Cromlech

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Kromlech)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mulfra Cromlech - W. Borlase 1769
Almendres Cromlech
Swinside Cromlech

Ein Cromlech (veraltet Cromleh, bretonisch Cromlec'h, irisch Leacht) ist eine veraltete Bezeichnung für verschiedene Arten von Megalithbauwerken. Die Bezeichnung fand Verwendung für Anlagen in Irland, Großbritannien, Frankreich, Portugal und Spanien.

Wortbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cromlech hat mehrere Bedeutungen:

  1. Jede Art eines prähistorischen aufgerichteten unbearbeiteten Steins[1]
  2. Steinkreis[2]
  3. Dolmen[3]
  4. ein Megalithgrab[4]

Welche Bedeutung das Wort besitzt, ist also von der Region und Zeitpunkt der Publikation abhängig.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Cromlech stammt aus dem Walisischen und setzt sich zusammen aus den Wörtern Crom und Llech. Crom (crwm) bedeutet krumm, gebogen, konkav und Llech ist die Bezeichnung für einen flachen, glatten Stein.[5]

H. Martin nahm an, dass der Cromlech ein Symbol des irischen Gottes "Crom" sei und den kosmischen Zirkel sowie die Schlange der Unendlichkeit und Ewigkeit (Ourobouros) symbolisiere.[6]

Wortgebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte Verwendung des Wortes erfolgte 1588 bei der Übersetzung der Bibel ins Walisische durch William Morgan, dem Bischof von Llandaff und St Asaph. Als Bezeichnung für ein prähistorisches Grabmal in Form eines Dolmens wurde es erstmals 1650 von Reverend John Griffith aus Llanddyfnan gebraucht, der damit mehrere senkrecht stehende Monolithe beschrieb, die einen waagrecht aufliegenden Deckstein trugen.[7]

1769 bezeichnete William Borlase in seiner Abhandlung über Megalithanlagen in Cornwall alle Portalgräber der Gegend als Cromlechs.[8] Heute nennt man diese Bauten Quoits. Bald wurden auf den britischen Inseln auch Monumente wie Stonehenge als Cromlech bezeichnet.[9] William Cotton verwendete den Begriff für Steinkisten.[10] Auf den Britischen Inseln werden regional Dolmen und bestimmte Henges als Cromlechs bezeichnet.[11] Die Bezeichnung wird dort auch für die Steinkränze von Hügelgräbern verwendet, wenn diese annähernd kreisförmig sind.[12] Handelt es sich um einen Steinkreis, beträgt das Alter etwa 3000 bis 4000 Jahre und reicht bis in die Bronzezeit. Steinkränze treten bis in die Eisenzeit auf. Ein Dolmen kann dagegen bis zu 6500 Jahre alt sein und stammt aus der Jungsteinzeit. Aufgrund dieser inhaltlichen Unschärfe ist Cromlech als Fachausdruck nicht mehr in Gebrauch und wird heute nur noch als Eigenname verwendet.[13] In neuerer Zeit verwendet Aubrey Burl den Ausdruck Cromlech wieder als Synonym für Steinkreis.[14]

In Frankreich wurde das Wort Cromlech aus dem Englischen übernommen und ist seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch. Alexandre Bertrand verwendet es als Synonym für Dolmen.[15] Später wurden vor allem kreisförmige Anordnungen von Steinen so bezeichnet. 1865 bezeichnet Gabriel de Mortillet die Steinsetzungen der Golasecca-Kultur von Sesto Calende in Italien als Cromlechs oder "enceintes de grosses pierres brutes".[16] Er beschränkt den Begriff also nicht auf runde oder neolithische Befunde. Nach Gabriel de Mortillet handelt es sich bei den meisten Cromlechs um Grabeinfassungen.[17] Paul Cazalis de Fondouce nennt jedoch auch Cromlechs, die Dolmen umgeben.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. T. F. Hoad (Hrsg.): The Concise Oxford Dictionary of English Etymology, Oxford University Press 1996, ISBN 9780192830982
  2. Dictionary of Architecture and Construction. McGraw-Hill Companies Inc. 2000.
  3. Dictionary of Architecture and Construction. McGraw-Hill Companies Inc. 2000; Michael Clarke and Deborah Clarke: The Concise Oxford Dictionary of Art Terms (2 ed.), Oxford, Oxford University Press 2010 ISBN 9780199569922
  4. Timothy Darvill: The Concise Oxford Dictionary of Archaeology (2. Auflage), Oxford, Oxford University Press 2008, ISBN 9780199534043
  5. Douglas Harper: Etymology Dictionary 2001; T. F. Hoad (Hrsg.): The Concise Oxford Dictionary of English Etymology, Oxford University Press 1996, ISBN 9780192830982
  6. Salomon Reinach, terminologie des monuments mégalithiques. Revue Archéologique, Troisième Série 22,1893, 47, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/41729742
  7. Classic Encyclopaedia. Love To Know Corp. Inc. 2000.
  8. William Borlase: Antiquities Historical and Monumental of the County of Cornwall. Bowyer and Nichols, London 1769.
  9. Webster's Revised Unabridged Dictionary 1913.
  10. William Cotton: Stone Circles, Cromlehs and other remains of the aboriginal Britons in the West of Cornwall. Eigenverlag London 1827, hier nach einem Zitat aus A. J. Kempe, The Gentleman's Magazine and historical chronicle, Jan. 1736-Dec. 1833; Januar 1833; S. 11
  11. Columbia Encyclopedia. Columbia University Press 2007.
  12. American Heritage Dictionary of the English Language. Middletown, Houghton Mifflin Company 2003.
  13. Random House Unabridged Dictionary. Random House Inc. 2006.
  14. Aubrey Burl: A Guide to the Stone Circles of Britain, Ireland and Brittany. Yale University Press, New Haven 2006, ISBN 0-300-11406-0.
  15. Alexandre Bertrand: Sur les origines indo-européennes (suite). Bulletins de la Société d'anthropologie de Paris, I° Série, Band 5/1, 1864, 374; doi:10.3406/bmsap.1864.6658, http://www.persee.fr/doc/bmsap_0301-8644_1864_num_5_1_6658, "...pierres levées, le cromlech des Anglais"
  16. Gabriel de Mortillet: Sur les monuments de Sesto-Calende, près le lac Majeur. Bulletins de la Société d'anthropologie de Paris, I° Série, Band 6, 1865, 375. doi:10.3406/bmsap.1865.9493 http://www.persee.fr/doc/bmsap_0301-8644_1865_num_6_1_9493
  17. Gabriel de Mortillet: Stichwort Cromlech in Ad. Bertillon, Coudereau, A. Hovelacque et al. (Hrsg.): Dictionnaire des sciences anthropologiques: anatomie, crâniologie, archéologie préhistorique, ethnographie (moeurs, arts, industrie), démographie, langues, religions. Paris, Marpon et Flammarion 1884-1895
  18. Cazalis de Fondouce: Les Cromlechs de la Саn de Сеугас (Gard). Bulletin de la Société préhistorique de France 1/2, 1904, 56-58, doi:10.3406/bspf.1904.11238 http://www.persee.fr/doc/bspf_0249-7638_1904_num_1_2_11238. Dieser Artikel gibt auch einen Überblick über den damaligen Forschungsstand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]