Manco Cápac II.

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Manco Cápac II. (Manco Inca)

Manco Cápac II., nach peruanischer Quechua-Schreibung Manku Qhapaq II. oder Manqu Qhapaq II. (* um 1500 in Cusco; † 1544 in Vilcabamba) war Inka-Herrscher von 1533 bis 1544 nach der Eroberung des Inkareichs. Er wurde von den spanischen Eroberern eingesetzt, hatte aber bald keinerlei eigene Macht. Er organisierte einen großen Aufstand gegen die Spanier und führte nach dessen Scheitern den Widerstand im Guerillakampf fort.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manco Cápac II., der auch Manku Inka genannt wurde, war ein Sohn des Inka Huayna Cápac und Halbbruder von Atahualpa und Huáscar. Allerdings stammte seine Mutter nicht aus der Elite Cuscos, wodurch er keine sonderliche Unterstützung des Hochadels (d. h. der panacas) genoss. Er hielt sich aus dem Thronfolgestreit der beiden Halbgeschwister heraus bzw. billigte Huáscar. Als Atahualpas General Quisquis mit seinen Truppen aus dem Norden des Reiches die Hauptstadt Cusco einnahm und den Inkaadel töten ließ, konnte Manco fliehen.[1]

Zusammenarbeit mit den Spaniern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf seinem Weg in den besiegten Süden begegnete Atahualpa der kleinen Truppe von Francisco Pizarro, die ihn im Handstreich gefangen nahmen. Nach der Ermordung Atahualpas wurde zunächst Túpac Huallpa von den Spaniern als oberster Inka eingesetzt, aber der verstarb auf dem Weg nach Cusco, wo man nun Manco Cápac antraf. Nach der Einnahme Cuscos am 15. November 1533 ließ Francisco Pizarro ihn nach dem Inka-Ritual inthronisieren.

Manco Cápac stand zunächst auf der Seite Pizarros und unterstützte ihn beim erfolgreichen Kampf gegen Quisquis. Es war aber bald nur mehr eine machtloser Gefangener der Spanier. Die Konquistadoren teilten das Land als encomiendas unter sich auf und begannen Abgaben und Fron zu fordern. Als Francisco Pizarro an die Küste reiste, sein Partner Diego de Almagro zur Conquista nach Chile aufbrach und Cusco unter der Statthalterschaft der Pizarro-Brüder Gonzalo und Juan blieb, wurde Manco von diesen misshandelt und musste Gonzalo Pizarro sogar seine Schwester-Frau überlassen.[2] Ein erster Fluchtversuch im Herbst 1535 scheiterte, und Manco wurde in Ketten gelegt.

Aufstand gegen die Spanier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Belagerung von Cuzco

Nach einer erfolgreichen Flucht im Frühjahr 1536 begehrte Manco Cápac gegen die Spanier auf, organisierte Inka-Truppen im Tal von Urubamba, nahm kurzzeitig die Festung Sacsayhuamán und belagerte von April 1536 bis August 1537 Cusco.[3] Ein Angriff der Inka unter Quico Yupangue auf die neu gegründete Stadt Ciudad de los Reyes (Lima) scheiterte im August 1536, ebenso blieben Manco Cápacs Bemühungen um indianische Verbündete angesichts deren schlechter Erfahrungen mit dem Inkareich meist erfolglos.[4] Spanisch-indianische Entsatztruppen und Gegenvorstöße zur Entlastung Cuscos konnten aber abgefangen oder geschlagen werden. Als Almagro von seiner Expedition nach Chile zurückkehrte und sich Cusco näherte, versuchte er, diesen auf seine Seite zu ziehen. Dieser Versuch scheiterte aber, und Manco musste sich aus der Umgebung von Cusco zurückziehen. Seine Armee zerstreute sich, woran auch seine harter Umgang mit seiner Gefolgschaft nicht ganz unschuldig war.[5]

Guerilla-Aktionen von Vilcabamba aus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manco Cápac floh mit etwa 2.000-3.000 Gefolgsleuten von Ollantaytambo weiter nach Vilcabamba, wo er einen neuen Inka-Staat gründete und dadurch imstande war, die direkte Verbindung zwischen Lima und Cusco zu unterbrechen. Dies zwang die Spanier in den Jahren 1539/1540 zur Gründung der Stadt San Juan de la Frontera (später Ayacucho). Von Vilcabamba aus führte er Guerillakämpfe gegen die Spanier, aber auch gegen die einheimische Bevölkerung, die zum Teil mit der spanischen Besatzungsmacht kollaborierte. Auf spanische Unterwerfungsangebote ging er nicht mehr ein. Bei einem groß angelegten Angriff Gonzalo Pizarros wurde seine Schwester-Frau Cura Ocllo von den Spaniern gefangen und wenig später zu Tode gequält (Juli/November 1539).[6]

Die Spanier ihrerseits gerieten in innere Kämpfe um die Herrschaft über Cusco zwischen Francisco Pizarro und Diego de Almagro.

Mitte 1544 wurde Manco Cápac II. von sieben Anhängern Almagros, die an der Ermordung Francisco Pizarros beteiligt gewesen waren und denen er Zuflucht gewährt hatte, ermordet. Die Mörder wurden von den Indianern gestellt und getötet.[7]

Die Söhne Manco Cápacs, Sayri Túpac, Titu Cusi Yupanqui und schließlich Túpac Amaru folgten ihm auf den Thron. Mit Túpac Amaru ging die Herrschaft der Inka zu Ende.

Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pedro Pizarro überliefert ein aufschlussreiches Gespräch zwischen Manco II. und Rui Díaz, einem Anhänger Almagros, der den Inkakönig im Auftrag seines Herrn aufsuchte.[8]

„Diego de Almagro hatte Rui Díaz zum Inka Manco geschickt. Der Inka sprach:

›Rui Díaz, angenommen, ich würde dem König meinen großen Schatz geben, würde er dann alle Christen aus diesem Land zurückziehen?‹
Rui Díaz antwortete:
›Wieviel würdest du denn geben?‹
Da ließ Manco einen Scheffel Mais auf den Boden schütten, den er sich hatte bringen lassen, und aus diesem Haufen nahm er ein Korn und sagte:
›Soviel wie dieses Korn habt ihr Christen bisher an Gold und Silber gefunden. Im Vergleich dazu ist das, was ihr nicht gefunden habt, soviel wie dieser Scheffel Mais.‹
Da sagte Rui Díaz zu Manco Cápac:
›Auch wenn du dem König alle diese Berge von Gold und Silber gibst, wird er die Spanier hier nicht aus dem Land nehmen.‹
Manco:
›Geh, Rui Díaz, und sag Almagro, er soll hingehen, wohin er möchte, denn ich und mein ganzes Volk müssen sterben, bis die Christen geschlagen sind. Und geh rasch und sag Almagro, er soll nicht kommen.‹“
Pedro Pizarro, Relación del Descubrimiento y Conquista de los Reinos del Perú (1571)

Dieser Dialog bot immer wieder Anlass zu Spekulationen über die Existenz eines sagenhaften Inkaschatzes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Alan Abercrombie: Pathways of memory and power, S. 139
  2. Karen Vieira Powers: Women in the crucible of conquest, S. 77; Barbara A. Somervill: Empire of the Inca; S. 53 f.; Bernabé Cobo: History of the Inca Empire, S. 172 f.; Gordon Francis McEwan: The Incas: new perspectives, S. 80
  3. Hanns J. Prem: Geschichte Altamerikas, S. 90; Die Inka hatten anfangs auch große Teile der Stadt wieder eingenommen, bis sie der Gegenangriff auf Sacsayhuamán stoppte. Vgl. Pam Barrett: Peru, S. 51 f.
  4. David Patrick Cahill, Blanca Tovías: New world, first nations, S. 58 f.
  5. David Patrick Cahill, Blanca Tovías: New world, first nations, S. 59 f.
  6. Diego de Castro Yupangui (Hrsg.: Catherine J. Julien): History of how the Spaniards arrived in Peru, S. 135; David Marley: Wars of the Americas Bd. 1, S. 56; Kim MacQuarrie: The last days of the Incas, S. 328 f.
  7. Gottfried Kirchner: Terra X – Eldorado, Suche nach dem Goldschatz. München 1988, ISBN 3-453-02494-4, S. 47. Von dem Vorfall berichtet Mancos Sohn Titu Kusi Yupanki als Augenzeuge in seinem 1570 abgegebenen Bericht (Der Kampf gegen die Spanier: Ein Inka-König berichtet. Übers. u. hrsgg. von Martin Lienhard. Patmos, Düsseldorf 2003, ISBN 978-3491691032, S. 132f. u. Zeittafel d. Hrsg. S. 175).
  8. Spanischer Text nach Luis Calvo: Se perdieron u ocultaron inmensos tesoros áureos del Perú. In: ABC vom 26. November 1963, S. 26–28. Quelle: Pedro Pizarro: Relación del descubrimiento y conquista de los reinos del Perú. In: Martín Fernández de Navarrete u. a. (Hrsg.): Documentos inéditos para la Historia de España, Band V, gedruckt in Madrid 1844, S. 314 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Eine deutsche Fassung bietet Gottfried Kirchner: Terra X – Eldorado, Suche nach dem Goldschatz. München 1988, S. 45.
VorgängerAmtNachfolger
Túpac Huallpa
Tupaq Wallpa
Inka von Cuzco und Vilcabamba
1533–1544
Sayri Túpac
Sayri Tupaq