Marienbasilika (Krakau)

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Marienbasilika
Blick vom Rathausturm

Blick vom Rathausturm

Baujahr: 1221
Einweihung: 1222
Stilelemente: Romanik, Gotik, Renaissance, Barock
Bauherr: Katholische Kirche
Lage: 50° 3′ 42″ N, 19° 56′ 21″ OKoordinaten: 50° 3′ 42″ N, 19° 56′ 21″ O
Anschrift: Krakauer Hauptmarkt
Krakau
Polen
Zweck: Römisch-katholische Pfarrkirche
Bistum: Krakau
„Hejnał“ anhören
Chorraum mit Hochaltar
Orgelempore
Detail
Detail

Die Marienkirche (poln. Kościół archiprezbiterialny Wniebowzięcia Najświętszej Marii Panny w Krakowie) in Krakau, Polen, ist eine römisch-katholische Basilika und gehört aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Architektur und ihrer Kunstschätze zu den Wahrzeichen der Stadt Krakau. Insbesondere ist der Hochaltar aus der Werkstatt von Veit Stoß weltweit bekannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Stelle eines romanischen Kirchengebäudes aus den Jahren 1221–1222 wurde am Ende des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, als klassisches Beispiel polnischer gotischer Architektur, die Kirche der heiligen Magd Maria an der nordöstlichen Ecke des Marktplatzes errichtet. Sie trägt das Patrozinium Wniebowzięcia NMP (Mariacka)Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria“.[1]

Aufgrund der wachsenden deutschen Gemeinde im Mittelalter wurden mit der Zeit die Predigten in polnischer Sprache aus der Marienkirche in die benachbarte St. Barbara-Kirche verdrängt. Auf der Wintersitzung 1536/37 des polnischen Parlaments (Sejm) in Krakau gebot König Sigismund I. die Predigten in polnischer Sprache erneut in die Marienkirche zu verlegen. Die deutschen Predigten sollten dagegen in der Barbarakirche abgehalten werden. Dies war einerseits ein Zeugnis für das Erwachen des nationalen Selbstbewusstseins und der Ausprägung eines Nationalstolzes, andererseits aber auch die Folge der Polonisierung des deutschen Bürgertums.

1970 wurde die Kirche durch Papst Paul VI. in den Rang einer Basilica minor erhoben.[2]

Türme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienkirche besitzt zwei Türme. Einen nördlicheren und höheren (81 m) mit spitzem Dach (mit Uhrglocke) und den etwas niedrigeren (69 m) südlichen. Er birgt neben einer weiteren Uhrglocke das vierstimmige, mittelalterliche Geläut. Einer Sage nach sollen die Türme von zwei Brüdern in Konkurrenz erbaut worden sein. Während der ältere Bruder seinen Turm bereits fertiggestellt hatte, war sein jüngerer Bruder noch mit dem Bau beschäftigt. Aus Angst, sein Bruder könne einen höheren Turm bauen, erstach er ihn. Das Tatwerkzeug (Messer) ist bis heute an der Tuchhalle zu sehen.

Im Nordturm befindet sich auf etwa 54 m die Türmerstube. Seit dem 14. Jahrhundert läutet ein Türmer zu jeder vollen Stunde die Stundenglocke von Hand und spielt das Krakauer Trompetensignal „Hejnał“ in alle vier Himmelsrichtungen.

Es bricht mitten im Spiel ab und soll damit an den Mongolenangriff (damals „Tataren“ genannt) 1241 erinnern, bei dem der damalige Trompeter während des Blasens des Alarmsignals von einem Tatarenpfeil getötet worden sei – so die Legende.

Seit 1927 wird das Mittagssignal live vom Sender Radio Kraków übertragen, es ist die älteste ständige Musiksendung der Welt.

Fassaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Fassade befinden sich mehrere Gedenk- und Grabsteine. Darunter eine Anerkennung für den polnischen Papst Johannes Paul II.

Kunstschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bedeutendstes Kunstwerk gilt der Hochaltar von Veit Stoß. Er ist der größte Altar Europas dieser Art und entstand in den Jahren 1477–1489, gestiftet von der Bürgerschaft Krakaus. Der Marienaltar besitzt die Abmessungen 11 m × 13 m, die Höhe der realistisch wiedergegeben Figuren beträgt ca. 2,7 m. Er wurde aus Eichen- (Konstruktion) und Lindenholz (Figuren) geschnitzt und erzählt bei geöffneten Türen die Geheimnisse der Freude Mariens von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Bei geschlossenen Türen sind dagegen die zwölf Szenen der Leiden Marias zu sehen.

Hauptartikel: Krakauer Hochaltar

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Orgel hat 56 Register auf drei Manualen und Pedal.[3]

I Rückpositiv C–g3
01. Flet kryty 8′
02. Quintadena 8′
03. Prinzipal 4′
04. Flet otwarty 4′
05. Flet leśny 2′
06. Quinte 113
07. Oktave 1′
08. Sesquialtera II
09. Mixtura acuta IV
10. Clarinette 8′
11. Vox humana 8′
Tremolo
Stella I
Stella II
II Hauptwerk C–g3
12. Quintadena 16′
13. Prinzipal 8′
14. Flauto major 8′
15. Viola da Gamba 8′
16. Oktave 4′
17. Flauto minor 4′
18. Quinta 223
19. Superoktave 2′
20. Terz 135
21. Mixtur VI
22. Cornett V 8′
23. Trompete 16′
24. Trompete 8′
25. HD Prinzipal 8′
26. Stentorgambe 8′
27. Tuba mirabilis 8′
Campane
III Schwellwerk C–g3
28. Bourdon 16′
29. Prinzipal 8′
30. Flauto harmonico 8′
31. Flet rurkowy 8′
32. Viola 8′
33. Vox coelestis 8′
34. Oktave 4′
35. Flauto traverso 4′
36. Nasard 223
37. Flautino 2′
38. Terz 135
39. Plein jeu V
40. Cymbel III
41. Fagot 16′
42. Oboe 8′
43. Clairon 4′
Tremolo
Campanelli
Pedal C–f1
44. Subcontrabass 32′
45. Majorbass 16′
46. Subbass 16′
47. Quinte 1023
48. Oktave 8′
49. Bassflöte 8′
40. Tenoroktave 4′
51. Piffaro II
52. Mixtura V
53. Bombarde 32′
54. Basson 16′
55. Fagott 8′
56. Schalmei 4′
  • Koppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Pfarrer und Archipresbyter [4][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer:

Pfarrer Jahr
1 Stefan 1224
2 Rajnold 1294
3 Franciszek 1318

Archipresbyter:

Archipresbyter Jahr
1 Jan Grot 1326
2 Andrzej de Verulis 1327
3 Jan z Lubsicz 1329
4 Bertrand 1342
5 Mikołaj z Kurnika 1369–1374
6 Kieczon z Książnic 1386
7 Paweł Nepromis 1394
8 Mikołaj Piannaster 1400
9 Mikołaj Pieniążek 1401
10 Adam z Będkowa 1413–1450
11 Grzegorz Szworc 1450–1485
12 Jan Heidecke 1500–1512
13 Mikołaj Waltek 1514–1542
14 Tomasz Pszonka 1542–1553
15 Wojciech Niwiński 1563–1583
16 Jakub Górski 1583–1585
17 Hieronim Powodowski 1586–1613
18 Hieronim Alantsse 1613–1614
19 Krzysztof Trzciński 1614–1640
20 Justus Słowikowski 1640–1654
21 Mikołaj Słowikowski 1654–1678
22 Grzegorz Januszewicz 1678–1700
23 Dominik Lochman 1700–1723
24 Jacek Łopacki 1723–1761
25 Leonard Kiełczewski 1761–1795
26 Karol Lochman 1795–1803
27 Grzegorz Mieroszewski 1803–1808
28 Jan Hofman 1808–1809
29 Józef Łańcucki 1809–1841
30 Ludwik Hasselquist 1841–1846
31 Franciszek Stachowski 1846–1850
32 Jan Kalisiewicz 1850–1855
33 Jan Kogutowicz 1855–1873
34 Zygmunt Golian 1873–1880
35 Ludwik Bober 1880–1891
36 Józef Krzemieński 1891–1912
37 Franciszek Symon 1913–1918
38 Czesław Wądolny 1918–1925
39 Józef Kulinowski 1925–1944
40 Ferdynand Machay 1944–1967
41 Teofil Kurowski 1967–1983
42 Jan Kościółek 1983–1995
43 Bronisław Fidelus 1995–2011
44 Dariusz Raś seit 2011

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marek Walczak, Krzysztof Czyzewski: Krakau, Prag und Wien: Funktionen von Metropolen im frühmodernen Staat. Hrsg.: Marina Dmitrieva, Karen Lambrecht. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, ISBN 978-3-515-07792-7, Gesellschaftliche Pluralität und Interaktion: Die Krakauer Kathedrale und die Marienkirche in ihrer Funktion für Hof und Stadt, S. 112–116.
  • Krakau Reiseführer durch eine außergewöhnliche Stadt, Zielona Sowa, ISBN 978-83-7435-434-9 (9788374354349)
  • Merian Reiseführer Krakau, Travel House Media, 2008, ISBN 978-3-8342-0338-0
  • DK Eyewitness Travel Guides: Cracow, Penguin Books Ltd 2007, ISBN 978-1-4053-1937-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienkirche (Krakau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.gcatholic.org
  2. Bazylika Wniebowzięcia NMP auf gcatholic.org
  3. Ausführliche Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel (polnisch)
  4. Bazylika Mariacka w Krakowie