Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

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Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V., historisches Hauptgebäude
Automatisiertes Haubensystem zur Messung des Netto-CO2-Austausches

Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg ist eine Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Die Arbeiten des ZALF dienen der Erklärung von Wirkungszusammenhängen in Agrarlandschaften, um der Gesellschaft die Wissensgrundlagen für eine nachhaltige Nutzung bereitzustellen.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der satzungsgemäße Auftrag des ZALF besteht in der wissenschaftlichen Erforschung von Ökosystemen in Agrarlandschaften und der Entwicklung ökologisch und ökonomisch tragfähiger Landnutzungssysteme. Es arbeiten etwa 335 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand: Februar 2017) in sechs Instituten sowie einer Forschungsstation mit ca. 150 ha Gesamtversuchsfläche an den Standorten Dedelow (Stadtteil von Prenzlau), Müncheberg und Paulinenaue.

Mit seiner interdisziplinären Forschung dient das ZALF laut Satzung dem Gemeinwohl durch die Kombination von anwendungsorientierter Grundlagenforschung und der Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an relevante Bevölkerungs-, Fach- und Wirtschaftskreise. Die Forschung am ZALF zielt insbesondere auf

  • die nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft zur Produktion von Nahrungsmitteln und biogenen Rohstoffen, auch zur energetischen Verwertung
  • die Ernährungssicherheit,
  • die Verbesserung von Ökosystemleistungen,
  • den Erhalt und die Förderung der Biodiversität,
  • ein nachhaltiges Ressourcenmanagement und
  • die Anpassung der Landnutzung an den Klimawandel.

Das Leitziel des ZALF ist es, natur-, ingenieur- und gesellschaftswissenschaftliche Wirkungszusammenhänge in Agrarlandschaften auf unterschiedlichen Systemebenen aufzuklären und Lösungsvorschläge für eine nachhaltige Nutzung zu entwickeln.

Instrumentiertes Soll in norddeutscher Agrarlandschaft
CarboZALF Experimentalfläche in der Nähe von Dedelow

Die Forschung gliedert sich in drei Kernthemen:

  1. Landschaftsprozesse: Im Fokus von Kernthema I steht die Untersuchung der naturwissenschaftlichen Grundlagen, um ein vertieftes Verständnis der relevanten Vorgänge und Interdependenzen im gesamten Landschaftsraum zu erreichen.
  2. Landnutzung und Wirkungen: Die Forschungsarbeiten im Kernthema II stellen die Agrarproduktion und Ökosystemleistungen in den Landschaftskontext. Unter expliziter Berücksichtigung der vielfältigen Wechselwirkungen, die in Agrarlandschaften auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Ebenen stattfinden, werden Nutzeffekte abgeleitet und für den Transfer in die Praxis vorbereitet.
  3. Landnutzungskonflikte und Governance: Kernthema III analysiert das Verhalten der relevanten Akteure und die daraus resultierenden Konflikte. Es wird untersucht, mit welchen Instrumenten und Institutionen eine nachhaltige und konfliktreduzierende Landnutzung erreicht werden kann.

Das ZALF kooperiert beim Mückenatlas[1] mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Institut für Infektionsmedizin (Riems) (IMED).

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Institut für Bodenlandschaftsforschung
  • Institut für Landschaftsbiogeochemie
  • Institut für Landschaftssystemanalyse
  • Institut für Landnutzungssysteme
  • Institut für Landschaftswasserhaushalt
  • Institut für Sozioökonomie

Das zeitweise angegliederte Deutsche Entomologische Institut gehört seit 2009 zum Forschungsverbund des Forschungsinstituts Senckenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wandschmuck am historischen Hauptgebäude

Der steinige und sandige Boden sowie die niederschlagsarmen klimatischen Bedingungen im Osten Deutschlands führten Erwin Baur 1928 zur Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung[2] in Müncheberg, östlich von Berlin. Primärziel war die Züchtung von widerstandsfähigeren und anspruchsloseren Nutzpflanzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Einrichtung in die “Zentralforschungsanstalt für Acker- und Pflanzenbau” und ab 1970 in das “Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR” überführt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das ZALF im Jahr 1992 in der Rechtsform eines gemeinnützigen, eingetragenen Vereins neu gegründet als „Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung e. V.“. Auf Empfehlung des Wissenschaftsrates wurde es in die Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste (AG-BL) aufgenommen, aus der später die Leibniz-Gemeinschaft hervorging.

Aktuell wird das ZALF von seinen Vorstandsmitgliedern Frank A. Ewert (Wissenschaftlicher Direktor) und Cornelia Rosenberg (Administrative Direktorin) geleitet. Die Grundfinanzierung bestreiten zu gleichen Teilen das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite Mückenatlas.de. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  2. Normdaten des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung in der Deutschen National Bibliothek. Abgerufen am 14. Februar 2017.