Magenballon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Magenballon, Icon

Der Magenballon (englisch intragastric balloon) ist eine nicht-operative, endoskopisch-interventionelle Methode zur Behandlung von Übergewicht. In einigen Fällen wird der Magenballon auch bei stark adipösen Patienten zur vorbereitenden (präoperativen) Gewichtsabnahme für einen chirurgischen Eingriff verwendet. Im Gegensatz zu anderen Verfahren aus dem Bereich der Adipositaschirurgie zeichnet sich der Magenballon dadurch aus, dass keine Narben entstehen. Im Rahmen einer einfachen Magenspiegelung wird der Magenballon in Kurznarkose über die Speiseröhre in den Magen eingeführt und anschließend mit einer blau gefärbten Kochsalzlösung (400–700 ml) gefüllt. Der Ballon wird relativ weit oben im Magen eingesetzt und funktioniert als "Platzhalter". Dadurch steht nur noch ein kleiner Teil des Magens für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung, während der größere Teil des Magens von der direkten Nahrungsaufnahme ausgeschlossen ist. Der Patient kann nur noch kleine Mahlzeiten zu sich nehmen, da der Magen schnell gefüllt ist. Die Rezeptoren, die in der Magenwand sitzen und die Dehnung des Magens bei Nahrungsaufnahme messen, melden dem Gehirn früher, dass genug Nahrung aufgenommen wurde und das Sättigungsgefühl setzt ein.

Für die Behandlung mit dem Magenballon kommen grundsätzlich nur Patienten in Frage, die zu übergewichtig für eine alleinige Diät sind, die aber noch kein Magenband oder einen anderen operativen Eingriff wie eine Magen-Bypass-Operation benötigen, um ihr Gewicht zu reduzieren. Bei einem Body-Mass-Index (BMI) im Bereich zwischen 28 und 44 - in besonderen Fällen auch 26 bis 46 - ist ein Einsatz des Magenballons möglich.[1]

Der Magenballon bleibt 6–12 Monate im Körper und wird dann mittels einer einfachen Magenspiegelung entfernt. Dabei wird der Ballon mit einer Nadel punktiert, die Flüssigkeit abgesaugt und dann der leere Ballon mit Hilfe eines speziellen Greifers gefasst und über Speiseröhre und Mund entfernt.

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Datenlage zu den Auswirkungen des Magenballons ist eingeschränkt, eine nachhaltige Gewichtsabnahme sowie Vorteile gegenüber einer Behandlung durch Verhaltensänderung ist umstritten. Akzeptiert ist der Magenballon im Rahmen einer „Mehrschritttherapie“ vor einem adipositaschirurgischen Eingriff für Patienten mit besonderen Risikofaktoren.

Neuere Studien zeigen, dass die Magenballon-Methode einen dauerhaften, nachhaltigen Gewichtsverlust begünstigt, wenn sie als Konzept mit regelmäßiger Nachsorge durch Arzt und Ernährungsberater/in praktiziert wird. Auch regelmäßige sportliche Betätigung ist ein wichtiges Element in der Therapie. Hierbei wird der Magenballon als Einstiegshilfe in eine gesündere Lebensweise verstanden.[2]

Die mitunter propagierte Methode, den Magenballon zum schnellen Abnehmen zu „missbrauchen“, zeigt nur unter bestimmten Voraussetzungen dauerhafte Erfolge. Bei nicht begleiteter Gewichtsabnahme lernen die Betroffenen lernpsychologisch genau das Verkehrte. Hierbei geht der in der Regel anfangs schnelle Gewichtsverlust mit dem Effekt des Verlustes von Magermasse einher, was die Ausbildung des Jo-Jo-Effektes zur Folge hat, da das resultierende Absinken des Energieumsatzes eine folgende schnelle Gewichtszunahme begünstigt.

Nebenwirkungen, Komplikationen und Kontraindikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Patienten leiden nach dem Eingriff unter Übelkeit, Erbrechen und zum Teil erheblichen Bauchschmerzen, die auch mehrere Tage andauern können. Das Risiko für Magengeschwüre ist erhöht, deshalb soll während der Ballonliegezeit dauerhaft ein Säureblocker (z. B. Omeprazol, Pantoprazol u. a.) eingenommen werden. Ferner kann es zu einem starken Flüssigkeitsdefizit (Dehydratation) und zu Elektrolytverschiebungen kommen. Deshalb ist der enge Kontakt mit dem Magenballon-Patienten vor allem in den ersten Tagen nach Einsetzen des Magenballons sehr wichtig. Wenn der Magenballon platzt, verfärbt sich der Urin, da die Kochsalzlösung mit einem Farbstoff (Methylenblau) versehen ist. In diesem Fall muss der behandelnde Arzt umgehend aufgesucht werden und der Magenballon entfernt werden. In der Literatur wurden Fälle von Darmverschluss (Ileus) durch abgegangene Magenballons berichtet. Dieses Risiko betrifft vor allem die gasgefüllten Magenballons, die sich unbemerkt entleeren, den Magen verlassen und im Darm hängenbleiben können.

Es sind Todesfälle beschrieben, die in Folge einer Nekrose (Absterben) der Magenwand oder einer Ruptur (Zerreissung) von Magen und Zwölffingerdarm entstanden sind. Diese Todesfälle betreffen ausschließlich an Speiseröhre oder Magen voroperierte Patienten. Aus diesem Grund sind Operationen an Speiseröhre und Magen absolute Kontraindikationen für die Behandlung mit dem Magenballon. Weitere Kontraindikationen sind eine große Hiatus- oder paraösophageale Hernie, ein aktuell bestehendes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Schwangerschaft, die Behandlung mit blutverdünnenden Mitteln (z. B. mit Marcumar, sog. NOAKS = neue orale Antikoagulantien wie Xarelto, Eliquis, Pradaxa u. a.), außerdem Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge-eating), schwere psychische Störungen sowie Alkohol- und Drogensucht. Ein Artikel über die Entfernung eines Magenballons mit tödlichen Komplikationen berichtet über den fatalen Fall eines fehlerhaft eingesetzten Ballons. In der Hand eines erfahrenen Gastroenterologen ist das Legen und Entfernen eines Magenballons eine einfache und sichere Methode.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • I. Imaz, C. Martínez-Cervell, E. E. García-Alvarez, J. M. Sendra-Gutiérrez, J. González-Enríquez: Safety and effectiveness of the intragastric balloon for obesity. A meta-analysis. In: Obes Surg. 18(7), 2008 Jul, S. 841–846. Epub 2008 May 6. Review. PMID 18459025
  • M. Fernandes, A. N. Atallah, B. G. Soares, S. Humberto, S. Guimarães, D. Matos, L. Monteiro, B. Richter: Intragastric balloon for obesity. In: Cochrane Database Syst Rev.(1), 2007 Jan 24, S. CD004931. Review. PMID 17253531
  • A. Salgado Barreira, T. Queiro Verdes: Efectividad y seguridad del balón intragástrico en pacientes obesos y con sobrepeso. Ministerio de Sanidad y Consumo, Madrid 2007. Avalia-t Nº 2006/03.
  • Marek Buzga et al: Effects of the intragastric balloon MedSil on weight loss, fat tissue, lipid metabolism, and hormones involved in energy balance. In: Obes Surg. 24(6), 2014 Jul: S. 909–915., 2007 Jan 24, S. CD004931. Epub 2014 February 1. Review. PMID 24488758
  • Dai SC, Paley M, Chandrasekhara V. Intragastric balloons: an introduction and removal technique for the endoscopist. In: Gastrointest Endosc. 2015; 82: 1122. http://www.giejournal.org/article/S0016-5107(15)02532-8/fulltext
  • Seung Han Kim et al.: Current status of intragastric balloon for obesity treatment. In: World J Gastroenterol. 2016 Jun 28; 22(24): 5495–5504; PMC 4917609 (freier Volltext).
  • A. Genco et al.: Multi-centre European experience with intragastric balloon in overweight populations: 13 years of experience. In: Obes Surg. 2013; 23: 515–521; PMID 23224509.
  • A. Genco et al.: Adjustable intragastric balloon vs non-adjustable intragastric balloon: case-control study on complications, tolerance, and efficacy. In: Obes Surg. 2013; 23: 953–958; PMID 23526067.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Internistin Frau Dr. Birgit Gergelyfy. Stand 7. Oktober 2011.
  2. M. Bužga, M. Evžen, K. Pavel, K. Tomáš, Z. Vladislava, Z. Pavel, Z. Svagera: Effects of the intragastric balloon MedSil on weight loss, fat tissue, lipid metabolism, and hormones involved in energy balance. In: Obesity surgery. Band 24, Nummer 6, Juni 2014, S. 909–915, doi:10.1007/s11695-014-1191-4, PMID 24488758, PMC 4022986 (freier Volltext).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!