Sektkellerei Kupferberg



Die Christian Adalbert Kupferberg GmbH & Compagnie Commanditgesellschaft auf Actien war eine deutsche Sektkellerei in Mainz am Rhein. Das Unternehmen wurde 1850 von Christian Adalbert Kupferberg gegründet.
Das Unternehmen verfügte am Stammsitz am Mainzer Kästrich über die tiefstgeschichteten Sektkellereianlagen der Welt. Die historischen Anlagen sind allerdings seit Ende des 20. Jahrhunderts stillgelegt und können heute zum Teil museal besichtigt oder für Veranstaltungen genutzt werden.
Die mittlerweile auf moderne Industrieanlagen in Mainz-Hechtsheim ausgelagerte Sektproduktion wurde Ende 2007 eingestellt, Kupferberg hörte als Produktionsunternehmen auf zu existieren. Die Markenrechte gingen 2004 an Henkel & Soehnlein in Wiesbaden über, die bis heute Sekt unter den bekannten Marken Kupferberg beziehungsweise Kupferberg Gold vertreiben.
Historische Anlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kellerei lag am Mainzer Kästrich, Kupferbergterrasse 15–19. Sie verfügte über die tiefstgeschichteten Sektkeller der Welt, die über sieben Stockwerke tief insgesamt 60 Kellersegmente umfassen und bis zu 50 m unter der Oberfläche liegen. Die ältesten Teile des Kellers waren bei der Anlage des Betriebs 1856 als mittelalterliche Weinkeller bereits vorhanden, der heutige Ausbau entstand bis 1888. Diese beeindruckenden Kelleranlagen und wurden bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Sektproduktion genutzt.
Der Verwaltungsbau an der Kupferbergterrasse 19 wurde 1856 nach Plänen des Stadt- und Dombaumeisters Joseph Laské errichtet.
Die Gebäude Kupferbergterrasse 17–19 beherbergen seit 2019 die Brauerei Eulchen-Bier. Im Gebäude Kupferbergterrasse 15 ist das Kupferberg-Museum und ein Restaurantbetrieb untergebracht. Dieser, wie auch Führungen durch Museum und Kelleranlagen, wird durch die Eulchenbrauerei betreut.
Unternehmensgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen wurde am 4. Juli 1850 durch Chr. A. Kupferberg als „Fabrication moussierender Weine“ gegründet und 1856 unter Nutzung dort vorhandener mittelalterlicher Weinkeller an den Mainzer Kästrich verlegt. Die Firma wuchs mit den durch die Eisenbahn entstehenden Exportmöglichkeiten und mit konsequenter Nutzung des Markenrechts.
1872 erfolgte die Umwandlung der Sektkellerei in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).
1965 wurde die Sektproduktion von der bis dahin praktizierten Variante der Flaschengärung (Tansvasierverfahren) auf die industrielle Tankgärung umgestellt. Dazu wurden neue Betriebsanlagen in Mainz-Hechtsheim errichtet und in der Folge die historischen Kelleranlagen am Kästrich stillgelegt.
1978 erwarb das Unternehmen A. Racke GmbH aus Bingen einen Großteil der Aktien. Die Marke „Kupferberg“ wurde 2004 an die Henkell & Co. Sektkellerei (Oetker-Gruppe) weiterverkauft.[1]
Die Produktionsanlagen in Mainz-Hechtsheim wurden seit 2004 nur noch für die Abfüllung von Stillwein genutzt. Mit Wirkung vom 1. Januar 2008 wurden diese samt den 46 Mitarbeitern und den dort abgefüllten Markenweinen von Grands Chais de France übernommen.[2] Damit hörte Kupferberg endgültig auf, als produzierendes Unternehmen zu existieren.
Kupferberg-Museum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits im 19. Jahrhundert hatte man begonnen, Marken, Produktausstattungen, Firmenschriftzüge, Logos und Abbildungen markenrechtlich und nach anderen Schutzgesetzen für das Unternehmen schützen zu lassen. Eine umfangreiche Ausstellung zu damals genutzten Printmedien, unter anderem von Emil Preetorius[3], sowie die weltweit größte bekannte Sammlung von Sektgläsern aus verschiedenen Epochen, sind im Kupferberg-Museum ausgestellt.[4]
Zum Museum gehören auch der Traubensaal, ein für die Pariser Welstausstellung 1900 geschaffener Saal mit schmuckreicher Jugendstil-Ausstattung, sowie das Bismarck-Zimmer, ein von Reichskanzler Bismarck temporär eingerichtetes Büro des Auswärtigen Amtes.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Sectkellerei Chr. Adt. Kupferberg. Mainz um 1905. (dilibri)
- Das Neue Kupferberg Gold-Buch: Blätter von Frohsinn, Liebe und Sekt / hrsg. von d. Sektkellerei Chr. Adt. Kupferberg & Co. Mainz um 1930. (dilibri)
- Christian Adalbert Kupferberg 1824–1876. Mainz 1975, ISBN 3-78370084-1. (Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Sektkellerei Kupferberg)
- Hermann van Ham: Florian Kupferberg (1858–1921). In: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Band IV. Aschendorff, Münster 1941, S. 217–230.
- Barbara Kaufhold: Deutsche Sektreklame von 1879 bis 1918. Ihre Entwicklung unter wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Aspekten. Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, 2003.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kupferberg – wein.plus Lexikon
- Die Sektkellerei Adalbert Kupferberg in Mainz – regionalgeschichte.de
- Marke Kupferberg ( vom 28. September 2007 im Internet Archive)
- 31 Zeitungsartikel aus dem Zeitraum von 1923 bis 1940 zu Kupferberg in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Henkell & Co. übernimmt zum 1. 10. 2004 die Marken Kupferberg und Scharlachberg von Racke ( vom 24. April 2019 im Internet Archive)
- ↑ Racke cédait à une filiale de Grands Chais de France ( vom 29. Januar 2008 im Internet Archive)
- ↑ Barbara Kaufhold: Deutsche Sektreklame von 1879-1918. Ihre Entwicklung unter wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Aspekten. (PDF; 19,6 MB) Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, 2002.
- ↑ Sektbehältnisse aus mehreren Jahrhunderten
Koordinaten: 49° 59′ 50,1″ N, 8° 15′ 46,8″ O