Margin

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Der Anglizismus Margin (ˈmaʀʒin; deutsch Marge, allerdings mit anderer Bedeutung) betrifft in der Wirtschaftswissenschaft und insbesondere im Finanzwesen eine Sicherheitsleistung, die durch den Anleger bei bestimmten Wertpapiergeschäften oder Kontrakten über Commodities gegenüber Kreditinstituten, Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder Brokern zu stellen ist.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Spekulation mit Derivaten wie Differenzgeschäften, Optionen, Swapgeschäften oder Terminkontrakten unterliegt der Anleger einem hohen Kursänderungsrisiko, denn er muss zunächst weniger Kapital einsetzen als später – etwa bei der Realisierung von Verlusten für die Erfüllung – erforderlich wird. Je größer der Leverage-Effekt ist, umso höher ist das spätere Gewinn- oder Verlustpotenzial eines Basiswerts. Sicherungsgeber der Margin sind der Käufer und Verkäufer, Sicherungsnehmer sind Kreditinstitute, Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder Broker.

Das Margin ist eine Sicherheitsleistung, die der Gefahr eines Erfüllungsausfalls offener Positionen entgegenwirken soll. Damit die Gegenpartei des Käufers oder Verkäufers kein Ausfallrisiko eingehen muss, soll die Sicherheitsleistung dieses Ausfallrisiko verhindern. Da auch die Gegenparteien (Kreditinstitute, Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder Broker) gegenüber dem Clearinghaus die maximal zu erwartenden Verluste durch eine Margin zu hinterlegen haben, gibt es bei einem einzigen Kontrakt eine Kette von Margins innerhalb der beteiligten Kontrahenten.

Margins gibt es sowohl beim Börsenhandel als auch im OTC-Handel. Börsen verlangen Margins beispielsweise bei Futures-Kontrakten, Short-Positionen von Optionen oder Leerverkäufen von Aktien. Im OTC-Handel werden Margins bei Forwards oder Swaps verlangt.[1]

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt drei Arten, und zwar den Ersteinschuss (oder Garantiehinterlegung; englisch Initial Margin; Eurex: Additional Margin), den Nachschuss (englisch Variation Margin) und das Halte-Margin (englisch Maintenance Margin).[2] Sie sind jeweils von Käufer und Verkäufer zu stellen. Die Höhe der Initial Margin wird von der Terminbörse nach dem „Risk-based-Margining-System“ (RBM) festgelegt, wobei als Indikator für das Risiko der Terminbörse die historische Volatilität des jeweiligen Basiswertes dient. Dieses Initial Margin entspricht beispielsweise beim Optionskauf der Höhe der später zu zahlenden Optionsprämie.[3] Es dient damit der Deckung etwaiger Glattstellungskosten. Eine Variation Margin wird fällig, wenn das Initial Margin durch Verluste aufgebraucht ist. Sie orientiert sich an der Kursentwicklung des Basiswerts und kann sich positiv oder negativ verändern. Die positive Veränderung führt zu einer das Initial Margin erhöhenden Gutschrift, die negative zu einer Nachschusspflicht. Das Maintenance Margin ist zahlbar, wenn der Anleger zu Kauf einen Effektenlombardkredit (englisch margin trading) in Anspruch nimmt.[4] Es beträgt meist 25 % des Kreditbetrags.

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verpflichtung zur Leistung von Margins durch den Sicherungsgeber (Anleger, Spekulant, Trader) an den Sicherungsnehmer (Kreditinstitute, Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder Broker) ergibt sich aus einer Margin-Vereinbarung. Dabei handelt es sich um Verträge, die insbesondere der Besicherung des Gegenparteiausfallrisikos von Derivaten dienen.[5] Hierin einigen sich die Vertragsparteien unter anderem über die Eröffnung eines besonderen Margin-Kontos, wobei Margins zu leisten sind durch Hinterlegung von Bankguthaben oder in Form von Wertpapieren. Außerdem regeln die Vereinbarungen die Art, Höhe und Fälligkeit der Margins und die Häufigkeit der vorzunehmenden Bewertungen der Basiswerte. Die Eurex bewertet börsentäglich nach der Mark-to-market-Methode.

Nach Art. 11 Abs. 3 Marktinfrastrukturverordnung müssen Transaktionen in Derivaten, die nicht der Clearingpflicht unterliegen, in den EU-Mitgliedstaaten besichert werden. Als Besicherungsinstrumente sind Variation Margin und Initial Margin vorgesehen. Das Variation Margin dient dem regelmäßigen Ausgleich von Wertschwankungen der Derivate-Kontrakte, das Initial Margin dagegen soll aktuelle und künftig zu erwartende Wertschwankungen abdecken, die zwischen dem letzten Austausch von Margins und der Wiederabdeckung des Risikos oder der Veräußerung der Position entstehen können, wenn eine der Gegenparteien den vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann.

Wertpapierrechtlich werden Margins ausschließlich Finanzsicherheiten genannt (§ 84 WpHG). Die hierfür im Juni 2002 erlassene Finanzsicherheitenrichtlinie (Richtlinie 2002/47/EG) befasst sich mit der Bereitstellung von Wertpapieren und Barguthaben als Sicherheit.[6] Vor allem Wertpapiere werden im Interbankenhandel regelmäßig im Rahmen von Pfandgeschäften, Wertpapierleih- und Pensionsgeschäften sowie von Kauf- und Rückkaufvereinbarungen, den so genannten Repos (englisch repurchase agreements), als Kreditsicherheit übertragen.[7] Finanzsicherheit ist nach Art. 2 Nr. 1a dieser Richtlinie eine Sicherheit, die in Form der Vollrechtübertragung oder in Form eines beschränkten dinglichen Sicherungsrechts bestellt wird. Die Richtlinie schützt insbesondere die im Bankenverkehr üblichen Vereinbarungen, wonach der Sicherungsgeber bei Wertschwankungen der geleisteten Sicherheiten oder bei Wertschwankungen der besicherten Verbindlichkeit verpflichtet ist, weitere Sicherheiten zu leisten, um die unbesicherte „Marge“ abzudecken (Margensicherheit).[8]

Durch § 1 Abs. 17 KWG ist diese Finanzsicherheitenrichtlinie Bestandteil des deutschen Bankrechts. Da Margins die Anforderungen an Finanzsicherheiten des Art. 207 Kapitaladäquanzverordnung erfüllen, gelten sie beim Sicherungsnehmer als anrechenbare „Kreditrisikominderungstechnik mit Sicherheitsleistung“. In § 130 Abs. 1 InsO ist klargestellt, dass eine bankenübliche Margensicherheit in der Insolvenz des Sicherungsgebers keine inkongruente Deckung darstellt.

Margin Call[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Begriff Margin Call ist die auf dem Margin-Vertrag beruhende Aufforderung des Sicherungsnehmers gegenüber dem Sicherungsgeber zur Zahlung der Margin zu verstehen. Meist betrifft der Margin Call die Nachschusspflicht bei der Variation Margin, die bei Neubewertung innerhalb von 24 Stunden zu erfüllen ist; bei Nichterfüllung wird die Position glattgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Hull, Risikomanagement: Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitutionen, 2011, S. 118
  2. Robert Schittler/Martin Michalky, Das große Buch der Börse, 2008, S. 588
  3. Christoph Graf von Bernstorff, Finanzinnovationen, 1996, S. 31
  4. Krishna Sasidharan/Alex K Mathews, Financial Services and System, 2008, S. 476
  5. Susen Claire Berg, Zur aufsichtsrechtlichen Berücksichtigung des Kreditrisikos, 2019, S. 80 FN 394
  6. BT-Drs. 15/1853 vom 29. Oktober 2003, Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2002/47/EG vom 6. Juni 2002 über Finanzsicherheiten und zur Änderung des Hypothekenbankgesetzes und anderer Gesetze, S. 1.
  7. BT-Drs. 15/1853 vom 29. Oktober 2003, Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2002/47/EG vom 6. Juni 2002 über Finanzsicherheiten und zur Änderung des Hypothekenbankgesetzes und anderer Gesetze, S. 11.
  8. BT-Drs. 15/1853 vom 29. Oktober 2003, Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie 2002/47/EG vom 6. Juni 2002 über Finanzsicherheiten und zur Änderung des Hypothekenbankgesetzes und anderer Gesetze, S. 15.