Kuschelpädagogik

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Wolfgang Bergmann kritisiert, dass eine „Kuschelpädagogik“ verhindere, dass Jungen mit dem Raufen Erfahrung sammeln, um zu verstehen, was sie einem anderen antun, wenn sie ihn verprügeln.[1] (Gemälde von Giulio del Torre, 1927)

Kuschelpädagogik ist ein Schlagwort, mit dem im gesellschaftlichen Bildungsdiskurs des deutschsprachigen Raumes eine schulische Erziehung bezeichnet wird, die durch geringe Leistungsorientiertheit und übertrieben hohe Rücksichtnahme auf vermeintliche Bedürfnisse des Kindes gekennzeichnet sei. Verwendung findet der Ausdruck vor allem bei Politikern und Journalisten,[2] aber auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, bezeichnet als „Kuschelpädagogik“ eine Schulpädagogik, die es den Schülern allzu leicht mache, gute Noten zu erlangen.[3] Zu den Diskussionsfeldern, in denen der Ausdruck besonders häufig erscheint, zählen der durch die PISA-Studien ausgelöste Streit um Schülerleistungen[4] sowie die Auseinandersetzung über dem Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern[5] und jugendlichen Kriminellen.[6]

Scharfe Kritik an dem Begriff hat der in Zürich lehrende Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers geübt. Oelkers berichtet, der Kampfbegriff werde vor allem von solchen Konservativen ins Feld geführt, deren Schulkritik eher auf einem Affekt gegen die Reformpädagogik ‒ besonders gegen die „antiautoritäre Bewegung“ ‒ als auf Kenntnis der aktuellen Schulrealität beruhe; infolgedessen tendieren diese Kritiker dazu, die Einführung von mehr Disziplin als Königsweg zur Behebung schulischer Probleme zu erachten.[7]

Der Familientherapeut Wolfgang Bergmann kritisiert als „Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik“ einen schulischen Umgangston, der von exzessivem Harmoniestreben geprägt sei und der Kindern weder Raum für körperliche Erfahrungen noch Ventile für gelegentliches unangepasstes Verhalten biete. Insbesondere die Bedürfnisse von Jungen werden laut Bergmann in einem solchen Lernumfeld systematisch verkannt und übergangen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stressfaktor Schule ‒ Deutschland zwischen Drill und Kuschelpädagogik, Dokumentarfilm von Süddeutsche Zeitung TV (Deutschland, 2011)[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Böse Buben: "Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven" Der Spiegel, 5. April 2008
  2. Wirtschaft fordert Bildungsreformen statt "Kuschelpädagogik" ShortNews, 5. Februar 2002; Grundschule: Ende der Kuschelpädagogik Spiegel, 1. August 2002; Zum Teufel mit der Kuschelpädagogik Stern, 8. Februar 2006 (über Gerlinde Unverzagts „Lehrerhasserbuch“); CSU-Generalsekretärin fordert Ende von "Kuschelpädagogik" Merkur Online, 2. Januar 2008; Kuschelpädagogik mit absurder Konsequenz Die Presse, 11. Februar 2008; Zwischen Druck und Kuschelpädagogik Süddeutsche Zeitung, 21. Juli 2009; FPÖ fordert "Ende der Kuschelpädagogik" ORF, 4. April 2011; Abschied von der Kuschelpädagogik? 3SAT, 21. Mai 2011
  3. „Schluss mit Kuschelpädagogik“; vgl. Fluch der Kuschelpädagogik Welt Online 17. Februar 2010
  4. Erzielt Kuschelpädagogik bessere Ergebnisse? der Freitag, 18. April 2003; Kuschelpädagogik versus Leistungswahn
  5. Das Ende der Kuschelpädagogik Welt Online, 30. Januar 2008
  6. Warnschussarrest und Kuschelpädagogik@1@2Vorlage:Toter Link/www.stadtrevue.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Stadtrevue/Das Kölnmagazin, November 2003; CDU fordert Ende der „Kuschelpädagogik“ (Memento des Originals vom 11. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stern.de Stern, 2. Januar 2008; Im Windkanal der Kuschelpädagogik FAZ 4. Januar 2008
  7. Jürgen Oelkers: Kuschelpädagogik oder nicht?@1@2Vorlage:Toter Link/paed-services.uzh.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 159 kB) Vortrag, gehalten an der Universität Zürich, 8. September 2010
  8. Pressemappe Vox Television GmbH (Memento des Originals vom 25. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.presseportal.de