Kratippos von Athen

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Kratippos von Athen (griech. Κράτιππος, latinisiert Cratippus) war ein antiker griechischer Historiker, der im späten 5./frühen 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll.

Über Kratippos ist nur sehr wenig bekannt. Dionysios von Halikarnassos berichtet, dass Kratippos ein Zeitgenosse des Thukydides gewesen sei und dessen Werk, das 411 v. Chr. endet, fortgesetzt habe (Dionysios, de Thucydide, Kapitel 16). Das Werk ist jedoch nicht erhalten (siehe Die Fragmente der griechischen Historiker Nr. 64). Plutarch (De gloria Atheniensium 1) hat eine knappe Inhaltsangabe überliefert, demnach reichte das Werk bis etwa zur Schlacht von Knidos 394 v. Chr. und scheint eine pro-athenische Tendenz besessen zu haben. In der Forschung wurde er teilweise als späterer „Schwindelautor“ betrachtet, so beispielsweise von Felix Jacoby, der kein Zeitgenosse des Thukydides gewesen sei. Dem widersprachen jedoch mehrere Gelehrte auf Basis der inhaltlichen Überlieferung, so dass diese Annahme heute als widerlegt gilt. Klaus Meister und andere Forscher betrachten Kratippos vielmehr als bedeutenden Historiker. Er gilt in der aktuellen Forschung als der wahrscheinlichste Autor der Hellenika Oxyrhynchia.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Wycombe Gomme: Who was 'Kratippos'?. In: The Classical Quarterly 4, 1954, S. 53–55.
  • Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 65ff.
  • Klaus Meister: Thukydides als Vorbild der Historiker. Von der Antike bis zur Gegenwart. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 21ff.
  • Gustav Adolf Lehmann: Ein Historiker namens Kratippos. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 23, 1976, S. 265–288.
  • Carlo Scardino: Historiographie. In: Bernhard Zimmermann, Antonios Rengakos (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Bd. 2. C.H. Beck, München 2014, hier S. 620–622.