Ljubow Harkavy-Landau

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Ljubow Weniaminowna Harkavy-Landau, ursprünglich Blüma-Zirl Harkavy (russisch Любовь Вениаминовна Гаркави-Ландау, первоначально Блюма-Цирл Гаркави; * 8. Oktoberjul./ 20. Oktober 1877greg. in Babrujsk; † 1941 in Leningrad),[1] war eine weißrussisch-sowjetische Ärztin, Physiologin, Pharmakologin und Hochschullehrerin.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harkavy, Tochter des armen Juden Benjamin Harkavy und seiner Frau Beile, besuchte das Mädchengymnasium in Mogiljow. Sie gab dann Nachhilfe und unterrichtete in einer Privatschule in Babrujsk.[2] Im Oktober 1896 begann sie ein Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich.[1] Im August 1897 musste sie wegen mangelnder Mittel nach Mogiljow zurückkehren. 1898 gelang es ihr, die Genehmigung zum Verlassen des für Juden vorgesehenen Ansiedlungsrayons zu bekommen, so dass sie im September 1898 in St. Petersburg in das Kaiserliche Institut für Geburtshilfe eintrat.

Nach dem Studienabschluss 1899 arbeitete Harkavy im St. Petersburger Medizinischen Fraueninstitut[2] als außerordentliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls füre Physiologie und als Assistentin des Institutsprosektors. Daneben führte sie eine Geburtshilfepraxis.

1905 heiratete Harkavy den Ingenieur der Caspian-Black Sea Joint-Stock Company Dawid Lwowitsch Landau (1866–1943), so dass sie sich nun Ljubow Weniaminowna Harkavy-Landau nannte. Sie wohnte nun in Baku.[3] Sie führte eine private Praxis für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten in Balachany und arbeitete dann als Ärztin im Bakuer Mädchengymnasium. Während des Ersten Weltkrieges war sie 1915–1916 Ärztin in dem in Baku eingerichteten Lazarett. Anschließend unterrichtete sie Naturkunde im neuen jüdischen Gymnasium.[4]

Nach der Oktoberrevolution war sie Gynäkologin auf dem Großen Sowjetischen Kongress der Erdölindustriellen und lehrte Physiologie, Anatomie und Pharmakologie in den Kursen für Schwestern und rote Feldschere an der Allgemeinbildungsschule und in der Militärschule der Aserbaidschanischen Armee, in der Bakuer Medizinschule, in der Hochschule für Volksbildung, in der RabFak und im Aserbaidschanischen Agrarinstitut. Ab dem Sommersemester 1920 arbeitete sie am Lehrstuhl für Physiologie der Universität Baku.[5] Sie veröffentlichte Arbeiten zur experimentellen Pharmakologie.[6][7][8] Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Experimentalabteilung des Laboratoriums an der Lenin-Klinik für Kardiologie in Kislowodsk führte sie eine Reihe von Untersuchungen der Wirkung des dortigen Dolomit-Selterswassers auf den Stoffwechsel durch.[9]

1930 wurde Dawid Landau verhaftet im Rahmen der Erdölarbeiter-Schädlinge-Affäre.[10] Harkavy kehrte nach Leningrad zurück und arbeitete bis zu ihrem Tode am Lehrstuhl für Physiologie des Ersten Leningrader Medizin-Instituts.

Harkavys Sohn war der Physiker und Nobelpreisträger Lew Dawidowitsch Landau. Harkavys Tochter Sofja Dawidowna Landau (1906–1971) heiratete Sigusch (Sigismund Mironowitsch) Broderson (1903–1964), einen der Gründer des Zentralen Polsunow-Turbineninstituts und Bruder des Dichters Moische Broderson. Deren Tochter, Harkavys Enkelin, Ella Sigelewna Ryndina (* 1933) wurde Physikerin im Vereinigten Institut für Kernforschung in Dubna.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Элла Рындина: Любовь Гаркави и Блюма Гаркави. Кто они? (abgerufen am 22. Februar 2017).
  2. a b c Наш Баку: Ландау-Гаркави Любовь Вениаминовна - врач (abgerufen am 22. Februar 2017).
  3. Элла РЫНДИНА: Лев Ландау: штрихи к портрету (abgerufen am 22. Februar 2017).
  4. Элла Рындина: ЮНАЯ БАБУШКА, КТО ВЫ? (abgerufen am 22. Februar 2017).
  5. Familiengeschichten: Ландау (Гаркави) Любовь Вениаминовна (abgerufen am 22. Februar 2017).
  6. Garcawy-Landau, L.: Die Phasenwirkung des Digitalis auf das isolierte Herz (abgerufen am 22. Februar 2017). In: Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. Band 108, Nr. 3, 1925, S. 207–219, doi:10.1007/BF01862855.
  7. Л. В. Гаркави-Ландау: Краткое руководство по экспериментальной фармакологии. Baku 1927.
  8. Л. В. Гаркави-Ландау: Руководство к учению рецептуры. Baku 1928.
  9. О. С. Манойлова, И. И. Перцов, Е. И. Пасечников, Л. В. Гаркави-Ландау: К вопросу о влиянии доломитного нарзана на фосфорный обмен. In: Тр. БИ. Nr. 8, 1929.
  10. Ю. В. Евдошенко: Дело неятфников-«вредителей» 1929-1931 гг. и судьбы нобелевских служащих в СССР. К вопросу о генезисе «экономической контрреволюции»". Экономическая история: Ежегодник 2013. Политическая энциклопедия, Moskau 2014, S. 331–389.