Lu Yu

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Lu Yu, der „Gott des Tees“

Lu Yu (chinesisch 陸羽 / 陆羽, Pinyin Lù Yǔ; geb. 733 in Jingling, heute Tianmen, Provinz Hubei, gest. 804 in Wuxing) war ein chinesischer Gelehrter und Schriftsteller der Tangzeit. Sein Werk Chajing (茶經 / 茶经, chá jīng – „Das Buch vom Tee“, veröffentlicht 780) ist ein Klassiker der chinesischen Literatur und ein grundlegendes Werk zur chinesischen Teekultur.[1] Schon kurz nach seinem Tod wurde er als „Gott des Tees“ (, Chá Shén) verehrt.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiktives Porträt Lu Yus von Haruki Nammei (1841)

Lu Yu wurde nach den frühesten Quellen im 23. Jahr der Kāiyuán-Periode (713–741) der Regierungszeit Kaiser Tang Xuanzongs (685–762) im Alter von drei Jahren vom Mönch Zhiji adoptiert, wurde also 733 geboren. Der Legende nach wurde er als Findelkind[3] von Zhiji am Ufer eines Flusses gefunden. Er wuchs im buddhistischen Kloster von Jingling, dem heutigen Tianmen in der Provinz Hubei auf. In seiner Autobiografie schreibt Lu, dass ein Leben als buddhistischer Mönch für ihn selbst nicht in Einklang mit den konfuzianischen Traditionen stehe. 745, im Alter von 13 Jahren, entzog er sich der strengen Klosterdisziplin durch die Flucht. Zeitweise soll er bei einer Schaustellertruppe gelebt und Schauspielstücke geschrieben haben, blieb aber zeit seines Lebens in Kontakt mit den buddhistischen Gelehrten.[4]

Sein schriftstellerisches Talent wurde entdeckt und gefördert durch den Präfekten von Jingling, Li Qiwu (gest. 762), als Lu etwa 14 Jahre alt war. 751 oder 752 kehrte Li Qiwu in die Hauptstadt Chang’an zurück, doch Lu Yu lernte bald weitere Literaten kennen. Ab 755 erschütterte die An-Lushan-Rebellion China. Lu Yu floh nach Wuxing, wo er sich aufhielt und sich dem Tee und der Schriftstellerei widmete. In Wuxing traf er berühmte Schriftstellermönche wie Jiaoran, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, und dessen Schüler Lingche (746–816). Ab etwa 759 bereiste er die Regionen um Yangzhou und Zhenjiang und untersuchte dort das Wasser verschiedener Quellen im Hinblick auf seine Eignung zur Teezubereitung. Auf einer Reise zum Berg Qixia, einem bedeutenden buddhistischen Zentrum, um den dort angebauten Tee zu studieren, schloss er Freundschaft mit den Dichtern Huangfu Ran (714–767) und dessen Bruder Huangfu Zeng (gest. um 785), die zu den bedeutendsten Dichtern jener Zeit zählten. Beide widmeten ihm Gedichte,[5] die in den Dreihundert Tang-Gedichten überliefert sind.

760 zog sich Lu Yu in die Berge um Huzhou zurück, wo er sich am Ufer des Flusses Tiaoxi eine Hütte baute. Er begann mit der Niederschrift des Chá Jīng und anderer, heute verlorener Werke. In seiner Autobiographie stilisiert er sich als Gelehrter in einfacher Kleidung, der seine Tage im Gespräch mit bedeutenden Mönchen und Gelehrten zubrachte. 762 bis 764 hielt er sich wiederum in Wuxing auf und unternahm von dort weitere Studienreisen, um Tee zu verkosten. Er baute auch selbst Tee in verschiedenen Lagen an, um das Wachstum der Pflanze unter verschiedenen Bedingungen zu studieren.[6] 772 machte Lu die Bekanntschaft eines weiteren bedeutenden Gelehrten seiner Zeit, dem Staatsmann und Intellektuellen Yan Zhenqing (709–785), der einen Kreis von Gelehrten und Intellektuellen um sich versammelt hatte.[7]

Um 780 wurde das Chá Jīng veröffentlicht. Nachdem er bislang öffentliche Ämter gemieden hatte, wirkte Lu von 780 bis 783 als Lehrmeister des Kronprinzen (Taizi wenxue), kehrte danach in den Süden zurück und baute sich 785 ein Haus in Fuzhen im Kreis Shangrao. Lu Yu starb 804 in Wuxing und wurde nahe der Stupa des Jiaoran am Ufer des Tiao-Flusses vor dem Miaoxi-Kloster auf dem Berg Zhu bestattet.[8][9]

Quellen zur Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genaue Informationen zum Leben Lu Yus sind nur spärlich verfügbar. Im Alter von 29 Jahren (761) verfasste er selbst seine Autobiografie des Lehrmeisters Lu (Lu wenxue zizhuan). Der Text ist in einer Anthologie der frühen Songzeit überliefert, den Blumen und Blüten des Gartens der Literatur (Wenyuan Yinghua). Dieses Werk ist eine der ältesten Autobiografien der chinesischen Literatur.[10] Der Dichter Qiji erwähnt in einer Fußnote zu seinem Gedicht Beim Vorbeigehen an Lu Hongjians früherem Wohnhaus, dass der Text der Autobiografie in einen Stein nahe dem Haus eingemeißelt war. Eine Biografie ist auch im Neuen Buch der Tang (Xin Tang shu), der offiziellen Geschichte der Tang-Dynastie enthalten; dort wird er im Kapitel über die Einsiedler erwähnt. Der buddhistische Chronist Nianchang (1282–1344) widmete Lu Yu einen Eintrag in seinem Werk Ausführliche Geschichte der Buddhas und Patriarchen (Fozu lidai tongzai). Um 1300 schließlich entstand eine weitere wichtige Quelle zur Biografie Lus, die „Biografien der Talente des Tang-Reichs“ (唐才子傳 / 唐才子传, Táng Cáizǐ Zhuán)[11] des Yuan-zeitlichen Staatsmanns und Dichters Xin Wenfang. Neben diesen ausführlicheren Texten sind eine Reihe von Anekdoten aus Lu Yus Leben in Texten aus dem 9. Jahrhundert erhalten, die in späteren Jahrhunderten teils legendenhaft ausgeschmückt wurden.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James A. Benn: Tea in China. A religious and cultural history. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2015, ISBN 978-0-8248-3964-2. – mit zahlreichen Angaben originaler Quellen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laura C. Martin: Tea: The drink that changed the world. Tuttle Publishing, North Clarendon, VT 2011, ISBN 978-1-4629-0013-8.
  2. Benn (2015), S. 96.
  3. Gudula Linck: Poesie des Alterns: Chinesische Philosophie und Lebenskunst. Freiberg & München 2019
  4. Benn (2015), S. 103–105
  5. Benn (2015), S. 106
  6. Benn (2015), S. 107
  7. Benn (2015), S. 109
  8. Aaron Fisher: Way of Tea: Reflections on a life with tea. Tuttle Publishing, North Clarendon, VT 2010, ISBN 978-1-4629-0022-0, S. 63–67 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Benn (2015), S. 111
  10. Wolfgang Bauer: Das Antlitz Chinas: Die autobiografische Selbstdarstellung in der chinesischen Literatur von ihren Anfängen bis heute. C. Hanser, München 1990, ISBN 978-3-446-15221-2, S. 244–249.
  11. Volltext des Tang Caizi Zhuan im Chinese Text Project
  12. Benn (2015), S. 100