Gerald Ford

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Gerald Ford (1974)
Unterschrift von Gerald Ford

Gerald Rudolph Ford, Jr. (* 14. Juli 1913 in Omaha, Nebraska; † 26. Dezember 2006 in Rancho Mirage, Kalifornien; geboren als Leslie Lynch King, Jr., nach Adoption umbenannt) war von 1974 bis 1977 der 38. Präsident der Vereinigten Staaten. Er war Mitglied der Republikanischen Partei und wurde 1965 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Repräsentantenhaus, dem er von 1949 bis 1973 angehörte.

Nach dem Rücktritt von Vizepräsident Spiro Agnew am 10. Oktober 1973 nominierte Präsident Richard Nixon Ford zum neuen Vizepräsidenten. Der US-Senat stimmte dem am 27. November zu, das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten am 6. Dezember. Im August 1974 trat Präsident Nixon selbst im Zuge der Watergate-Affäre zurück. Ford wurde auf diese Weise Präsident, und zwar als einziger, der weder als Präsidentschaftskandidat noch als Vizepräsidentschaftskandidat durch das Wahlmännerkollegium gewählt wurde. Die Präsidentschaftswahl im November 1976 verlor er in einer knappen Entscheidung gegen den Demokraten Jimmy Carter. Fords Präsidentschaft endete am 20. Januar 1977. Mit 93 Jahren erreichte Ford das bislang höchste Alter aller US-Präsidenten. Seine 895 Tage[1] währende Präsidentschaft ist die kürzeste aller US-Präsidenten, die nicht im Amt verstorben sind.

Frühere Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Ford als Kleinkind 1914
Ford als Football-Spieler an der Universität von Michigan im Jahr 1933

Gerald R. Ford wurde am 14. Juli 1913 als Leslie Lynch King in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska geboren. Benannt wurde er nach seinem leiblichen Vater Leslie Lynch King senior. Seine Mutter Dorothy Ayer Gardner trennte sich jedoch wenige Wochen nach der Geburt vom Vater, der an Alkoholismus litt und seine Frau schlug. Nach der Trennung zog Dorothy mit ihrem Sohn zeitweise nach Illinois zu ihrer Schwester und deren Ehemann. Später siedelte sie nach Grand Rapids im Bundesstaat Michigan um, wo sie mit dem Sohn zunächst bei ihren Eltern unterkam. Die Ehe mit Leslie Lynch King wurde im Dezember 1913 offiziell geschieden. Bis zu seinem Tode im Jahr 1930 bezahlte der Großvater Unterhalt an Dorothy. In Grand Rapids lernte Dorothy Gardner Gerald Rudolff Ford kennen, den sie im Jahr 1917 heiratete. Ford war als Verkäufer von Lacken im Familienbetrieb seiner Eltern in Grand Rapids tätig. Er brachte keine eigenen Kinder mit, jedoch gingen drei weitere Söhne aus der Ehe hervor: Thomas Gardner Ford (1918–1995), Richard Addison Ford (1924–2015), und James Francis Ford (1927–2001). Nach der Heirat adoptierte Ford den jungen Leslie Lynch King, der daraufhin den Namen des Stiefvaters annahm. Die Schreibweise seines Mittelnamens ändert Ford später selbst von Rudolff in Rudolph. Mit seinem Stiefvater kam Ford gut zurecht. Über ihn sagte er später: „Mein Stiefvater war eine großartige Person und meine Mutter genauso wunderbar“ ("My stepfather was a magnificent person and my mother equally wonderful").[2] Zu seinem leiblichen Vater, der 1941 starb, hatte er mit Ausnahme einer Begegnung als Jugendlicher keinen weiteren Kontakt mehr.[3]

In Grand Rapids besuchte der junge Ford die Highschool, die er 1931 als einer der besten seines Jahrgangs erfolgreich abschloss. Besonders Interesse zeigte „Jerry“, wie er genannt wurde, an Geschichte und Politik. Nach dem Abschluss der Highschool studierte er zunächst am College Wirtschaftswissenschaften. Nach dessen Abschluss lehnte Ford ein Jobangebot bei einem Unternehmen in Grand Rapids ab um an der University of Michigan Rechtswissenschaften zu studieren. 1938 wechselte er an die Yale University, wo er sich schon 1935 einmal vergeblich um einen Studienplatz beworben hatte. Dort machte Ford 1941 seinen Bachelor und galt erneut als einer der besten seines Jahrgangs. Sein Studium finanzierte Ford größtenteils durch diverse Nebenjobs, unter anderem als Kellner in einem Restaurant. Während seiner Zeit am College und Universität war er begeisterter Football-Spieler, wo er zwischen 1932 und 1935 an mehreren Meisterschaften teilnahm. Ford, der meist in der Position Center spielte, war unter seinen Mannschaftskollegen als zuverlässig geschätzt und galt als einer der besten Spieler des Teams. 1935 nahm er zeitweise auch einen Job als Football-Trainer an. Ford blieb zeit seines Lebens interessiert an Football und besuchte auch während seiner politischen Karriere regelmäßig Spiele.[4]

Berufliche Tätigkeit und Zeit in der Navy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Ford als Marineoffizier der US Navy 1945

Nach dem Abschluss des Studiums kehrte Ford Anfang 1941 nach Grand Rapids in Michigan zurück und eröffnete gemeinsam mit einem Freund Philip Buchen eine Anwaltskanzlei. Dort war er jedoch nur für wenige Monate tätig. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 meldete er sich freiwillig zum Dienst bei der United States Navy. Im April 1942 wurde zum aktiven Dienst herangezogen und nach einem Monat Training zunächst in North Carolina stationiert. Dort fungierte er als Ausbilder für neu eingeschriebene Wehrpflichtige sowie als Trainer für diverse Sportarten, die an der Militärbasis gespielt wurden. Im Frühjahr des Jahres 1943 trat er dann in den aktiven Dienst an Bord der USS Monterey (CVL-26), die in den Pazifik verlegt wurde. Dort nahm Ford, der wenige Monate zuvor zum Lieutenant befördert wurde, auch an aktiven Kampfhandlungen gegen das Kaiserreich Japan auf hoher See teil. Insgesamt gewann seine Einheit dort zehn Gefechte. Zu einer lebensbedrohlichen Situation kam es während dieser Zeit aber nur ein einziges Mal im Dezember 1944, als Ford aufgrund schlechten Wetters im Taifun Cobra beinahe von Deck des Schiffs gespühlt worden wäre. Während des Sturms verloren jedoch mehr als 800 Marines ihr Leben und drei US-Kreuzer gerieten in Seenot. Die USS Monterey wurde nach dem Sturm als untauglich für den weiteren Dienst eingestuft und Ford kehrte damit in die Vereinigten Staaten zurück. Stationiert in Kalifornien übernahm er erneut eine Tätigkeit als Ausbilder und American Football Trainer. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ford im Oktober 1945 zum Lieutenant Commander befördert. Im Frühjahr 1946 schied er auf eigenen Wunsch aus der Navy aus und erhielt mehrere militärische Auszeichnungen wie die Bronze Star Medal. Danach war er bis zu seinem Einstieg in die Politik wieder als Anwalt tätig.[5]

Heirat und Freimaurerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald und Betty Ford (1948)

Gerald und Betty Ford heirateten am 15. Oktober 1948 in der Grace Episcopal Church in Grand Rapids. Aus der Ehe entsprangen vier Kinder:

  • Michael Gerald Ford (* 1950), Seelsorger
  • John Gardner „Jack“ Ford (* 1952), Journalist und PR-Berater
  • Steven Meigs Ford (* 1956), Schauspieler und Rodeoreiter
  • Susan Elizabeth Ford Vance Bales (* 1957), Fotografin

Im Jahr 2005 waren die Fords siebenfache Großeltern.

Gerald Ford wurde am 3. September 1949 in die Freimaurerloge Malta Lodge No. 465 in Grand Rapids aufgenommen, zusammen mit seinen drei Halbbrüdern. Den Gesellengrad und Meistergrad verlieh man ihm in der Columbia Lodge No. 3 in Washington D.C. am 20. April und 18. Mai 1951. Am 26. September 1962 wurde ihm in der Musikakademie in Philadelphia der 33. und höchste Grad des Souvereign Grand Inspector General des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (A.A.S.R.) verliehen, des am weitesten verbreiteten Hochgradsystems der Freimaurerei. Zugleich wurde er zum Ehrenmitglied des Supreme Council im A.A.S.R. Nördliche Jurisdiktion ernannt. Auf der Jahrestagung des DeMolay-Ordens, einer Jugendorganisation der Freimaurerei, vom 6. bis 9. April 1975 wurde Ford einstimmig zum aktiven Mitglied und zum Großmeister im Ehrenamt des International Supreme Council gewählt. Diesen Posten hatte er bis Januar 1977 inne, als man ihn zum Ehren-Alt-Großmeister ernannte.[6]

Politischer Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl und erste Jahre im US-Kongress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neu gewählte Abgeordnete Gerald Ford (links) wird 1949 im Kapitol von Senator Arthur H. Vandenberg begrüßt

Vor seinem Dienst bei den Streitkräften neigte Ford eher dem isolationistischen Flügel der Republikaner zu, der insbesondere in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg beträchtlichen Einfluss hatte. Das militärische Engagement änderte jedoch Fords Sicht auf die Weltpolitik und er trat folgend für eine dem Internationalismus ausgerichtete Außenpolitik ein. Nach seiner Rückkehr in die Heimat begann er sich zusehendes auf lokaler Ebene bei den Republikanern einzubringen. Im Jahr 1947 leitete Ford eine republikanische Organisation namens Home Front, die sich für Verwaltungsreformen in seiner Heimatstadt Grand Rapids einsetzte. Bei den Kongresswahlen im folgenden Jahr kandidierte er für das US-Repräsentantenhaus. Da der fünfte Bezirk in Michigan, für den Ford antrat, eine Hochburg der Republikaner war, wurde die parteiinterne Vorwahl zur eigentlichen Hürde für den Einzug in den Kongress. Sein Kontrahent war der amtierende Abgeordnete Bartel J. Jonkman, den Ford für seine isolationistische Außenpolitik kritisierte. Seine Kandidatur wurde von dem einflussreichen US-Senator Arthur H. Vandenberg unterstützt, der ebenfalls aus Grand Rapids stammte. Letztlich siegte Ford in einer überaus klaren Entscheidung, was selbst politische Beobachter der damaligen Zeit überraschte. „Ich kam zurück als konvertierter Internationalist“, schrieb Ford später, „und unser damaliger Kongressabgeordneter war ein überzeugter Isolationist. Und ich war der Überzeugung er müsse ersetzt werden. Niemand dachte ich könne gewinnen. Dann gewann ich im Verhältnis zwei zu eins“ (im Original: "I came back a converted internationalist. And of course our congressman at that time was an avowed, dedicated isolationist. And I thought he ought to be replaced. Nobody thought I could win. I ended up winning two to one").[7] Die eigentliche Wahl im November 1948 gewann Ford dann ohne Probleme womit er im Januar des folgenden Jahres in den Kongress einzog. Im Turnus von zwei Jahren wurde er bis einschließlich 1972 regelmäßig wiedergewählt.

Im Kongress wurde Ford, der sich als Vertreter des gemäßigten Parteiflügels der Republikaner verstand, in den 1950er und frühen 1960er-Jahren zu einem überparteilich geschätzten Parlamentarier. Seine politische Philosophie beschrieb er selbst als gemäßigt in der „Innenpolitik, internationalistisch in der Außenpolitik und konservativ in der Fiskalpolitik“. Im Gesetzgebungsverfahren übernahm er gerne die Rolle eines Vermittlers innerhalb der republikanischen Fraktion als auch zwischen seinen Parteikollegen und den Demokraten. Eigene Gesetzentwürfe verfasste er hingegen keine bedeutsamen. Durch seinen guten Ruf brachten Parteifreunde immer wieder eine Kandidatur für den Senat oder als Gouverneur von Michigan ins Gespräch, was Ford jedoch ablehnte. Stattdessen zeigte er Ambitionen eines Tages als Sprecher des Repräsentantenhauses zu dienen. In den Wahlkämpfen von 1952 und 1956 war Ford ein treuer Anhänger von Dwight D. Eisenhower, mit dem insbesondere in außenpolitischen Fragen übereinstimmte. Auch die Nominierung des umstrittenen Richard Nixon zum Vizepräsidenten fand seine Zustimmung. 1960 unterstützte er Nixons Wahlkampf gegen den Demokraten John F. Kennedy.[8]

Warren-Kommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Warren-Kommission übergibt im September 1964 den Abschlussbericht an Präsident Johnson, Gerald Ford als vierter von links

Im November 1963 ernannte ihn Präsident Lyndon B. Johnson zum Mitglied der Warren-Kommission. Die vom Obersten Bundesrichter Earl Warren geleitete Arbeitsgruppe war damit beauftragt worden, das Attentat auf John F. Kennedy aufzuklären. Während der zehnmonatigen Arbeit waren Ford und sein Team damit beauftragt worden, die Biografie von Lee Harvey Oswald, dem mutmaßlichen Mörder, zu untersuchen. Die Kommission legte im September 1964 ihren Abschlussbericht vor, der zu dem Ergebnis kam, Oswald sei allein für die Ermordung Präsident Kennedys verantwortlich. Ford verteidigte für den Rest seines Lebens die Arbeit der Kommission und widersprach diversen Verschwörungstheorien um die Ermordung Kennedys. Durch seine Tätigkeit in der Warren-Kommission erlangte Ford landesweite Bekanntheit.[9]

Fraktionsführer der Republikaner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 im Weißen Haus: Ford (rechts) während einer Besprechung mit Kongressvertretern; mittig Präsident Nixon

Nach den Wahlen des Jahres 1964, bei denen die Republikaner im Zuge der Wiederwahl Präsident Johnsons eine herbe Niederlage erlitten, wurde Ford zum neuen Vorsitzenden der republikanischen Fraktion im Repräsentantenhaus gewählt. Er besiegte dabei den bisherigen Fraktionschef Charles A. Halleck in einer parteiinternen Abstimmung. Diese endete mit 73 zu 67 Stimmen innerhalb der Fraktion äußerst knapp.[10] Nach den Verlusten der vorhergehenden Wahl sprachen sich viele Republikaner für eine personelle Erneuerung ihrer Führungsfiguren aus. Die Funktion als Minority Leader („Minderheitsführer“) trat er im Januar 1965 nach dem Zusammentritt des neuen Kongresses an. Er blieb bis zu seinem Amtsantritt als Vizepräsident Ende 1973 auf diesem Posten.

In den 1960er-Jahren unterstützte Ford die von der Johnson-Regierung initiierten Maßnahmen zur Gleichstellung von Afroamerikanern. Er stimmte ebenso für den Civil Rights Act von 1964 zu Aufhebung der Rassentrennung wie auch für den Voting Rights Act von 1965, der als Meilenstein zur Stärkung des Wahlrechts von Schwarzen galt. Den von Präsident Johnson unter dem Namen Great Society vorangetriebenen Reformen zur Ausweitung des Sozialstaats stand Ford skeptisch gegenüber. Den Sozialstaat als solchen lehnte er jedoch im Gegensatz zu konservativeren Parteikollegen nicht ab. Allerdings waren Fords Möglichkeiten auf den Gesetzgebungsprozess einzuwirken nach den vorhergehenden Wahlen stark eingeschränkt, da die Demokraten in beiden Kammern des Kongress nahezu über eine Zweidrittelmehrheit verfügten. Außenpolitisch kritisierte der republikanische Fraktionschef die von Johnson betriebene Politik im Vietnamkrieg als zu nachlässig. Ford trat, wie auch viele seiner Parteikollegen, für eine härtere Gangart gegenüber dem kommunistischen Regime in Nordvietnam ein. 1967 stellte Ford während einer Rede im Plenum des Hauses offen in Frage, ob die Johnson-Regierung einen tatsächlichen Plan habe, das militärische Engagement in Vietnam zu einer zufriedenstellenden Ende zu bringen. Der Präsident griff Ford daraufhin heftig an und verspottete ihn, zu „viel Football ohne Helm“ gespielt zu haben.[11] Wachsende Kritik am Präsidenten sowohl von Kriegsbefürwortern als auch -gegnern brachten den Republikanern bei den Kongresswahlen im Herbst 1966 Stimmengewinne ein. Dennoch reichte es nicht für eine Mehrheit und Ford blieb daher der angestrebte Posten des Speakers verwehrt. In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre erschien Ford regelmäßig mit seinem Pendant im Senat Everett Dirksen in politischen Fernsehtalkshows, um für die Politik der Republikaner zu werben. In den Medien wurden diese Auftritte als „The Ev and Jerry Show“ bekannt. Auch im Zuge der Studentenproteste der 1960er-Jahre forderte Ford eine strikte Law-and-Order-Politik.[12]

Fords politische Bedeutung wuchs nach dem Wahlen 1968, als mit Richard Nixon 1969 wieder ein Republikaner ins Weiße Haus einzog. Doch trotz Nixons Wahlerfolg änderten sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress kaum. Bereits zur Wahl 1968 war Ford als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat für Nixon im Gespräch. Allerdings lehnte er seine solche Kandidatur von Anfang an ab, da er noch immer auf eine republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus hoffte, die ihm wohl den einflussreichen Posten des Sprechers eingebracht hätte.[13] Sowohl die Innen- als auch die Außenpolitik der Nixon-Regierung fand Fords Zustimmung und erhielt bald den Ruf, einer der loyalsten Gefolgsleute im Kapitol zu sein. Im Gegensatz zu den konservativen Hardlinern seiner Partei war der republikanische Fraktionsführer ein Befürworter der Entspannungspolitik mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China. Auch mit dem vom Präsidenten schrittweise vollzogenen Rückzug der Amerikaner aus Vietnam war Ford einverstanden. Die aus der Konsequenz des Vietnamkrieges im Kongress verabschiedete War Powers Resolution von 1973 lehnte Ford hingegen ab. Doch auch seine Opposition daran konnte nicht die Überstimmung eines Vetos des Präsidenten verhindern, nachdem auch ausreichend Republikaner sich für die Novelle ausgesprochen hatten. Das Gesetz sieht einer stärke Mitwirkung der Legislative bei der Entscheidung künftiger Kriegseinsätze vor. Innenpolitisch trug Ford die Agenda des Weißen Hauses mit; wie beispielsweise Nixons Initiativen zu einem besseren Umweltschutz. Dazu zählte in besonderem Maße 1970 die Einrichtung einer nationalen Umweltbehörde. Trotz der politischen Übereinstimmungen unterhielt Nixon jedoch keine engeren persönlichen Beziehungen zu den Vertretern seiner Partei im Kongress.[14]

Vizepräsident der USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Ford (rechts) mit seiner Frau Betty und Präsident Nixon und dessen Gattin Pat nach der offiziellen Vorstellung als Vizepräsident 1973 im Weißen Haus

Im Oktober 1973, rund neun Monate nach Beginn von Richard Nixons zweiter Amtszeit, trat dessen Vizepräsident Spiro Agnew im Zuge von Bestechungsvorwürfen von seinem Amt zurück. Erstmals in der amerikanischen Geschichte kam damit der im Jahr 1967 initiierte 25. Zusatzartikel der Verfassung zum Tragen. Der Verfassungszusatz erlaubte es dem Präsidenten, mit Zustimmung des Kongresses, einen neuen Vizepräsidenten zu ernennen, was bei früheren Vakanzen auf diesem Posten nicht möglich war. Obwohl des Präsidenten erste Wahl sein Finanzminister John Connally war, empfahlen ihm seine Berater als auch Kongressvertreter beider Parteien eine Nominierung Fords. Nixon, bereits im Zuge der Watergate-Affäre politisch geschwächt, wollte daher das politische Risko für sich selbst minimieren und entschied sich mit Ford folgend für einen Kandidaten, der möglichst reibungslos bestätigt werden würde. Am 13. Oktober gab der Präsident offiziell während einer Pressekonferenz im Weißen Haus die Nominierung bekannt.[15]

Der Senat stimmte am 27. November 1973 Fords Nominierung mit 92 gegen 3 Stimmen zu. Am 6. Dezember gab auch das Repräsentantenhaus mit einem Votum von 387 gegen 35 seine Zustimmung. Alle Gegenstimmen kamen aus den Reihen der Demokratischen Partei, die in beiden Kongresskammern eine Mehrheit der Mandate stellte. Noch am selben Tag legte Ford im Plenarsaal des Hauses den Eid als neuer US-Vizepräsident ab. In den acht Monaten seiner Vizepräsidentschaft zeigte sich Ford gegenüber dem Präsidenten loyal und versuchte durch öffentliche Auftritte das Vertrauen in die US-Regierung wiederherzustellen, nachdem das Ansehen Nixons durch den Watergate-Skandal immer mehr in Verruf geraten war.[16]

Präsidentschaft (1974–1977)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsübernahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

9. August 1974: Gerald R. Ford wird vom obersten Richter Warren E. Burger als Nachfolger des zurückgetretenen Richard Nixon in das Amt des Präsidenten vereidigt
Von links nach rechts: Donald Rumsfeld, Gerald Ford und Dick Cheney 1975 im Oval Office

Ende Juli 1974 wurde deutlich, dass Präsident Nixon die Watergate-Affäre nicht überstehen würde. Das Repräsentantenhaus leitete ein Amtsenthebungsverfahren gegen das Staatsoberhaupt ein. Anfang August sagte Ford eine geplante Reise in die westlichen Bundesstaaten ab, was in den Medien als Indiz einer bevorstehenden Amtsübergabe gesehen wurde. Noch bevor der Senat über den Verbleib Nixons in seinem Amt zu entscheiden hatte, kündigte dieser am 8. August 1974 seinen Rücktritt für den folgenden Tag an. Nachdem Nixon schließlich am 9. August sein Amt als bisher einziger US-Präsident niedergelegt hatte, übernahm Ford die Präsidentschaft. Wie von der Verfassung vorgesehen, musste er die verbleibenden zweieinhalb Jahre der laufenden Amtsperiode zu Ende führen. Ford wurde im East Room des Weißen Hauses von Chief Justice Warren E. Burger als neuer Präsident vereidigt, nachdem Nixon die Heimreise nach Kalifornien angetreten hatte. Der neue Präsident hielt eine kurze, informale Ansprache, die vor allem mit den Worten “our long national nightmare is over” („unser langer nationaler Albtraum ist vorüber“) in Erinnerung geblieben ist.[17]

Am bisherigen Kabinett nahm Ford zunächst keine Änderungen vor. Einige von Nixons Ministern wie Außenminister Henry Kissinger blieben bis zum Ende von Fords Amtszeit 1977 auf ihren Posten. Innerhalb des Weißen Hauses organisierte er jedoch seinen Stab um, so wurde Alexander Haig von Donald Rumsfeld als Stabschef abgelöst. Als dieser 1975 vom Präsidenten zum Verteidigungsminister ernannt wurde (einen Posten den er später unter George W. Bush von 2001 bis 2006 erneut innehatte), machte Ford Dick Cheney zum Stabschef, der später unter George W. Bush Vizepräsident war. Auf Grundlage des 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten berief Ford mit Zustimmung des Kongresses den ehemaligen New Yorker Gouverneur Nelson Rockefeller zum neuen Vizepräsidenten. Es war das zweite Mal innerhalb eines Jahres sowie das bis heute letzte Mal, dass ein Vizepräsident nachträglich ernannt wurde.

Nach seinem Amtsantritt stand Ford unmittelbar wirtschaftlichen Problemen gegenüber. Auch die Nachwirkungen der Watergate-Affäre und des Vietnamkrieges sowie diverse Kongressuntersuchungen zu illegalen Aktivitäten der US-Geheimdienste in den vergangenen Jahren führten zu einer tiefen Vertrauenskrise der amerikanischen Bevölkerung gegenüber den Politikern in Washington.

„Nixon-Pardon“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Ford kündigt im September 1974 Nixons Begnadigung an
Am 17. Oktober 1974 nimmt Gerald Ford vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses persönlich Stellung zum Nixon-Pardon

Bereits unmittelbar nach Nixons Rücktritt gab es in der US-Öffentlichkeit zahlreiche Spekulationen, ob Ford seinem Vorgänger eine Begnadigung gewähren würde, oder ob sich Nixon als erster Präsident einem Strafverfahren stellen müsste. Am 8. September 1974 amnestierte Ford Nixon dann für alle Straftaten, die diesem während seiner Präsidentschaft vorgeworfen worden waren (sogenanntes Nixon-Pardon). Diese Entscheidung war zu jener Zeit äußerst umstritten. Nach Fords Tod bezeichneten viele (wie beispielsweise der einflussreiche Senator Edward Kennedy), die früher gegen diese Amnestie gewesen waren, die Entscheidung des Präsidenten als richtig für das Wohl des Landes. Ein Strafprozess gegen Nixon hätte das gesellschaftliche Klima zwischen den republikanisch und demokratisch gesinnten Bevölkerungsteilen zerstört und das Land vor eine Zerreißprobe gestellt, so Beobachter der damaligen Zeit. Auch Ford hatte in diese Richtung seine Entscheidung begründet. Außerdem argumentierte der neue Präsident, einen Schlussstrich unter den Watergate-Skandal ziehen zu wollen, um sich so den Herausforderungen in Wirtschafts-, Sozial und Außenpolitik stellen zu können. Nachdem Ford die Begnadigung seines Vorgängers im Rahmen einer Fernsehansprache an die Nation angekündigt hatte, fielen seine Zustimmungswerte in Meinungsumfragen von 71 auf 50 Prozent binnen einer Woche. Republikanische Abgeordnete kritisierten angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen im November desselben Jahres den Zeitpunkt der Entscheidung. Der Pressesprecher des Präsidenten Jerald terHorst, ein langjähriger Weggefährte Fords, trat noch selben Tag von seinem Posten aus Protest zurück. Einige Beobachter der damaligen Zeit vertreten sogar die Auffassung, Nixons Begnadigung sei ausschlagend für Fords recht knappe Wahlniederlage im Jahr 1976.[18]

Als erster US-Präsident erschien Ford im Oktober 1974 persönlich vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses, wo er zur Begnadigung Nixons ausführlich Stellung nahm. Vor den Abgeordneten verteidigte der Präsident seine Entscheidung. Auch wies Ford Gerüchte zurück, es habe eine informale Absprache zwischen ihm und Nixon gegeben, wonach der Gnadenerlass Bedingung für Nixons Rücktritt gewesen war. Auch der Ford-Biograf John Robert Greene schreibt, es gebe keine Belege für eine solche Absprache der beiden Präsidenten.[19]

Kongresswahlen 1974[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Monate nach Fords Amtsübernahme standen erneut Kongresswahlen an (sogenannte Midterm elections). Durch die Watergate-Affäre und die Amnestie für Nixon hatten die Republikaner stark an Popularität verloren, was dazu führte, dass die Demokraten ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern merklich ausbauen konnten. Im Senat vergrößerte sich ihre Sitzanzahl von 56 auf 60 der 100 Mitglieder. Im Repräsentantenhaus konnten sie 49 Mandate hinzugewinnen, was ihre Majorität von 242 auf 291 der 435 Sitze vergrößerte. Sogar Fords alter Wahlkreis in Michigan, der stets als sicheres republikanisches Gelände galt, wurde von einem Demokraten gewonnen. Auch Wahlen in den Bundesstaaten und auf kommunaler Ebene wurden vielfach von den Demokraten gewonnen. Dass die Partei des Präsidenten bei den Kongresswahlen in der Mitte einer präsidialen Amtszeit Sitze verliert, ist in der amerikanischen Geschichte durchaus üblich, doch durch die benannten Faktoren fielen die Verluste der Republikaner überdurchschnittlich hoch aus. Demokraten, die erstmals bei den Wahlen von 1974 gewählt wurden, erhielten in der amerikanischen Öffentlichkeit rasch den Beinamen Watergate Babies.

Wirtschafts- und Sozialpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Gerald Ford im Oval Office (1976)

Mitte der 1970er-Jahre schlitterte die US-Wirtschaft zunehmend in die Rezession. Ausdruck davon war eine zunehmende Inflation sowie das Stagnieren des Wirtschaftswachstums. Es wurde in der amerikanischen Öffentlichkeit daraufhin der Ausdruck Stagflation (ein Kofferwort aus Stagnation und Inflation) gebraucht. Die wachsende Inflation führte zur Kapitalflucht ins Ausland. Als das Land 1975 in der Rezession zu versinken drohte, senkte die US-Regierung die Einkommensteuer, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Gleichzeitig wurden die Steuern für importiertes Erdöl erhöht. In der Gesetzgebung brach besonders nach den Kongresswahlen Ende 1974 ein Kampf zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress aus. Von 48 regulären Vetos des Präsidenten, wies der Kongress ein Viertel davon (12 an der Zahl) mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern der Legislative zurück. Des Weiteren versuchte die Ford-Regierung den ökonomischen Schwierigkeiten mit Ausgabenkürzungen zu begegnen. Dies gelang insofern, dass die Inflation bis zum Jahr 1976 von 11 auf 5,8 Prozent fiel. Dennoch erreichte die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Jahr 1975 einen Rekordstand. Die Arbeitslosenquote betrug im Sommer 1975 9,2 Prozent, der höchste Stand seit dem Jahr 1941.[17][20]

Zu den bedeutenden Gesetzen die Ford noch im Jahr 1974 unterzeichnete, gehörte die Schaffung eines Programms, das rund 25 Milliarden US-Dollar für die Förderung von Erziehungsprogrammen bereitstellte. Auch unterzeichnete er ein Gesetz, das eine partielle Beschränkung der Wahlkampffinanzierung vorsah. Diese Neuregelungen betraf allerdings nur die Bundesebene, da das Wahlrecht in die Zuständigkeit der Bundesstaaten fällt. Mit seinem Vetorecht stellte sich der Präsident aber gegen verschiedene sozialpolitische Initiativen der Demokraten, die mehr finanzielle Mittel für sozialen Wohnungsbau, Gesundheitsfürsorge und Lebensmittelhilfe für Arme vorgesehen hätten. Fiskalpolitisch konservativ lehnte Ford auch Förderprogramme für amerikanische Farmer ab, um so das Haushaltsdefizit begrenzen zu können.[17]

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ford bei Unterzeichnung der Teilamnestie für Kriegsdienstverweigerer im Vietnamkrieg im September 1974
Gerald Ford (links) im Gespräch mit dem sowjetischen Partei- und Staatschef Leonid Breschnew im November 1974
Präsident Ford bespricht im Oval Office die Evakuierung von Saigon mit Vizepräsident Rockefeller (mittig) und Außenminister Kissinger (links) im April 1975

In der Außenpolitik setzte Ford die von Richard Nixon eingeleitete Entspannungspolitik mit dem Ostblock und der Volksrepublik China fort, obwohl der konservative Parteiflügel der Republikaner dies zum Teil skeptisch sah. Ein sehr wichtiger außenpolitischer Akt seiner Amtszeit war die Unterschrift unter die Schlussakte von Helsinki 1975, die seiner Präsidentschaft durchaus hohe Bedeutung verleiht. Mit dieser Schlussakte erkannten die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Staaten nolens volens die Geltung der Menschenrechte an. Bereits im September 1974 nahmen die Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen mit der DDR auf.[17]

Unter Ford wurde der bereits von Nixon begonnene Rückzug aus Vietnam vollständig abgeschlossen, nachdem die letzten US-Kampftruppen bereits 1973 das südostasiatische Land verlassen hatten. Angesichts des bevorstehenden Zusammenbruchs des südvietnamesischen Regimes (der 1973 geschlossene Frieden bestand ohnehin nur noch auf dem Papier) drängte Präsident Ford gegenüber dem Kongress auf finanzielle Hilfen für den US-Verbündeten Südvietnam. Doch nach dem jahrelangen, aus amerikanischer Sicht enttäuschend verlaufenden, militärischen Engagement der USA war der Kongress nicht Willens, Südvietnam länger finanziell oder gar erneut in militärischer Form zu helfen. Die Senatoren und Abgeordneten strichen daher gegen den Willen des Präsidenten sämtliche Gelder für Südvietnam. Als Ende April 1975 die kommunistischen Truppen des Nordens immer weiter in Richtung der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) vorrückten, ordnete Ford die Evakuierung des verbleibenden US-Personals an. Zusätzlich flogen die USA in diesen letzten Tage im Zuge der Operation Frequent Wind noch mehrere Tausend Südvietnamesen aus. Dabei handelte es sich insbesondere um jene Vietnamesen, die mit amerikanischen Streitkräften zusammengearbeitet hatten und sich nun vor Repressalien durch das neue Regime fürchteten. Sie wurden mit Helikoptern auf US-Kriegsschiffe vor der Küste ausgeflogen. Sowohl vor der US-Botschaft, auf deren abgesperrtes Gelände sich etliche Vietnamesen zu flüchten versuchten, als auch den amerikanischen Kriegsschiffen, die noch vor der Küste kreuzten, spielten sich teils dramatische Szenen ab. Am 30. April 1975 evakuierten die Vereinigten Staaten das letzte Personal. Südvietnam wurde vollständig von kommunistischen Truppen eingenommen und im Jahr darauf mit dem Norden vereint. Ford gab später für den schnellen Zusammenbruch des Südens dem Kongress die Schuld, der Hilfen für den US-Verbündeten verweigert habe. Bereits im September 1974 erließ Ford eine Teilamnestie für Kriegsdienstverweigerer im Vietnamkrieg, was seinerzeit durchaus unterschiedlich bewertet wurde. Sein Nachfolger Jimmy Carter erließ schließlich eine allgemeine Amnestie.[17][21]

In Fords Präsidentschaft fiel eine weitere außenpolitische Krise im südostasiatischen Raum: Beim Mayaguez-Zwischenfall im Mai 1975 griff Kambodscha, kurz nachdem die Roten Khmer dort die Macht übernommen hatten, das amerikanische Handelsschiff Mayaguez in internationalen Gewässern an. Ford sandte US-Marines in die Region, um die Besatzung zu retten. Die Einsatztruppe landete jedoch auf der falschen Insel und traf auf Widerstand. Die Seeleute der Mayaguez waren – ohne dass die US-Regierung davon wusste – bereits freigelassen worden. Mehrere amerikanische Soldaten wurden bei den Kämpfen getötet.[21][22]

1974 besetzte die mit den USA verbündete Türkei völkerrechtswidrig Nordzypern und 1975 annektierte das mit den USA verbündete Indonesien völkerrechtswidrig Osttimor, was etliche Menschenrechtsverletzungen und Tote nach sich zog. Laut des Dokumentarfilms Angeklagt: Henry Kissinger gaben Präsident Ford und sein Außenminister Henry Kissinger den Regierungen dafür grünes Licht.

Attentate auf Ford 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sacramento versuchte am 5. September 1975 eine Anhängerin des inhaftierten Massenmörders Charles Manson namens Lynette „Squeaky“ Fromme, Ford zu töten. Der Secret Service konnte den Anschlag jedoch verhindern. Nur 17 Tage später, am 22. September 1975, versuchte Sara Jane Moore Ford in San Francisco zu erschießen. Das konnte jedoch der Passant Oliver Sipple verhindern. Die Attentäterin wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil für Lynette Fromme war ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe. Fromme kam 2009 auf Bewährung frei.[23]

Präsidentschaftswahl 1976[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Ford bei einem Wahlkampfauftritt in den letzten Tagen der Kampagne; hier am 31. Oktober 1976 in New York
Ford-Hut im Wahlkampf 1976

Bei der nächsten Präsidentschaftswahl, die im November 1976 anstand, kandidierte Ford für eine komplette Amtsperiode als Präsident. Bei den parteiinternen Vorwahlen der Republikaner erhielt er für einen amtierenden Präsidenten ungewöhnlich starke Konkurrenz in Person des früheren kalifornischen Gouverneurs und späteren Präsidenten Ronald Reagan. Reagan kritisierte vor allem Fords Entspannungspolitik im Kalten Krieg und warf dem Präsidenten in der Endphase des Vietnamkrieges außenpolitische Schwäche vor. Auch in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen vertrat Reagan deutlich konservativere Positionen als der gemäßigte Ford. Fords Vorsprung in den Vorwahlen war zu Beginn des Republikanischen Parteitags in Kansas City Ende August 1976 so schwach, sodass keine Prognose möglich war, ob Ford oder Reagan nominiert würde. Ford siegte schließlich im ersten Wahldurchgang knapp mit 1187 Delegiertenstimmen. Für Reagan sprachen sich 1070 Delegierte aus. Dennoch hinterließ Reagan mit seiner Parteitagsrede nach Meinung vieler Beobachter einen souveränen Eindruck.[24][25]

Als Vizepräsidentschaftskandidaten stellten die Republikaner den Senator aus Kansas Bob Dole auf, nachdem Fords bisheriger Stellvertreter Nelson Rockefeller Ende 1975 eine Wahlteilnahme ausschloss. Der liberale Rockefeller wurde ohnehin als zu große Belastung für Ford gesehen, der sich parteiintern zunächst gegen den konservativen Ronald Reagan durchzusetzen hatte. Ford bezeichnete es später jedoch als Fehler, nicht erneut mit Rockefeller angetreten zu sein. Die Demokraten nominierten den Ex-Gouverneur von Georgia Jimmy Carter zum Herausforderer Fords sowie Senator Walter Mondale als Vizepräsidentschaftskandidaten. Carter verdanke seinen Überraschungserfolg in den demokratischen Vorwahlen vor allem seiner Stellung als Außenseiter, nachdem das Misstrauen der Bevölkerung infolge der Watergate-Affäre gegen die Politiker in Washington zunahm. Hauptthemen des Wahlkampfes waren die wirtschaftliche Lage, die Außenpolitik sowie die Watergate-Affäre. Im September und Oktober 1976 wurden erstmals seit 1960 wieder Fernsehduelle mit den beiden Kandidaten abgehalten. Bei jener Debatte um die Außenpolitik erlaubte sich Ford einen Patzer, als er behauptete, es gäbe in Osteuropa keine sowjetische Dominanz. Manche Beobachter sahen dies gar als ausschlaggebend für seine Niederlage, da es sich um einen Themenbereich handelte, in dem er gegen den außenpolitisch unerfahrenen Carter hätte punkten müssen. Während des Wahlkampfes präsentierte sich Ford als erfahrener und pragmatischer Politiker, wobei es ihm gelang in den Umfragen beständig aufzuholen. Der Vorsprung Carters in den Meinungsumfragen verkleinerte sich von rund dreißig Prozent im Juli auf weniger als fünf Prozentpunkte im Oktober. Damit lagen die letzten Umfrageergebnisse im Fehlertoleranzbereich und die Wahl wurde als völlig offen angesehen.[24][25]

Auch am Wahltag, dem 2. November 1976, zeichnete sich ein äußerst knappes Rennen ab. Die großen Fernsehanstalten waren erst am frühen Morgen des 3. Novembers in der Lage, Carter zum Gewinner zu erklären. Der demokratische Herausforderer erlangte aber nur in 23 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington, D.C. (kein Bundesstaat) eine Mehrheit, während Ford in insgesamt 27 Bundesstaaten (vornehmlich im Westen der USA) mehr Stimmen auf sich vereinte. Da die von Carter gewonnenen Staaten jedoch meist bevölkerungsreicher waren und damit mehr Wahlmänner stellten, konnte er im Electoral College 297 Stimmen erringen, während Ford nur 240 auf sich vereinte. Beim Popular Vote, dem Anteil der Stimmen im Volk, war Carters Vorsprung noch knapper: Er konnte 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, für Ford votierten 48 Prozent der Wähler. Am 20. Januar 1977 endete Fords Präsidentschaft mit der Amtseinführung Jimmy Carters. Dieser lobte während seiner Antrittsrede die Verdienste seines Vorgängers für die Einheit des Landes nach Watergate. Auch während des Wahlkampfes verzichteten beide Kontrahenten auf gegenseitige persönliche Angriffe. Carter und Ford unterhielten über das Ende der politischen Karrieren beider Politiker eine private Freundschaft.

Nach der Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenbild der US-Präsidenten von 1981: Richard Nixon, Ronald Reagan, Gerald Ford und Jimmy Carter (von links nach rechts)
Trauerfeier für Gerald Ford in der Washington National Cathedral

Nach Ende seiner Amtszeit zog sich Ford weitestgehend ins Privatleben zurück, blieb jedoch eine öffentliche Persönlichkeit und wurde weithin als elder statesman geschätzt. Für die Präsidentschaftswahl 1980 galt Ford als möglicher Kandidat der Republikaner für das Amt des Vizepräsidenten von Präsidentschaftskandidat Ronald Reagan. Da Ford jedoch auf relativ weitreichenden Kompetenzen bestand und insbesondere Henry Kissinger als festen Bestandteil der neuen Regierung forderte, nominierte Reagan den früheren CIA-Direktor und späteren Präsidenten George Bush senior. Eine erneute Präsidentschaftskandidatur hatte Ford bereits im Vorfeld abgelehnt. Obwohl Ford mit seinem Nachfolger Jimmy Carter eine persönliche Freundschaft verband, unterstützte er 1980 Reagans Kandidatur für das Weiße Haus.[26]

Auch in den Jahren nach 1980 blieb Ford noch eine längere Zeit aktiv, so war er unter anderem bei der Denkfabrik American Enterprise Institute tätig. Obwohl er kein politisches Amt mehr ausübte, äußerste sich Ford des Öfteren zu politischen Themen. Hier nahm er auch nicht immer die Mehrheitsmeinung innerhalb seiner Partei an. Im Mai 1994 unterzeichnete er gemeinsam mit seinen beiden Nachfolgern Carter und Reagan einen Brief an den Kongress, indem sich die drei Expräsidenten für ein Verbot von halbautomatischen Waffen aussprachen.[27] Im Jahr 2001 brach Ford bei einem elementaren gesellschaftspolitischen Thema mit seinen republikanischen Parteifreunden, indem er sich für die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen aussprach.[28]

Gerald Ford starb am 26. Dezember 2006 in seinem Haus in Kalifornien an Altersschwäche. Ford war einer von sechs Expräsidenten, die über 90 Jahre alt wurden. Die anderen fünf waren John Adams (1735–1826), Herbert Hoover (1874–1964), Ronald Reagan (1911–2004), George Bush und Jimmy Carter (beide geb. 1924). In seinen letzten Lebensjahren führte er mit seiner Frau Betty ein sehr zurückgezogenes Leben. Nur zum Gottesdienstbesuch in der anglikanischen Margareten-Kirche in der Nähe seines Hauses in Rancho Mirage ließ sich das Ehepaar sehen.[29]

Nach seinem Tod zogen rund 60.000 Menschen am Sarg vorbei, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Bei einem Staatsakt in Washington würdigte US-Präsident George W. Bush den Verstorbenen am 2. Januar 2007 als Mann „mit Charakter, Mut und Bescheidenheit“. Fords Grabstätte befindet sich in Grand Rapids im Bundesstaat Michigan auf dem Gelände des Gerald Ford Presidential Museum.[30]

Wenige Tage nach Fords Ableben wurde bekannt, dass dieser sich in einem 2004 geführten Interview mit dem Journalisten Bob Woodward, der eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung des Watergate-Skandals gespielt hatte, sehr kritisch zum Irakkrieg äußerte. In dem Gespräch äußerte Ford, George W. Bush und seine Regierung hätten bei der Rechtfertigung des Krieges schwere Fehler gemacht. Auf Fords Bitten sollte das Interview erst nach seinem Tod veröffentlicht werden.[31]

Nachwirkung und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträt von Gerald Ford im Oval Office 1976

Obwohl Ford nur für zweieinhalb Jahre Präsident war und sowohl innen- wie auch außenpolitisch nur bedingt maßgebende Akzente setzen konnte, wird er heute in den USA überwiegend für seine Amtsführung nach der Watergate-Affäre gelobt. Nach Meinung vieler Historiker gelang es Ford, das Vertrauen und die Integrität des Präsidentenamtes nach der Watergate-Affäre wiederherzustellen.

Ford wurde oft als linkisch und tollpatschig betrachtet. So glitt er 1975 bei seiner Ankunft in Salzburg auf der regennassen Gangway der Air Force One aus und schlitterte herab. Der damalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky half ihm anschließend auf. Bei anderen Gelegenheiten stieß der großgewachsene Ford mit seinem Kopf öfter gegen den Rahmen des Ausstiegs von Air Force One und rempelte Personen unabsichtlich an. Sein Verhalten wurde in zahlreichen Shows persifliert. Ein Beispiel dafür ist sein Auftritt in der Fernsehserie Die Simpsons. Er stolpert in der Szene gleichzeitig mit Homer Simpson über die Bordsteinkante und beide rufen gleichzeitig Homers berühmten Spruch „Nein!“ (im Original D’oh).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. August 1999 überreichte Präsident Bill Clinton Ford die Freiheitsmedaille („Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Am 3. Januar 2007, wenige Tage nach Fords Tod, wurde bekannt, dass der neueste Flugzeugträger der United States Navy den Namen USS Gerald R. Ford (CVN-78) erhalten wird. Die Ford ist damit auch Typschiff der nach ihr benannten Gerald-R.-Ford-Klasse.[32]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1974: Containing the Public Messages, Speeches, and Statements of the President, U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1975.
  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1975: Containing the Public Messages, Speeches, and Statements of the President (in 2 Bänden), U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1977.
  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1976-77: Containing the public messages, speeches, and statements of the President (in 3 Bänden), U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1979.
  • A Time To Heal. The Autobiography Of Gerald R. Ford. Harper & Row, New York (NY), 1979.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edward L. Schapsmeier, Frederick H. Schapsmeier: Gerald R. Ford's date with destiny: A political biography. Lang, New York 1989, ISBN 0-8204-0961-8.
  • John Robert Greene: Gerald R. Ford: A bibliography. Greenwood Press, Westport 1994, ISBN 0-313-28195-5.
  • John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6.
  • Bernard J. Firestone (Hrsg.): Gerald R. Ford and the politics of post-Watergate America. Greenwood Press, Westport 1993, ISBN 0-313-27974-8.
  • J. Edward Lee, H.C. Toby Haynsworth: Nixon, Ford, and the abandonment of South Vietnam. McFarland, Jefferson, NC 2002, ISBN 0-7864-1302-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerald Ford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Gerald Ford – Zitate
Offizielle Seiten
Nachrufe

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unter Einbeziehung der Daten seines Amtsantritts und Ausscheidens als komplette Tage war Ford 896 Tage im Amt.
  2. Philip Kunhardt Jr.: Gerald R. Ford "Healing the Nation". New York: Riverhead Books. S. 79f.
  3. John Robert Greene: Gerald Ford: Life before the presidency, Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch)
  4. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 5
  5. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 12 ff.
  6. United States Masonic Presidents, Freemason Information (englisch)
  7. Philipp Kunhardt Jr.: Gerald R. Ford: Healing the Nation. Riverhead Books, New York. S. 79f.
  8. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 14 ff.
  9. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 19
  10. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 5
  11. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 25
  12. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 27
  13. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 6
  14. Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series.). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 31 f.
  15. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 11 f.
  16. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 13
  17. a b c d e Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 384ff.
  18. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 53
  19. John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4, ISBN 0-7006-0638-6 S. 54ff.
  20. American President: Gerald Ford: Domestic policy
  21. a b American President: Gerald Ford: Foreign policy
  22. Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 385
  23. "Would-Be Assassin 'Squeaky' Fromme Released from Prison" ABC News 14. August 2009. Abgerufen am 10. Juli 2011.
  24. a b Christof Mauch: Die amerikanischen Präsidenten C.H. Beck München ISBN 978-3-406-58742-9 S. 386
  25. a b American President: Gerald Ford: Campaigns and elections
  26. Lebenslauf von Gerald Ford (englisch)
  27. Ford, Carter, Reagan Push for Gun Ban, Los Angeles Times, 5. Mai 1994
  28. Gerald Ford: Treat gay couples equally, Page on Q, 21. Oktober 2001
  29. Kath.net: Expräsident Ford: 'Bestätigen Sie mich durch Ihre Gebete' vom 28. Dezember 2006
  30. 20 Minuten: Zehntausende nahmen Abschied von Ex-Präsident Ford vom 4. Januar 2007
  31. Schwieriges Erbe: Gerald Ford hinterlässt Kritik am Irakkrieg, Die Welt, 28. Dezember 2006
  32. International Herald Tribune: Next Navy aircraft carrier to be named for late President Gerald Ford, buried Wednesday (engl.)