Dr. August Oetker KG

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Dr. August Oetker KG

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Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1891
Sitz Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Mitarbeiterzahl 34.060 (2019)[1]
Umsatz 7,406 Mrd. EUR (2019)[1]
Branche Nahrungsmittel, Getränke, Finanzwesen und Hotelgewerbe
Website www.oetker-gruppe.de

Die Dr. August Oetker KG mit dem Stammsitz im ostwestfälischen Bielefeld ist einer der größten international tätigen deutschen Familienkonzerne. Sie ist die Holding der Oetker-Gruppe und tritt unter diesem Namen in der Öffentlichkeit auf.

Zur Oetker-Gruppe gehören an die 400 Firmen aus verschiedenen Branchen. Der Umsatz der konsolidierten Unternehmen beträgt für das Geschäftsjahr 2019 rund 7,4 Mrd. Euro. Die Oetker-Gruppe beschäftigt dabei weltweit rund 34.000 Mitarbeiter.[1]

Im Ranking der nach Umsatz 1000 größten Familienunternehmen in Deutschland der Zeitschrift Wirtschaftsblatt aus dem Jahr 2016 nimmt das Unternehmen den 18. Platz ein.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patent Backpulver
10-g-Backin-Packung (1902)

Im Januar des Jahres 1891 übernahm August Oetker in der ostwestfälischen Stadt Bielefeld die Aschoff’sche Apotheke, eine von vier Apotheken der Stadt. In dieser baute er das Laboratorium aus, um zu experimentieren und neue Ideen umzusetzen. Zu den ersten Erzeugnissen gehörten ein Gesundheitskakao, eine Fußcreme und eine Warzentinktur.[RJ 1]

Im Laboratorium der Apotheke sowie im Haus Müller der gleichnamigen Bäckerei führte er erste Experimente zur Herstellung von Backpulver durch. Der Backvorgang war ihm aus der Backstube seines Vaters in Obernkirchen bekannt. Zur Auflockerung des Brotteigs verwendete man damals Sauerteig oder Hefe. In England war man schon Mitte des 19. Jahrhunderts dazu übergegangen, dem Teig Substanzen beizumischen, die während des Backvorgangs Kohlendioxid entwickelten, um ihn aufzulockern. In Deutschland hatte der Chemiker Justus Liebig in diese Richtung experimentiert, die von ihm entwickelten Stoffgemische besaßen jedoch durch vorzeitige Reaktion eine zu kurze Haltbarkeit.[RJ 2] Ein Schüler hatte Liebigs Ideen nach Amerika mitgenommen und dort ein Backpulver auf Basis von Natron und Weinsäure industriell hergestellt. Möglicherweise wurde Oetker davon durch einen Verwandten in Kenntnis gesetzt. Unstrittig ist jedenfalls, dass Oetker nicht der Erfinder des Backpulvers war.[RJ 2] 1901 meldete Oetker ein Patent für ein verbessertes, haltbares Backpulver an und verkaufte es, passend für ein Pfund Mehl, in kleinen Tüten à 10 Pfennige unter der Marke Backin, welche am 27. November 1902 registriert wurde.[3] Die geringen Kosten der Vorprodukte ermöglichten eine große Gewinnspanne.

Oetker setzte seinen Doktor-Grad gezielt als Marketing-Element ein, womit den Kunden das Backpulver als ein neues, professionell entwickeltes und getestetes Produkt mit garantierter Funktion suggeriert wurde. Die auf positive Werte wie Gesundheit und Qualität abzielende Werbestrategie war die eigentliche Erfindung von Oetker, die sein Produkt so erfolgreich machte. Zu Oetkers Werbemaßnahmen gehörte auch das heute so genannte Content Marketing, indem er ein eigenes Backbuch mit Rezepten herausgab, die sein Backpulver als Zutaten verwendeten. Ebenfalls fanden sich Rezeptvorschläge auf den Backin-Packungen. Das Dr. Oetker Schulkochbuch, das 1911 erstmals herausgegeben wurde, wurde eines der erfolgreichsten Kochbücher auf dem Markt. August Oetker besuchte Messen und gewann auf einer Kochkunstausstellung in Hamburg eine Goldmedaille, über die er dann in seinen Zeitungsanzeigen berichtete.[RJ 3] 1908 wurde die erste Werbeabteilung eingerichtet. Diese formulierte das Ziel, dass in jeder Zeitung in einem Ort mit mehr als 3000 Einwohnern Annoncen geschaltet wurden.[RJ 4]

Im Jahre 1900 gründete Oetker eine Fabrik in der Lutterstraße in Bielefeld, dem heutigen Stammhaus. Von hier aus belieferte er bald das gesamte Deutsche Reich mit Backpulver. Bis zu 100.000 Päckchen wurden hier täglich ausgeliefert. Dort wurden auch weitere Produkte wie Puddingpulver, Aromen und Speisestärke entwickelt. Schon nach einem Jahr entstand ein zweites Fabrikgebäude. Seine Vertreter bekamen die Anweisung, dass Oetkers Produkte ab 1907 in jedem Geschäft vertreten sein müssten.[RJ 5] In dem wachsenden Unternehmen stellte Oetker 1904 seinen jüngeren Bruder Eduard Oetker, einen Naturwissenschaftler, als Leiter des Labors ein. 1906 folgte sein Bruder Louis Oetker, der den Außendienst und die Werbeabteilung übernahm. 1913 starb Eduard im Alter von 38 Jahren an Krebs, Louis hatte ein Jahr vorher Bielefeld verlassen und in Hameln den Betriebsteil Reese übernommen.

Oetker schuf bessere Arbeitsbedingungen für seine Arbeiter und ließ in seinem Betrieb eine Lehrküche einrichten, die der Ausbildung der Arbeiterinnen diente, um sie auf die Ehe vorzubereiten.[RJ 6] Oetkers Arbeitsdisziplin war berüchtigt. Seine Regeln formulierte er 1908 und hängte sie im Betrieb auf:

  • Arbeite, arbeite unter Anspannung aller Kräfte.
  • Sei sparsam!
  • Die Zeit ist dein Kapital, jede Minute muss dir Zinsen bringen!

Erster Weltkrieg und die Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung für Dr. Oetker's Produkte von 1903

Rudolf Oetker, einziger Sohn von August und Karoline Oetker, promovierte im Jahre 1914 nach einem Chemiestudium und trat danach in das väterliche Unternehmen ein.[RJ 7] Im kurz darauf begonnenen Ersten Weltkrieg wurde er zu den Ulanen eingezogen unter anderem an die Front nach Frankreich versetzt, wo er ab dem Jahreswechsel 1914/15 in der Gegend von Verdun kämpfte und am 8. März 1916 fiel. Er hinterließ eine kleine Tochter und einen nachgeborenen Sohn.

August Oetker verlor darüber seine Kraft und den Lebensmut. Er regelte seine Nachfolge, indem er den Mitarbeiter Fritz Behringer zum Teilhaber und Geschäftsführer machte. Er sollte das Unternehmen für den Enkel weiterführen und dieses dann an ihn übergeben. Am 10. Januar 1918 starb August Oetker im Alter von 56 Jahren, als sein Enkel noch nicht zwei Jahre alt war.

Die Firma Oetker konnte durch die Kriegswirtschaft profitieren, indem sie Heeresaufträge bekam. Zudem wuchs die Nachfrage nach Backpulver, als die Behörden Ende 1915 verboten hatten, Hefe für Backwaren einzusetzen. 1918 lag der Umsatz doppelt so hoch wie 1914. Außerdem hatte August die nationale Karte gespielt: „Deutsche Hausfrauen! Kauft von jetzt an nur noch das deutsche Gustin statt des englischen Mondamin.“[RJ 8]

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karoline Oetker überließ die Führung des Betriebs dem als Geschäftsführer eingesetzten Fritz Behringer. Ihre verwitwete Schwiegertochter Ida heiratete 1919 Richard Kaselowsky, einen alten Jugendfreund von Rudolf Oetker, der aus einer Bielefelder Industriellenfamilie kam. Am 9. Februar 1921 starb Behringer. Seine Nachfolger wurden Richard Kaselowsky und Louis Oetker, ein Bruder des Firmengründers. Beide wurden am 1. März 1921 Teilhaber bei Dr. Oetker. Kaselowsky führte die Firma als Sachwalter für den minderjährigen Erben Rudolf-August Oetker, nicht als Eigentümer

Die Firma Dr. Oetker erzielte zunächst einen spektakulären Absatzerfolg, Folgen der durch den Krieg aufgestauten Nachfrage. Jedoch brachen ab 1920 die Absatzzahlen gewaltig ein, die Bestellungen fielen um 75 %. Oetker konnte die Rechnungen der Lieferanten nicht bezahlen, und die Schulden nahmen zu. Sein Lieferant für das biologische Säuerungsmittel Weinstein war die Chemische Fabrik vorm. Goldenberg, Geromont und Cie. aus Winkel im Rheingau, die in Deutschland das Alleinvertretungsrecht des amerikanischen Herstellers hatte. Beide Firmen waren voneinander abhängig und hatten ab 1916 kreuzweise Beteiligungen ausgehandelt. Aufgrund der Schulden von Oetker versuchte Goldenberg die Dr. Oetker zu übernehmen, indem man drohte, den Kredit fällig zu stellen. Kaselowsky versicherte, die Schulden würden bezahlt, dafür aber eine höhere Menge des Gewinns abgeführt.[RJ 9]

Die neuen Geschäftsführer nutzten die wirtschaftliche Situation der Inflationszeit, als die Inflationsrate schon 1922 den Wert von 1300 % erreichte. In dem Vertrag mit Goldenberg war nicht von solchen Inflationsraten ausgegangen worden. Oetker musste kaum noch etwas für seine von Goldenberg gelieferten Rohstoffe zahlen, da der Preis der Rohstoffe nicht angepasst werden konnte, während der Verkauf der Oetkerwaren sich in immer größere Preisstufen erhöhte. Richard Kaselowsky weigerte sich, den Liefervertrag auf die inflationssichere Goldmark umzustellen. Das anschließende Gerichtsverfahren endete mit einem Vergleich, die Ware wurde zu realen Preisen bezahlt, aber die gegenseitige Beteiligung wurde aufgelöst, Oetker war wieder komplett in Familienhand.[RJ 10] Im Jahre 1923 erwarb Oetker die Chemische Fabrik Budenheim, die die nötigen Vorprodukte für die Backtriebmittel herstellte.

Nach der Währungsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Währungsreform 1923 ging es wieder aufwärts, Deutschland wurde von seinen Schulden befreit, und die Unternehmen konnten wieder Kredite aufnehmen. Richard Kaselowsky entschloss sich 1924, ein Zweigwerk in Hamburg aufzumachen, um von dort aus den norddeutschen Raum zu beliefern. In einer weiteren Hamburger Produktionsstätte stellte das Familienmitglied Albert Oetker Marzipan her. In Danzig wurde ein Zweigwerk für den osteuropäischen Markt gegründet. In Bielefeld investierte man in neue Abfüll- und Verpackungsanlagen in einem neuen Fabrikgebäude an der Steinmetzstraße.

Paul Sackewitz setzte neue Werbestrategien um. Unter anderem fuhren Fahrzeuge auch in kleinste Dörfer und verteilten dort Süßspeisen an die Kinder. In der anschließenden Dr.-Oetker-Backstunde wurden die Produkte unter das Volk gebracht und neue Kunden gewonnen. In den Großstädten wurden zusammen mit der Firma Henkel sogenannte Oetker- und Persilschulen eingerichtet.

Richard Kaselowsky expandierte und übernahm 1925 die Mehrheit an der renommierten Bielefelder Druck- und Verlagsgesellschaft E. Gundlach AG, deren Aufsichtsratsvorsitz er übernahm. Gundlach stellte neben den Verpackungen und Plakaten die Zeitung Westfälsche Neueste Nachrichten sowie weitere Fachzeitschriften und Bücher her. Hier ließ Oetker in hoher Auflage Koch- und Backbücher drucken.

Im Jahr 1930 saß Richard Kaselowsky laut Aktienhandbuch in mehreren Aufsichtsräten, und zwar bei der Chemischen Fabrik Budenheim AG in Mainz, der E.Gundlach AG, der Fleischwarenfabrik Vogt & Wolf Aktiengesellschaft in Gütersloh und der Deutschen Bank.

Während der Weltwirtschaftskrise war musste Oetker Personal entlassen.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG in Bielefeld

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 trat der Geschäftsführer der Oetker-Werke, Richard Kaselowsky, am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Nach der Reichstagswahl am 5. März 1933 prangte auf der von Oetker gestifteten Oetkerhalle ein großes, hell leuchtendes Hakenkreuz, und an der Fassade der Halle war ein riesiges Porträt Adolf Hitlers angebracht. Der direkt daneben liegende Bürgerpark wurde am 20. April desselben Jahres durch die Stadt Bielefeld in Adolf-Hitler-Park umbenannt.[RJ 11][4]

Richard Kaselowsky war seit dem Tod von Louis Oetker im Jahr 1933 der einzige Firmenchef von Oetker. Kaselowsky war auch Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“, in dem sich Industrielle und Unternehmer sammelten, die „ausgesuchte, politisch zuverlässige und loyale Leute waren“[5][RJ 12]

Er spendete mehrmals an die NSDAP: Zwei Großspenden von 40.000 Reichsmark aus den Jahren 1943 und 1944 sind bekannt.[RJ 13] Im Jahr 1935 überließ der Oetker-Konzern seine in der Druckerei Gundlach hergestellte Zeitung „Westfälische Neueste Nachrichten“ der NSDAP, die diese mit der parteieigenen Zeitung „NS-Volksblatt für Westfalen“ vereinigte. Geld floss für diese Transaktion keines, zumal das Eigentum an der Zeitung und damit die Abgabe der wirtschaftlichen Kontrolle erst am 1. April 1940 in das Eigentum der NSDAP überging. Im Gegenzug erhielt Gundlach Druckaufträge der Partei.

Kaselowsky wurde am 9. September 1935 mit 24 weiteren Bielefelder Bürgern vom Beauftragten der NSDAP zum Ratsherren (für die gesetzliche Amtsdauer von sechs Jahren) berufen. Des Weiteren wurde er 1933 Vorstandsmitglied der Industrie- und Handelskammer und vom 18. Juli 1942 bis zum 15. Mai 1943 ihr Präsident.[6]

Seit 1933 ging es dem Unternehmen Oetker zunehmend besser. Das Hamburger Werk fuhr seit 1934 Doppelschichten. 1935/36 wurden die beiden Fabrikhallen in Bielefeld abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Hier wurde ein neuer großer Saal für Versammlungen integriert, bisher hatten diese immer in der Abfüllanlage stattgefunden.

Die Kriegswirtschaft konnte der Firma anfangs nichts anhaben. Puddingpulver gab es für einen separaten Abschnitt der Lebensmittelkarte. Zudem profitierte Oetker zunehmend von Staatsaufträgen: Bei Gundlach wurden Lebensmittelmarken und Formulare für die NS-Bürokratie gedruckt. Einer der größten Aufträge von Gundlach zu dieser Zeit war ein Auftrag des Zigarettenherstellers Reemtsma über eine Million Alben für Sammelbilder.

Im Jahr 1937 bekam Dr. Oetker als eines von 30 Unternehmen in Deutschland von der Deutschen Arbeitsfront nach einem Wettbewerb die Auszeichnung Nationalsozialistischer Musterbetrieb zugesprochen.[RJ 14] 1938 erhielt das Unternehmen ein Leistungsabzeichen für die vorbildliche Förderung der Einrichtung Kraft durch Freude. Im Jahre 1938 war Oetker mit einem eigenen Büro in Berlin vertreten, vor allem um in der Rationierungswirtschaft, in der man nicht mehr frei Rohstoffe einkaufen konnte, gute Kontakte zur dortigen Bürokratie zu haben. 1941 zog der Hamburger Zweigbetrieb in ein neues Gebäude ein, um die Produktion ausweiten zu können.

Am 13. Januar 1941 feierte Oetker sein 50-jähriges Betriebsjubiläum mit einer großen Feier in Bielefeld. In einem Grußwort schrieb Gauleiter Alfred Meyer: „Es gab eine Zeit, da es nicht populär war, sich zur Partei zu bekennen. Damals schon tat es Euer Betriebsführer.“[RJ 15]

Während der Firma Oetker keine Zwangsarbeiter nachgewiesen werden konnten, waren bei der Oetker-Druckerei Gundlach einige beschäftigt. Hingegen wurden dort jüdische Mitarbeiter aus dem Betrieb gedrängt.[7] Ähnlich war es bei den mehrheitlich dem Oetker-Konzern gehörenden Adler Nähmaschinen-Werke, die komplett auf Kriegsrüstungsproduktion umgestellt hatten: Auch hier waren Zwangsarbeiter beschäftigt.[7]

1943 kooperierte die Firma Oetker mit der Waffen-SS und gründete die Hunsa-Forschungs-GmbH in Hamburg. Diese Firma sollte Möglichkeiten zur Erzeugung künstlicher Nahrungsmittel aus Neben- und Restprodukten der Industrieabfällen erforschen.[8]

Richard Kaselowsky starb am 30. September 1944 bei einem Bombenangriff auf Bielefeld. Mit ihm starben seine Frau Ida und die beiden gemeinsamen Töchter. Der Enkel des Firmengründers, Rudolf-August Oetker, übernahm die Leitung der Firma und wurde vom Kriegsdienst freigestellt.[8] Er war seit Anfang der 1930er Jahre Mitglied der Reiter-SA. 1942 meldete er sich zur Waffen-SS und kämpfte an der Ostfront.

Zwei Jahre nach dem Tod des Rudolf-August Oetkers beauftragte die Familie im Jahre 2009 den Historiker Andreas Wirsching (Direktor des Instituts für Zeitgeschichte der Universität München), die Geschichte der Firma in der NS-Zeit wissenschaftlich-kritisch aufzuarbeiten Die Studie erschien im Oktober 2013 unter dem Titel „Dr. Oetker und der Nationalsozialismus“.[9][10][11] Die Forscher urteilen: „Die Familie und die Firma Oetker waren Stützen der NS-Gesellschaft, sie suchten die Nähe des Regimes und profitierten von dessen Politik.“[12] Im Oktober 2013 erklärte August Oetker gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit: „Mein Vater war Nationalsozialist“.[13]

Wiederaufbau in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oetker-Marketing

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gebäude zu rund 40 % zerstört, die nötigen Rohstoffe fehlten. Oetker versuchte die Fabriken auszulasten indem sie die Produktion erweiterten und auch Gewürz- und Teetabletten sowie Mottenpulver produzierten. In der Druckerei Gundlach konnten bald wieder ein paar Maschinen anlaufen, und man druckte dort Lebensmittelmarken.

Rudolf-August Oetker übernahm im September 1947 den Betrieb in Bielefeld, nachdem er aus dem britischen Internierungslager Staumühle entlassen worden war und wieder der Unternehmensleitung zur Verfügung stand.

Mit dem Anstieg der Kaufkraft nach der Währungsreform vom 20. Juni 1948 stieg in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands auch die Nachfrage. Die Produktion der Wirtschaft erreichte zum Jahresende 1948 fast 80 % vom Vorkriegsniveau. Im Jahre 1950 verkaufte Oetker 400 Millionen Päckchen Backpulver und 350 Millionen Päckchen Puddingpulver; es zahlte sich jetzt aus, dass Oetker in die Werbung investiert hatte und die Marke bei den Kunden bekannt war.

Diversifikation und Internationalisierung der Unternehmensgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verwaltungsgebäude der Hamburg Süd in Hamburg

Rudolf-August Oetker engagierte sich neben dem Nahrungsmittelgeschäft auch in anderen Branchen. Diese Diversifikation sollte Risiken ausgleichen. Sein Stiefvater Kaselowsky hatte schon 1936 ein Viertel der Aktien der Reederei Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrtsgesellschaft gekauft und damit erstmals außerhalb des Kerngeschäfts investiert.[RJ 16] Im Jahre 1949 wurde diese Beteiligung auf 49 % des Kapitals ausgebaut. Danach wandelte Oetker die Reederei in eine Kommanditgesellschaft um und nutzte von 1950 bis 1954 die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten, wonach die Kredite, die von der Nahrungsmittelsparte an die Reederei für den Neubau von Schiffen gegeben wurden, die Gewinne aus der Herstellung von Nahrungsmitteln rechnerisch vermindern konnten und sich dadurch die Steuerlast verringerte.[14] Als Mitte der 1950er Jahre bei den haftenden Eigentümern der Generationswechsel anstand, ließ sich Oetker eintragen, sodass ihm dann die Reederei zur Gänze gehörte.[RJ 17]

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges übernahm Oetker ein Aktienpaket am renommierten Hotel Brenner in Baden-Baden.[RJ 18] In den 1960er Jahren erwarb Oetker Beteiligungen an der Dortmunder Actien-Brauerei, der Binding-Brauerei und Berliner Kindl[15] und später weitere Brauereien, die in der Radeberger Gruppe zusammengefasst wurden. 1958 erwarb Oetker die Sektkellerei Sohnlein und 1986 die Sektkellerei Henkell, die zu einem eigenen Unternehmensbereich im Getränkebereich ausgebaut wurde.

Als Nachfolger seines Vaters leitete August Oetker von 1981 bis 2009 als persönlich haftender Gesellschafter das Unternehmen, weiterer Komplementär war in dieser Zeit Guido Sandler. Während Rudolf-August Oetker für die Diversifikation der Unternehmensgruppe stand, setzte sein Sohn auf die Internationalisierung der Geschäfte der Oetker-Gruppe. Haupttätigkeitsfeld ist dabei, mit Ausnahme der Schifffahrt, Europa. Seit 2015 gehört die mexikanische Firma D’Gari, dort führenden Hersteller von Gelatineprodukten wie Götterspeise, zum Konzern.[16]

Verantwortlich für Strategie und Ausrichtung der Gruppe ist die dreiköpfige Gruppenleitung, deren Mitglieder zugleich für je einen der Geschäftsbereiche Verantwortung tragen.

Standort Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb des Hauptstandorts Bielefeld entstand schon in den 1930er Jahren eine Fabrikanlage in Hamburg, die nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut wurde. Der zusätzliche Geschäftszweig Reederei stärkte diesen Standort. In Hamburg kaufte Dr. Oetker 1953 die repräsentative Stadtvilla „In de Bost“. Ausgebaut wurde diese Immobilie von Cäsar Pinnau, der nach dem Krieg viel für Dr. Oetker baute. Zeitweise wurde der Konzern von Hamburg aus geleitet. Im Streit um die Kunsthalle Bielefeld drohte Rudolf-August Oetker den Sitz nach Hamburg zu verlegen.

Diskussion um die Bielefelder Kunsthalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seiner Vaterstadt Bielefeld blieb der Konzernlenker Oetker immer verbunden. In den 1960er Jahren ließ er in der Stadt Bielefeld eine Kunsthalle bauen, für die er den amerikanischen Architekten Philip Johnson gewann. Im Herbst 1968 sollte die Kunsthalle unter dem Namen „Richard-Kaselowsky-Haus – Kunsthalle der Stadt Bielefeld“ eingeweiht werden. Doch es regte sich Widerstand. Bielefelds außerparlamentarische Opposition protestierte gegen die Namensgebung nach einem Mann, der Mitglied im Freundeskreis Himmlers gewesen war. Dem Protest schlossen sich die kirchliche Jugend, die Sportvereine und die Pfadfinder an. Oetker überließ es dem Rat der Stadt, die Namensgebung zu korrigieren, der sich jedoch entschloss, den Namen „Kaselowsky-Haus“ beizubehalten.

Im Vorfeld der Einweihung der Kunsthalle, zu der 1200 Gäste und Politiker geladen waren, kam es zu vielen Absagen, darunter der Präses der evangelischen Kirche Ernst Wilm und der Ministerpräsident Heinz Kühn nebst seinen Ministern. Kühn schrieb in einem Brief, dass er es nicht für richtig halte jemanden zu ehren, „der immerhin dabei mitgemacht hat solche, die verbrecherisch an unserem Volk gewirkt haben, zu unterstützen.“ Rudolf-August Oetker sagte die Eröffnungsfeier ab und schrieb einen offenen Brief an die Stadt, in dem er nochmals die Wahl des Namens begründete. Dort heißt es unter anderem: „dass trotz des politischen Irrtums, den mein Vater begangen hat, seine Verdienste in Bielefeld schwerer wogen“[RJ 19] Der Komponist Hans Werner Henze, der die Eröffnungsmusik komponiert hatte und dann ob der Diskussion zurückzog, schrieb in der Zeitung Die Zeit, der Ausgang im Namensstreit illustriere „fast klischeehaft den Einfluss der Industrieherrschaft auf öffentliche Belange der von ihr abhängigen Massen.“[RJ 20]

Entführung von Richard Oetker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 25-jährige Richard Oetker, ein Sohn des Konzernlenkers, wurde im Dezember 1976 auf dem Heimweg aus der Technischen Universität München-Weihenstephan in Freising entführt, in eine Kiste gesperrt und beim Transport durch einen Stromschlag schwer verletzt. Gegen die Bereitstellung von einem Lösegeld in Höhe von 21 Millionen DM, einer Summe, die zu jener Zeit die höchste Lösegeldforderung in der Geschichte Deutschlands war, wurde Richard Oetker freigelassen.

Entwicklung unter Richard Oetker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 2010 übernahm August Oetker den Vorsitz im Beirat des Unternehmens und übergab die Geschäftsführung der Dr. Oetker GmbH an seinen Bruder Richard. Damit verbunden war die Übertragung der Funktion des persönlich haftenden Gesellschafters der Unternehmensgruppe als Kommanditgesellschaft.[17] Die Amtszeit von Richard Oetker endete am 31. Dezember 2016. Seine Nachfolge in der Gruppenleitung trat der bisherige Finanzchef der Oetker-Gruppe, Albert Christmann, an, womit erstmals eine familienfremde Person den Oetker-Konzern leitet.[18][19]

Personen der Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur der Oetker-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oetker-Gruppe besteht aus mehr als 400 Firmen in unterschiedlichen Branchen und weist eine Bilanzsumme von rund 10 Mrd. Euro auf (2019).[1] Sie werden in fünf Geschäftsbereiche unterteilt.[20]

Organigramm der Oetker-Gruppe
Oetker-Gruppe
Nahrungsmittel Bier und alkoholfreie Getränke Sekt, Wein und Spirituosen Weitere Interessen
Dr. Oetker GmbH
Coppenrath & Wiese
Martin Braun-Gruppe
Radeberger Gruppe KG Henkell & Co. Sektkellerei KG Chemische Fabrik Budenheim
Oetker Collection
Dr. August Oetker Finanzierungs- und Beteiligungs-GmbH

OEDIV Oetker Daten- und Informationsverarbeitung KG

Nahrungsmittel
Zum Geschäftsbereich Nahrungsmittel zählen sowohl die Marke Dr. Oetker als auch mehrere im Großverbrauchergeschäft arbeitende Firmen: Dr. Oetker Professional, Martin Braun, Agrano und Eto. 1995 übernahm Oetker die Opekta, 2015 dann Coppenrath & Wiese.[21][22] Der Jahresumsatz des Geschäftsbereichs Nahrungsmittel betrug 2019 insgesamt rund 3,9 Mrd. Euro. Umsatzstärkstes Produkt im Nahrungsmittelbereich ist heute nicht mehr das Backpulver, sondern die Tiefkühlpizza.
Bier und alkoholfreie Getränke
Der Geschäftsbereich Bier und alkoholfreie Getränke wird durch die Radeberger Gruppe gesteuert. Unter diesem Dach werden bekannte Marken geführt wie Radeberger Pilsner, Ur-Krostitzer, Jever, Freiberger, Sternburg (Braustätte: Leipzig), Allgäuer Brauhaus (Braustätte: Leuterschach bei Marktoberdorf, Verwaltung: Kempten), Hasen-Bräu, Schöfferhofer Weizen, Tucher Bräu, Brinkhoff’s und weitere Dortmunder Biere, Wicküler, Schlösser, Binding, Gilden, Küppers, Kurfürsten, Sion, Sester, Berliner Pilsner und Selters (welches nicht mit dem Selterswasser aus Niederselters zu verwechseln ist). Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs betrug 2019 insgesamt über 1,7 Mrd. Euro. Anfang 2008 übernahm die Radeberger Gruppe den Getränkegroßhändler Essmann-Getränke aus Lingen (Ems).
Sekt, Wein und Spirituosen
Im Geschäftsbereich Sekt, Wein und Spirituosen ist Henkell Freixenet das Leitunternehmen. Die Sektmarken Henkell Trocken, Freixenet, Fürst von Metternich, Deinhard und die Spirituosen-Marken Wodka Gorbatschow, Kuemmerling und Pott Rum sind nur einige Marken dieses Geschäftsbereichs, dessen Umsatz sich auf rund 1,04 Mrd. Euro beläuft (2019).
Weitere Interessen
Zur Oetker-Gruppe gehören weiterhin die Chemische Fabrik Budenheim und die Oetker Collection mit einigen Hotels des oberen Preissegments wie etwa das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden und das Le Bristol in Paris. Der Geschäftsbereich "Weitere Interessen" erzielte 2019 einen Gesamtumsatz von über 759 Mio.Euro.

Unternehmensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oetker-Gruppe wird durch die Dr. August Oetker KG zentral gesteuert, aber dezentral geführt. Verantwortlich für Strategie und Ausrichtung ist die zweiköpfige Gruppenleitung, bestehend aus dem persönlich haftenden Gesellschafter Albert Christmann (verantwortlich für die Bereiche Nahrungsmittel; Bier und alkoholfreie Getränke; Sekt, Wein und Spirituosen; Oetker Digital; Unternehmenskommunikation) und dem Generalbevollmächtigten Heino Schmidt (verantwortlich für die Bereiche Weitere Interessen, Bank, Finanzen, Controlling, Recht und Steuern).[23]

Die Führungsholding Dr. August Oetker KG besitzt einen Beirat, dessen Mitglieder mehrheitlich nicht zur Gesellschafterfamilie gehören und der die Beratungs-, Kontroll- und Vetofunktion ausübt.[24]

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oetker-Gruppe ist ein Familienunternehmen. Der Rudolf-August Oetker teilte das Erbe an dem Konzern zu gleichen Teile an seine acht Kinder auf.[25]

  • Ludwig Graf Douglas, Frankfurt am Main, 14,286 % Anteil
  • Alfred Oetker, Bielefeld, 14,286 % Anteil
  • Carl Ferdinand Oetker, Bielefeld, 14,286 % Anteil
  • Richard Oetker, Bielefeld, 14,286 % Anteil
  • Rudolf Louis Schweizer, Murrhardt, 14,286 % Anteil
  • Markus von Luttitz[26], München, 14,285 % Anteil
  • Julia Johanna Oetker, Bielefeld, 14,285 % Anteil

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das heutige Bielefelder Firmengelände

Oetker produziert unter eigenem Namen weltweit an folgenden Standorten:

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Gründungsort Bielefeld entstanden vor der Jahrhundertwende die ersten Fabriken, doch schon in den 1930er Jahren expandierte Oetker und eröffnete im nahegelegenen Oerlinghausen einen weiteren Standort. Weitere Standorte sind heute: Wittenburg in Mecklenburg-Vorpommern, Wittlich in Rheinland-Pfalz, Moers in Nordrhein-Westfalen und Ettlingen in Baden-Württemberg. Seit Ende 2010 sind alle inländischen Werke umwelttechnisch zertifiziert.

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Frankreich gibt es die Standorte Schirmeck und Straßburg.
  • Das italienische Werk liegt in Desenzano.
  • In Polen ist Oetker in den Standorten Łebcz und Płock vertreten.
  • In Ungarn findet sich Oetker in Jánossomorja, in Tschechien in Kladno.
  • In Österreich findet sich Oetker in Villach.
  • Weitere Werke gibt es in Rumänien und Brasilien.

Historische Konzernbestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Biergeschäft des Konzerns war früher weitgehend bei der Bank für Brau-Industrie gebündelt, die 1998 in das konzerneigene Bankhaus Lampe aufging. Die Konzernbilanzsumme des Bankhauses Lampe betrug 2017 rund 3,1 Mrd. Euro. Bis September 2008 gehörte die Versicherung Condor, deren Beitragseinnahmen sich auf deutlich über 300 Mio. Euro beliefen, zur Oetker-Gruppe, danach wurde sie an die R+V Versicherung verkauft. Im März 2020 wurde das Bankhaus Lampe an die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser verkauft.[27]

Die größte Sparte der Oetker-Gruppe war traditionell der Geschäftsbereich Schifffahrt, er umfasste vor allem die Reedereigruppe Hamburg Süd. Die brasilianische Reederei Aliança gehörte ebenfalls zum Geschäftsbereich und war mit 30 % am neuen Tecon Santa Catarina Containerterminal in Itapoá im Bundesstaat Santa Catarina beteiligt. Der Geschäftsbereich erzielte 2016 einen Umsatz von über 5,6 Mrd. Euro. Zu 80 % wurde der Umsatz in Containerdiensten im Nord-Süd- und Süd-Nord-Verkehr erzielt, zu 20 % in der Trampschifffahrt. Oetker trennte sich von der Reedereisparte und verkaufte Hamburg Süd zum 30. November 2017 an Maersk.[28]

Unter dem Namen Dr. August Oetker Finanzierungs- und Beteiligungs-GmbH wurde bis 2012 die Douglas Holding AG geführt.[29]

Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen gibt an, es wolle die in Deutschland erreichten Umweltstandards grundsätzlich auch in den ausländischen Standorten realisieren. 1995 wurde August Oetker zum „Ökomanager des Jahres“ gewählt.[30] Seit 1994 gibt das Unternehmen regelmäßig einen Umweltbericht heraus, 2004 folgte eine Nachhaltigkeitsberichterstattung. 2010 waren alle inländischen Werke nach den Umwelttechnischen Kriterien zertifiziert.

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des Konzerns Dr. Oetker

Als um die Jahrhundertwende, acht Jahre nach dem ersten Verkauf von Backin-Backpulver, die ersten Konkurrenten auftraten, setzte Oetker ein Unternehmenslogo ein, das den populären Slogan „Ein heller Kopf verwendet nur Dr. Oetker’s Backpulver“ mit aufnahm. Der rot-weiße Hellkopf, Silhouette der Tochter eines Grafikers, soll so Qualität und Markentreue gegenüber den unbekannten Konkurrenten signalisieren.[31]

Öffentliche Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politische Einflussnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oetker ist einer der Nahrungsmittelkonzerne, die sich gegen die Einführung einer „Lebensmittel-Ampel“ stark machen, wie sie Verbraucherverbände, Krankenkasse, Ärzte und Gesundheitspolitiker seit vielen Jahren fordern.[32]

Tierquälerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt kritisierte den Nahrungsmittelkonzern dafür, Tierquälerei bei den Hühnern zu dulden, deren Fleisch auf Tiefkühlpizzen des Unternehmens landet.[33] Wenige Wochen später teilte Dr. Oetker mit[34], für seine in Europa verkauften Produkte spätestens ab 2026 nur noch Hühnerfleisch einzukaufen, das den Kriterien der Europäischen Masthuhn-Forderung[35] entspricht.[36]

Sexismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Werbekampagne des Unternehmens in der Schweiz zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 löste aufgrund von Sexismus-Vorwürfen einen Shitstorm aus.[37]

Mogelverpackungen, Werbeversprechen, Qualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Hamburger Verbraucherzentrale erhielt ein Müsli von Dr. Oetker für 2017 den jährlich vergebenen Preis „Mogelpackung des Jahres“.[38] Der ARD-„Markencheck“ prüfte 2016, wie viel die Werbeversprechen von Dr. Oetker wert sind und nahm beliebte Produkte unter die Lupe. Das Gesamturteil lautete: „Das Vertrauen in Dr. Oetker ist blind.“[39] Die Verbraucherschützer von Öko-Test testeten u. a. im Jahr 2015 Produkte von Dr. Oetker und bewerteten sie deutlich negativ.[40]

Investition in Rüstungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder der Familie Oetker investierten vorübergehend von 2015 bis zum Frühjahr 2016 in die Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, einem vorwiegend im Rüstungsbereich tätigen System- und Softwarehaus.[41]

Dr. Oetker Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 entstand auf dem Firmengelände in Bielefeld im alten Puddingpulverturm die Dr. Oetker Welt. In dem 1914 in Betrieb genommenen Gebäude wurde noch bis 2001 produziert, 2005 wurde es unter Einbeziehung der alten Bausubstanz umgebaut.[42] Die von TRIAD Berlin konzipierte Dauerausstellung zeigt die Geschichte und die Produkte des Familienunternehmens.[43] Ausgestellt werden unter anderem historische Funde aus dem Familienarchiv. Weitere Themen sind die Marke und die Werbung.[44]

Soziales und kulturelles Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Oetker und das Unternehmen stifteten die 1930 erbaute Rudolf-Oetker-Halle und finanzierten den Bau der 1968 eröffneten Bielefelder Kunsthalle. Ebenfalls auf die Familie Oetker geht die in Bielefeld gelegene Oetker-Eisbahn zurück.

Die Rudolf-August Oetker-Stiftung unterstützt Projekte in Kultur, Kunst, Wissenschaft und Umwelt. Die Ida und Richard Kaselowsky Stiftung ist auf soziale bzw. wohltätige Zwecke ausgerichtet. Mit den SOS Kinderdörfern ist Oetker eine langfristige Zusammenarbeit eingegangen.[45]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Jungbluth: Die Oetkers. Geschäfte und Geheimnisse der bekanntesten Wirtschaftsdynastie Deutschlands. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37396-3; Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-404-61594-0.
  • Jürgen Finger, Sven Keller, Andreas Wirsching: Dr. Oetker und der Nationalsozialismus. Geschichte eines Familienunternehmens 1933–1945. Verlag C.H.Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-64545-7.
  • Jürgen Finger, Sven Keller: Erhalt als Erfolg. Richard Kaselowsky an der Spitze des Familienunternehmens Dr. Oetker. In: Werner Plumpe (Hrsg.): Unternehmer – Fakten und Fiktionen. Historisch-biographische Studien. (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 88), München 2014, ISBN 978-3-486-71352-7.
  • Jürgen Finger, Sven Keller: Der Bielefelder Kunsthallenstreit 1968. Mäzenatentum, Memoria und NS-Vergangenheit im Hause Oetker. In: Jörg Osterloh, Harald Wixforth (Hrsg.): Unternehmer und NS-Verbrechen. Wirtschaftseilten im „Dritten Reich“ und in der Bundesrepublik. (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts 23) Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004 und New York 2014, ISBN 978-3-593-39979-9.
  • Meilensteine einer Marke. Dr. Oetker Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-7670-0791-8.
  • Jesko Dahlmann: Das innovative Unternehmertum im Sinne Schumpeters: Theorie und Wirtschaftsgeschichte. Metropolis Verlag, Marburg 2017, ISBN 3-7316-1313-1, S. 192 ff.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Oetkers. Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 45 Min., Buch und Regie: Manfred Oldenburg, Produktion: WDR, Reihe: Deutsche Dynastien, Erstausstrahlung: ARD, 15. November 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dr. August Oetker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rüdiger Jungbluth: Die Oetkers, Geschäfte und Geheimnisse der bekanntesten Wirtschaftsdynastie Deutschlands. 1. Auflage. Bastei Lübbe Taschenbuch, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 978-3-422-02112-9.

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  12. Seite 143.
  13. Seite 149
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  17. Seite 221
  18. Seite 185
  19. Seite 247
  20. Seite 248

Sonstige:

  1. a b c d Presseinformation Geschäftsjahr 2019 oetker-gruppe.de, abgerufen am 16. Juni 2020
  2. Die 1.000 größten Familienunternehmen 2018.
  3. Deutsches Patent- und Markenamt: Registerauskunft Backin.
  4. damals gab es zahlreiche solche Umbenennungen, siehe Adolf Hitler als Namensgeber von Straßen und Plätzen
  5. so Oswald Pohl, Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes nach dem Krieg bei den Nürnberger Prozessen.
  6. Die Linke in Bielefeld: Entnommen aus: Provinz unterm Hakenkreuz. Diktatur und Widerstand in Ostwestfalen-Lippe. Hrsg. von Wolfgang Ehmer, Uwe Horst, Helga Schuler-Jung, AJZ-Verlag Bielefeld 1984, S. 153–164, abgerufen 16. Juli 2012.
  7. a b Verbrechen der Wirtschaft, Oetker, abgerufen im Juli 2012.
  8. a b Oetker Nationalsozialismus, Die Zeit, Ausgabe 25. Januar 2012.
  9. Buch – Dr. Oetker und der Nationalsozialismus, chbeck.de, abgerufen am 10. November 2013
  10. Offizielle Stellungnahme zur Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte von Dr. Oetker im Nationalsozialismus, oetker.de
  11. Rezension von Tim Schanetzky (Hsozukult).
  12. Stefan Weber: Im Schatten des Patriarchen. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2013, S. 25
  13. August Oetker: „Mein Vater war Nationalsozialist“, abgerufen am 18. März 2019
  14. Der Pudding-Prinz. In: Der Spiegel 18. Dezember 1957. Abgerufen 28. Juli 2020.
  15. Vor Anker, Der Spiegel 36/1970.
  16. Website D'Gari.
  17. Unternehmensgeschichte (Memento des Originals vom 20. September 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.oetker-gruppe.de, Website der Oetker-Gruppe. Abgerufen am 16. Juli 2012
  18. Oetker-Gruppe: Beirat entscheidet Nachfolge von Richard Oetker, 12. Dezember 2016 (Memento des Originals vom 9. Februar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/az721488.vo.msecnd.net.
  19. Erstmals kein Oetker an der Oetker-Spitze. In: Frankfurter Allgemeine 12. Dezember 2016. Abgerufen 27. Juli 2020.
  20. Hintergrundinformationen der Oetker-Gruppe (Memento des Originals vom 17. April 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.oetker-gruppe.de PDF Broschüre, abgerufen 16. Juli 2012
  21. Dr. Oetker kauft Coppenrath und Wiese, faz.net, abgerufen am 4. September 2015
  22. PE-Investoren greifen nach Coppenrath & Wiese. auf: www.finance-magazin.de, 9. Januar 2015, abgerufen am 16. Januar 2015.
  23. oetker-gruppe.de: Führungsstruktur
  24. oetker-gruppe.de: Beirat
  25. Oetker-Fehde: Kein Ende in Sicht Die Presse 6. Februar 2014
  26. der Medienmanager ist ein Sohn von Bergit Gräfin Douglas aus deren erster Ehe mit Christoph von Luttitz, er übernahm den Anteil von seinem Onkel Christian Oetker im Januar 2019
  27. Georg Winters: Dr. Oetker verkauft Bankhaus Lampe an Chinesen. In: Rheinische Post RP Online. 5. März 2020, abgerufen am 7. März 2020.
  28. Im Geschäftsjahr 2017 war der Geschäftsbereich Schifffahrt bis zum 30. November 2017, dem Zeitpunkt der Entkonsolidierung, berücksichtigt. Siehe: Porträt und Kennzahlen oetker-gruppe.de, abgerufen am 24. August 2019
  29. Oetker besiegelt den Ausstieg bei Douglas, auf www.handelsblatt.com, abgerufen am 24. Januar 2017.
  30. „Ökomanager des Jahres“: Die Preisträger, WWF Deutschland (PDF-Datei; 30 kB).
  31. Das Markenlexikon, abgerufen am 16. Juli 2012.
  32. Dr. August Oetker KG, lobbypedia.de, abgerufen am 3. November 2018.
  33. „Qualfleisch“ auf Tiefkühlpizzen, taz.de, 28. September 2018.
  34. Für mehr Tierwohl: Dr. Oetker stellt den Bezug von Hähnchenfleisch konsequent um, oetker.de, 14. November 2018
  35. Europäische Masthuhn-Forderung, lebensmittel-fortschritt.de, veröffentlicht 27. Mai 2018, abgerufen am 20. November 2018
  36. Dr. Oetker will bis 2026 komplett auf Tierwohl-Geflügel umstellen, topagrar.com, 14. November 2018
  37. Völlig veraltetes Frauenbild Dr. Oetker löst mit Werbung Shitstorm aus, berliner-zeitung.de, 8. Juni 2018.
  38. https://www.zdf.de/nachrichten/heute/-mogelpackung-des-jahres--kritik-an-muesli-von-dr--oetker-100.html (Memento vom 16. April 2019 im Internet Archive)
  39. Der Dr. Oetker-Check, daserste.de, 9. Mai 2016.
  40. Öko-Test verreißt Dr. Oetker, manager-magazin.de, 30. Dezember 2015.
  41. Kuchen, Joghurt - Kampfjets! Oetker-Clan kauft Rüstungsfirma, focus.de, 18. September 2015.
  42. Referenz des Architekturbüros Ackermann und Raff, Tübingen, abgerufen am 10. April 2018.
  43. Referenz der Agentur TRIAD, abgerufen am 10. April 2018.
  44. Dr. Oetker Welt, Website der Oetker-Gruppe, abgerufen am 10. April 2018.
  45. Unternehmerische Verantwortung der Oetker-Holding Firmenbroschüre, abgerufen am 16. Juli 2012.

Koordinaten: 52° 0′ 54″ N, 8° 31′ 15″ O