Magyar Nemzeti Bank
| Ungarische Nationalbank | |
|---|---|
| Land | Ungarn |
| Hauptsitz | Budapest, Ungarn |
| Gründung | 24. Juni 1924 |
| Präsident | Mihály Varga |
| Währung | Forint |
| ISO 4217 | HUF |
| Währungsreserven | 35,3 Milliarden Dollar (2024)[1] |
| Basisleihzinssatz | 6,50 % (September 2024)[2] |
| Website | mnb.hu/ |
| Liste der Zentralbanken | |
Die Ungarische Nationalbank (ungarisch: Magyar Nemzeti Bank) ist die Zentralbank Ungarns. Ihr hauptsächliches Ziel ist, Preisniveaustabilität zu garantieren. Die Bank ist auch dafür zuständig, die nationale Währung, den ungarischen Forint, auszugeben. Das geschieht, indem sie die Bargeldzirkulation kontrolliert, den Leitzins setzt, offizielle Wechselkursraten veröffentlicht und die nationalen Devisen- und Goldreserven beeinflusst. Die Magyar Nemzeti Bank kontrolliert somit die Geldpolitik ihres Landes. Sie ist Mitglied im Europäischen System der Zentralbanken.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In der Zeit Österreich-Ungarns war die Oesterreichisch-Ungarische Bank die Zentralbank der Monarchie, mit Sitz in Wien und Budapest.[3] Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst und die neue Königlich-Ungarische Staatsbank gegründet. Die erste unabhängige ungarische Zentralbank, die Ungarische Nationalbank, nahm ihre Tätigkeit am 24. Juni 1924 in Form einer Aktiengesellschaft auf.[4] Die kommunistische Führung, die ab 1948 regierte, ließ im Zuge der Planwirtschaft keinen Spielraum für eine eigenständige Notenbankpolitik. Mit dem Gesetz über die Ungarische Nationalbank vom Oktober 1991 wurde die Unabhängigkeit der Zentralbank wiederhergestellt. Das Gesetz LVIII von 2001 über die Magyar Nemzeti Bank legte fest, dass die ungarische Regierung und die MNB für die Festlegung des Wechselkurssystems zuständig sind. Seit dem 26. Februar 2008 ist der Forint gegenüber dem Euro frei floatend.[4] Seit dem Amtsantritt Viktor Orbáns ist die Euro-Einführung zurückgestellt.[5]
Aufgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die MNB hält an einem mittelfristigen Inflationsziel von ungefähr 3 % fest. Dieses Ziel ist etwas höher als das grundsätzlich akzeptierte Inflationsniveau in Europa. Dies wird damit begründet, dass man der ungarischen Wirtschaft die Möglichkeit geben wolle, mit seinen Preisen auf das europäische Niveau aufzuschließen.
Der Präsident der Zentralbank wird vom ungarischen Präsidenten auf Vorschlag des Premierministers ernannt. Seine Amtszeit dauert sechs Jahre. Das wichtigste Entscheidungsorgan der ungarischen Zentralbank ist der monetäre Rat.
Im Ungarischen Gesetz ist die Rolle der MNB wie folgt festgeschrieben:
- „Das vorrangige Ziel der MNB soll es sein, Preisstabilität zu erreichen und zu erhalten. Ohne das Erreichen des ersten Zieles zu beeinträchtigen, soll die MNB die Wirtschaftspolitik der Regierung unterstützen, indem sie die ihr zur Verfügung stehenden geldpolitische Instrumente nutzt.“
Gouverneure
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Rang | Name | Mandat | Rang | Name | Mandat | Rang | Name | Mandat | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sándor Popovics | (1924–1935) | 11 | János Vörös | (1952–1955) | 21 | Zsigmond Járai | (2001–2007) | ||
| 2 | Béla Imrédy | (1935–1938) | 12 | László Háy | (1956–1956) | 22 | András Simor | (2007–2013) | ||
| 3 | Lipót Baranyai | (1938–1943) | 13 | Dénes Szántó | (1956–1960) | 23 | György Matolcsy | (2013–2025) | ||
| 4 | Gyula Pósch | (1943–1944) | 14 | Béla Sulyok | (1960–1961) | 24 | Mihály Varga | (2025-heute) | ||
| 5 | László Temesváry | (1944) | 15 | Andor László | (1961–1975) | |||||
| 6 | Imre Oltványi | (1945) | 16 | Mátyás Tímár | (1975–1988) | |||||
| 7 | Artúr Kárász | (1945) | 17 | Ferenc Bartha | (1988–1990) | |||||
| 8 | Imre Oltványi | (1945–1946) | 18 | Surányi György | (1990–1991) | |||||
| 9 | Ernő Csejkey | (1946–1949) | 19 | Péter Ákos Bod | (1991–1994) | |||||
| 10 | Ferenc Jeszenszky | (1949–1952) | 20 | György Surányi | (1995–2001) |
Gebäude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der 1905 vom Architekten Ignác Alpár entworfene Hauptsitz der MNB befindet sich in der Innenstadt Budapests am Szabadság tér, direkt neben der US-Botschaft.
Seit ihrem Bestehen sammelt die Ungarische Nationalbank zudem historische Zahlungsmittel, die 1974 in einer Dauerausstellung in einem Museum öffentlich zugänglich gemacht wurden.[6]
Der ungarische Rechnungshof kritisierte die Renovierung des Gebäudes als zu teuer.[7][8]
Stiftung der Ungarischen Nationalbank
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2014, unter der Präsidentschaft von György Matolcsy, gründete die ungarische Zentralbank mehrere Pallas-Athene-Stiftungen mit einer Kapitalzuführung von 266,4 Milliarden Forint. Der Zweck der Stiftung war es, Bildung, Kultur und Wissenschaft, besonders die Forschung von Ökonomen, zu unterstützen und zu fördern. Im Jahr 2019 wurden die Aufgaben der Stiftungen von der Nachfolgestiftung Pallas-Athene-Domus-Meriti-Stiftung (PADME) übernommen. Im Jahr 2025 war die Stiftung nicht mehr aktiv. Der Ungarische Rechnungshof führte eine Untersuchung durch, in der festgestellt wurde, dass die Stiftung enorme Summen in verschiedene Investitionen gesteckt hatte, die nicht den ursprünglichen Zielen entsprachen. Bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens wurde schwere finanzielle Misswirtschaft festgestellt.[9][10][11][12][13][14][15]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Hungary Foreign Exchange Reserves, 1999 – 2025 | CEIC Data. Abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
- ↑ Hungary cuts key interest rate, buoyed by US Fed Reserve decision. 7. August 2025, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
- ↑ Die Oesterreichisch-ungarische Bank ( vom 7. August 2013 im Internet Archive) oenb.at, abgerufen am 12. August 2012.
- ↑ a b History. In: The Central Bank of Hungary. Archiviert vom am 9. Dezember 2014; abgerufen am 25. Februar 2015 (englisch).
- ↑ Süddeutsche Zeitung: Orbán verweigert Ungarn den Euro. 11. Oktober 2012, abgerufen am 1. Juli 2023.
- ↑ József Vadas: Museen in Budapest. Corvina Verlag, Budapest 1993, ISBN 963-13-3827-4, S. 124.
- ↑ A Matolcsy-kör MNB-székházat felújító tagja örömmel segített volna helyretenni az ÁSZ „téves, szakmaiatlan következtetéseit”. 27. März 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025 (ungarisch).
- ↑ A Magyar Nemzeti Bank feljelentést tett a Szabadság téri székház felújítása kapcsán. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (ungarisch).
- ↑ Fanni Forgács: Weitere Einzelheiten zum Fehlverhaltensskandal der Stiftung der Ungarischen Nationalbank kommen ans Licht – UPDATE - DailyNewsHungary. 28. März 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Hungarian National Bank Governor to initiate abolition of bank's foundation with government. 15. April 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025 (ungarisch).
- ↑ Zsuzsa Urbán: Betrugsverdacht bei MNB-Stiftungen. In: Budapester Zeitung. 21. März 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ The State Audit Office of Hungary has made the report on the management of the Pallas Athéné Domus Meriti Foundation (PADME) public – Állami Számvevőszék. Abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Der Ungarische Staatsrechnungshof (ÁSZ): The summary of the audit on the management of the Pallas Athéné Domus Meriti Foundation (PADME) by the State Audit Office of Hungary. In: www.asz.hu. Der Ungarische Staatsrechnungshof (ÁSZ), 19. März 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Gazdát cserélt egy 50 milliárdot érő papírdarab, és Matolcsy Ádám közelében landolt. 4. September 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025 (ungarisch).
- ↑ Unortodox ügyletek: az MNB elillant százmilliárdjainak nyomában. 31. Oktober 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025 (ungarisch).
Koordinaten: 47° 30′ 13″ N, 19° 3′ 7″ O