Jungbusch

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Jungbusch
Jungbusch, Karte auf einem Wandgemälde am Luisenring

Der Jungbusch ist ein Teil des Mannheimer Stadtbezirks und Stadtteils Innenstadt/Jungbusch westlich der Quadrate, die die Innenstadt bilden. Er ist im Norden durch den Neckar, im Osten und Süden durch den Luisenring und im Westen durch den Handelshafen im Bezirk Mühlau eingegrenzt. 5.134 wohnberechtigte Menschen lebten am 31. Dezember 2015 im Jungbusch.[1] Er gilt damit als einer der dichtestbesiedelten Stadtteile Mannheims.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nördliche Jungbusch liegt auf einem Hügel, der früher Pestbuckel hieß. Hier fiel das ansonsten flach zum Ufer abfallende Gelände steil ab. Die umgangssprachliche Bezeichnung erinnert an den hier einst gelegenen Friedhof, auf dem im Pestjahr 1666/1667 Tausende von Opfern unabhängig von der Konfession beerdigt wurden.[2]

Der Name Jungbusch leitet sich von dem ehemals hier stehenden Junggehölz ab. Seine Form erhielt der Jungbusch durch die Rheinbegradigung, den Bau des Verbindungskanals im Handelshafen und den Neckardurchstich von 1869.

Ab 1870 entstand der Jungbusch durch gründerzeitliche Stadterweiterungen. Hier lebten einst Reeder, Kapitäne und Kaufleute. Dieser Stadtteil blieb als einer der wenigen Mannheimer Stadtteile von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, so dass die Bausubstanz aus der Gründerzeit noch sehr gut erhalten ist. Mit dem Niedergang der Binnenschifffahrt in den 70er Jahren verlotterte der Jungbusch und wandelte sich zum Rotlichtbezirk mit fragwürdigem Ruf (Amüsierviertel, Ausländerviertel, sozialer Brennpunkt) in Mannheim und Umgebung.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute leben überwiegend einkommensschwache Familien im Jungbusch. Mit 72,3 Prozent ist der Jungbusch der Stadtteil in Mannheim mit der höchsten Arbeiterquote. Außerdem zog dieser Bezirk besonders viele Einwanderer an, zunächst Italiener, dann vor allem Türken. 68,8 Prozent der Einwohner im Jungbusch haben einen Migrationshintergrund, Mannheim gesamt 43,6 Prozent.[3] Jungbusch ist außerdem der Stadtteil mit der höchsten Zahl von Kindern und Jugendlichen (18 Prozent sind unter 18 Jahren). Der günstige Mietraum des Stadtteils wird zunehmend auch von studentischen Wohngemeinschaften und Künstlerateliers in Anspruch genommen. 12 Prozent der Einwohner erhalten Sozialhilfe, 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Trotz aller sozialer Probleme ist die Kriminalität im Jungbusch nicht auffällig.

Stadtentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Popakademie Baden-Württemberg

Seit einigen Jahren versucht die Stadt Mannheim, den Jungbusch mit allerlei baulichen und sozialen Maßnahmen wieder aufzuwerten. Unter anderem wurden die Popakademie Baden-Württemberg und das Existenzgründerzentrum Musikpark Mannheim dort angesiedelt. Heute gilt der Jungbusch als Multi-Kulti-Viertel mit Wachstumspotenzial. Auch in der 1881 erbauten Kauffmannmühle entsteht ein Raum für kulturell-kreative Aktivitäten.

Geschichte der Kauffmannmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den Jahren 1881–1883 von den Mannheimer Architekten Philipp Jelmoli und Carl Blatt erbaute Mühlenanlage hatte ihren Ursprung in einer im Schriesheimer Tal gelegenen, mit Wasserkraft betriebenen Getreidemühle. Mit ihrer Verlegung nach Mannheim erhielt die Firma den Zusatz „Erste Mannheimer Dampfmühle“. Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert und erneuert, überstand die Mühle die beiden Weltkriege ohne nennenswerte Schäden. Obwohl die Mühle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gut beschäftigt war, wurde sie im Jahr 1960 nach 78 Jahren der Produktion stillgelegt. Mit der Entwicklung der städtebaulichen Konzepte für neue Arbeitsplatzstrukturen im Jungbusch werden nun auch Investitionen in den aufwändigen Erhalt des alten Industriedenkmals möglich. Erste Mieter, wie der Radiosender für elektronische Musik Sunshine Live oder IT-Firmen sind schon eingezogen. Seit 2007 befindet sich dort auch das Künstlerhaus Zeitraumexit. In einer weiteren Stufe soll mit dem Umbau der denkmalgeschützten Lagerhallen begonnen werden und der erste Abschnitt des zukünftigen Zunftviertels Kauffmannmühle mit Flächen für wertige Produkte, kreative Dienstleistungen, Events, Slow-Food-Gastronomie und Kultur entstehen.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yavuz-Sultan-Selim-Moschee

Im Jungbusch steht auch seit 1995 die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee, nach Fertigstellung damals die größte Moschee Deutschlands, gebaut vom Islamischen Bund Mannheim. Die Moschee war mit ihrem Projekt „Offene Moschee“ in Deutschland eines der ersten muslimischen Gotteshäuser, das sich nach außen hin öffnete und das Ziel der interreligiösen Annäherung und der Aufklärung über den Islam praktisch umsetzte.

Der Moschee gegenüber steht die 1904 errichtete neugotische Liebfrauenkirche, die zusammen mit der Jesuitenkirche und der Unteren Pfarrkirche St. Sebastian am Marktplatz zur katholischen Innenstadtpfarrei gehört. Sie wird auch von der italienischen Gemeinde genutzt.

Die evangelische Hafenkirche betreut auch die Familien der Binnenschiffer, die den Mannheimer Hafen anlaufen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Mannheim: Einwohnerbestand 2015 in kleinräumiger Gliederung. Statistische Daten Mannheim № 1/2016. 30. März 2016, S. 5 ff., abgerufen am 13. April 2016 (PDF 679 KB).
  2. Innenstadt/Jungbusch - 144 Quadrate und 150 Nationen zwischen Rhein und Neckar
  3. Stadt Mannheim: Einwohner mit Migrationshintergrund in kleinräumiger Gliederung, Statistische Daten № 3/2016. Abgerufen am 13. April 2016 (PDF 332 KB).

Koordinaten: 49° 30′ N, 8° 28′ O