Kreisarchiv Warendorf

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Kreisarchiv Warendorf

Archivtyp Kommunalarchiv
Ort Warendorf
Besucheradresse Waldenburger Straße 2, 48231 Warendorf
Gründung 1967
ISIL DE-2238
Träger Kreis Warendorf
Organisationsform Sachgebiet
Website kreis-warendorf.de

Das Kreisarchiv Warendorf ist ein Sachgebiet im Haupt- und Personalamt des Kreises Warendorf.

Es wurde 1967 gegründet und befand sich bis 1982 in der Abtei Liesborn. Seit 1982 befindet sich das Kreisarchiv im Kreishaus des Kreises Warendorf in Warendorf.

Geschichte und Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Kreisarchivs Warendorf beginnt im Mai 1967, als das Kreisarchiv Beckum aufgrund der Initiative des „Vereins für die Geschichte des Kreises Beckum e.V.“ gegründet wurde. Die Gründung wurde am 21. März 1966 im Kulturausschuss des Kreises Beckum beschlossen[1] und am 14. Dezember 1966 vom Kreistag genehmigt[2]. Im Juni desselben Jahres nahm es das Kreisarchiv seine Arbeit auf. Es war in provisorischen Räumen des Südflügels der Abtei Liesborn untergebracht, die jedoch größere Aktenübernahmen, aufgrund von Platzmangel, nicht zuließen. Anfang 1972 wechselte das Kreisarchiv innerhalb der Abtei die Räumlichkeiten und zog ins Erdgeschoss. Im selben Jahr wurde das Kreisarchiv Beckum zum Kreiszentralarchiv ausgebaut.[3]

Die Unterlagen des Altkreises Warendorf wurden bis zur kommunalen Neugliederung 1975 von dem Stadtarchiv Warendorf mit betreut.

Lesesaal des Kreisarchivs Warendorf vor dem Umbau im Sommer 2017. Im Hintergrund: die Archivbibliothek

Als am 1. Januar 1975 die kommunale Neugliederung durchgeführt wurde, wurden mit den Kreisen Beckum und Warendorf, auch die Kreisunterlagen der Altkreise Beckum und Warendorf zentral in der Abtei Liesborn gelagert.

1978 ist es zum einzigen kleineren Zwischenfall in der Geschichte des Kreisarchivs gekommen, bei dem Archivgut gefährdet war: Im Mai kam es zu starken Regenfällen, die das Archiv in der Abtei Liesborn 30–40 cm unter Wasser gesetzt hatten.

Mit dem Bau des neuen Kreishauses in Warendorf vergrößerte sich das Kreisarchiv Warendorf räumlich stark. Statt der insgesamt 400 m² in Liesborn, stehen dem Kreisarchiv heute über 1300 m² zur Verfügung.[3] Der spätere Einbau einer Rollregalanlage erhöhte die Lagerkapazität nochmal deutlich.

2001 machte das Archiv erste Schritte in Richtung Digitalisierung. Bis dahin wurden die einzelnen Archiveinheiten und Bibliotheksbestände über Karteikarten und analoge Findbücher verwaltet. Mit Hilfe der Archivsoftware Augias und dem Bibliotheksprogramm Bibliotheca 2000 werden die Unterlagen digital verzeichnet und sind auch online recherchierbar.

Im Sommer 2017 wurde der Lesesaal des Kreisarchivs umgebaut und renoviert. Drei Regalreihen wurden entfernt, um mehr Platz für die Benutzung zu schaffen. Neben neuen Tischen und Stromanschlüssen, wurde ebenfalls eine Theke eingebaut, durch die nun eine Lesesaalaufsicht gewährleistet ist. Seit September 2017 steht der Lesesaal für die Benutzer zur Verfügung.

Heute ist das Kreisarchiv Warendorf zum einen für die Kreisverwaltung Warendorf und seiner Rechtsvorgänger zuständig und zum anderen für 12 der 13 Städte und Gemeinden des Kreises Warendorf.[4] Ein eigenständiges Archiv betreibt allein die Stadt Telgte.

Kreiszentralarchiv Warendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1972 ist das Kreisarchiv Warendorf, neben der Kreisüberlieferung, auch für die Betreuung der Unterlagen von einigen Kreiskommunen zuständig. Im früheren Kreis Beckum entschied man sich für einen patriachalisch-hierachischen Archivverbund, in dem alle Archivunterlagen der teilnehmenden Städte- und Gemeinden als Deposita im Kreisarchiv zentral bearbeitet, gelagert und bereitgestellt werden. Die teilnehmenden Städte und Gemeinden zahlen dabei eine Pauschale an den Kreis Warendorf, welche pro Einwohner der jeweiligen Kommune berechnet wird.

1972 übernahm das Kreisarchiv die Unterlagen der Städte Oelde und Neubeckum,[5] sowie des Amtes Wadersloh, 1973 des Amtes Vorhelm, 1976 der Stadt Ahlen, sowie der Gemeinden Everswinkel und Ostbevern.1977 folgten die Städte Beckum und Sassenberg, 1978 die Gemeinde Beelen und 1986 die Stadt Warendorf.[3] Seit 2002 arbeitet das Kreisarchiv zudem mit den Städten Sendenhorst und Drensteinfurt zusammen. Heute zählen die Stadt- und Gemeindearchive von Oelde, Ostbevern, Sassenberg, Warendorf, Beckum, Ahlen, Ennigerloh, Drensteinfurt, Sendenhorst, Wadersloh, Everswinkel und Beelen zum Kreiszentralarchiv Warendorf.

In einem Vertrag zwischen diesen 12 Kommunen und dem Kreis Warendorf wurde die Zuständigkeit nach § 10 Abs. 2 Punkt 2 des nordrheinwestfälischen Archivgesetzes (ArchivG NRW) an den Kreis Warendorf gegen die Zahlung der Gebühr abgetreten. Somit befindet sich die Kreisgeschichte fast ausschließlich zentral an einem Ort im Kreis Warendorf.

Archivleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1967–1999: Siegfried Schmieder
  • 1999 bis etwa 2002: Johann Zilien
  • 2003–2006: Jochen Rath
  • 2006–2014: Mark Steinert
  • 2014–2017: Thomas Brakmann
  • seit 2017: Knut Langewand

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt finden sich im Kreisarchiv Warendorf etwa 800 Jahre Kreisgeschichte. Die älteste Urkunde des Kreisarchivs geht auf das Jahr 1238 zurück und stammt aus Beckum.[6] Neben schriftlichen Überlieferungen in Form von Akten, hat das Kreisarchiv Warendorf einen großen Fotobestand zu allen Städten und Gemeinden und eine umfangreiche Plakatsammlung.

Personenstandsregister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kreiszentralarchiv hat das Kreisarchiv Warendorf seit 2009 die vollständige Personenstandsüberlieferung nach den Fristen des Personenstandsgesetzes in seinen Beständen.[7] Der Bestand an Personenstandsregistern ist die meistgenutzte Quelle des Kreisarchivs.

Zeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreisarchiv Warendorf archiviert alle Regionalzeitungen, die im Kreis Warendorf erscheinen. Dazu zählen u. a. „Die Glocke“, die „Westfälische Nachrichten“ und die „Dreingau-Zeitung“. Der Bestand an historischen Zeitungen geht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Teilweise liegen dem Kreisarchiv Warendorf auch überregionale Zeitungen vor.

Der Lesesaal des Kreisarchivs Warendorf nach dem Umbau im Sommer 2017

Nicht-amtliches Schriftgut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreisarchiv Warendorf übernimmt auch Nachlässe und Sammlungen privater Herkunft.

Die Nachlässe und Sammlungen müssen einen Bezug zum Archivsprengel haben und es muss ein öffentliches Interesse bzw. nachhaltiger Wert für Wissenschaft und Forschung vorliegen, damit diese in das Kreisarchiv Warendorf übernommen werden.

Bisher liegen über 100 Nachlässe und Sammlungen, u. a. von Augustin Wibbelt und der ehemaligen Weberei Brinkhaus, vor.

Archivbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek des Kreisarchivs Warendorf ist mit rund 30.000 Titeln die größte geschichtswissenschaftliche Bibliothek im Kreisgebiet. In ihr wird die orts-, kreis- und regionalgeschichtliche Literatur zum Kreis Warendorf, den Altkreisen Beckum und Warendorf sowie den kreisangehörigen Städten und Gemeinden gesammelt.[8]

Benutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich kann jeder nach den Regelungen des nordrhein-westfälischen Archivgesetzes die Archivalien des Kreisarchives Warendorf nutzen. Dabei ist die Benutzung im Kreisarchiv Warendorf kostenfrei und eine vorherige Anmeldung ist zu den Öffnungszeiten nicht nötig.

Genauere Vorgaben für die Benutzung hat das Kreisarchiv Warendorf in einer Benutzungsordnung geregelt.

Potentielle Nutzer finden unter dem Archivportal NRW Recherchemöglichkeiten.

Benutzerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreisarchiv gibt selbst eine Schriftenreihe heraus. Unter dem Titel „Kleine Schriften aus dem Kreisarchiv“ werden in unregelmäßigen Abständen wissenschaftliche Abhandlungen über kreis- und ortsgeschichtliche Themen veröffentlicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KAW, Stadt Beckum P, Nr. 51.
  2. KAW, Kreis Beckum P, Nr. 19.
  3. a b c Kreis Warendorf (Hrsg.): Das Gestern und Heute für Morgen bewahren. Band 20, 1988.
  4. Das Gedächtnis des Kreises Warendorf. Abgerufen am 26. Mai 2017.
  5. KAW, Stadt Beckum D, Nr. 658.
  6. KAW, Stadt Beckum U, Nr. 1.
  7. Personenstandsregister. Abgerufen am 26. Mai 2017.
  8. Die größte geschichtswissenschaftliche Bibliothek des Kreises Warendorf. Abgerufen am 26. Mai 2017.

Koordinaten: 51° 56′ 28,5″ N, 7° 59′ 9,3″ O