Israeliten

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Dieser Artikel behandelt die biblische Darstellung des antiken Volkes der Israeliten; zu den Staatsangehörigen des Staates Israel, siehe Israelis.
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Die Israeliten sind nach der Bibel alle Angehörigen der Zwölf Stämme Israels und ihre Nachkommen, die Juden. Sie bilden in ihrer Gesamtheit und Generationenfolge das Volk Israel (hebräisch ישראל).

Israeliten wurde auch im 19. und 20. Jahrhundert teilweise als die offizielle und Selbst-Bezeichnung für europäische Juden bevorzugt, da weniger als „Juden“ durch antisemitische Anfeindungen belastet, was sich auch in den Einrichtungsnamen wie Israelitische Kultusgemeinde widerspiegelt.[1]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige außerbiblische Quellen geben Hinweise auf die Herkunft der Israeliten. Der früheste Beleg für eine Ethnie „Israel“ ist die auf 1208 v. Chr. datierte Merenptah-Stele[2], auf welcher der Pharao Merenptah einen Stamm oder ein Volk in Kanaan namens Ysrjr erwähnt:

M17 M17 O34
D21
M17 G1 D21
Z1 T14
A1 B1
Z2

Im Tanach erscheint der Name zuerst als Ehrenname Gottes für den Stammvater der Israeliten, Jakob (Gen 32,29). Er bedeutet wörtlich „Mann (Mensch) gegen Gott“ und wird dort mit Jakobs Kampf gegen Gott um dessen Segen begründet.

Er enthält den semitischen Gottestitel El, der in der Bibel den Gott JHWH bezeichnet, der dieses Volk aus allen Völkern der Erde zu seinen Zeugen erwählt habe. Dies gilt auch für alle Nachkommen der Israeliten:[3]

„Seit dem Tage, da uns die Stimme Gottes am Sinai überwältigte, sind wir nicht mehr dieselben. […] Etwas nie Dagewesenes hat sich ereignet: Gott offenbarte uns Seinen Namen, und wir werden nach Ihm genannt. ‚Alle Völker der Erde sollen sehen, daß Du den Namen des Herrn trägst‘ (Dtn 28,10 ). Es gibt zwei hebräische Namen für Jude; Jehudi, dessen drei erste Buchstaben die drei ersten Buchstaben des Unsagbaren Namens sind, und Israel, dessen letzte Silbe ‚el‘ im Hebräischen ‚Gott‘ bedeutet...“

In deutschen Bibelübersetzungen heißen die Angehörigen dieses Volkes bis heute Israeliten, abgeleitet vom griechischen Suffix -it-, das der hebräischen Volksbezeichnung seit der Septuaginta angehängt wurde (hoi Israêlitai).

Die frühen Angehörigen dieses Volkes werden in der Bibel mit Bezug auf ihre hebräische Sprache Hebräer genannt. Außerhalb der Bibel bezeichneten die Konsonanten der Wortwurzel hbr in semitischen Sprachen des 2. Jahrtausends v. Chr. keine ethnische, sondern eine soziale Gruppe von Landlosen und Entwurzelten, zu der Räuber, Nomaden, Tagelöhner, Zwangsarbeiter und Söldner gezählt wurden.

Entstehung nach biblischer Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem 1. Buch Mose stammen die Israeliten von den zwölf Söhnen Jakobs, dessen Vater Isaak und Großvater Abraham ab. Zum Volk wurden sie nach dem 2. Buch Mose erst in der Sklaverei in Ägypten. In diese seien sie infolge einer Hungersnot geraten, die Jakobs Söhne und ihre Familien veranlasst habe, in Ägypten Getreidevorräte zu kaufen. Ein späterer Pharao, vermutlich Ramses II., habe sie dann dort zur Zwangsarbeit für seine Vorratsstädte gezwungen.

Auf ihre Hilfeschreie hin habe JHWH Mose erwählt und gesandt, um sie aus der Sklaverei zu befreien. Er habe 600.000 Männer sowie ihre Frauen und Kinder zum Auszug aus Ägypten geführt. Diese werden fortan Gemeinde Israel genannt. Nach dem Durchzug der Wüste seien sie an den Berg Sinai gelangt, wo JHWH sich Mose offenbart und ihm die Tora übergeben habe. Dann habe er mit Mose und 70 Führern der Israeliten einen Bund geschlossen, mit dem er sich zur Treue für dieses Volk und dieses zur Treue zu ihm und seinen Geboten verpflichtet und ihnen erneut die Gabe des Landes versprochen habe.

Mose und Josua führen die Israeliten dann nach Kanaan. Das Buch Josua und Buch Richter erzählen den Verlauf der sogenannten Landnahme Kanaans und anschließende Behauptung gegen äußere Feinde der Israeliten in der vorstaatlichen Zeit des Zwölfstämmebundes.

Um der ständigen Bedrohung Herr zu werden und außenpolitische Stabilität zu erlangen, hätten die Israeliten später wie andere Völker einen König verlangt und Saul als ihren ersten König gewählt. Nachdem König David diesen ablöste, eroberte er Jerusalem und machte es mit der Überführung der Bundeslade zum kultischen Zentrum seines Reiches. Sein Sohn Salomo ließ dann den Jerusalemer Tempel erbauen.

Entstehung des Judentums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Folgegeneration zerfiel Salomos Reich wegen eines Aufstands der Nordstämme in die Teilstaaten Reich Juda mit Jerusalem und Nordreich Israel mit Sichem als Hauptstadt (1 Kön 12,20 EU). Das Nordreich endete 722 v. Chr. mit der Eroberung durch die Assyrer und Deportation der dortigen Oberschicht (2 Kön 17,6 EU). Die zehn Stämme des Nordreichs werden auch als „Verlorene Stämme Israels“ bezeichnet.

Die verbliebenen Stämme Juda, Benjamin und Teile Levis werden seit der Reichsteilung als Jehudi bezeichnet. Daraus ging über die römische Provinz Judäa die Bezeichnung Juden hervor, die sich heute auf alle Nachfahren der früheren Israeliten und alle Angehörigen des Judentums auch in der jüdischen Diaspora erstreckt.

Der 1948 gegründete Staat Israel gab sich diesen Namen in bewusster Anknüpfung an den biblischen Namen. Heutige Juden nennen sich weiterhin Israeliten und Volk Israel. Auch die Samaritaner als Mischbevölkerung von Eingewanderten (2 Kön 17,24 EU) und im Lande verbliebenen bzw. zurückgekehrten Resten der Bevölkerung des früheren Nordreichs Israel haben Anspruch auf diesen Namen.

Jüdische Bibel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Tanach

Die Jüdische Bibel (Tanach) beschreibt die Juden als auserwähltes Volk Gottes, das sich durch seine Beziehung zu Gott definiert und von den anderen Völkern unterscheidet.[4]

Als einzige Religion berichtet das Judentum, nach jüdischen Quellen, wie das gesamte Volk Israel Zeuge der Offenbarung Gottes wurde.[5] Das historische Alleinstellungsmerkmal der Massenoffenbarung wird im Segensspruch auf die Wahrheit und auf die Erlösung/Befreiung Emet we-Emuna ("Wahrheit und Glaube") deutlich:

„Wahrheit und Vertrauensgrund ist dies alles und unerschütterlich für uns, daß Er, Gott, unser Gott ist und nichts außer Ihm und wir Jisrael sein Volk sind, der uns aus der Hand von Königen frei gemacht hat, unser König, der uns erlöst aus dem Griff all der Machtkecken (..) da er sein Volk Jisrael aus ihrer Mitte zu ewiger Freiheit führte (..) Mit unendlicher Freude stimmten Mosche und Jisraels Söhne Dir den Gesang an (..) Denn es hat Gott Jaakob frei gemacht (..) Gesegnet seist Du, Gott, der Israel erlöst hat.[6]

Neues Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Neuen Testament kommen die Ausdrücke „Israel/Israelit/Israeliten“ 73-mal vor und bezeichnen immer das jüdische Volk insgesamt oder Einzelpersonen als dessen Angehörige. An allen Stellen ist das von Gott bleibend erwählte Gottesvolk gemeint und angesprochen. Alle NT-Schriften erwarten, erhoffen und erbitten daher die endgültige Rettung aller Israeliten durch Gott.

Besonders Paulus von Tarsus macht diese Rettung in seinem Römerbrief (Röm 9-11) zu einem für alle Christen maßgebenden Thema. Sein früher Galaterbrief schließt das „Israel Gottes“ in die Fürbitte der Christen ein (Gal 6,16). Sein später Epheserbrief bekräftigt die israelitische Hoffnung der Völkerwallfahrt zum Zion, die Christi Sühnetod am Kreuz ermöglicht und die Urchristen begonnen hätten. Diese Voraussetzung gilt auch im Johannesevangelium (Joh 1,31.47.49; 3,10), das die Juden sonst als Vertreter des von Jesus Christus beendeten „Alten Äons“ darstellt, und in der Johannesoffenbarung (2,14; 7,4; 21,12).[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gösta W. Ahlström: Who were the Israelites? Eisenbrauns. Winona Lake IN 1986, ISBN 0-931464-24-2.
  • William G. Dever: Israelites. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 382–84.
  • Markus Witte, Johannes F. Diehl (Hrsg.): Israeliten und Phönizier. Ihre Beziehungen im Spiegel der Archäologie und der Literatur des Alten Testaments und seiner Umwelt (= Orbis biblicus et orientalis. Bd. 235). Fribourg u. a., Academic Press u. a. 2008, ISBN 978-3-7278-1621-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Israeliten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Israelit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Brenner: Israeli und Israeliten. Neue Zürcher Zeitung, 20. August 2014, abgerufen am 25. April 2016.
  2. Auszug aus Ägyptens Archiven Spektrum.de
  3. Abraham Joshua Heschel: Gott sucht den Menschen. Eine Philosophie des Judentums (= Information Judentum. Bd. 2). 3. Auflage. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1992, ISBN 3-7887-0607-4, S. 129.
  4. Understanding Jewish History: Texts and Commentaries By Steven Bayme, S. 363
  5. „Wenn man fragt: Wie war es, als das Volk am Sinai stand und die Stimme Gottes hörte? – dann muß die Antwort lauten: Wie kein anderes Geschehen in der Geschichte der Menschen. Es gibt zahllose Legenden, Mythen, Berichte – aber nirgendwo sonst wird davon Kunde gegeben, daß ein ganzes Volk Zeuge eines Ereignisses wie das vom Sinai wurde.“ Aus: Abraham Joshua Heschel: Gott sucht den Menschen. Eine Philosophie des Judentums; in: Zehuda Aschkenasy, Ernst Ludwig Ehrlich und Heinz Kremers (Hrsg.): Information Judentum, Band 2; Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1992; S. 146
  6. Siddûr tefillôt Yiśrāʾēl / übers. u. erl. von Samson Raphael Hirsch. 3. Aufl. Frankfurt a. M.: Kauffmann, 1921, S. 263–265
  7. Heinz Kremers: Das jüdische Volk im Neuen Testament und heute. In: Heinz Kremers: Judenmission heute? Von der Judenmission zur brüderlichen Solidarität und zum ökumenischen Dialog. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1979, ISBN 3-7887-0599-X, S. 37 ff.