Anleger (Finanzmarkt)

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Der Anleger (auch Kapitalanleger, Kapitalgeber oder Investor genannt; englisch investor) ist ein Wirtschaftssubjekt, das als Kapitalmarktakteur am Finanzmarkt oder als Marktteilnehmer am Gütermarkt eine Geldanlage tätigt.

Wirtschaftssubjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Wirtschaftssubjekte, die als Anleger auftreten, kommen Privatanleger oder institutionelle Anleger in Frage.

Privatanleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privatanleger (auch Kleinanleger oder Retail-Anleger genannt) sind natürliche Personen, die oft über wenig oder keine finanzielle Allgemeinbildung verfügen und daher ausführlicher Anlageberatung bedürfen. Dadurch soll die asymmetrische Information des Privatanlegers vermindert oder ganz ausgeschaltet werden. Sie gelten gemäß § 31a Abs. 3 WpHG als Privatkunden und werden gesetzlich besonders durch Anlegerschutz geschützt.[1] Als Privatkunden gelten nach dieser Vorschrift alle Kunden, die keine professionellen Kunden sind. Nach der „Suitability-Regel“ sind Kreditinstitute gefordert, Privatkunden nur dann ein Finanzprodukt zu empfehlen, wenn es für sie geeignet (englisch suitable) ist. Geeignet ist ein Finanzinstrument für Privatkunden, wenn es den Anlagezielen des Kunden entspricht, die hieraus resultierenden Risiken vom Kunden getragen werden können und der Kunde die Risiken richtig einzuschätzen weiß.[2] Dabei sind Kenntnisse und Erfahrungen zu ermitteln und einzustufen. Nach § 34 Abs. 2a Satz 1 WpHG ist eine Anlageberatung bei einem Privatkunden schriftlich zu protokollieren. Nach § 33a Abs. 6 WpHG müssen Banken ihre Privatkunden ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie im Falle einer Kundenweisung den Auftrag entsprechend der Kundenweisung ausführen und insoweit nicht verpflichtet sind, den Auftrag entsprechend ihren Grundsätzen zur Auftragsausführung zum bestmöglichen Ergebnis auszuführen.

Gemeinden, Landkreise und kreisfreie Städte gelten nach der Klarstellung der BaFin vom 25. Juni 2010[3] als Privatkunden im Sinne des § 31a Abs. 3 WpHG, weil sie keine „regionalen Regierungen“ im Sinne des § 31a Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 WpHG sind.

Institutionelle Anleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Institutioneller Anleger

Institutionelle Anleger gelten im Sinne des § 31a Abs. 2 WpHG als „professionelle Kunden“, bei denen Wertpapierdienstleistungsunternehmen davon ausgehen können, dass sie über ausreichende Erfahrungen, Kenntnisse und Sachverstand verfügen, um ihre Anlageentscheidungen zu treffen und die damit verbundenen Risiken angemessen beurteilen zu können. Für professionelle Kunden ist ein Finanzinstrument geeignet, wenn es den Anlagezielen entspricht (geborene professionelle Kunden) oder den Anlagezielen und den finanziellen Verhältnissen (gekorene professionelle Kunden). Hierzu gehören Kreditinstitute, Versicherungen, Fonds, öffentliche Hand, Pensionskassen oder sonstige Nichtbanken wie Großunternehmen sowie der Bund und die Länder als nationale Regierungen bzw. regionale Regierungen im Sinne des § 31a Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 WpHG. In einigen Rechtssystemen werden solche institutionellen Anleger auch als Qualifizierte institutionelle Investoren bezeichnet.

Die institutionellen Anleger werden in der MiFID-Gesetzgebung weiter unterteilt in professionelle Anleger und geeignete Gegenparteien.[4] Geeignete Gegenparteien sind Anleger, die selbst die Befähigung besitzen, Anlagen zu emittieren, also Banken und entsprechende staatliche Stellen. Sie genießen nach der MiFID-Richtlinie fast überhaupt keinen Schutz. Die übrigen institutionellen Anleger sind die professionellen Anleger. Ihr Schutzniveau liegt zwischen dem der Privatanleger und der geeigneten Gegenparteien. Die Banken müssen Richtlinien aufstellen, gemäß denen sie Anleger als professionelle Anleger behandeln, und diese Kriterien müssen dem gesetzlichen Mindeststandard nach § 31a Abs. 7 WpHG genügen. Konkrete praxistypische Voraussetzungen sind, dass der Anleger ein ausreichend hohes Wertpapiervermögen (mehr als 500.000 EUR), berufstypische Kenntnisse (mindestens ein Jahr Arbeit in einem einschlägigen Beruf, oder gleichwertige Fähigkeiten) sowie hinreichende praktische Handelserfahrung besitzt (über die unmittelbar vorangehenden 12 Monate mindestens 10 Transaktionen pro Quartal, von denen jede einen Umsatz von mindestens 25.000 EUR hatte). Das Gesetz kennt geborene und gekorene professionelle Anleger. Erstere gelten von vornherein als professionell und müssen die Bank ausdrücklich um das höhere Schutzniveau eines Privatanlegers bitten, wenn sie dieses in Anspruch nehmen wollen. Letztere müssen hingegen erst ausdrücklich in die Einstufung einwilligen, bevor die Bank ihnen das Schutzniveau eines Privatanlegers entziehen darf. Insbesondere können Privatpersonen ihren Privatanlegerschutz nur verlieren, wenn sie zuvor ausdrücklich darin eingewilligt haben.

Anlageziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt drei Anlageziele mit gegenseitigen Zielkonflikten, nämlich Rendite, Sicherheit (Risiko) und Liquidität (Fungibilität).[5] Dieses Magische Dreieck der Vermögensanlage ist dadurch gekennzeichnet, dass nicht alle drei Ziele gleichmäßig und im gleichen Ausmaß erfüllt werden können. Die Rendite signalisiert dem Anleger die Ertragskraft eines Anlageobjektes, während das Risiko aus der Gefahr besteht, ob und inwieweit der Anleger mit dem Verlust seines eingesetzten Kapitals rechnen muss. Eine hohe Rendite ist regelmäßig mit einem hohen Risiko verbunden. Die Liquidität sagt etwas darüber aus, wie schnell ein Anleger ohne Veräußerungsverluste die Anlage wieder in Geld umwandeln kann. Bei hoher Rendite und gleichzeitig hohem Risiko ist wiederum die Liquidität eingeschränkt. Die Anlageobjekte können je nach Erfüllbarkeit der Anlageziele in Risikoklassen eingeteilt werden. Risikoscheue Anleger ziehen Sicherheit und Liquidität vor, risikofreudige präferieren dagegen die Rendite und nehmen Risiken bewusst in Kauf.

Von der Laufzeit her können Anlageziele kurzfristig (Sparen für den nächsten Urlaub), mittelfristig (Geldanlage für einen Immobilienkauf) oder langfristig (Altersvorsorge) sein.[6]

Spekulanten und Arbitrageure sind keine Anleger und verfolgen auch kein Anlageziel, ein Interesse an den Spekulations- und Arbitrageobjekten besitzen sie nicht. Ihr Ziel ist die - möglichst kurzfristige - Erzielung eines Gewinnes durch Erwerb und Veräußerung von Spekulations- und Arbitrageobjekten.

Anlagemotivation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanzinvestment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Finanzinvestment (Akteur Finanzinvestor) sind die laufenden Erträge aus dem Anlageobjekt oder die erwarteten Wertsteigerungsgewinne bei einer späteren teilweise oder ganzen Wiederveräußerung die Hauptanlagemotivation. Bezieht sich das Investment auf Unternehmensanteile, so spricht man von einer Finanzbeteiligung.

Strategisches Investment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim strategischen Investment (Akteur strategischer Investor) liegt der Fokus auf der Verbindung des Anlageobjekts mit dem eigenen Geschäftszweck.

Beispiele:

Anlageobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Anlageobjekte kommen in erster Linie alle Finanzprodukte und Finanzinstrumente in Betracht, außerdem auch Beteiligungskapital an allen Unternehmensformen (etwa Private Equity) bis hin zu Mezzanine-Kapital (etwa Nachrangdarlehen), Immobilien (Wohn- und Gewerbeimmobilien), Commodities, Schmuck oder Kunstwerke.

Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Märkte kommen für Anleger der Geldmarkt, Kapitalmarkt (Börsen, Warenbörsen), Immobilienmarkt oder der Gütermarkt und Kunstmarkt in Frage. Auf letzteren werden Commodities und als Anlageobjekte geeignete Kunstwerke gehandelt. Entweder treten Anleger auf diesen Märkten unmittelbar als Akteure auf oder mittelbar über Kreditinstitute, Versicherungen, Anlagevermittlung oder auch über Schattenbanken.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Markets in Financial Instruments Directive (MiFID)
  2. DIIR - Deutsches Institut für Interne Revision e.V. (Hrsg.), Interne Revision aktuell: Berufsstand 07/08, 2008, S. 47 f.
  3. BaFin vom 25. Juni 2010, Kundeneinstufung von Gemeinden, Landkreisen und kreisfreien Städten nach § 2 Abs. 1 Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung (WpDVerOV), Geschäftszeichen WA 31 - Wp 2002 - 2007/0127
  4. Birgit Rost, Die Bedeutung der unterschiedlichen Kundenkategorien, in: Andreas von Böhlen/Jens Kann, MiFID-Kompendium: Praktischer Leitfaden für Finanzdienstleister, 2008, S. 97 ff.
  5. Thomas Heidorn, Der Bankbetrieb, 1996, S. 329
  6. Anke Dembowski, Profi-Handbuch Investmentfonds, 2007, S. 10

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Anleger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen