Lebenslaute

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Lebenslaute (Eigenschreibweise lebenslaute) ist eine offene Musik- und Aktionsgruppe unter dem Motto: „klassische Musik – politische Aktion“. Seit 1986 werden in losen Ensembles bei öffentlichen Auftritten klassische Musik und Ziviler Ungehorsam zusammengeführt.[1] Je nach Aktion, meistens open-air, haben die Ensembles eine Stärke zwischen drei und über 100 professionellen Laienmusikern und Laienmusikerinnen.[2]

2014 hat lebenslaute zusammen mit Code Pink – Women for Peace den Aachener Friedenspreis zuerkannt bekommen, der jährlich am 1. September, dem Antikriegstag, in der Aachener Aula Carolina überreicht wird.[3]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

lebenslaute bringt in Konzertkleidung klassische und andere Musik an Orten zur Aufführung, wo im Allgemeinen nicht mit einem Konzert gerechnet wird: „auf Militärübungsplätzen und Abschiebeflughäfen, vor Atomfabriken und Raketendepots, in Ausländerbehörden und an anderen menschenbedrohenden Orten“.[4] Ihre Austragungsorte wählt lebenslaute im Angesicht einschränkender Vorschriften, denn es wird mittels angekündigten, bewussten Gesetzesübertretungen die politische Konfrontation mit herrschenden Bestimmungen gesucht. An Orten, wo dies möglich ist, werden lokale Protestbewegungen unterstützt.[5]

Die Konzert-Aktionen werden in intensiver Arbeit gemeinsam vorbereitet. Wie weitgehend sich die Teilnehmenden einbringen, bleibt in der eigenen Verantwortung. Die Bedürfnisse und Bedenken aller Teilnehmenden sollen berücksichtigt werden, und über das gemeinsame Handeln wird basisdemokratisch entschieden. Falls bei Aktionen gegen Einzelne rechtliche Schritte eingeleitet werden, bietet ihnen das lebenslaute-Netzwerk gemeinsam mit anderen solidarische Unterstützung.[6]

Mit den Aktionen werden Herrschende daran erinnert, dass sie zwar vorgeben, die Interessen der Menschen zu vertreten, dass viele Gesetze und politische Maßnahmen aber diesen Interessen nicht entsprechen und deshalb auf Basis folgender Überlegungen gehandelt wird: „Gewaltlose, genau kalkulierte und inszenierte Gesetzesübertretungen möglichst vieler verschiedener Teile der Bevölkerung und öffentlichkeitswirksame symbolische Aktionen bringen die Spannung zwischen Recht und Gesetz, Legitimität und Legalität immer neu in Fluss, schaffen Aufmerksamkeit, nutzen und erweitern Spielräume des Widerstands.“[7]

Es werden jährlich mehrere regionale sowie eine bundesweite Aktionen organisiert, durchgeführt und ausgewertet.[8] Frei zugänglich im Web gibt es zu den jüngeren Auftritten Foto- und Filmmaterial sowie im (Live-)Ticker-Format eine Beschreibung des jeweiligen Aktionsverlaufs.

Beispielaktion am Bundesinnenministerium Berlin, 17. Juni 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Montag, den 17. Juni 2013 fand in Kooperation mit dem „Internationalen Flüchtlingstribunal gegen die Bundesrepublik Deutschland“ und weiteren Freunden die Aktion „Aufspielen statt Abschieben – Music for free Movement“ statt. Am Berliner Hauptbahnhof gab es morgens um 6 Uhr eine Mahnwache aus Protest gegen die Abschiebungspolitik der Bundesregierung, und zeitgleich wurden alle vier direkten Eingänge zum Bundesinnenministerium im Berliner Regierungsviertel durch lebenslaute-Gruppen blockiert. Um 7:30 Uhr waren weiterhin fast 100 Musiker und weitere Aktivisten im Regierungsviertel vor Ort. Ab 9:40 Uhr begann die Berliner Polizei mit der Räumung. Für die Konzertaktion ab 11:45 Uhr am Haupteingang waren die anderen drei Zugänge zum Bundesministerium freigegeben oder seitens der Polizei geräumt worden. Über einhundert Blockierer waren inzwischen am Haupteingang versammelt, und ähnlich viele Zuhörer waren anwesend. Der ganze Häuserblock wurde weiterhin durch hunderte Polizeibeamte bewacht. In Chor- und Orchesterstärke erklangen beim Abschlusskonzert folgende Stücke:[9]

Erste Konzertblockade 1986 am Raketenlager Mutlangen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzertblockade 1991 in Frankfurt am Main

Mit ihrer ersten Konzertblockade 1986 beteiligte sich lebenslaute an gewaltfreien Blockaden vor dem Pershing-II-Raketenlager in Mutlangen, Baden-Württemberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Presseberichte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 19. August, Lübeck: Lebenslaute vor FRONTEX, Kämpferischer Sommer, in: graswurzel.net, Ausgabe 330, Sommer 2008
  2. Über uns, lebenslaute.net, abgerufen am 8. August 2014
  3. Preisträger 2014 CodePink und Lebenslaute, aachener-friedenspreis.de, abgerufen am 8. Mai 2014.
  4. http://www.lebenslaute.net/
  5. Angelehnt an die Eigendarstellung bei lebenslaute.net, Stand: 10. August 2014
  6. lebenslaute: Über uns, lebenslaute.net, Stand: 11. August 2014
  7. Gerd Büntzly und Ulrich Klan, „Lebenslaute. Gewaltfreier Widerstand mit Konzertblockaden“, in: Wissenschaft & Frieden, Ausgabe 3/2014-3 Schwerpunkt Die Kraft der Künste, Seiten 16–18.
  8. Liste der Sommeraktionen 1986-2013, lebenslaute.de
  9. 2013 Berlin: Aufspielen statt Abschieben - Music for free Movement, Dokumentation mit Aktionsbeschreibung, dem Aufruf, dem Brief an Bundesinnenminister Friedrich vom 5. Juli 2013, Presse-Material, Medienberichten, Fotos, dem Film, mit den Texten der Lieder und den einführenden Kommentaren (pdf).