Mündener Convent forstakademischer Verbindungen
| Mündener Convent | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Hochschulort: | Göttingen (ehemals: Hann. Münden) |
| Hochschule/n: | Georg-August-Universität Göttingen (ehemals: Königlich Preußische Forstakademie Hannoversch Münden) |
| Gründungsort: | Hann. Münden |
| Stiftungsdatum: | 1887 |
| Kürzel: | MC |
| Farbenstatus: | Keine Farben (nadeltragend), Ausnahme: FAV Rheno-Guestfalia |
| Mitglieder insgesamt: | (nach Gründungsdatum):
|
Der Mündener Convent forstakademischer Verbindungen (MC) ist ein 1887 gegründeter Dachverband von Studentenverbindungen. Er besteht aus fünf ursprünglich in Hannoversch Münden entstandenen Verbindungen, welche seit 1970 aufgrund des Umzugs der zur Georgia Augusta gehörigen Forstlichen Fakultät nach Göttingen, heute allesamt ihren Sitz in dieser Studentenstadt haben. Die als Forstverbindungen gestifteten Mündener Gesellschaften nehmen gleichwohl Studenten aller Fakultäten der Georg-August-Universität Göttingen auf.
Geschichte des Mündener Convents (MC)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der ursprünglich als Mündener Senioren-Convent (Mündener SC) ausgerufene Dachverband wurde am Ende des Wintersemesters 1886/1887 durch die ATG, die Tanne, die Freia und die später mit Freia fusionierte FAG Hubertia an der Königlich Preußischen Forstakademie Hannoversch Münden gestiftet. Seit der Gründung der Akademischen Feldjägergesellschaft 1919[1] gehört auch diese Gesellschaft dem MC an.
Der MC im Nationalsozialismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während der NS-Zeit mussten auch die Mündener Verbindungen ihren aktiven Betrieb einstellen. Stattdessen betreuten die Altherrenschaften der Tanne, Freia, Hubertia, Burschenschaft Saxonia (DB) sowie die katholischen Verbindungen Rheno-Guestfalia (CV) und Weserhorst (KV) ab 1936 eine gemeinsame Kameradschaft II des NSDStB.[2] Die Beteiligung katholischer Altherrenverbände an der Altherrenschaft einer Kameradschaft war reichsweit einzigartig, zumal jene seit dem Himmler-Erlass 1938 staatspolizeilich verboten waren. Offiziell wurden Rheno-Guestfalia und Weserhorst daher von der Reichsstudentenführung als Wissenschaftliche Vereinigungen geführt. Altherrenschaftsführer war zunächst der Freianer Julius Oelkers, der das Waldbauinstitut der Forsthochschule leitete und 1939 vom Freianer Friedrich-Karl Hartmann abgelöst wurde. Obwohl der NSD-Studentenbund die Benennung seiner Kameradschaften nach Lebenden streng ablehnte, erwirkte der Kameradschaftsführer Wilhelm Murmann durch telegraphische Anfrage bei Reichsforst- und Reichsjägermeister Hermann Göring die Erlaubnis, die Kameradschaft nach ihm benennen zu dürfen. Der Reichsstudentenführung musste daher am 23. Mai 1939 beim Großdeutschen Studententag in Würzburg die Namensverleihung an die nunmehrige Kameradschaft II Hermann Göring vornehmen. Die Kameradschaft nutzte das Tanne-Haus und bestand bis Kriegsende. Mitglied und zeitweiliger Studentenführer war auch Max Scheifele. Das Haus wurde nach dem Zusammenbruch als NS-Eigentum von den Besatzern beschlagnahmt und blieb bis 1947 Offizierskasino.[3]
Die Altherrenschaft des Corps Saxonia Hann. Münden (1930 aus der Andree'schen Tischgesellschaft bzw. seit 1927 Corps Cheruscia und dem vormaligen Pépinière-Corps Saxonia Berlin entstanden) dagegen unterstützte eine eigene Kameradschaft, die 1939 den Namen Kameradschaft I Bismarck verliehen bekam. Altherrenvorsitzender Gerhard Rose erklärte in einem Rundschreiben vom 6. Juni 1938:
„Wenn wir diesen Schritt tun, muß sich jeder einzelne darüber klar werden, daß die neue Kameradschaft kein Corps sein wird. Die Kameradschaft will keine jungen Corpsstudenten, sondern junge nationalsozialistische Akademiker erziehen. Sie wird in diesen Sinne eine studentische Verbindung sein, aber bestimmt nicht die getarnte Form eines Corps. Das eine aber steht fest, daß die wesentlichen Grundsätze unseres Corpsstudententums: Pflege der persönlichen Ehrenhaftigkeit, Kameradschaft, Freundschaft, Opfersinn, Vaterlandsliebe auch die Grundlagen der neuen Gemeinschaft sein werden, wenn sie auch viele unserer alten Formen nicht wiederaufnehmen wird.“
Die Kameradschafter halfen nach der Bombardierung der Edertalsperre bei der Evakuierung der Einwohner und in den Ferien stand das Haus für die Aufnahme bombengeschädigter Alter Herren zur Verfügung. Unter den vielen Gefallenen der Kameradschaft war am 18. Mai 1943 auch Wilhelm-Ferdinand Galland, Ritterkreuzträger und jüngerer Bruder Adolf Gallands. Das Bismarck-Haus wurde 1945 durch die Besatzer beschlagnahmt.[4]
Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten am 29. April 1947 zehn Forststudenten, darunter mit Duhme, Rau, Reuß und Rheinfurt ehemaligen Angehörige der Kameradschaft Hermann Göring, den Forststudentischen Kreis (FSK), der sich 1951 als Aktivitas der FAG Tanne anschloss. Aus dem 1947 begründeten Club Silva wurde 1951 wieder die FAG Freia. Der Großteil der ehemaligen Kameradschafter der Hermann Göring schloss sich der Tanne an, während die drei früheren Kameradschafter Ludwig Hogrebe, Fritz Einhoff und Franz-Josef Funke seit 1953 Alte Herren der Rheno-Guestfalia im CV waren.
13 ehemalige Kameradschafter der Bismarck gründeten im WS 1946/47 den Club Hubertus. Frühere Mitglieder der Kameradschaft Schützenhaus Eberswalde, die ihr Studium nun in Hann. Münden fortsetzten, begründeten dagegen am 13. April 1947 die Akademische Forst- und Jagdgesellschaft, die 1951 mit dem Club Hubertus zur Akademischen Jagd- und Forstgesellschaft Saxonia fusionierte und seit 1957 wieder den Namen Andree'sche Tischgesellschaft führt. Eine Rekonstitution als Corps Saxonia Hann. Münden im KSCV wurde von den Aktiven abgelehnt. Insgesamt traten 25 ehemalige Bismarck-Kameradschafter der ATG bei. 33 Gefallene wurden posthum aufgenommen.
Infolge der Rekonstitution der alten Gesellschaften wurde auch der Mündener Convent (unter seinem heutigen Namen) wieder begründet. Einbezogen wurde hierbei, neben den alten Gesellschaften und den Feldjägern, erstmals auch die Rheno-Guestfalia.
Zum MC gehören heute folgende Verbindungen (nach Gründungsdatum):
- Andree’sche Tischgesellschaft (ATG) Münden zu Göttingen (1868),
- Mündener Gesellschaft (MG) Tanne (1871),
- Forstakademische Gesellschaft (FAG) Freia (1879),
- Akademische Vereinigung Feldjäger (AVF) (1919) und
- FAV Rheno-Guestfalia (Hann. Münden) zu Göttingen im CV (1927)
Andree’sche Tischgesellschaft, Tanne und Freia
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Die drei zu Zeiten des Königreichs Preußen entstandenen Verbindungen ATG, Tanne und Freia tragen bis heute keine Farben, weil in der damaligen Zeit Forststudenten bereits Angehörige der Preußischen Staatsforstverwaltung waren und in dieser Funktion unter anderem die preußische Forstuniform trugen und dem Akademiedirektor als Dienstvorgesetzten unterstanden. Den Studenten waren sowohl das Fechten von Bestimmungsmensuren, als auch das Farbentragen nicht gestattet. Da die drei alten Mündener Forstverbindungen gleichwohl Satisfaktion gaben, fochten sie als Waffenbeleger bei den Corps des Göttinger Senioren-Convents, die sie teilweise auch einpaukten. Aus diesem Umstand entwickelten sich bis heute teilweise noch fortbestehende Freundschaftsverhältnisse:
- Andree’sche Tischgesellschaft mit dem Corps Brunsviga
- MG Tanne mit dem Corps Bremensia (Freundschaftsverhältnis 1987 aufgelöst)
- FAG Freia mit dem Corps Hannovera
Diese Freundschaften gehen teilweise bis zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges zurück.[5]
Die Benennung der Andree’schen Tischgesellschaft geht auf den über der Werra liegenden Andreesberg (auch Questenberg) als Gründungsort zurück.[5] Am Berg befand sich früher das Ausflugslokal und Hotel Andree’s Berggarten, das von Studenten und Bürgerschaft gern und häufig besucht wurde.
Akademische Vereinigung Feldjäger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die „Akademische Vereinigung Feldjäger“ wurde als Traditionsnachfolger des 1740 aufgestellten und 1919 im Rahmen der Ausführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgelösten Königlich Preußischen Reitenden Feldjägerkorps, kurz „RFC“, gegründet. Der Begriff „Feldjäger“ im Namen des RFC hatte nichts mit Militärpolizei zu tun, sondern bezeichnete eine militärische Eliteeinheit der Kavallerie in Preußen, welche sich meist aus Forstleuten rekrutierte. Das reitende Feldjägercorps wurde in der preußischen Armee vor allem für Kurier- und Aufklärungsdienste aufgestellt und hatte keine spezifischen Polizeiaufgaben.
Bereits zu Bestehenszeiten umfasste der Dienst im RFC, neben der militärischen Komponente, ein forstlich geprägtes Studium. Diese akademische Tradition des „RFC“ wurde nach der Auflösung des aktiven Corps 1919 durch die sogenannten „Akademischen Feldjägergesellschaften“ weitergeführt. Die erste „Akademischen Feldjägergesellschaft“ (AFG) wurde 1919 in Eberswalde gegründet, welche dann in Hannoversch Münden und seit 1970 in Göttingen weitergeführt wurde. Zu den Gründungsmitgliedern in Eberswalde gehörte 1919 unter anderen der spätere Oberforstmeister Friedrich Samwer (ATG).[6] Als Traditionsnachfolger des Königlich Preußischen Reitenden Feldjäger Corps (RFC) und der „Akademischen Feldjägergesellschaften“ (AFG) besteht heute noch die Akademische Vereinigung Feldjäger (AVF) in Göttingen und ihr Förderverein, der Feldjägerverein.
Rheno-Guestfalia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Rheno-Guestfalia bildet als Mitglied im traditionell farbentragenden Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen (CV) eine Ausnahme.
Andree’sche Tischgesellschaft, Corps Saxonia
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Die Andree’sche Tischgesellschaft beschloss 1927 als Corps dem KSCV beizutreten, nachdem die Akademie 1923 in eine Forstliche Hochschule mit Rektoratsverfassung und Promotionsrecht umgewandelt worden war und damit eine gewisse Liberalisierung des studentischen Lebens einher ging.[5] Die ATG hatte dazu zwei Semester lang unter dem Namen Cheruscia beim Gießener Senioren-Convent renonciert und 26 Partien geschlagen. Beim Kösener Congress 1930 wurde, obwohl die Renoncierung im Jahre zuvor einstimmig gebilligt worden war, ihr Aufnahmeantrag nach siebenstündiger Debatte mit 17:13 SC-Stimmen abgelehnt. Um eine große Blamage zu vermeiden, erschien der (sofortige) Anschluss an ein suspendiertes Corps als einziger Ausweg. Bei dem hohen Ansehen der ATG war eine Fusion auch für das in Hamburg suspendierte Pépinière-Corps Saxonia eine überraschende und hochwillkommene Gelegenheit zur Rekonstitution.[7] Am 25. Juli 1930 erklärte sich die Cheruscia (ATG) zum freien Corps und suspendierte. Am selben Abend nahm der FCC der Saxonia die 15 Aktiven der suspendierten Cheruscia als Füchse auf und verlieh fünf Alten Herren der ATG, die auch Kösener Corpsstudenten waren, das Sachsenband. In Hann. Münden entstand das erste Kösener Corps.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christian Schulze Pellengahr: Forstakademische Verbindung Rheno-Guestfalia (Hann. Münden) zu Göttingen im CV: 1927 – 2002 – Tradition und Gegenwart einer Katholischen Studentenverbindung. Festgabe zu ihrem 75-jährigen Bestehen, Rheno-Guestfalica, 2002
- Wolfram Gieseler: Geschichte der Andree’schen Tischgesellschaft zu Hann. Münden von 1868 bis 1970. Selbstverl. d. ATG, 1982
- v. Strenge: Geschichte der Forstakademischen Gesellschaft Tanne in Hann. Münden und Göttingen. Mit Chronik der Akademischen Gesellschaft "Vom Deutschen Hause" zu Eberswalde. 1979
- Herbert Müller-Bothen: Geschichte der Forstakademischen Gesellschaft Freia zu Hann. Münden. Selbstverl. d. Alten-Herren-Verbandes d. Forstakadem. Ges. Freia, 1968
- Karl Hasel: Quellen zur Geschichte der Forstlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Universität, Forstliche Fakultät, 1968
- Wolfgang Koehler: Geschichte des Feldjägervereins und der Akademischen Feldjägergesellschaften 1919 bis 1945. Göttingen, Quo vadis-Verl. 1986, ISBN 3-89244-000-X
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 155.
- ↑ Bernhard Grün: Zwischen Fronteinsatz und Freiheitsklang - Studententum und Kameradschaftswesen im Nationalsozialismus (Historia academica - Schriftenreihe der Studentengeschichtlichen Vereinigung des Coburger Convents Bd. 57), Würzburg 2019, S. 74
- ↑ Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/III: Bereich NORD, Federsee-Verlag Bad Buchau 2025, ISBN 978-3-948502-24-9, S. 622–628.
- ↑ Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/III: Bereich NORD, Federsee-Verlag Bad Buchau 2025, ISBN 978-3-948502-24-9, S. 613–621.
- ↑ a b c Wolfram Gieseler: Geschichte der Andrée´schen Tischgesellschaft.
- ↑ Wolfram G. Theilemann: Adel im Grünen Rock: Adliges Jägertum, Grossprivatwaldbesitz und die preußische Forstbeamtenschaft 1866–1914. Akademie Verlag, 2004, ISBN 3-05-003556-0, S. 492 (Google Books)
- ↑ Wolfram Gieseler: Geschichte der Andrée´schen Tischgesellschaft.