Malbergische Glossen

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Malbergische Glossen sind volkssprachige Einschübe im lateinischen Textumfeld in den ältesten Fassungen der Lex Salica, des fränkischen Stammesrechts. Der Name ist neuzeitlich und wurde von den Einleitungen dieser Einschübe entlehnt, die durch ein (in) malobergo = „im Gericht“ oder „in der Gerichtssprache“ beginnen.

Bei den Malbergischen Glossen handelt es sich nicht um herkömmliche Glossen im Sinne des Begriffs als Interpretationen einzelner Lemmata oder knappe Erläuterungen. Sie sind Zusätze zum lateinischen Gesetzestext, die zu diesem in relativer Unabhängigkeit stehen. Die Konzeption als Funktionsliteratur bestimmt sich daher durch ihren Zweck. Die Glossen beginnen mit „in malobergo“, enden meistens mit einem „hoc est“ und beziehen sich auf die Stellen der in den Satzungen enthaltenen Verfahrengliederungen der Klage, der Verteidigung, des Reinigungseides, des Urteils und der Urteilsschelte.

Die Gesetzestexte im „Pactus legis Salicae“ (6. Jahrhundert) und in der „Lex Salica“ (8. Jahrhundert) enthalten diese volkssprachigen Wörter, Redeteile und Sätze der Malbergischen Glossen als Bußweistümer, die der Spruchpraxis der Satzungen entstammen, und greifen Begrifflichkeiten der Verhandlungssprache auf als Zeugnisse einer Mündlichkeit. Sie stehen dabei den fränkisch-lateinischen Mischwörtern in den Satzungen gegenüber, wie beispielsweise mittellateinisch malus = „Gericht“, das aus westgermanisch mahal < germanisch *maþla = „Gericht, Versammlungsplatz“ entlehnt ist.

In ihrer Art stehen sie ohne Vergleich zu den weiteren Zeugnissen der frühmittelalterlich überlieferten germanischen Rechtstexte (Leges Barbarorum).

Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Malbergischen Glossen sind in folgenden Handschriften überliefert:

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. A. Eckardt: Pactus legis Salicae. In: Monumenta Germaniae Historica. Leges nat. Germ. IV, I. 1962.
  • K. A. Eckardt: Lex Salica. In: Monumenta Germaniae Historica. Leges nat. Germ. IV, II. 1969.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Schmidt-WiegandMalbergische Glossen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 19, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-017163-5, S. 184–186.
  • Elmar Seebold: Der germanische Rechtsterminus texaca und die Entführung von Sklaven in der ›Lex Salica‹ (Untersuchungen zu den malbergischen Glossen II). In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB) 130, 3 (2008), S. 438–458.
  • Elmar Seebold: Frauenraub, Unzucht und Heirat mit Unfreien in der ›Lex Burgundionum‹ und der ›Lex Salica‹ (Untersuchungen zu den malbergischen Glossen III). In: PBB 132, 3 (2010), S. 366–377.
  • Elmar Seebold: Der Schutz unmündiger Kinder in der ›Lex Salica‹ (Untersuchungen zu den malbergischen Glossen IV). In: PBB 133, 3–4 (2011), S. 413–420.
  • Elmar Seebold: Titel I der ›Lex Salica‹ und seine Weiterungen (Untersuchungen zu den malbergischen Glossen VI). In: PBB 136, 1 (2014), S. 66–75.
  • Claudia Wich-Reif: Malbergische Glossen und althochdeutsches Lex Salica-Fragment: Rechts-/Fach- und Allgemeinsprache. In: Sprachwissenschaft 39, 3 (2014), S. 283–296.