Lieser (Drau)

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Lieser
Liesergraben bei Seebach / Seeboden um 1920.

Liesergraben bei Seebach / Seeboden um 1920.

Daten
Lage Kärnten (Österreich)
Flusssystem Donau
Abfluss über Drau → Donau → Schwarzes Meer
Quelle hinteres Pöllatal
Quellhöhe ca. 1900 m ü. A.
Mündung Drau bei Spittal an der DrauKoordinaten: 46° 46′ 52″ N, 13° 29′ 58″ O
46° 46′ 52″ N, 13° 29′ 58″ O
Mündungshöhe ca. 542 m ü. A.
Höhenunterschied ca. 1358 m
Länge 50 km
Einzugsgebiet 1036,3 km²[1]
Abfluss am Pegel Spittal (Fasan)[2]
AEo: 905,2 km²
Lage: 3,18 km oberhalb der Mündung
NNQ (05.03.1996)
MNQ 1951–2011
MQ 1951–2011
Mq 1951–2011
MHQ 1951–2011
HHQ (02.09.1965)
1,99 m³/s
5,92 m³/s
21,6 m³/s
23,9 l/(s km²)
176 m³/s
400 m³/s
Rechte Nebenflüsse Malta
Mittelstädte Spittal an der Drau
Kleinstädte Gmünd in Kärnten
Schiffbar Weltmeisterschaftsstrecke Wildwasser
Lieser in Spittal

Lieser in Spittal

Die Lieser ist ein rund 50 km langer Fluss in Kärnten.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie entspringt im hinteren Pöllatal (Lieserursprung) in der Hafnergruppe, durchfließt zunächst das Pöllatal (Naturschutzgebiet) und im Anschluss das Katschtal, bevor sie bei Gmünd die Malta aufnimmt. Von da an durchfließt sie das Liesertal, nimmt das Wasser des Millstätter Sees auf und mündet schließlich unterhalb von Spittal in die Drau.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Lieser gehört zum ältesten Namensgut Kärntens, da Flüsse in alter Zeit das wichtigste Orientierungsmittel waren. Der Name wird vom indogermanischen *(E)Lesura abgeleitet, das Liebental bedeutet.[3]

Die Lieser bildet auf ihrer ganzen Länge die Grenze zwischen den Nockbergen, dem südwestlichen Teil der Gurktaler Alpen und Hohen Tauern. Ihr Einzugsgebiet deckt sich im Oberlauf weitgehend mit dem früheren Gerichtsbezirk Gmünd. Die gesamte Verlauf ist als Fischwasser nutzbar.

Überschwemmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. September 1903 gab es ein sehr schweres Gewitter mit Regen, Schnee und Stürmen insbesondere im Malta- und Liesertal. Vor dem "Blauen Tumpf" im Maltatal staute eine Mure den Maltabach. Daraus entwickelte sich eine Wasser- und Gerölllawine, die entlang Lieser enorme Schäden verursachte und 13 km der Gmündner Straße zerstörte. Sowohl die Brücke in Lieseregg als auch Seebach wurden zerstört. Das Ereignis wurde vom Mundartdichter Franz Podesser aus Tangern im Epos "Die große Gieß" beschrieben.[4] Die Katastrophe führte 1904 zur Lieserregulierung zwischen Grud und Seebach. Die neue Straße nach Gmünd wurde erst im November 1905 eröffnet. Der provisorische "Kirchsteig" bei Lieseregg von 1904 bestand bis 1956, als eine Betonbrücke errichtet wurde.

Wildwassersport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr unterer Lauf im Liesergraben, der den Millstätter See-Rücken durchschneidet, ist eine anspruchsvolle Wildwasserstrecke für Kanufahrer. 1960 gab es hier die erste Kajak-Bewerbe. 1961 wurde in der Sportgemeinschaft Spittal die Sektion Kanu gegründet. 1963, 1965 und 1977 wurden Kanu-Weltmeisterschaften an diesem Lieserabschnitt ausgetragen. 1992 wurde die Lieser-Kanu-Schule gegründet.[5] Durch die unmittelbar am Fluss entlangführende Straße war die Strecke für Zuschauer sehr gut einsehbar. Die Infrastruktur für Kanu-Bewerbe gibt es nicht mehr, doch noch immer befahren Kanuten aus dem In- und Ausland den Fluss.

Kraftwerksprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im März 2010 bekanntgewordenen Pläne für ein Kraftwerksprojekt, geplant ist eine Wasserfassung in Lieserbrücke mit einer Rohrleitung in der Bundesstraße B99 und ein Kraftwerk beim Marienheim, riefen Proteste bisheriger Nutzer (Fischer, Paddler) hervor, die eine „Interessengruppe Lieser“ gründeten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lieser – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Flächenverzeichnis der österreichischen Flussgebiete: Draugebiet. Beiträge zur Hydrographie Österreichs, Heft Nr. 59, Wien 2011, S. 40 (PDF; 3,7 MB)
  2. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Hydrographisches Jahrbuch von Österreich 2011. 119. Band, Wien 2013, S. OG 337 (PDF; 12,9 MB)
  3. Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. I. Teil, 1956, S. 20.
  4. Edi Rauter: Seeboden. Ein Kurort am Millstätter See. Verlag Carinthia, Klagenfurt, 1976, ISBN 3-85378-015-6, S. 19.
  5. Stöflin, Helmut: Geplantes Kraftwerk an der Lieser „elektrisiert“. In: Kleine Zeitung, 22. März 2010 (Memento vom 12. Juni 2010 im Internet Archive), aufgerufen am 24. März 2010.