Martje Saljé

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Martje Saljé (2015)
Der Turm der Kirche St. Lamberti in Münster, Arbeitsplatz von Martje Saljé

Martje Saljé (* 17. Oktober 1980 in Bremen[1]) ist eine deutsche Türmerin. Sie ist seit Januar 2014 auf der St.-Lamberti-Kirche in Münster tätig und eine von derzeit mindestens drei weiblichen Türmern in Deutschland – die beiden anderen sind auf dem Blauen Turm in Bad Wimpfen und in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben[2] tätig. Da Türmerin keine geschützte Amtsbezeichnung ist, können sich auch beispielsweise Gästeführerinnen mit Turmbezug so nennen. Martje Saljé ist in Münster die erste Frau in diesem Amt, seit 1383 auf St. Lamberti ein Türmer dokumentiert wurde. Es geht vorrangig um eine aktive authentische Fortführung dieser Tradition. Gästeführungen sind hier nicht möglich.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martje Saljé verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Norwegen. Sie studierte an der Universität Oldenburg Geschichte sowie Musik und beherrscht mehrere Instrumente (Klavier, Gitarre, Kontrabass, Flöte, Laute, Akkordeon und Cello). Bis zu ihrem Amtsantritt in Münster arbeitete sie in Museen und Archiven, als Lehrerin und als Musikerin. Mit ihrer Bewerbung um die Stelle als Städtische Türmerin der Stadt Münster setzte sie sich gegen 46 Mitbewerber und Mitbewerberinnen durch. Als Türmerin ist sie seit Januar 2014 mit einer halben Stelle im Öffentlichen Dienst tätig. Außerdem hat sie wechselnde Nebenbeschäftigungen.[1]

Dienst als Türmerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dienst von Saljé beginnt täglich außer dienstags um 20:30 Uhr; 300 Stufen führen zum Türmerzimmer. Zu Beginn meldet sich die Türmerin bei der Feuerwehr.[3] Zwischen 21 Uhr und Mitternacht bläst sie jede halbe Stunde ein Türmer-Horn. Das Instrument aus dem Jahre 1950 ist der Nachbau des Instruments aus dem 16. Jahrhundert und erzeugt nur einen Ton, ein tiefes C. Das akustische Zeitsignal wird jeweils in drei Himmelsrichtungen gegeben, jedoch nicht nach Osten – einer Legende nach, weil sich dort früher ein Friedhof befunden habe und die Ruhe der Toten nicht gestört werden soll.[4] Andere Legenden sprechen von einem reichen Mann, der in östlicher Richtung wohnte und seine Ruhe haben wollte.[5]

Die Hornklänge der Türmerin zeigen traditionell an, dass es weder Gefahr durch Feuer in der Stadt gibt noch sich Feinde nähern. Dann tutet sie lange Töne, nach Uhrzeit unterschiedlich.[6] Saljé meldete schon mehrfach Brände, die sie früh vom Turm erkennen konnte.[1] In solchen Fällen verständigt sie zunächst die Feuerwehr und bläst dann als Alarmsignal mehrere Staccato-Folgen hintereinander.[6]

Zum Dienst der Türmerin gehören zudem Interviews mit Medienvertretern, Vorträge vor Vereinen und Institutionen, Recherche zur Stadtgeschichte und Betreuung ihrer Internetauftritte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Muenster: Über den Dächern von Münster – Die Türmerin. muenstermitte medienverlag, Münster 2015, ISBN 978-3-943557-30-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Martje Saljé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Tobias Romberg (Text)/ Roman Mensing (Fotos): Über dem Ende der Fahnenstange. In: taz.de. 16. Mai 2015, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  2. Wöchentliche Angebote. Turmaufstiege am Montag, Mittwoch und Freitag. In: luebben.de. Tourismus, Kultur- und Stadtmarketing Lübben GmbH, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  3. Johannes Schönwälder: Martje Salje ist die erste Türmerin von Münster. In: domradio.de. 23. August 2015, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  4. Die Türmerin von Münster. In: stadt-muenster.de. Münster Marketing, abgerufen am 14. Oktober 2019.
  5. Henning Stoffers: Teatime bei der Türmerin. In: sto-ms.de. Abgerufen am 24. März 2018.
  6. a b c Martje Saljé: Die hohe Kunst des Tutens. In: tuermerinvonmuenster.de. 20. Mai 2014, abgerufen am 8. November 2019.