Matrjoschka

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Matroschka ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Matroschka (Begriffsklärung) aufgeführt.
Prinzip der Matrjoschkas

Matrjoschka (russisch Матрёшка, im Deutschen auch Matroschka oder irrtümlicherweise auch Babuschka-Puppe; englische Transkription matryoshka) sind aus Holz gefertigte und bunt bemalte, ineinander schachtelbare, eiförmige russische Puppen mit Talisman-Charakter.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus Linden- oder Birkenholz gedrechselten Puppen, die sich als Spielzeug wie als Souvenir großer Beliebtheit erfreuen, wurden erstmals 1890 vom Maler Sergei Wassiljewitsch Maljutin entworfen und vom Kunsthandwerker Wassili Petrowitsch Swjosdotschkin geschnitzt. Als Inspiration soll eine von der japanischen Insel Honshū importierte Fukurokuju-Puppe gedient haben.[1]

Die erste Matrjoschka (1892)
Matrjoschkas

Da in Russland gegen Ende des 19. Jahrhunderts zerlegbares Spielzeug sich steigender Beliebtheit erfreute, fertigten Wassili Swjosdotschkin und Sergei Maljutin die Matrjoschkas in verschachtelter Bauweise an. Die Holzfiguren sollten im roten Sarafan eine typische russische bäuerliche Frau darstellen. Der Name „Matrjoschka“ kommt von dem vor der Revolution verbreiteten russischen weiblichen Namen „Matrjona“ (Diminutiv des Russischen Worts мать für Mutter, lateinisch mater oder matrona).

Neben den Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit (russisch матерь mater) darstellenden weiblichen gab es aber auch männliche Varianten, die meist Kriegstüchtigkeit und Stärke darstellten.

Die mittlerweile aber vorwiegend weiblichen Figuren werden mit der kleinsten Puppe beginnend gefertigt. Hieran angepasst wird die jeweils nächstgrößere gedrechselt. Die eigentliche Kunst liegt in der Bemalung. Je hochwertiger ein Satz von Matrjoschkas ist, desto weniger unterscheiden sich die großen Puppen von den kleinen. Die bekanntesten Herstellungsorte sind Nischni Nowgorod, die Oblast Moskau und Kirow. Ursprünglich gab es die Puppen nur 3-, 5-, 7- und 10-teilig, inzwischen werden sie aber auch in 13-, 15- und 20-teiliger (oder noch größerer) Ausführung gefertigt.

Satirische Matrjoschka mit Politikern von Jelzin über Gorbatschow, Breschnew, Chruschtschow, Stalin und Lenin bis Nikolaus II.

Seit Ende der 1980er Jahre gibt es auch satirische Matrjoschkas. Dabei stellt z. B. die kleinste Puppe Lenin oder Iwan den Schrecklichen und die größte Jelzin oder Putin dar.

Fälschlicherweise werden diese Puppen gelegentlich auch als „Babuschka“ (auch in der ebenso falschen Schreibweise „Babutschka“) bezeichnet, was aber im Russischen ‚Oma‘ oder ‚Großmütterchen‘ bedeutet und keinen Bezug zu den Puppen hat. Im österreichischen Grenzgebiet zu Ungarn findet man auch die Bezeichnung Piroschka (ungarisch piroska). Inkorrekt ist auch die Ableitung „Mamuschka“ von „Mama“. Andere, durch abweichende oder ungenaue Transkription der russischen Bezeichnung entstandene Varianten sind: Matroschka, Matrioschka, Matryoschka (von der englischen Transkription Matryoshka), Matruschka oder Maroschka.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Philipp Ingold: Russische Wege. Geschichte, Kultur, Weltbild. W. Fink, München 2007, ISBN 3-7705-4423-4, S. 449, 450, 461.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Matrjoschka – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Matroschka – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. James H. Billington: Russia in Search of Itself. Woodrow Wilson Center, Washington D.C. 2004, ISBN 978-0-8018-7976-0, S. 148 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. August 2016]).