Marzahner Bockwindmühle

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Marzahner Bockwindmühle

Frontansicht der Mühle

Frontansicht der Mühle

Lage und Geschichte
Marzahner Bockwindmühle (Berlin)
Marzahner Bockwindmühle
Koordinaten 52° 32′ 39″ N, 13° 33′ 49″ OKoordinaten: 52° 32′ 39″ N, 13° 33′ 49″ O
Standort DeutschlandDeutschland Deutschland
Erbaut 1994
Technik
Nutzung
Mahlwerk Windmahlsystem
Flügelart Jalousieflügel
Website Offizielle Homepage

Die Marzahner Bockwindmühle ist die Rekonstruktion einer bereits im Jahr 1815 im Zentrum des damaligen Dorfes Marzahn in Betrieb genommenen Bockwindmühle. Sie ist in der Abfolge der vierte Mühlenbau und wurde im Jahr 1994 an ihrem neuen Standort Hinter der Mühle 4 eingeweiht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Siedler in Marzahn mussten ihr Korn noch in Ahrensfelde mahlen lassen, nachdem sie zuvor bis zum Mühlendamm nach Berlin fuhren. Die 1765 in der Region angesiedelten Pfälzer Kolonisten scheuten den Weg und forderten den Bau einer eigenen Mühle. Dies wurde ihnen über mehrere Jahrzehnte von der Kurmärkischen Regierung verweigert. Erst 1815 baute Christian Friedrich Krüger die erste eigene Windmühle, die direkt im Dorfkern stand. Sein Sohn verlor nach einem Rechtsstreit das Bauwerk im Jahr 1825 durch eine Zwangsversteigerung. Johann Gottfried Scholz übernahm das Bauwerk und das Kolonistengut. Er verkaufte nach und nach das Land an Marzahner Bauern. Im Jahr 1873 ersetzte Johann Jacob Heinrich Groh die erste Mühle durch einen Neubau. Er verkaufte sie nach nur zwei Jahren an Carl Christian Müller. Die Betreiber wechselten in den Jahrzehnten mehrfach. Nach einer Insolvenz des Müllers im Jahr 1899 erwarb Maximilian Georg Triller ein neues Grundstück und ließ darauf eine dritte Windmühle bauen. Bald wurde diese zur Stromerzeugung genutzt. Die beiden Weltkriege überstand die Anlage unbeschadet. Im Jahr 1978 ging die Mühle in das Eigentum der DDR über, die sie im Zusammenhang mit der völligen Neubebauung von Marzahn abreißen ließ. Am 9. Juni 1982 beschloss der Ost-Berliner Magistrat, an historischer Stelle wieder eine Bockwindmühle zu errichten zu lassen.[1] Ein Mühlenaktiv gründete sich mit dem Ziel, zunächst einen geeigneten Standort zu finden. Außerdem wurden in der Uckermark Mühlen gesucht, die abgebaut und nach Marzahn gebracht werden sollten. Gegen das Verfahren regte sich in den jeweiligen Gemeinden jedoch Widerstand. Aufgegebene Bauwerke wurden teilweise unter Denkmalschutz gestellt, um einen Abtransport zu verhindern.

Im Oktober 1987 kaufte das Märkische Museum Berlin für 18.000 Mark der DDR die verfallene Bockwindmühle im brandenburgischen Luckow im Landkreis Uckermark und wollte diese in Marzahn wieder errichten. Durch die Wende geriet das Projekt in Verzug. 1992 konnte der Berliner Senat als rechtmäßiger Besitzer diese wegen Widerstands in der Dorfbevölkerung nicht abholen und sie blieb in Luckow, wo sich seit 1995 ein Dorf- und Mühlenverein um den Erhalt bemüht.[2][3][4]

1991 bis 2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst zwischen November 1993 und Mai 1994 entstand die heutige Anlage als Nachbau der ersten Marzahner Windmühle. Sie wurde am 12. Mai 1994 mit einem Mühlenfest offiziell eingeweiht. Am 5. Juni 1995 fand der erste internationale Deutsche Mühlentag in dieser Anlage statt. 1997 erfolgte der Anschluss an das Elektrizitätsnetz, womit die Mahlanlage unabhängig vom Wind betrieben werden konnte. Gleichzeitig erhielt das Bauwerk eine innere Beleuchtung. 1998 zerstörte ein Sturm das Flügelkreuz, woraufhin der Mahlbetrieb mit nur zwei Flügeln fortgesetzt wurde. Im Jahr 1999 erhielt die Mühle zum 20. Jahrestag der Gründung des Stadtbezirks Marzahn neue Flügel. Andere Teile der Mühlenanlage wie die Türen oder die Seitenwände wurden seither mehrfach saniert oder erneuert.[1]

Zur 700-Jahr-Feier des Dorfes Marzahn im Jahr 2000 richtete das Bezirksamt eine Ausstellung zur Geschichte der Marzahner Mühlen aus. Wie bereits 1908 begonnen, dient die Mühle weiterhin zur umweltfreundlichen Stromerzeugung und so wurde am 3. September 2000 die dritte Turbine in Betrieb genommen. Zum Erhalt und der Nutzung der Bockwindmühle hat sich ein neuer Mühlenverein gegründet.[5]

Das 90-jährige Jubiläum der Windkraftwerke in Marzahn war der Anlass für eine erneute Ausstellung über Mühlenlandschaften in Berlin. Die benachbarte Firma Knorr-Bremse lieferte den Nachbau einer Hauptwelle des zweiten Windkraftwerks. Der Einbau eines Elektroantriebs im Jahr 2005, durch den Mühlenverein veranlasst, garantiert die Nutzung des Mahlwerks bei Windflaute.[1]

Ab 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochzeitstreppe

Ein Tornado beschädigte am 6. Juli 2006 wiederum einen Flügel der Mühle. Mit Hilfe von Spenden in Höhe von 49.000 Euro konnte der Schaden repariert werden und seit 1. Dezember 2006 arbeitet die Mühle wieder. 2007 erneuerte der Mühlenverein die Seitenflächen und die Verspannung des Mühlenkastens. Auf der Fläche der Mühle baute der Verein im Jahr 2008 eine Mühlenhütte. Hier können Kinder und Jugendliche die Funktion einer handbetriebenen Kornmühle erproben und in einem elektrischen Backofen das Mehl weiter verarbeiten.[6] In den Jahren 2009 und 2010 gestaltete der Verein das Gelände neu und errichtete mit Unterstützung des Bezirksamtes eine Hochzeitstreppe. Sie wurde am 25. Juni 2010 mit drei Hochzeiten eingeweiht.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühle hat einen Flügeldurchmesser von 20,5 Meter und das Gewicht der Mühle beträgt 45 Tonnen. Das Mahlsystem besteht aus zwei Gängen, einer Quetsche, zwei Sichtern, Elevatoren und Saugfiltern. Die Mühle ist im Jahr 200 Tage mit Windkraft in Betrieb. Die nutzbare Antriebsleistung liegt zwischen 8 und 12 kW.

Museale Nutzung und Anerkennung für den Müller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marzahner Bockwindmühle ist ein produzierendes Museum. Angemeldeten Gruppen wird vorgeführt, wie aus Getreidekörnern Mehl gemahlen wird. Auch die Weiterverarbeitung erfolgt durch den Müller, der vor Ort und in einigen Berliner Ökoläden sein Mühlenbrot verkauft.

Die Müller richten in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf auch Hochzeiten aus. Am 11. Juli 1997 fand hier die erste Mühlenhochzeit statt. Im Jahr 1997 erhielt der Müller Jürgen Wolf den Deutschen Mühlenpreis, der jährlich vom Landkreis Nordsachsen, der Sparkasse Leipzig und der Leipziger Volkszeitung vergeben wird.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marzahner Bockwindmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Chronik der Mühlen im Webarchiv; abgerufen am 30. Mai 2011, erneut abgerufen am 8. Januar 2019.
  2. @1@2Vorlage:Toter Link/mediathek.rbb-online.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: rbb Mediathek: Brandenburg aktuell Luckow-Sonntag) rbb Fernsehen, 18. Juli 1993.
  3. Reiseziel Uckermark: Die Bockwindmühle in Luckow
  4. Uckermark Region: Luckow Bockwindmühle
  5. Mühlenverein Alt-Marzahn 63 (Adresse)
  6. Bilder vom Bau der Mühlenhütte und der Nutzung im Webarchiv, abgerufen am 30. Mai 2011.
  7. Mühlenpreis 2018, abgerufen am 8. Januar 2019.