Luer-System

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Einmalspritze aus Kunststoff mit Luer-Lock-Anschluss („männlich“)

Das Luer-System ist ein genormtes Verbindungssystem für eine kombinierte Anwendung von Spritzen und Infusionsbesteck im medizinischen Bereich.

Es findet unter anderem Anwendung bei Kanülen, Spritzen, Kathetern, Dreiwegehähnen und Infusionsschläuchen. Es gibt bei diesem Verbindungssystem praktisch nur eine Größe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Luer geht auf den deutschen, aber in Paris wirkenden Instrumentenmacher Hermann Wülfing Luer († 1883) zurück. Die Luer-Verbindung kombiniert mit einer Drehsicherung wurde erstmals 1952 beschrieben. Die Schreibweisen Luer-Lock für die Verbindung mit Sicherung und Luer-Slip für die ohne Sicherung sind als registrierte Marken der Firma Becton Dickinson geschützt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dichtung wird dabei durch eine kegelförmige Konstruktion der Verbindungsteile erreicht, den sogenannten Luer-Konus. Dabei wird der Innenkegel der einen Verbindungsseite auch als weiblich bezeichnet, der Außenkegel der Gegenseite als männlich.

Die einfachere Variante ohne Schraubgewinde wird als Luer-Ansatz, -Steck oder -Slip bezeichnet.

Wenn der männliche Kegel mit einem Innengewinde zur Verriegelung der Verbindung versehen ist, bezeichnet man das System als Luer-Lock. Damit kann die Verbindung gegen versehentliches Lösen gesichert werden, sie schließt und öffnet mit einer halben Drehung.

Das Luer-System garantiert die Kompatibilität zwischen verschiedenen Herstellern und ist international standardisiert durch die ISONorm ISO 80369 und als deutsche Übersetzung in der DIN EN 20594 verfügbar.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Luer-Lock-Verbindung birgt gefährliche Verwechslungsmöglichkeiten in sich, da sie für unterschiedlichste Anwendungen kompatibel ist. Sie ermöglicht vaskuläre (Venen und Arterien), spinale bzw. peridurale (Rückenmark), enterale (z. B. Ernährungssonden) und respiratorische (Atemwege) Anwendungen. So ist nicht auszuschließen, dass z.B. ein venös zu injizierendes Medikament fälschlicherweise spinal (in die Rückenmarkflüssigkeit) appliziert wird.
  • Die Luer-Lock-Verbindung schließt nicht immer sicher. Im Falle von schlecht gefertigten Konnektoren sind spontane Öffnungen der Verbindung bekannt, was z.B. bei laufenden Infusionen fatale Folgen haben kann. Zudem kann die Verbindung durch jedermann leicht gelöst werden.
  • Umgekehrt gibt es oft Probleme mit zu fest gezogenen Verbindungen: Lässt sich die Luer-Lock-Verbindung nicht per Hand lösen, so setzt man eine anatomische Klemme an den männlichen Verbindungsteil und dreht die Verbindung ab. Ein solches Instrument sollte daher immer zur Hand sein (z.B. mit am Infusionsständer hängen)
  • Bei bestehenden Luer-Lock-Verbindungen können Probleme durch Kontamination entstehen, da jede bewusste oder unbewusste Diskonnektion das Einbringen von Krankheitserregern ermöglicht. Daher ist die Zahl der Manipulationen auf ein minimales Maß zu begrenzen. Notwendige Manipulationen müssen unter aseptischen Bedingungen, gewissenhaft durchgeführten Desinfektionsmaßnahmen (Hände, Material), durchgeführt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]