Mamre

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Die „Eiche Abrahams“ auf dem Gelände des russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Klosters in Hebron

Der Hain Mamre ist nach der Bibel (Gen 13,18; 23,17 EU) ein Wohnort Abrahams, des Stammvaters des Volkes Israel. Der Hain besteht aus Bäumen (hebr. אֵלון), die in Bibelübersetzungen meist als Terebinthen oder Steineichen bezeichnet werden. Der Ort befindet sich bei Hebron im Westjordanland. Als sein Besitzer wird Mamre genannt, der ein Amoriter war (Gen 14,13 EU).

Biblische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die biblische Erzählung schildert Abraham hier noch als Nomaden, der in Kanaan als Fremder sein Zelt an verschiedenen Orten aufschlägt. Der Hain war dann wohl einer seiner ersten festen Wohnsitze in dem Land, das Gott ihm verheißen hatte (Gen 12 EU).

Der Ort ist als Schauplatz einer eigentümlichen Begegnung zwischen Abraham und Gott bekannt geworden (Gen 18,1-15 EU). Gott erscheint hier in Gestalt von drei „Männern“, denen Abraham Gastfreundschaft gewährt. Seine Frau Sarah lauscht im Zelt den Gesprächen und wird Zeugin, dass ihr Ehemann von den Gästen die Zusage eines Nachkommen erhält. Darüber lacht sie, denn sie ist bisher kinderlos und mit 90 Jahren schon lange nicht mehr gebärfähig. Darauf fragt Gott durch die Stimme eines der Besucher: „Sollte JHWH etwas unmöglich sein?“ – und bekräftigt, dass sie in einem Jahr einen Sohn haben werde. Sarah, die sich ertappt fühlt, fürchtet sich.

Dieser Episode folgt die Geschichte vom Untergang Sodoms und Gomorras, für deren Verschonung Abraham zuvor argumentiert und mit seinem Gott streitet und an Gottes universelle Gerechtigkeit appelliert (Gen 18 EU). Doch nur sein Neffe Lot und seine Familie entkommt dem Gericht, das die Männer, die Abraham im Hain Mamre besucht haben, auf Gottes Geheiß vollstrecken.

Danach verlässt Abraham den Hain und zieht weiter in andere Gegenden. Erst nach dem Tod Sarahs erwirbt er ein Stück Ackerland für ihr Begräbnis: Machpela „gegenüber“ von Mamre, das also ebenfalls bei Hebron lokalisiert wird (Gen 23,19 EU). Danach beginnt die Geschichte Isaaks, der sich in Abrahams alter Heimat eine Frau sucht und seinen Vater schließlich in einer mit dem Acker Machpela erworbenen Grabhöhle nahe dem Hain Mamre beisetzt (Gen 25,9f EU).

Der Hain Mamre steht damit zusammen mit der Höhle Machpela für die große Land- und Volkverheißung an Abraham, die im Judentum, Christentum und Islam außerordentliche Bedeutung hat.[1]

Ortstraditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ausgrabungen in Chirbet Nimra, 1 km nördlich von Hebron, die ein Gebäude aus dem 6./5. Jahrhundert v. Chr. nachweisen, wird von Wissenschaftlern hier die älteste Ortstradition vermutet.[2]

Davon unabhängig existiert eine Ortstradition in Ramet el-Chalil, 3,5 km nördlich des heutigen Hebron, die bis zur römischen und byzantinischen Zeit reicht.[2][3]

Im russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Kloster in Chirbet Sibte, zwei Kilometer nordwestlich von Hebron, existiert ein Baumrelikt, das in christlicher Tradition als „Eiche Abrahams“ oder „Eiche Mamres“ bezeichnet wird. Der Baum soll 5000 Jahre alt sein. Die ältesten historischen Belege für diese Stätte reichen jedoch nur bis in das 19. Jahrhundert zurück.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christfried Böttrich, Beate Ego, Friedmann Eißler: Abraham in Judentum, Christentum und Islam. Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, ISBN 978-3-52563398-4, S. 54.
  2. a b c Detlef Jericke: Hebron. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., Zugriffsdatum: 26. September 2017.
  3. Christfried Böttrich, Beate Ego, Friedmann Eißler: Abraham in Judentum, Christentum und Islam. Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, ISBN 978-3-52563398-4, S. 111.