Patient

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Arzt und Patientin, hier in Seattle im City Hospital Tuberculosis Division, 1927

Als Patient (von lat.: patiens geduldig, aushaltend, ertragend[1], adjektivisches 1. Partizip von pati = erdulden, leiden[2]) wird jemand bezeichnet, der ärztliche Dienstleistungen oder Dienstleistungen anderer Personen, die eine Heilbehandlung durchführen, in Anspruch nimmt. Dabei kann es um Krankheiten oder Folgen eines Unfalls gehen, an denen der Patient leidet und die medizinisch behandelt werden. Zur Personengruppe der Patienten gehören aber auch gesunde Personen.

In einigen psychotherapeutischen Behandlungsverhältnissen wird der Begriff des Klienten (lat. cliens: der Schutzbefohlene) bevorzugt (z. B. in der Klientenzentrierten Psychotherapie bzw. Gesprächspsychotherapie). In gewissen Institutionen spricht man von Kunden.

Erkrankte und gesunde Patienten[Bearbeiten]

Patienten leiden meistens an einer Krankheit oder an den Folgen eines Unfalls.

Es gibt aber auch gesunde Patienten. Dazu gehören Schwangere, Lebendorganspender, Blutspender, Neugeborene, Impflinge, Empfänger von Präventionsleistungen und Vorsorgeuntersuchungen, Früherkennungsuntersuchungen, Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Kindervorsorgeuntersuchung, Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung, Schwangerschaftsvorsorge oder Patienten, die sich einer medizinisch nicht indizierten Schönheitsoperation unterziehen.

Patient-Arzt-Beziehung[Bearbeiten]

Unter der Patient-Arzt-Beziehung versteht man die Beziehung zwischen einem Arzt oder Zahnarzt und dem Patienten, der sich vom Arzt beraten oder behandeln lässt. Wegen in der Regel großer Informations- und Kompetenzunterschiede ist die Beziehung asymmetrisch. Hierzu gehören das anamnestische und therapeutische Gespräch sowie Interaktionen bei der Diagnose oder bei therapeutischen Maßnahmen. Zu nichtärztlichen Therapeuten wie Psychologischen Psychotherapeuten, Psychologen, Heiltherapeuten, Heilpraktikern, Gesundheits- und Krankenpflegern besteht ein ähnlich gelagertes, enges Verhältnis.

Die jeweils sehr individuelle Patient-Arzt-Beziehung mit dem Dialog zwischen diesen beiden Polen (und dem Trialog, der als Dritten die Angehörigen einbezieht) kann entscheidend sein für die Art der Behandlung, für deren Verlauf und Erfolg. Die Patientenzufriedenheit ist ein Thema nicht nur der Medizin, sondern auch der Sozialforschung und der Medizinsoziologie.

Rechtsbeziehungen[Bearbeiten]

Zwischen dem Behandelnden und dem Patienten wird ausdrücklich oder mit Aufnahme der Behandlung ein Behandlungsvertrag geschlossen. Nach diesem schuldet der Behandelnde die ordnungsgemäße Durchführung der Behandlung nach dem zum Zeitpunkt der Behandlung gültigen wissenschaftlichen Standard, den Regeln der ärztlichen Kunst („Lege artis“), also seine professionellen Bemühungen um die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit oder um die Linderung von Leiden des Patienten, nicht aber den Erfolg der Behandlung. Wenn für die Kosten der Behandlung im Rahmen des Sozialgesetzbuchs (SGB V) die Gesetzliche Krankenversicherung aufkommt, so wird der Patient als Kassenpatient (richtiger: Mitglied einer Gesetzlichen Krankenversicherung) oder Allgemeinpatient bezeichnet. Dagegen wird als Privatpatient bezeichnet, wer nicht gesetzlich krankenversichert ist.

Patientenrechte[Bearbeiten]

In den letzten Jahren wurden die Patientenrechte durch Rechtsprechung, Gesetze und andere Regelwerke stark ausgeweitet und präzisiert. Es wurden Schlichtungs- und Gutachterstellen eingerichtet und 2009 ein Patientenbeauftragter der Bundesregierung berufen. Dieses Amt hat seitdem Wolfgang Zöller MdB (CSU) inne.

Am 5. Februar 2013 trat in Deutschland das Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten in Kraft. Die durch diese Gesetz geschaffenen Neuregelungen umfassen die Grundlagen des Behandlungsvertrages und bündeln die Patientenrechte im Falle eines Behandlungsfehlers. Es wurden erhöhte Anforderungen an die Aufklärung und Information des Patienten eingeführt. Gesetzlich geregelt wurde außerdem das Recht des Patienten auf Einblick in seine Patientenakte. Die für den Patienten im Rechtstreit wichtige Frage der Verteilung der Beweislast wurde präzisiert, insbesondere, wann es zu einer Beweislastumkehr kommt. Zudem wurden die Krankenkassen zu einer beschleunigten Genehmigung von Behandlungen verpflichtet, die Krankenkassen sollen den Patienten außerdem bei der Durchsetzung seiner Rechte im Falle eines Verdachts auf einen Behandlungsfehler unterstützen.

Die ärztliche Schweigepflicht und der Datenschutz sichern ebenso die Patientenrechte, Verletzungen dieser Rechte können bestraft werden.

Versicherungsnehmer privater Krankenversicherungen können nach § 192 Abs. 8 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vom Versicherer verlangen, dass dieser ihnen vor Beginn einer Heilbehandlung, deren Kosten voraussichtlich 2.000 Euro überschreiten werden, in Textform Auskunft darüber erteilt, ob die beabsichtigte Heilbehandlung von dem Versicherungsschutz umfasst ist. Die Auskunft muss innerhalb von vier Wochen, wenn die Heilbehandlung dringlich ist, unverzüglich, spätestens nach zwei Wochen, erteilt und begründet werden.

Es gibt zahlreiche Verbände, die die Rechte und Interessen der Patienten im Gesundheitssystem vertreten. Hierzu gehört die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). Andere sind von der Pharmaindustrie initiiert, gesteuert und finanziert (Pseudo-Patientenverbände).

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckart Roloff: Die publizistische Entdeckung des Patienten. Eine Presseanalyse zum Medizinjournalismus und zu den ersten Herztransplantationen. Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 9-783-848-70731-7 (Leicht bearbeitete Fassung der Salzburger Dissertation von 1972 mit einem ausführlichen Vor- und Nachwort von 2013).
  • Philipp Osten (Hrsg.): Patientendokumente. Krankheit in Selbstzeugnissen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-51509717-8
  • Ruth Schröck, Elisabeth Drerup (Hrsg.): Der informierte Patient. Beraten, Bilden, Anleiten als pflegerisches Handlungsfeld. Lambertus, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-7841-1434-2
  • Michael Balint: Der Arzt, sein Patient und die Krankheit. Klett-Cotta, Stuttgart 1996 (9. Auflage)
  • Otto Döhner (Hrsg.): Arzt und Patient in der Industriegesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-00643-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patients – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Patient – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pons Wörterbuch Lateinisch-Deutsch
  2. Duden