Lemba (Volk)

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Die Lemba sind eine afrikanische Bantu-Ethnie, die im südlichen Afrika in den Staaten Simbabwe, Südafrika und Malawi leben. Sie bekennen sich zum Judentum, Christentum oder zum Islam. Es gibt die Hypothese, dass sie direkte Nachfahren der Israeliten sind.

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lemba bilden keine sozio-politische Einheit, sondern leben oft bei anderen Gruppen, wie den Shona, Venda oder Pedi. Von ihnen übernahmen sie auch deren Sprache, das Tshivenda.[1]

Bei den Lemba steht die Herstellung von Handelswaren im Mittelpunkt, sie werden wegen ihrer Fertigkeit der Metallverarbeitung geschätzt. Demgegenüber spielen Anbau und Viehzucht nur eine bescheidene Rolle.

Sie sind traditionell endogam organisiert, das heißt, sie heirateten nur innerhalb der eigenen ethnischen Zugehörigkeit.

Nahöstliche Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Lemba-Gruppen führen sich auf arabische Abstammung zurück. Bereits in den 1930er Jahren wurde aufgrund von Bräuchen, Sagen und Clannamen ein arabischer Einfluss auf die Lemba angenommen.[2]

Ein Teil der Lemba, vor allem die in Südafrika, sehen sich selbst als Juden an.[3] Diese Hypothese wurde vor allem von Tudor Parfitt untersucht und verfochten. Ihre Vorfahren sollen demnach vor ca. 2700 Jahren Israel verlassen haben. Damals eroberten die Assyrer das israelische Nordreich. Als Unterstützung dieser These werden religiöse Praktiken der Lemba angesehen, die denen des Judentums entsprechen und eine Herkunft aus dem Nahen Osten nahelegen. Die Lemba essen kein Schweinefleisch, praktizieren die Beschneidung der Jungen, sie schächten ihr Vieh, die männlichen Lemba tragen eine Kippa und seit dem späten 20. Jahrhundert werden auf ihren Gräbern Davidsterne dargestellt.[4] Allerdings sind die meisten dieser Bräuche nicht spezifisch jüdisch, sondern werden auch von muslimischen oder anderen afrikanischen Völkern praktiziert.[3]

Nach ihrer Gründungslegende besaßen die Lemba ein tragbares Wanderheiligtum, das Ngoma Lugundu („Trommel der Ahnen“) genannt wird und das sie aus dem „Norden“ in ihre heutige Heimat geführt haben soll. Sie wird von Parfitt mit der Bundeslade der biblischen Israeliten verglichen. Im Gegensatz zur Bundeslade ist sie kein tragbarer Schrein, sondern ein tragbares, trommelähnliches Instrument. Sie war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrere Jahrzehnte verschollen, bis sie 2007 von Tudor Parfitt wiederentdeckt wurde. Ihr Alter wird auf ca. 700 Jahre geschätzt.[5][6]

Herkunftslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mündliche Überlieferung der Lemba behauptet, dass sie ursprünglich aus einer Stadt namens Senna stammten. Parfitt vermutet, dass diese im heutigen Jemen liegen könnte. Es bestehen Ähnlichkeiten zwischen dem Namen Senna und dem Namen der jeminitischen Hauptstadt Sanaa. Außerdem gebe es in der Nähe von Sanaa einen Ort mit dem Namen Senna. Die dort lebenden muslimischen Einwohner besitzen ähnliche Nachnamen wie sie bei den Lemba gebräuchlich sind. Historisch betrachtet gab es schon lange eine große jüdische Gemeinde im Jemen. Parfitt hält es für möglich, dass einige Vorfahren der Lemba von Senna aus als Kaufleute nach Afrika kamen und jüdischer Abstammung sind. Die Lemba wären dann Nachfahren von eingewanderten jüdischen Männern mit afrikanischen Frauen. Am Ende des 16. Jahrhunderts sollen sie von der Küste in das Landesinnere gewandert sein.[7]

Genetische Untersuchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die These der jüdischen Abstammung wurde seit Ende der 1990er Jahre durch genetische Tests untersucht. In den Jahren 1999 und 2000 ließ der englische Professor Tudor Parfitt eine DNA-Analyse genetischer Marker durchführen.

Dabei wurden DNA-Proben von Bantu (Afrika), Jemeniten und sephardischen und aschkenasischen Juden, einschließlich der Kohanim, der Nachfahren der jüdischen Priester, verglichen. Als Kohanim kamen nur die Nachfahren von Aaron in Betracht. Dabei stellte man eine große Ähnlichkeit zwischen dem Y-Chromosom des Clans der Buba der Lemba mit dem anderer Nachfahren der Kohanim fest. Das Y-Chromosom wird immer vom Vater auf den Sohn vererbt und je ähnlicher es ist, desto näher ist ein gemeinsamer väterlicher Vorfahre. Der Buba-Clan ist einer der zwölf Clans der Lemba und gilt unter ihnen als der Clan der Priester.[8][9]

Hingegen unterscheiden sich die Lemba in Hinsicht auf Blutgruppen und mitochondriale DNA (weibliche Erblinien) nicht von ihren afrikanischen Nachbarn. Jüngere Studien haben außerdem die genetische Verbindung mit den jüdischen Kohanim in Frage gestellt. Das betreffende Y-Chromosom ist der Haplogruppe J zugeordnet und wird als Cohen Modal Haplotyp bezeichnet. Der untersuchte CMH-Haplotyp ist zwar bei den Kohanim häufig, ist aber auch sonst im Nahen Osten verbreitet und damit nicht geeignet, um eine jüdische Herkunft sicher nachzuweisen. Eine detailliertere Genuntersuchung hat dagegen festgestellt, dass die für die Kohanim typische Variante des CMH-Haplotyps bei den Lemba nicht vertreten ist.[3]

Genetisch sind somit derzeit Einflüsse aus dem Nahen Osten in männlichen Erblinien der Lemba nachweisbar, die auf den arabischen Handel an der Ostküste Afrikas zurückgehen könnten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas MG: Y chromosomes traveling south: the cohen modal haplotype and the origins of the Lemba – the "Black Jews of Southern Africa". Am J Hum Genet. 2000; 66(2):674-86. PMID 10677325
  2. Hammond Tooke, W.D.: The Bantu-speaking Peoples of Southern Africa. Routledge and Kegan Paul, London 1974, S. 81–84, 115–116
  3. a b c Himla Soodyall, Jennifer G. R Kromberg: Human Genetics and Genomics and Sociocultural Beliefs and Practices in South Africa. In: Dhavendra Kumar, Ruth Chadwick (Hrsg.): Genomics and Society: Ethical, Legal, Cultural and Socioeconomic Implications. Academic Press/Elsevier, ISBN 978-0-12-420195-8, S. 316 (google.com).
  4. Lost Jewish tribe 'found in Zimbabwe'. BBC
  5. [1], Spiegel-online vom 12. Januar 2009
  6. M. G. Thomas, T. Parfitt, D. A. Weiss, K. Skorecki, J. F. Wilson, M. le Roux, N. Bradman, D. B. Goldstein: Y chromosomes traveling south: the cohen modal haplotype and the origins of the Lemba–the "Black Jews of Southern Africa". In: American journal of human genetics. Band 66, Nummer 2, Februar 2000, S. 674–686, doi:10.1086/302749, PMID 10677325, PMC 1288118 (freier Volltext).
  7. [2], www.jewishvirtuallibrary.org, englisch, abgerufen am 13. Januar 2013
  8. [3], www.worldjewishcongress.org, englisch, abgerufen am 12. Januar 2013.
  9. http://www.enotes.com/african-lemba-tribe-reference/african-lemba-tribe (Memento vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive), www.enotes.com, englisch, abgerufen am 13. Januar 2013.