Mühlen von Barbegal

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Koordinaten: 43° 42′ 9″ N, 4° 43′ 17″ O

Karte: Frankreich
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Mühlen von Barbegal
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Frankreich

Die Mühlen von Barbegal sind die Ruine einer römischen Wassermühle mit 16 Mahlwerken und eine archäologische Fundstelle in Südfrankreich. Die Anlage wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. errichtet.[1]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Anlage im Musée départemental Arles antique in Arles
Blick aus ungefähr gleicher Rich­tung auf den Hang mit der Ruine der Mühlen

Die Anlage befindet sich 2,5 Kilometer südöstlich von Fontvieille, in der Nähe der südfranzösischen Stadt Arles, im Département Bouches-du-Rhône, an einem natürlichen Abhang der Alpillen mit einem ca. 30%igen Gefälle. Das Gefälle des den Hang hinunter fließenden Wassers wurde genutzt, um die Mühlen zu betreiben.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühlenanlage wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. errichtet und war bis Anfang des 3. Jahrhunderts in Betrieb.[1] Der Mühle wurde das Wasser über ein Aquädukt zugeleitet, das auch die Stadt Arles mit Wasser versorgte. Das Aquädukt, als Ruine ebenfalls erhalten, teilte sich unmittelbar vor der Hangkante. Die Leitung nach Arles bog in einem Winkel von etwa 90° ab und verlief hier mit leichtem Gefälle weiter zur Stadt. Der zweite Leitungsstrang führte dagegen über die Hangkante in die Mühle. Nachdem das Wasser die Mühle durchlaufen hatte, floss es in einen im Tal gelegenen Sumpf.[2]

Mahlwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aquädukt Alpillen–Arles vor der Verzweigung
Die Verzweigung, Blick „bergauf“: rechts der Strang zu den Mühlen, links der Kanal nach Arles

Die Mühle bestand aus 16 einzelnen Mühlwerken, die je ein Mahlwerk betrieben. Sie waren in zwei parallelen Achterreihen am Abhang hintereinander angeordnet. Das Wasser trieb die Mühlräder an. Die Drehbewegungen wurden durch hölzerne Wellen auf die Mahlwerke übertragen. Diese waren zwischen den beiden außen liegenden Reihen der Mühlräder angeordnet. Sie sind das erste bekannte Beispiel für senkrecht drehende Mahlwerke überhaupt. Ein weiteres, oben im Kanal eingebautes Wasserrad betrieb einen Seilzug, der die Getreidesäcke über eine Rampe nach oben zu den einzelnen Mahlwerken zog. Untergebracht war die Anlage in einem etwa 61 m langen und 20 m breiten Gebäude. Das Betriebsgelände war von einer Mauer eingefasst, von deren talseitigem Teil noch Reste erhalten sind.[2]

Die Tagesproduktion der Mühle wird auf etwa 4,5 Tonnen Mehl geschätzt, was als ausreichend für Arles angesehen wird, das damals etwa 12.500 Einwohner zählte. Neuere Forschung geht von einer Tagesproduktion von bis zu 25 Tonnen Mehl aus, das möglicherweise eher zur Produktion von Schiffszwieback verwendet wurde. Auf Grundlage von Isotopenuntersuchungen von Kalkablagerungen ließ sich zudem nachweisen, dass die Mühlen im Spätsommer und Herbst ihre Arbeit einstellten. Dies würde zum jahreszeitlich bedingten Nachfragerückgang der Schifffahrt passen.[3][1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchstich des östlichen Aquädukt­strangs durch die Hangkante zu der Mühle von Barbegal

Die Anlage gilt als die „besterhalten[e] […] der römischen Welt“.[2] Sie wurde in den Jahren von 1937 bis 1939 ausgegraben.[1] Als hoch aufwändige technische Einrichtung der Spätantike galt sie zunächst als Beleg für den Niedergang der Sklavenwirtschaft und den dadurch rentabel gewordenen Einsatz von Maschinen.[2] Diese Hypothese wurde mittlerweile verworfen.[1]

Die Ruinen der Mühle und auch die des Aquädukts sind frei zugänglich. Vor Ort gibt es keine Informationen. Museal aufbereitet ist die Anlage in der Ausstellung des Musée départemental Arles antique in Arles.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M.-C. Amouretti: Barbegal: de l'histoire des fouilles à l'histoire des moulins. In: Provence Historique 167-8 (1992), S. 135–149.
  • Fernand Benoit: L'usine de meunerie hydraulique de Barbegal (Arles). In: Revue archéologique. Serie 6, 15.1 (1940), S. 19–80.
  • A.T. Hodge: A Roman factory. In: Scientific American (November 1990), S. 58–64.
  • Philippe Leveau: The Barbegal water-mill in its environment: archaeology and the economic and social history of antiquity. In: Journal of Roman Archaeology 9 (1996), S. 137–53.
  • NN: Les moulins romains de Barbegal, les ponts-aqueducs du vallon des Arcs et l'histoire naturelle de la vallée des Baux (Bilan de six ans de fouilles programmées). In: Comptes rendus de l'Académie des inscriptions et belles-lettres (CRAI), Januar/März 1995, S. 115–144.
  • C.L. Sagui: La meunerie de Barbegal (France) et les roues hydrauliques chez les Anciens et au Moyen Âge. In: Isis 38, Nr. 314 (1948), S. 225–231.
  • R.H.J. Sellin: The large Roman water mill at Barbegal (France) . In: History of Technology 8 (1983), S. 91–109.
  • Gül Sürmelihindi, Philippe Leveau, Christoph Spötl, Vincent Bernard, Cees W. Passchier: The second century CE Roman watermills of Barbegal: Unraveling the enigma of one of the oldest industrial complexes. In: Science Advances. 4, 2018, S. eaar3620, doi:10.1126/sciadv.aar3620.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barbegal aqueduct – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Gül Sürmelihindi, Philippe Leveau, Christoph Spötl, Vincent Bernard, Cees W. Passchier: The second century CE Roman watermills of Barbegal: Unraveling the enigma of one of the oldest industrial complexes. In: Science Advances. 4, 2018, S. eaar3620, doi:10.1126/sciadv.aar3620.
  2. a b c d Römische Wasserleitungen. In: Badische Heimat/Landeskunde online 2005.
  3. JGU/CS: Wassermühlen von Barbegal erzeugten vermutlich Mehl für Schiffszwieback. In: Archäologie Online. 7. September 2018, abgerufen am 9. September 2018.