Manila-Galeone

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Galeón Andalucía
Galeón Andalucía während ihres Aufenthalts in Puerto de Huelva, 14. Februar 2010

Galeón Andalucía während ihres Aufenthalts in Puerto de Huelva, 14. Februar 2010

p1
Schiffsdaten
Flagge Spanien 1506Spanien Spanien
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
51 m (Lüa)
Breite 10,12 m
 
Besatzung 26
Takelung und Rigg
Anzahl Masten 3

Als Manila-Galeone (spanisch: Galeón de Manila) bezeichnet man ein spanisches Schiff, das zur Zeit des Spanischen Kolonialreiches den Warenverkehr zwischen Manila, der Hauptstadt der von Neuspanien aus als Subkolonie verwalteten Philippinen, und Acapulco besorgte.

Begriff und Typ[Bearbeiten]

Der Name bezieht sich nicht auf einen speziellen Galeonentyp, sondern auf den Ausgangshafen Manila, von dem aus die mit Waren aus dem Fernen Osten (zum Beispiel Edelsteine, Gewürze, Porzellan, Seide) beladenen Schiffe meist einmal jährlich nach Acapulco aufbrachen, wo sie wiederum Silber an Bord nahmen und zum Erwerb der fernöstlichen Waren zurückbrachten. Der Begriff Galeone wurde auch weiterverwendet, als selbst in Spanien dieser Schiffstyp mit seinen Bautradition nicht mehr gebaut wurde.

Die Handelsroute[Bearbeiten]

Zwar fuhren bereits ab 1565 regelmäßig Schiffe von den Philippinen nach Neuspanien, doch der Schiffsverkehr auf der Manila-Acapulco-Route begann erst nach der Eroberung Manilas durch Miguel López de Legazpi im Jahr 1570. Der Umfang des Handels wurde von der spanischen Krone streng limitiert. So wurde der jährliche Umfang des Handels 1595 auf 300 t und 1702 auf 500 t beschränkt. Dieses Handelsvolumen konnten ein bzw. zwei Galeonen decken[1]. Die mit der Unabhängigkeit Mexikos im Jahr 1821 verbundene Auflösung des Vizekönigreichs Neuspanien bedeutete auch das endgültige Aus für die Manila-Acapulco-Route. Von den 108 Galeonen, die im Verlauf von 250 Jahren (1565 bis 1815) die Reise in der Regel mehrmals unternahmen, gingen 30 verloren, lediglich 4 davon wurden von Freibeutern erobert.[2]

Hunger und Krankheiten, v. a. die von den Spaniern als „holländische Krankheit“ bezeichnete Skorbut, machten den Mannschaften der Manila-Galeonen auf der langen, mindestens zwei Monate dauernden Reise regelmäßig zu schaffen. In den 1630er Jahren wurden auf zwei Galeonen 105 Besatzungsmitglieder von der Mannschaft über Bord geworfen, damit die anderen dem drohenden Hungertod entgehen konnten. Im Jahr 1657 wurde die Manila-Galeone "San José" an der Küste nahe Acapulco entdeckt; an Bord lagen die Leichen von Verhungerten und Verdursteten. Im Frachtraum fand man viel Seide, die aus Asien nach Amerika verschifft werden sollte.[3] Erreichten die Galeonen mit ihren Silberladungen nicht Manila, so konnten die dortigen Kaufleute keinen Handel mit den Chinesen treiben, da sie diesen außer dem Edelmetall nichts Interessantes zu bieten hatten. Erlitten die Galeonen auf der Rückreise Schiffbruch, konnten die Waren, für welche die Spanier in Amerika Silber bezahlt hatten, nicht Acapulco erreichen. So wurde der Handel in Manila, dem Schnittpunkt des chinesischen und spanischen Handelsnetzes, völlig lahmgelegt, als 1638 und 1639 nacheinander drei Galeonen sanken oder auf Grund liefen, darunter die Nuestra Señora de la Concepción.[4]

Moderner Nachbau[Bearbeiten]

Ein modifizierter Nachbau ist die Galeón Andalucía. Ihre Jungfernfahrt hat sie 2010 zur Weltausstellung nach Shanghai und anschließend nach Manila geführt. Die Reiseroute und der aktuelle Standort wird im Internet publiziert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • William L. Schurz: The Manila galleon. New York : Dutton 1959.
  • Jean-Paul Desroches (Hrsg.): Die Schätze der San Diego. Argon, Berlin 1997, ISBN 3-87024-380-5 (Veröffentlichungen des Museums für Völkerkunde, Berlin. N.F., 64)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eberhard Schmitt, Piet C. Emmer, Manfred Mimler, und Anneli Partenheimer-Bein: Wirtschaft und Handel der Kolonialreiche (1988) ISBN 3406306616, S. 666
  2. Tom Bennett: Shipwrecks of the Philippines
  3. Timothy Brook: Vermeers Hut - Das 17. Jahrhundert und der Beginn der globalen Welt, S. 185
  4. Timothy Brook: Vermeers Hut - Das 17. Jahrhundert und der Beginn der globalen Welt, S. 190-191