Endzeit

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Das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle (Wandgemälde von Michelangelo Buonarroti, 1537–1541)

Als Endzeit wird die letzte Zeit vor dem Weltuntergang bezeichnet. In der Terminologie der abrahamitischen Religionen fällt unter den Begriff auch die Zeit vor dem erlösenden Erscheinen des Messias.

Endzeit im Christentum[Bearbeiten]

Nach dem Neuen Testament geht die Endzeit der Wiederkunft Jesu Christi und dem Jüngsten Gericht voraus. Sie wird in der eschatologischen Rede Jesu Christi (Matthäusevangelium 24–25, Markusevangelium 13 und Lukasevangelium 21,5–36), im zweiten Brief des Paulus an die Thessalonicher und in der Offenbarung des Johannes beschrieben. Ihre Kennzeichen sind:

  • die Zerstörung des Jerusalemer Tempels (Matth. 24, 2)
  • Auftreten falscher Messiasse und Propheten (Matth. 24, 5, 11 und 23–28)
  • Kriege, Hungersnöte und Erdbeben (Matth. 24, 6 f.)
  • Christenverfolgungen und Missachtung des mosaischen Gesetzes (Matth. 24, 9–12)
  • die Entweihung des Tempels, wie bei Daniel 9,27, 11,31 und 12,11 vorhergesagt (Matth. 24, 15)
  • die Flucht der Bewohner von Judäa in die Berge (Matth. 24, 16)
  • Verdunkelung von Sonne, Mond und Sternen (Matth. 24, 16)
  • allgemein eine große Trübsal oder „große Not“ (Matth. 24, 21)
  • Abfall und Auftreten eines Widersachers, der von sich sagt, er wäre Gott (2. Thess. 2,3)
  • sieben Siegel-Gerichte (Offbg. 6,7,8)
  • sieben Posaunen-Gerichte (Offbg. 8)
  • Entstehung eines großen mächtigen Reiches (Offbg. 13)
  • das Aufkommen des Antichristen und des falschen Propheten (Offbg. 13 und 16)
  • die Flucht der Christen vor dem Antichristen für 1.260 Tage (Offbg. 12)
  • das Sieben Plagen der Endzeit (Offbg. 16)
  • die Entmachtung der Hure Babylon (Offbg. 17)
  • die Tötung des dritten Teils der Menschen (Offbg. 9,15)
  • in Israel Auftritt von zwei Zeugen für 1.260 Tage
  • das Aufkommen von Tier, Bild und des Malzeichens des Tieres (Offbg. 14,9 ff. und Offbg. 20,4)

Diese Angaben, zu denen noch die Entrückung der noch lebenden Christen nach 1. Thess 4,17 und das Tausendjährige Friedensreich nach Offb 20 kommen, werden von verschiedenen dispensationalistischen Gruppen, die in Naherwartung leben (Brüderbewegung und andere Evangelikale, Adventisten, Zeugen Jehovas und weitere Endzeitgemeinden), zu jeweils unterschiedlichen Szenarien über die letzten Tage vor der Parusie und der Endschlacht Harmagedon ausgedeutet.

Nach dem Katechismus der katholischen Kirche muss die Kirche vor Christi Wiederkunft „eine letzte Prüfung durchmachen, die den Glauben vieler erschüttern wird“. In einer Christverfolgung werde das „Mysterium der Bosheit“ enthüllt und viele dazu bringen, vom Glauben abzufallen und einer „Scheinlösung ihrer Probleme“ anzuhängen: „Der schlimmste religiöse Betrug ist der des Antichristen, das heißt eines falschen Messianismus, worin der Mensch sich selbst verherrlicht, statt Gott und seinen im Fleisch gekommenen Messias.“ Das Reich Gottes werde „nicht durch einen geschichtlichen Triumph der Kirche zustande kommen, sondern durch den Sieg Gottes im Endkampf mit dem Bösen“. Die „Braut Christi“ werde vom Himmel herabkommen, und nach einer „letzten kosmischen Erschütterung dieser Welt, die vergeht“ werde das Jüngste Gericht abgehalten, der „Triumph Gottes über den Aufstand des Bösen“.[1]

Endzeit im Judentum[Bearbeiten]

Nach jüdischer Vorstellung bricht die Endzeit mit dem Kommen des jüdischen Messias an und kann nur durch das Handeln der Menschen in Richtung Frieden und Gerechtigkeit herbeigerufen werden. Dagegen ist der Glaube an eine Selbstzerstörung der Welt, an einen Weltuntergang oder an Armageddon, z. B. durch Katastrophen, Atomkriege oder Terrorismus, nicht im Judentum vertreten.

Einem jüdischen Glaubenssatz von Maimonides zufolge, wird eines Tages ein direkter Abkömmling König Davids als jüdischer Anführer erscheinen. Dieser wird den Tempel in Jerusalem erneut aufbauen und alle Juden im Land Israel vereinen. Krieg, Not und Hunger enden und eine Zeit weltweiten universellen Friedens und Wohlergehens wird beginnen und in der Welt Bestand haben. Alle Menschen werden den einen unteilbaren Gott anerkennen und das jüdische Volk wird sich mit der Tora beschäftigen.[2]

Endzeit im Islam[Bearbeiten]

Siehe dazu Mahdi, Daddschāl und Islamische Eschatologie.

Endzeit in der nordischen Mythologie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ragnarök

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Katechismus der Katholischen Kirche (1997), Nr. 675 und 677 (online auf vatican.va, Zugriff am 5. Januar 2013.)
  2. Was sagt das Judentum zum ‘Ende der Tage’ (Endzeit)?, Webzugriff am 10. März 2010.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Gassmann: Kleines Endzeit-Handbuch. Mabo-Verlag, Schacht-Audorf 2005, ISBN 3-9810275-1-5
  • Franz Graf-Stuhlhofer: „Das Ende naht!“ Die Irrtümer der Endzeit-Spezialisten (Theologisches Lehr- und Studienmaterial; 24). Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn, 3.Aufl. 2007, 258 S., ISBN 978-3-938116-30-2
  • Franz Graf-Stuhlhofer: Die Faszination des Themas „Endzeit“ für Bibelleser im 20.Jahrhundert. In: Freikirchenforschung 11 (2001) 156-177.
  • Gerhard Gronauer: Der Staat Israel in der pietistisch-evangelikalen Endzeitfrömmigkeit nach 1945. In: Gudrun Litz/Heidrun Munzert/Roland Liebenberg (Hrsg.): Frömmigkeit - Theologie - Frömmigkeitstheologie. Contributions to European Church History - Festschrift für Berndt Hamm zum 60. Geburtstag, Studies in the History of Christian Tradition 124, Leiden/Boston (2005), 797-810.
  • Hannes Möhring: Der Weltkaiser der Endzeit. Entstehung, Wandel und Wirkung einer tausendjährigen Weissagung. Stuttgart 2000 (= Mittelalter-Forschungen, Bd. 3)
  • Walter Schäble: Die glaubende Gemeinde in der Endzeit. Gießen 1963.