Lincoln-Kennedy-Rätsel

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Als Lincoln-Kennedy-Rätsel bezeichnet man eine Reihe von angeblichen und tatsächlichen Übereinstimmungen in Bezug auf die beiden getöteten US-Präsidenten Abraham Lincoln und John F. Kennedy, die nicht lange nach Kennedys Ermordung 1963 aufkam und seitdem immer wieder in den Medien auftaucht.

Nennenswerte tatsächliche Übereinstimmungen[Bearbeiten]

  • Die Nachnamen beider Präsidenten, Lincoln und Kennedy, enthalten je sieben Buchstaben – davon je dieselbe Anzahl an Vokalen, Konsonanten und „n“.
  • Sowohl Lincoln als auch Kennedy waren die zweitgeborenen Kinder ihrer Eltern; zu Lincoln heißt es teilweise fälschlich „Sohn“.
  • Lincoln wurde 1846 in den Kongress gewählt, Kennedy 1946. Abraham Lincoln wurde 1860 zum Präsidenten gewählt, Kennedy 1960.
  • Lincoln wurde im Ford-Theater angeschossen. Kennedy saß während des Attentats in einem Wagen der Marke Ford Lincoln.
  • Beide wurden bei ihrer Ermordung von einem anderen Paar begleitet, wovon wiederum jeweils der Mann verletzt wurde.
  • Beide wurden von Südstaatlern erschossen. Der Lincoln-Mörder Booth wurde in Maryland geboren, das sich im Bürgerkrieg zwar nicht von den USA getrennt hatte, das aber zu den Südstaaten gezählt wird.
  • In beiden Fällen wurden die Mörder, noch vor ihren Prozessen, bald darauf selbst getötet.
  • Die Nachfolger von beiden Präsidenten waren Südstaatler mit Namen Johnson.
  • Andrew Johnson, Lincolns Nachfolger, wurde 1808 geboren. Lyndon B. Johnson, Kennedys Nachfolger, wurde 1908 geboren.

Banale Übereinstimmungen[Bearbeiten]

  • Die Namen der Mörder John Wilkes Booth und Lee Harvey Oswald enthalten je 15 Buchstaben. Es sind außerdem in beiden Fällen drei Namen. - Drei Namen sind in den Vereinigten Staaten die Regel, wie bei John Fitzgerald Kennedy, William Jefferson Clinton, George Walker Bush. Die durchschnittliche Namenslänge liegt zwischen 13 und 18 Buchstaben, da sind die jeweils 15 Buchstaben kein besonderer Zufall.
  • Beide Präsidenten wurden in Gegenwart ihrer Frau erschossen. - Präsidenten werden am ehesten in der Öffentlichkeit erschossen, wo ein Mörder leichter an sie heran kann, und es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Präsident in der Öffentlichkeit von seiner Gattin begleitet wird.
  • Beide wurden von hinten in den Kopf getroffen. - Nachvollziehbarerweise zielen Mörder oftmals auf den Kopf, wenn das Opfer sitzt.
  • Beide Präsidenten setzten sich für die Bürgerrechte (im Sinne der Rechte von Schwarzen) ein. - Sie waren nicht die einzigen; außerdem könnte man darüber streiten, inwiefern sie tatsächlich für die Bürgerrechte eintraten. Lincoln ließ die Sklaverei erst während des Bürgerkrieges abschaffen.

Erfindungen[Bearbeiten]

  • Beide Präsidenten seien an einem Freitag erschossen worden. – Beide Attentate fanden an einem Freitag statt, Lincoln verstarb aber erst am darauf folgenden Samstag.
  • Lincolns Sekretär habe Kennedy geheißen, und Kennedys Sekretärin Evelyn Lincoln. – Kennedy hatte tatsächlich eine Sekretärin namens Evelyn Lincoln; die Behauptung, dass Lincoln einen Sekretär namens Kennedy hatte, ist erfunden.
  • John Wilkes Booth, Lincolns Mörder, sei 1839 geboren, Lee Harvey Oswald, Kennedys Mörder, 1939. – Booth wurde in Wahrheit 1838 geboren.
  • Booth sei aus dem Theater geflohen und in einem Lagerhaus gefasst worden; Oswald sei aus dem Lagerhaus geflohen und in einem (Film-)Theater gefasst worden. – In Wirklichkeit wurde Booth in einem Tabakschuppen auf einer Farm gefasst, was nur schwer als Lagerhaus durchgehen kann.
  • Beide Attentäter seien vor ihrem Prozess ermordet worden. – Booth starb in einem Schusswaffengefecht; Berichte von einer „Ermordung“ sind höchst zweifelhaft.
  • Der Chauffeur von Kennedy, der den Wagen fuhr, in dem er erschossen wurde, habe Lincoln geheißen. – In Wahrheit wurde Kennedy in Dallas vom Secret-Service-Mann William Greer gefahren.

Erklärungen[Bearbeiten]

Als Reaktion auf die Wiedergabe des „Rätsels“ in den Medien, insbesondere durch die US-amerikanische Zeitungskolumnistin Ann Landers, veranstaltete die Zeitschrift Skeptical Inquirer, die sich mit dem Entlarven von Aberglaube und Pseudowissenschaft beschäftigt, 1992 einen Spooky Presidential Coincidences Contest („Wettbewerb für unheimliche Übereinstimmungen bei Präsidenten“). Die Leser sollten eigene Listen solcher Parallelen bei anderen Präsidenten-Paaren finden. Der eine der beiden Wettbewerbsgewinner (ein Mexikaner) hatte sechzehn erstaunliche Übereinstimmungen zwischen Kennedy und dem ehemaligen mexikanischen Präsidenten Alvaro Obregón gefunden, der andere hatte solche Listen zu nicht weniger als 21 verschiedenen Paaren von US-Präsidenten zusammengestellt.

Das Phänomen, dass sich schon in einer relativ kleinen Personengruppe wahrscheinlich zwei Personen finden lassen, bei denen eine bestimmte Eigenschaft wie etwa das Geburtsdatum übereinstimmt, wird in der Mathematik als Geburtstagsparadoxon bezeichnet. Als ein Beispiel für das Geburtstagsproblem wird vorgerechnet, dass unter den (damals) 36 toten US-Präsidenten sich mit 83 % Wahrscheinlichkeit zwei finden lassen, die den gleichen Todestag haben – tatsächlich starben Millard Fillmore und William Howard Taft beide am 8. März. Mit dem zweiten US-Präsidenten John Adams sowie dem dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson starben am 4. Juli 1826, der zugleich der 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung war, zwei Präsidenten an exakt demselben Tag.

Hinzu kommt, dass die Anzahl der Merkmale, die für eine solche Liste in Frage kommen (Wochentag der Ermordung, Name des Nachfolgers, letzte zwei Ziffern des Jahres der ersten Kongresswahl usw.), sehr groß ist. Es ist auch nicht festgelegt, welche davon übereinstimmen sollen. Man kann also die vielen nicht übereinstimmenden Eigenschaften vernachlässigen und erhält trotzdem noch eine ansehnliche Liste.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]