Marius Kohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Marius Kohl (* 1952) ist ein ehemaliger Beamter der Luxemburger Finanzbehörde. Von den 37 Jahren seiner Tätigkeit leitete er 22 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013 die Steuerabteilung Sociétés 6. Über seinen Schreibtisch gingen Tausende Anträge ausländischer Firmen, die in Luxemburg Kapital anlegen wollten, um Steuern zu sparen. 2010 wurde bekannt, dass Kohl die zentrale Figur für diese Vorgänge war. In Absprache mit seinen Dienstherren, den damaligen Finanzministern Jean-Claude Juncker und Luc Frieden, entschied Kohl die meisten Anträge positiv.

Luxemburg-Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für einen von Kohl unterzeichneten Steuervorbescheid

2010[1] und verstärkt im November 2014 unter dem Namen Luxemburg-Leaks veröffentlichten mehrere Medien Tausende vertraulicher Papiere der niederländischen Gesellschaft des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers. Das Institut arbeitete eng mit den Luxemburgischen Finanzbehörden und insbesondere der Abteilung Sociétés 6 zusammen. Die meisten dieser Dokumente zeigen die Korrespondenz mit Marius Kohl; diese beinhalten u.a. günstige Steuervorbescheide (im Englischen Tax Rulings), Kohl wurde daher branchenintern „Monsieur Ruling“ genannt.[2] Bei den Konzernen und den Steuerberatern wurde Kohl geschätzt, weil seine Arbeit als schnell und unkompliziert sowie die bewilligten Unternehmenskonstrukte als ein wesentlicher Anteil an Luxemburgs Steuereinnahmen gelten.[3]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wall Street Journal zitiert eine charakteristische Äußerung Kohls. Er bedauere nichts: "The work I did definitely benefited the country, though maybe not in terms of reputation."[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marius Kohl in der Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe zum Beispiel ein über die Irish Times am 10. März 2010 verbreitetes vertrauliches Dokument: Umbrella Glanbia, pdf
  2. siehe z. B. Ärger im Steuer-Märchenland, Süddeutsche Zeitung vom 6. November 2014; Deutsche Bank: Gewinne fließen um den Globus, NDR, 6. November 2014; Luxemburgs Milliardenrabatte für Grosskonzerne, Tagesanzeiger, 6. November 2014
  3. Business-Friendly Bureaucrat Helped Build Tax Haven in Luxembourg, Wall Street Journal vom 21. Oktober 2014, deutsche Version
  4. Business-Friendly Bureaucrat Helped Build Tax Haven in Luxembourg, Wall Street Journal vum 21. Oktober 2014