Martje Saljé

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Martje Saljé (2015)
Der Turm der Kirche St. Lamberti in Münster, Arbeitsplatz von Martje Saljé

Martje Saljé (* 17. Oktober 1980 in Bremen[1]) ist eine deutsche Türmerin. Sie ist seit Januar 2014 auf der St.-Lamberti-Kirche in Münster tätig und eine von derzeit mindestens drei weiblichen Türmern in Deutschland – die beiden anderen sind auf dem Blauen Turm in Bad Wimpfen und in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben[2] tätig. Da Türmerin keine geschützte Amtsbezeichnung ist, können sich auch beispielsweise Gästeführerinnen mit Turmbezug so nennen. Martje Saljé ist die erste Frau in diesem Amt in Münster, seit 1383 ein Türmer auf St. Lamberti dokumentiert wurde. Hier geht es vorrangig um eine aktive authentische Fortführung dieser Tradition, ohne Gästeführungen.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martje Saljé verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Norwegen. Sie studierte an der Universität Oldenburg Geschichte und Musik und beherrscht mehrere Instrumente wie Klavier, Gitarre, Kontrabass, Flöte, Laute, Akkordeon und Cello. Bis zu ihrem Amtsantritt in Münster arbeitete sie in Museen und Archiven, als Lehrerin und als Musikerin. Mit ihrer Bewerbung um die Stelle als Städtische Türmerin der Stadt Münster setzte sie sich gegen 46 Mitbewerber und Mitbewerberinnen durch. Als Türmerin ist sie seit Januar 2014 mit einer halben Stelle im Öffentlichen Dienst angestellt. Außerdem hat sie wechselnde Nebenbeschäftigungen.[1]

Dienst als Türmerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dienst von Saljé beginnt täglich außer dienstags um 20:30 Uhr; 300 Stufen führen zum Türmerzimmer. Zu Beginn ihres Dienstes meldet sich die Türmerin bei der Feuerwehr.[3] Zwischen 21 Uhr und Mitternacht bläst sie jede halbe Stunde das Türmer-Horn. Das Instrument aus dem Jahre 1950 ist der Nachbau eines Horns aus dem 16. Jahrhundert und erzeugt nur einen Ton, ein tiefes C. Das akustische Zeitsignal wird jeweils in drei Himmelsrichtungen gegeben, jedoch nicht nach Osten – einer Legende nach, weil sich dort früher ein Friedhof befunden habe und die Ruhe der Toten nicht gestört werden sollte.[4] Andere Legenden sprechen von einem reichen Mann, der in östlicher Richtung wohnte und seine Ruhe haben wollte.[5]

Die Hornklänge der Türmerin zeigen traditionell an, dass es weder Gefahr durch Feuer in der Stadt gibt noch sich Feinde nähern. Dann tutet sie lange Töne, nach Uhrzeit unterschiedlich.[6] Saljé meldete schon mehrfach Brände, die sie früh vom Turm erkennen konnte.[1] In solchen Fällen verständigt sie zunächst die Feuerwehr und bläst dann als Alarmsignal mehrere Staccato-Folgen hintereinander.[6]

Zum Dienst der Türmerin gehören zudem Interviews mit Medienvertretern, Vorträge vor Vereinen und Institutionen, Recherche zur Stadtgeschichte und Betreuung ihrer Internetauftritte.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Muenster: Über den Dächern von Münster – Die Türmerin. muenstermitte medienverlag, Münster 2015, ISBN 978-3-943557-30-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Tobias Romberg (Text)/ Roman Mensing (Fotos): Über dem Ende der Fahnenstange. In: taz.de. 16. Mai 2015, abgerufen am 23. August 2015.
  2. http://www.luebben.de/de/Tourismus-und-Freizeit/Sehenswert/Fuehrungen/Tuermerin-der-Stadt-Luebben#
  3. Johannes Schönwälder: Martje Salje ist die erste Türmerin von Münster. In: domradio.de. 23. August 2015, abgerufen am 23. August 2015.
  4. Die Türmerin von Münster. In: Münster Marketing. Abgerufen am 20. Februar 2018.
  5. Teatime bei der Türmerin. In: Henning Stoffers. Abgerufen am 24. März 2018.
  6. a b c Türmerin: Die hohe Kunst des Tutens. In: tuermerinvonmuenster.wordpress.com. 20. Mai 2014, abgerufen am 23. August 2015.