Lili Körber

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Lili Körber (Pseudonyme Agnes Muth, Silvia Broeck[1]) (* 25. Februar 1897 in Moskau; † 11. Oktober 1982 in New York City) war eine österreichische Schriftstellerin jüdischer Konfession.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lili Körber wurde als Tochter des aus dem galizischen Tarnow stammenden österreichischen Importkaufmanns Ignaz Körber (1864–1944) und dessen polnischer Ehefrau in Moskau geboren, wo ihre Eltern sich 1882 niedergelassen hatten. Sie wuchs mit zwei jüngeren Schwestern, Margarethe (* 1899) und Nina (* 1903) in wohlhabenden Verhältnissen auf[2]. Ihr Vater wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Ausländer in Russland inhaftiert. Nach seiner Freilassung musste die Familie 1915 das Land verlassen und übersiedelte (über Berlin) nach Wien. Lili Körber schloss das Gymnasium in Zürich mit der Matura ab. Sie promovierte 1925 mit einer Dissertation über die Lyrik Franz Werfels zum Dr. phil. an der Universität Frankfurt am Main.

Wiener Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie nach Wien zurück, wo sie sich, abgesehen von den in dieser Zeit unternommenen Reisen bis zu ihrer Emigration im Jahr 1938 überwiegend aufhielt[3]. Dort war sie ab 1927 journalistisch für die Arbeiter-Zeitung, 1929/30 auch für die Wiener Rote Fahne tätig. Eine 1930 angetretene Russlandreise dehnte sie auf einen fast einjährigen Aufenthalt aus, im Verlauf dessen sie einige Wochen als ungelernte Arbeiterin in den Putilow-Werken in Leningrad eine Bohrmaschine bediente[4]. Ihr „Tagebuchroman“ Eine Frau erlebt den roten Alltag, der 1932 im Rowohlt Verlag erschien und ein Verkaufserfolg wurde, verarbeitete ihre Erfahrungen dort. Im Januar 1933 besuchte sie Berlin und schrieb unter dem Eindruck der heraufziehenden Herrschaft der Nationalsozialisten den Roman Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland, der mit dem Selbstmord einer in Mischehe lebenden Jüdin tragisch endet. Das Buch erschien zuerst 1934 in Wien, wurde dort jedoch wegen Blasphemie verboten. 1933 war sie in Wien Mitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller geworden. 1935 unternahm sie Reisen nach China und Japan.

Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. März 1938[5], kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs, emigrierte sie – mit einer kurzen Zwischenstation in Zürich[3] – nach Frankreich. 1941 gelangte sie mit Unterstützung des Emergency Rescue Committee zusammen mit ihrem Lebensgefährten Erich Grave, der zuvor in einem französischen Lager interniert gewesen war, über Spanien und Lissabon in die USA. Dort arbeitete sie unter anderem als Krankenschwester. Im amerikanischen Exil schrieb sie den Roman Ein Amerikaner in Rußland, in dem sie ihre Erfahrungen mit dem Stalinismus thematisiert. Ihr autobiographischer Roman Call me nurse blieb unveröffentlicht.

Lili Körber starb im Alter von 85 Jahren am 11. Oktober 1982 in New York, wo sie seit ihrer Ankunft am 23. Juni 1941 lebte[3].

Journalistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erscheinung trat sie als Erzählerin, Lyrikerin und freie Mitarbeiterin verschiedener Zeitschriften, u. a. Die Neue Weltbühne in Prag, Gavroche in Paris, Staatszeitung und Herold in New York, Das andere Deutschland in Buenos Aires. Im Pariser Tageblatt (PTB), das 1933 von dem russischen Emigranten und Inseratenverleger Wladimir Poliakov (Publité Metzl, zuvor Moskauer Annoncen-Expedition Metzl) in Paris für deutschsprachige Exilanten gegründet worden war, und in dem Nachfolgeblatt Pariser Tageszeitung (PTZ) veröffentlichte sie Beiträge sowohl in den Wiener Jahren, als auch in den ersten Monaten ihres Exils in Frankreich. Die Zeitung musste ihr Erscheinen nach Kriegsausbruch 1939 einstellen.[6]

Ihr literarischer Nachlass befindet sich heute im Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Lyrik Franz Werfels. Dissertation. Frankfurt 1925.
  • Eine Frau erlebt den roten Alltag. Ein Tagebuchroman aus den Putilowwerken, 1932.
  • Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland. Roman. Zürich 1934.
  • Begegnungen im fernen Osten. Budapest 1936.
  • Sato-San, ein japanischer Held. Satyrischer Zeit-Roman. 1936
  • Ein Amerikaner in Rußland. Roman 1942 In: Deutsche Volkszeitung. New York.
  • Die Ehe der Ruth Gompertz. Roman 1984.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lemke, 1999, S. 167
  2. Lemke, 1999, S. 24–26
  3. a b c Walter Fähnders: Lili Körber, 2016 im Projekt Epochenprofil 20er Jahre (online).
  4. Lemke, 1999, S. 102f.
  5. Lemke, 1999, S. 159
  6. Lemke, 1999, S. 25 u. 167.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ute Lemke: Lili Körber: von Moskau nach Wien. Eine österreichische Autorin in den Wirren der Zeit (1915–1938). Carl Böschen Verlag, Siegen 1999, ISBN 3-932212-15-0.
  • Walter Fähnders: „Roter Alltag“ – Lili Körbers Blicke auf Sowjetrußland 1932 und 1942. In: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit. Nr. 18, 2008, ISBN 978-3-88663-418-7, S. 423–460.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]