das Krakelee durch unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten von Trägermaterial und Glasur schon beim Brand.

Bei hellen Zinn/Blei-Glasuren (wie die Grundglasur bei Majolika oder Fayence) nach dem Brand noch kaum sichtbar, füllen sich die Haarrisse mit der Zeit im Gebrauch mit dunkleren Partikeln und werden dadurch immer stärker sichtbar. Dunkle und opake Glasuren wie das für ältere Kachelöfen oft verwendete "Flaschengrün" neigen weniger zum Nachdunkeln der Glasurrisse, die ursprüngliche Optik bleibt meist über Jahre unverändert erhalten.

Bei glasierten Ofenkacheln, die besonders hitzebeständig sein müssen, treten die feinen Risse in der Glasur häufiger auf. Dies ist insbesondere bei sehr großen Kachelteilen erwünscht. Hierdurch wird die Keramik robuster gegen Bruch durch Temperaturschwankungen, da die weniger flexible Glasur mit dem sich stärker ausdehnenden Keramikkörper "mitgehen" kann.

Schmucksteine werden künstlich krakeliert, indem der Stein erwärmt und rasch wieder abgekühlt wird. Durch eine Farbpolitur können die Risse zusätzlich hervorgehoben werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Crack - Riss. In: ICOMOS, International Scientific Committee for Stone [ISCS] (Hrsg.): Illustrated Glossary on Stone Deterioration Patterns, Illustriertes Glossar der Verwitterungsformen von Naturstein. Michael Imhof, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-667-1, S. 10 (icomos.org [PDF]).
  2. Craquelée. In: Angela Weyer et al. (Hrsg.): EwaGlos. European Illustrated Glossary Of Conservation Terms For Wall Paintings And Architectural Surfaces. English Definitions with translations into Bulgarian, Croatian, French, German, Hungarian, Italian, Polish, Romanian, Spanish and Turkish. Michael Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0260-7, S. 208, doi:10.5165/hawk-hhg/233.