Pinakothek der Moderne

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Pinakothek der Moderne am Abend
Nordeingang
Lichtkuppel der Rotunde
Eingangsbereich
Lage der Pinakotheken in der Maxvorstadt

Die Pinakothek der Moderne (Pinakothek, von griechisch: „pínakos“ = „Gemälde“ und „thēkē“ = „Aufbewahrungsort“[1]) an der Barer Straße im Münchner Stadtbezirk 3 Maxvorstadt vereint unter ihrem Dach vier voneinander unabhängige Museen, die in einer einzigartigen Konstellation verschiedene Bereiche der Kunst abdecken:

Die Pinakothek der Moderne gehört zum Kunstareal München, in dem eine Vielzahl kultureller Institutionen im räumlichen Umfeld zusammengefasst wird.

Das Museumsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwurf und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Architekt Stephan Braunfels entwarf den modernen und offenen, von Architekturkritikern einhellig als gelungen eingeschätzten Bau, der nur gebaut werden konnte, weil zuvor genügend private Spenden (Startfinanzierung von zehn Millionen Euro) gesammelt wurden. Erst daraufhin übernahm der Freistaat Bayern die Finanzierungskosten und stellte das Grundstück der ehemaligen Türkenkaserne zur Verfügung, das bereits für Universitätsinstitute verplant war. Die Pinakothek der Moderne wurde am 16. September 2002 eröffnet und begrüßte nach nur eineinhalb Jahren bereits den zweimillionsten Besucher.

Im Inneren des weißen Baukörpers aus Sichtbeton führen zwei große Treppenanlagen von der zweischaligen Rotunde als Zentrum des Baus aus zu den Sammlungen. Ihr Gesamtdurchmesser beträgt 30 m. Im Untergeschoss befindet sich die Designsammlung, im Erdgeschoss liegen Ausstellungsräume für die Architektursammlung, die Graphische Sammlung und Wechselausstellungen. Im Westflügel des Obergeschosses ist die Sammlung der klassischen Moderne untergebracht, im Ostflügel die Sammlung für Gegenwartskunst.

Baumängel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh traten erste Baumängel am Gebäude auf. Wie im Juli 2012 bekannt wurde, waren die Mängel so gravierend, dass das Museum von Ende Februar 2013 während der geplanten Renovierung bis September 2013 geschlossen wurde. [2] Jedoch wurde Jürgen Mayer Hermanns nicht realisierter Entwurf für die Temporäre Kunsthalle Berlin an der Pinakothek aufgebaut werden und befand sich ab Mitte April 2013 als provisorischer Ausstellungsraum namens Schaustelle im Einsatz.[3]

Architekt Braunfels verwahrte sich dagegen, dass sein Name mit dem Begriff "Pfusch am Bau" in Verbindung gebracht werde. "Der Kostenrahmen war von Anfang an viel zu niedrig. Man ging von 400 Euro für den Kubikmeter umbauten Raum aus, der Mittelwert für 20 große, vergleichbare Museen in Deutschland und Europa hat damals hingegen schon 700 Euro betragen." Das Brandhorstmuseum habe zum Beispiel 1000 Euro pro Kubikmeter gekostet.[4]

Der von Braunfels geplante zweite Bauabschnitt, der das Museumsgebäude im Süden und Osten ummanteln und zusätzliche Räume für die Staatliche Graphische Sammlung bergen soll, wurde wegen neuerlichen Geldmangels zurückgestellt, auch weil der Bau des Museums Brandhorst vorgezogen wurde. Zwischen Bayerischer Staatsbauverwaltung und Braunfels herrscht inzwischen ein angespanntes Verhältnis. So wurde eine Klage des Architekten im Streit um den Architektenwettbewerb für den geplanten neuen Münchner Konzertsaal wegen Nichtberücksichtigung beim Wettbewerb abgewiesen.[5]

Die Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlung Moderne Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Sammlung Moderne Kunst werden Kunstwerke der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst gezeigt. Alle Richtungen der modernen Kunst sind mit ihren Protagonisten vertreten, so Expressionismus, Fauvismus, Kubismus, Neue Sachlichkeit, Bauhaus, Surrealismus, Abstrakter Expressionismus, Pop Art und Minimal Art. Von den mittlerweile über 3000 Werken wird eine Auswahl in den 35 Sälen der Pinakothek der Moderne präsentiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung, eine der bedeutendsten ihrer Art, ist erst nach 1945 durch Stiftungen, Vermächtnisse und Zukäufe entstanden.

Mit der Wiedereröffnung der Neuen Pinakothek 1981 und der Trennung der einst im Haus der Kunst vereinten Galerien wurde für die Abgrenzung im Wesentlichen die Frage entscheidend, ob ein Werk die Innovationen von Henri Matisse und den Expressionisten schon voraussetzte. Folgerichtig befindet sich ein durch die Tschudi-Spende erworbenes fauvistisches Bild von Matisse („Stillleben mit Geranien“ 1910) bereits in der Pinakothek der Moderne, ebenso wie die Werke der Kubisten und Expressionisten. München blieb im Gegensatz zu anderen Städten von den Barbareien der Nationalsozialisten gegen „Entartete Kunst“ mangels Masse fast ganz verschont. Ein beschlagnahmtes Selbstbildnis von Vincent van Gogh wäre heute der Neuen Pinakothek zuzuordnen, und mit dem genannten Stillleben und einer Skulptur von Matisse bestand der Grundstock der Staatsgalerie Moderner Kunst im Jahre 1950 aus insgesamt nur sieben (!), allerdings bedeutsamen Kunstwerken von Franz Marc („Rote Rehe“), Oskar Kokoschka („Venedig“), Lovis Corinth („Rittersporn“; „Landschaft mit Walchensee“) und Max Beckmann („Selbstbildnis“).

Franz Marc, Tirol (1914)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Sammlung von moderner Malerei und Skulptur durch Zukäufe, Vermächtnisse und Stiftungen rasch an. Ausgebaut wurden die Bestände neben einer konzentrierten Sammlungspolitik um einzelne Schwerpunkte insbesondere durch die Sammlungen „Theo Wormland“ (Surrealismus), „Sofie und Emanuel Fohn“ (Beschlagnahmte sogenannte Entartete Kunst), „Woty und Theodor Werner“ (Bilder von Paul Klee und der Kubisten), „Martha und Markus Kruss“ (Expressionisten, insbesondere die Künstler der Brücke), „Günther Franke“ (Werke von Max Beckmann), „Klaus Gebhard“ (nordamerikanische Künstler wie Robert Rauschenberg und Jasper Johns) sowie die Sammlung von Herzog Franz von Bayern mit zeitgenössischen deutschen Malern wie Jörg Immendorff und Sigmar Polke. Jüngste Bereicherung aus dem Jahre 2006 ist die Sammlung „Eleonore und Michael Stoffel“ mit deutscher und nordamerikanischer Kunst der 1960er bis 1990er.

2009 erwarb die Pinakothek rund 300 Werke von Joseph Beuys, darunter 280 Multiples sowie mehrere Originale, die vorher bereits als Leihgabe in der Pinakothek der Moderne ausgestellt waren.[6] 2013 übergab die Theo Wormland-Stiftung die Sammlung ihres Gründers aus 70 Werken des Surrealismus als Schenkung an die Sammlung der klassischen Moderne.[7]

Sammlung der klassischen Moderne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Delaunay: Die Mannschaft von Cardiff, 1913

Das Spektrum der Künstler reicht von Henri Matisse („Stillleben mit Geranien“ 1910), Robert Delaunay („Die Mannschaft von Cardiff“ 1913), Fernand Léger („Landschaft Nr.2“ 1913), Juan Gris („Die Bordeauxflasche“ 1913), Umberto Boccioni („Volumi orizzontali“ 1912), Gino Severini („Synthèse plastique de l’idée: Guerre“, 1915) und Georges Braque („Frau mit Mandoline“ 1910) über Oskar Kokoschka („Die Auswanderer“ 1916), Lyonel Feininger („Troistedt“ 1923), Oskar Schlemmer („Tänzerin (Die Geste)“ 1922–1923), Otto Dix („Bildnis des Photographen Otto Erfurt“ 1925), George Grosz („Frau im schwarzen Mantel“ 1927) bis zu Joan Miró („Komposition“ 1925), René Magritte („Die Übungen der Akrobatin“ 1928), Giorgio de Chirico („Die beunruhigenden Musen“ 1917), Salvador Dalí („Das Rätsel der Begierde oder Meine Mutter, meine Mutter, meine Mutter“ 1929) und Max Ernst („Hausengel“ 1937).

Besonders Max Beckmann („Junger Argentinier“ 1929) (Triptychon „Versuchung des Hl. Antonius“ 1936) („Frau mit Mandoline in Gelb und Rot“ 1950) und Pablo Picasso („Madame Soler“ 1903) („Mutter mit Kind“ 1921) („Sitzende Frau“ 1941) sind in zwei großen Sälen eindrucksvoll ausgestellt.

Auch alle Mitglieder der Brücke und des Blauen Reiters sind imposant vertreten, so insbesondere Ernst Ludwig Kirchner („Tanzschule“ 1914) aber auch Erich Heckel („Gläserner Tag“ 1913), Emil Nolde („Tanz um das goldene Kalb“ 1910) und Karl Schmidt-Rottluff („Landschaft mit Wasserträgerin“, 1919) sowie Paul Klee („Der Vollmond“ 1919), Alexej von Jawlensky („Landschaft aus Carantec mit Frau“ 1905/1906), Franz Marc („Der Mandrill“ 1913), August Macke („Mädchen unter Bäumen“, 1914) und Wassily Kandinsky („Träumerische Improvisation“ 1913).

Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgestellt sind beispielsweise Werke von Giorgio Morandi („Stilleben mit Flaschen“ 1958), Antonio Saura („Crucifixión (Triptychon)“, 1959), Jasper Johns („Arrive/Depart“ 1963), Robert Rauschenberg („Komposition mit Footballspielern“ 1962), Cy Twombly („Bolsena“ 1969), Willem de Kooning („Detour“ 1958), Robert Motherwell („Je t'aime“ 1955), Franz Kline („New Year Wall: Night“ 1960), Lucio Fontana („Concetto Spaziale, Attese“ 1954 und 1959), Asger Jorn („Lockung“ 1960), Antoni Tàpies („Ockerfarbenes Oval mit schwarzen Einschnitten“ 1965), Francis Bacon („Kreuzigung“ 1965), Henry Moore („Fallender Krieger“ 1956), Marino Marini („Porträt Igor Strawinsky“ 1951), Blinky Palermo („Straight“ 1965), Georg Baselitz („Ein neuer Typ“ 1966), Gerhard Richter („Vorhang“ 1966), Sigmar Polke („Akt mit Geige“ 1968) und Anselm Kiefer („Nero malt“ 1974), Joseph Beuys („Das Ende des 20.Jahrhunderts“ 1983), Andy Warhol („Aids/Jeep/Bicycle“ 1986), Arnulf Rainer („Kreuzbild, rot, rechts mit Hand“, 1990) und Neo Rauch („Wahl“ 1998).

Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Bestände von Minimal Art von Donald Judd („Monument“ 1969), Dan Flavin (Wallboxes, 1978) und Fred Sandback (Rauminstallationen für die Pinakothek der Moderne, 2003).

Neue Medien, Fotografie und Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung moderne Kunst verfügt über bedeutsame Einzelkompositionen aus diesem Bereich, so beispielsweise von John Baldessari („Man running/Men carrying box“ 1988–1990), Tadeusz Kantor (Die tote Klasse, 1975), Bruce Nauman („World Peace (projected)“ 1996), Pipilotti Rist („Himalaya Goldsteins Stube“ 1998/1999), Hiroshi Sugimoto („World Trade Center, Minoru Yamazaki“ 1997), Bill Viola („Tiny Death“ 1993), Sam Taylor-Wood („Soliloquy III“ 1998) und Jeff Wall mit seinen Leuchtkästen („Eviction Struggle“ 1988; „A villager from Aricaköyu arriving in Mahmutbey, Istanbul September 1997“).

2003 erhielt die Pinakothek der Moderne die Siemens Fotosammlung. Damit begann zugleich eine Kooperation der Pinakothek mit dem Siemens Arts Program.

Im Januar 2009 wurde von der Pinakothek der Moderne bekanntgegeben, dass die Stiftung Ann und Jürgen Wilde ihre umfangreiche Fotografiesammlung dem Museum übereignen und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert wird. Die Sammlung Wilde konzentriert sich auf die Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts. Zum Sammlungsbestand zählen die als national schützenswertes Kulturgut anerkannten Archive von Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch mit mehr als 4.000 Originalabzügen, über 10.000 Glasplatten sowie umfangreichen Archivalien; Werkgruppen von August Sander, Germaine Krull, Man Ray, Florence Henri, Friedrich Seidenstücker, Bernd und Hilla Becher, Lee Friedlander, David Hockney und anderen mit ca. 1.500 Originalabzüge; eine fotohistorische Fachbibliothek mit ca. 8.000 Bänden zur Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts, darunter viele Erstausgaben und Rara sowie die Archive zur Galerie und Sammlung Wilde. [8]

Staatliche Graphische Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatliche Graphische Sammlung München umfasst ca. 400.000 Blätter aller Epochen der Zeichenkunst und der Druckgraphik vom 15. Jahrhundert bis zur Moderne. Sie geht bereits auf die Sammlungen der Wittelsbacher zurück, insbesondere auf das Kupferstich- und Zeichnungskabinett des Kurfürsten Karl Theodor. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Sammlung schwere Einbußen, dennoch ist sie mit den Sammlungen in Berlin und Dresden die bedeutendste in Deutschland geblieben. Schwerpunkte sind altdeutsche und niederländische Zeichnungen und Druckgraphik (u. a. Werke von Albrecht Dürer und Rembrandt), italienische Zeichnungen (u. a. von Michelangelo und Leonardo da Vinci), deutsche Zeichnungen des 19. Jahrhunderts und internationale Graphik der Moderne, beispielsweise von Paul Cézanne, Henri Matisse, Paul Klee und David Hockney.

Gezeigt werden wegen der Lichtempfindlichkeit der Kunstwerke nur Wechselausstellungen.

Die Neue Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Design in der Pinakothek der Moderne
Hauptartikel: Die Neue Sammlung

Die Neue Sammlung zählt zu den führenden Designmuseen der Welt und zeigt in ihrer permanenten Ausstellung erstmals die Geschichte und Entwicklung des Designs und der angewandten Kunst von der Zeit um 1900 bis zur unmittelbaren Gegenwart. Es ist die größte Sammlung weltweit für Industriedesign. Gezeigt werden insbesondere Bestände zu den Themen Fahrzeugdesign, Computer Culture, Design von Schmuck, Alltagsgegenständen und Möbeln, darunter die Thonet-Sammlung.

Architekturmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung des Architekturmuseums der TU München ist die größte ihrer Art in Deutschland und zeigt Wechselausstellungen aus ihren reichen Beständen, so beispielsweise Zeichnungen, Entwürfe und Modelle namhafter Architekten von Johann Balthasar Neumann und François de Cuvilliés über Gottfried Semper bis zu Le Corbusier oder Günter Behnisch. Dazu kommen Computeranimationen und Filme.

Vermittlungsprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vermittlungsprogramm wird vom Besucherdienst und der Kunstvermittlung der Pinakotheken ebenso wie von der Münchner Volkshochschule durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pinakothek der Moderne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pinakothek – Wiktionary. Abgerufen am 15. November 2017.
  2. BR: Sanierung erzwingt halbes Jahr Pause am 11. September 2012
  3. Britta Schultejans: Pinakothek der Moderne: „Schaustelle“ der Pinakothek soll junges Publikum begeistern, abendzeitung-muenchen.de, 11. April 2013, abgerufen am 25. Mai 2013
  4. Franz Kotteder Architekt Braunfels wehrt sich "Ich bin Opfer, nicht Täter", Süddeutsche Zeitung vom 22. Juli 2012
  5. BR: Braunfels-Klage abgewiesen am 11. September 2017
  6. Art: Beuys-Multiples für Neue Pinakothek (abgerufen am 29. August 2009)
  7. Theo-Wormland-Stiftung: Wormland-Schenkung
  8. Stiftung Ann und Jürgen Wilde übereignet Sammlung der Pinakothek der Moderne, München, art-in.de

Koordinaten: 48° 8′ 49″ N, 11° 34′ 20″ O