Mathilde ter Heijne

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Mathilde ter Heijne (* 10. September 1969 in Straßburg) ist eine niederländische Video-, Konzept- und Installationskünstlerin sowie Hochschullehrerin.

Mathilde ter Heijne studierte von 1988 bis 1992 an der Stadsacademie in Maastricht und von 1992 bis 1994 an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam. Sie ist Professorin für visuelle Kunst, Performance und Installation an der Kunsthochschule Kassel. Sie lebt in Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mathilde ter Heijne untersucht in ihren Projekten Identitäts- und Geschlechterverhältnisse der heutigen und vergangenen Gesellschaften, die sich vom aktuellen patriarchalen System unterscheiden. Damit fungiert ter Heijne als Vermittlerin innerhalb eines sozialen Systems von zeitgenössischen und historischen Stimmen. Das Dekonstruieren von Zuschreibungen des Weiblichen, die Bildung kultureller Identitäten und wie diese neu eingeschrieben werden können gehören zu ihren künstlerischen Fragestellungen. In ihren Installationen, Performances, Filmen und Videos gibt sie vergessenen oder ignorierten Stimmen einen neuen Kontext und eine Präsenz und lässt sie zirkulieren. Motiviert durch eine zeitgemäße Beziehung zum feministischen Denken, in der das Individuum nicht auf eine singuläre Identität beschränkt wird, sondern sich mit einer Vielfalt von Prinzipien und Phänomenen identifizieren kann, arbeitet Mathilde ter Heijne performativ mit diesen Fragen. Die Ausstellungsfläche wird zu einem Ort, der spielerisch Pendants alternativer Narrationen zeigt.

Politische, strukturelle und physische Gewalt in Verbindung mit vorhandenen Machtbeziehungen innerhalb der Gesellschaft bildeten den Ausgangspunkt für eine Reihe von Videoarbeiten, in denen die Künstlerin mithilfe lebensgroßer Dummies unterschiedliche Gewaltszenarien und Opfersituationen darstellte. Parallel dazu untersuchte ter Heijne in diesen Arbeiten ihre Rolle als Künstlerin und analysierte die eigenen strukturellen Rahmenbedingungen.

Ihre aktuelle Aufmerksamkeit gilt der Untersuchung und Verarbeitung oraler Traditionen als Möglichkeit, Wissen von gesellschaftlichen Minderheiten zu bewahren und weiterzugeben. In diesen Zusammenhängen prüft sie das Potential von Ritualen, Partizipation und Performances.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Jürgen Hafner bemerkt zu der Arbeit Woman to go (2005):

„Sie [die Arbeit] besteht aus handelsüblichen Postkartenständern, die verschiedene Postkartenmotive zur freien Mitnahme enthalten. Die Karten zeigen jeweils die Reproduktion von S/W-Fotografien, Porträts anonymer Frauen, die zwischen 1800 und 1900 geboren sein dürften. Diese Fundstücke kombiniert Mathilde ter Heijne assoziativ mit den biografischen Daten von ihr recherchierter, historisch fassbarer Frauen aus derselben Zeit. In der Kombination von Bild und Text konstruiert die Künstlerin einerseits mögliche Biografien, weist aber auch darauf hin, inwieweit Identität immer auch Fiktion ist. ‚Verfügbarkeit’ ist dabei in mehrfacher Hinsicht Werkzeug wie Zielscheibe dieser Arbeit. Denn als Giveaways für die Ausstellungsbesucher nach Gutdünken auch jenseits der Sphäre Kunst verfügbar, sensibilisiert Woman to go geradezu für die Frage, wer auf welche Weise mit welcher Legimitation über Identität verfügt. Außerdem und ganz selbstverständlich setzt sich die Arbeit – darin medienreflexiv – mit dem Objektcharakter von Kunst, sowie der Rolle von Archivalien sowie den Techniken der Dokumentation und der Fiktion bei der Herstellung von Gedächtnis auseinander.“[1]

Jill Dawsey führt in dem Aufsatz Mathilde, Mathilde: The Artist and Her Double ihre Gedanken zu den ter Heijne gleichenden Dummies aus:

„Ter Heijne’s mannequins serve as crash-test dummies of sorts, aiding, when necessary, the potentially dangerous mimesis of suicide and self-annihilation that she stages for the camera. She performs these apparently self-destructive acts as a means to investigate such forms of extreme behaviour broadly, across diverse geopolitical and historical situations. Her project tackles the tenacious gendered asymmetries that structure experience globally, with a focus on the self-inflicted violenceo so often perpetrated by women. Ter Heijne’s works evince a desire for a radical identification with the experiences of other humans – most often other women – and with experiences as lonely and incommunicable as death itself.“[2]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mathilde ter Heijne: Performing Change. Ausst.-Kat. Museum für Neue Kunst – Städtische Museen Freiburg, Sternberg Press, 2015.
  • Mathilde ter Heijne: Any Day Now. Ausst.-Kat. Kunsthalle Nürnberg und Kunstmuseum Linz, Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg, 2010.
  • Mathilde ter Heijne: If it’s me, it’s not me. Ostfildern, Hatje Cantz Verlag, 2008.
  • Berg, Stephan/Engler, Martin (Hg.): Ingrid Calame. Mathilde ter Heijne. Jörg Wagner. Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover, 2004.
  • Migrosmuseum für gegenwartskunst/Heike Munder (Hg.): Mathilde ter Heijne: Tragedy. Ausst.-Kat. Migrosmuseum, Revolver Publishing, 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kunstforum international, Ausgabe 11–12/2010, S. 374–375
  2. If it's me, it's not me, Hatje Cantz, Ostfildern 2008, S. 7 ISBN 978-3-7757-2250-6