Les Préludes

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Les Préludes ist eine zwischen 1848 und 1854 entstandene symphonische Dichtung von Franz Liszt.

Das Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liszt hatte sich von der klassischen viersätzigen Sonaten- bzw. Symphonie-Form gelöst und in Anlehnung an Hector Berlioz eine programmatische einsätzige Form gewählt, die er im übrigen ganz ähnlich auch bei seinen explizit nicht programmatischen Klavierkonzerten angewandt hat. Zum Verständnis der Musik ist das von Liszt erst später vorangestellte Programm völlig überflüssig. Es gibt wenige Musikstücke, die so unmittelbar in ihren Intentionen verständlich sind. Dennoch sei es kurz erwähnt. Liszt weist auf die Méditations poétiques von Alphonse de Lamartine hin, die aber aus insgesamt etwa 30 Gedichten bestehen. Dieser Bezug soll wohl auch nur die Grundstimmung wiedergeben. Liszt hat einen längeren Text zur Erläuterung angegeben. Er sieht die Phasen des Lebens als Vorspiele (Préludes) zur Melodie des Todes. Diese Phasen des Lebens sind Kämpfe und Stürme, Liebesglück und Schmerz, Trost, Erleben der Natur.

Trotz der Gegensätze dieser Stimmungen, die sich in Les Préludes widerspiegeln, zeichnet sich das Werk durch eine bemerkenswerte Geschlossenheit aus. Es beginnt mit einer zarten wehmütigen Melodie, aus der sich das erste stürmische Hauptthema entwickelt, das über einen pastoral anmutenden Teil in das zweite Thema übergeht. Diese beiden Themen werden in gleitend wechselnden Stimmungen fortentwickelt. In einer gewaltigen Steigerung mündet das ursprüngliche liebliche Thema in das erste Hauptthema als majestätische, glanzvolle Fanfare.

Franz Liszt stellte seinem Musikstück folgenden Text[1] voran (Übersetzung Peter Cornelius):

Was anderes ist unser Leben, als eine Reihenfolge von Präludien zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt? …

Dennoch trägt der Mann nicht lang die wohlige Ruhe inmitten besänftigender Naturstimmungen, und »wenn der Drommete Sturmsignal« ertönt, eilt er, wie immer der Krieg heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten, um im Gedränge des Kampfes wieder zum ganzen Bewusstwerden seiner selbst und in den vollen Besitz seiner Kraft zu kommen.

Seit dem Beginn des Russlandfeldzugs im Zweiten Weltkrieg wurde das Hauptthema als Erkennungsmelodie für den Wehrmachtbericht in Rundfunk und den Wochenschauen verwendet und war auch als Siegesfanfare vorgesehen (siehe Russland-Fanfare).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Draeseke: Franz Liszt’s neun symphonische Dichtungen. In: Anregungen für Kunst, Leben und Wissenschaft. 1857–1859 (Neudruck in: Felix Draeseke. Schriften 1855–1861. Gudrun Schröder, Bad Honnef 1987) – Analysen und Werkeinführungen zu den ersten neun Symphonischen Dichtungen Liszts.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lina Ramann: Aus der Gegenwart: Aufs. über Musik für Musikfreunde. Schmid, 1868, S. 27 (online).