Malzeichen des Tieres

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Die Malzeichen des Tieres (in anderen Übersetzungen das Zeichen des Tieres) bezeichnet eine thematische Einheit in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament der Bibel, das mehrfach erwähnt und dem eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird. Die erste Erwähnung des Malzeichens[1] ist im Zusammenhang mit der Beschreibung des Tieres,[2] einer endzeitlichen Macht, die allen Bewohnern der Erde bestimmte Verhaltensregeln aufzuzwingen versucht.[3]

Merkmale des Malzeichens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merkmale des Malzeichens des Tieres sind:

  1. Das beschriebene Tier erzwingt die Annahme des Malzeichens für alle Menschen (Offb 13,16).
  2. Das Malzeichen kann entweder an der Hand oder an der Stirn angenommen werden.
  3. Es ist nicht dasselbe wie die Zahl des Tieres (Offb. 13,18).
  4. Wer das Malzeichen nicht hat, oder den Namen des Tieres, oder seine Zahl, wird nicht mehr kaufen bzw. verkaufen können. (Offb 13,17)

Warnung Gottes gegen das Malzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gegenüber wird im darauffolgenden Kapitel beschrieben, dass Gott die Annahme des Malzeichens des Tieres nicht gutheiße. Folgende Warnungen werden dem gegeben, der das Malzeichen annimmt:

  1. Er wird von Gottes Zorneswein unvermischt eingeschenkt bekommen (Offb 14,9).
  2. Er hat Tag und Nacht keine Ruhe (Offb. 14,11).
  3. Er wird mit dem Tod im Feuersee bestraft (Offb 19,20).
  4. Wer es dagegen nicht angenommen hat, wird mit Christus tausend Jahre herrschen (Offb 20,4).

Deutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amerikanische Wissenschaftler für das Neue Testament Craig C. Hill erläutert, dass das Malzeichen des Tieres die allumfassende ökonomische Macht des römischen Reiches symbolisierte; versinnbildlicht durch die Tatsache, dass das Gesicht des Kaisers, mit Sonnenstrahlen versehen, auf die Münzen „geprägt“ wurde.[4] Konservative Christen des ersten Jahrhunderts weigerten sich deshalb, Münzen mit jedweder Art von heidnischer Symbolik anzuschauen, zu tragen oder herzustellen.[5] Deshalb wurde es für Christen immer schwieriger, am öffentlichen Leben durch Handeln, Kaufen und Verkaufen teilzuhaben.[4] Adela Yarbro Collins erläutert weiter, dass mit dem Verbot, die Münzen zu benutzen, die Bedingung in Offenbarung 13,17, dass niemand „kaufen noch verkaufen“ kann, erfüllt sei.[6]

Im modernen Dispensationalismus wird das Malzeichen als eine moderne Technik im Einzelhandel oder zur Überwachung gedeutet: Als Strichcode, als Kreditkarte oder als Computerchip, den der Antichrist allen Menschen zu implantieren befehlen werde. Laut dem amerikanischen Politikwissenschaftler schaffen dergleichen Spekulationen eine Verbindung zwischen christlichem Endzeitglauben, wie er insbesondere in den Vereinigten Staaten verbreitet ist, und Verschwörungstheorien.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ekkehardt Müller: Der Erste und der Letzte. Studien zum Buch der Offenbarung. (= Adventistica. Band 11). Peter Lang, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt u. a. 2011, ISBN 978-3-631-61132-6
  • Franz Tóth: Der himmlische Kult. Wirklichkeitskonstruktion und Sinnbildung in der Johannesoffenbarung. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 978-3-374-02427-8

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bibel, Offenbarung des Johannes 15-16: Die Ankündigung der sieben letzten Plagen
  2. Bibel, Offenbarung des Johannes 13: Die beiden Tiere
  3. Bibel, Offenbarung des Johannes 13, 17:Die beiden Tiere
  4. a b Craig C. Hill (2002), In God's Time: The Bible and the Future, Eerdmans; S. 124
  5. Adela Yarbro Collins (1984), Crisis and Catharsis: The Power of the Apocalypse, Westminster John Knox Press, S. 126.
  6. Collins, 1984, p. 126: Adela Yarbro Collins schreibt: „Die Nebeneinanderstellung von Kaufen und Verkaufen, worauf das Malzeichen des Tieres hindeutet, beschreibt die Tatsache, dass römische Münzen normalerweise das Gesicht ihres gegenwärtigen Kaisers auf die Münze prägten. Nicht kaufen oder verkaufen zu können, wäre dann das Resultat der Weigerung, die Münzen Roms zu benutzen.“
  7. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 44 f.