Mückenputzer

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Mückenputzer in Parkposition an einem Ventus. Bei genauem Hinsehen lässt sich der Reinigungsfaden erkennen.

Als Mückenputzer (engl. bug wiper) bezeichnet man im Segelflugsport eine Vorrichtung, mit der sich während des Fluges tote Insekten von der Profilnase der Tragflächen entfernen lassen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei länger andauernden Flügen sammeln sich an der Profilnase eines Flugzeuges Insektenkadaver an, die negativen Einfluss auf die Flugleistung haben. Insbesondere die bei modernen Hochleistungssegelflugzeugen verwendeten Laminarprofile sind davon betroffen, da die Kadaver die laminare Grenzschicht stören.[1][2] Da unter Wettbewerbspiloten großer Wert auf bestmögliche Gleitleistungen gelegt wird, gibt es seit mindestens Ende der 1980er Jahre[3] Bestrebungen, die störenden Kadaver während des Fluges entfernen zu können.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mückenputzer besteht im Wesentlichen aus einem die Profilnase umschließenden Plastikbügel, in den ein Putzfaden (z.B. aus Nylon) eingespannt wird. Durch den Fahrtwind angetrieben, gleitet er am Flügel entlang nach außen, während der Faden die Kadaver von der Oberfläche schabt. Ist der Putzer am äußeren Flügelende angekommen, wird er durch eine Handkurbel oder einen kleinen Elektromotor an einem Rückholseil wieder an den Flugzeugrumpf herangezogen, wo er bis zur nächsten Verwendung arretiert wird.[1]

Mückenputzergarage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner üblichen Parkposition am Rumpf-Flächenübergang erzeugt der Mückenputzer seinerseits natürlich zusätzlichen Luftwiderstand. Dieser ist zwar bei modernen Systemen im „Kosten-Nutzen-Vergleich“ vernachlässigbar,[1] war allerdings für den deutschen Segelflugzeughersteller DG Flugzeugbau Anlass genug, nach einer Optimierungsmöglichkeit zu suchen: Bei der DG-808 wurden in der Rumpfoberfläche optional spezielle Einbuchtungen – die Mückenputzergaragen – eingelassen, in die der Mückenputzer passgenau versenkt werden kann.[2] Auch die ebenfalls von DG produzierte LS10 verfügt serienmäßig über Mückenputzergaragen.[4] Flugzeuge anderer Hersteller wie die Schleicher ASH 30 Mi oder die Jonker JS1 werden inzwischen ebenfalls mit solchen Vorrichtungen ausgerüstet.[5][6]

Andere Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von den beim Segelflug gebräuchlichen Mückenputzern meldete der US-Amerikaner Joseph P. Walter im Mai 2008 ein ähnliches System zum Patent an, das es ermöglichen soll, die Rotorblätter von Windkraftanlagen während des Betriebes von Mückenkadavern und anderen Verschmutzungen zu befreien.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Christian Hynek: MP-Mückenputzer. In: segelfliegen. Nr. 6, 2008, ISSN 1612-1740, S. 32–33.
  2. a b Mückenputzer mit "Garage". In: dg-flugzeugbau.de. DG Flugzeugbau, abgerufen am 15. Januar 2012.
  3. Peter Masak: Sailplane (Inflight) Bug Wiper System. In: Soaring Magazine. Februar 1989, S. 40.
  4. Die neue LS10. In: dg-flugzeugbau.de. DG Flugzeugbau, abgerufen am 15. Januar 2012 (PDF; 318 kB).
  5. ASH 30 Mi. In: alexander-schleicher.de. Alexander Schleicher, abgerufen am 15. Januar 2012.
  6. JS1 REVELATION > OPTIONS. In: jonkersailplanes.co.za. Jonker Sailplanes, abgerufen am 15. Januar 2012.
  7. Patentanmeldung US20090297352: DEBRIS REMOVAL SYSTEM AND METHOD FOR WIND TURBINE BLADES. Angemeldet am 30. Mai 2008, veröffentlicht am 3. Dezember 2009, Anmelder: ZULU-REVOLUTIONS, INC., Erfinder: Joseph P. Walter.