Mauricio Funes

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Mauricio Funes (2008)

Carlos Mauricio Funes Cartagena (* 18. Oktober 1959 in San Salvador) ist ein salvadorianischer Politiker (FMLN) und ehemaliger Journalist. Er war vom 1. Juni 2009 bis zum 1. Juni 2014 Staatspräsident von El Salvador.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauricio Funes ist der Sohn des Buchhalters Roberto Funes und seiner Ehefrau María Mirna. Er besuchte renommierte Schulen seiner Heimatstadt: das Colegio Centroamérica als Grundschule und als Gymnasium das von Jesuiten geleitete Colegio Externado San José.[1] An der Universidad Centroamericana “José Simeón Cañas” („UCA“) studierte Funes Geisteswissenschaften.

Journalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 begann Funes als Journalist für Noticiero Tele 10, eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Canal 10 in El Salvador, zu arbeiten. Von 1987 bis 1991 arbeitete er bei Al Día, der Nachrichtenredaktion von Canal 12, wo er für die Berichterstattung aus dem Parlament zuständig war. 1991 gehörte Funes zu den Gründern des Centro de Audiovisuales de la UCA und des Radio YSUCA. 1992 kehrte er zu Canal 12 als Redakteur der Nachrichtensendung Al Día zurück. In den folgenden drei Jahren entwickelte er diese Interviewsendung. Ab 1997 leitete er die Nachrichtenredaktion von TV12. Funes wurde als kritischer Journalist gegenüber der seit 1989 regierenden ARENA wahrgenommen.

Von 1997 bis 2003 betreute er einen Redaktionsbereich mit dem Titel Sin Censura (ohne Zensur) innerhalb der Nachrichtensendung Hechos des Canal 12, wo er häufig die Handlungen der Regierung kritisierte. Er behauptete sich in einigen Streitgesprächen mit Regierungsmitgliedern. 2001 machte er Klagen über die Art, wie internationale Hilfe nach den Erdbeben im Januar und Februar 2001 gehandhabt wurde, öffentlich. Am 19. Februar 2005 wurde er vom Canal 12 entlassen.

Am 20. Mai 2005 kehrte er zurück auf die Bildschirme mit der Sendung La Entrevista (Das Interview) auf den Sendern Canal 12 und Canal 15 der Fernsehkette Megavision. 2005 zeigte eine Fernsehkonsumerhebung, dass die neue Sendung von Funes das meistgesehene Morgenprogramm war.[2]

Als Journalist hat Funes unter anderem João Clemente Baena Soares, Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Javier Pérez de Cuéllar, César Gaviria, Felipe González, Hugo Chávez, Fidel Castro[3] und Luiz Inácio Lula da Silva interviewt. 1988 interviewte er in Costa Rica Joaquín Villalobos Huezo vom Ejército Revolucionario del Pueblo (ERP). Dies war das erste Mal, dass ein Chef einer Guerilla einem salvadorianischen Medienvertreter ein Interview gab. Ab Mai 2007 war Funes wieder auf Sendung mit seinem Radio sin censura bei der Radiokette Mi gente UKW 700. Funes war viele Jahre CNN-Korrespondent in El Salvador.

Anfänge der politischen Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2007 nahm das Fernsehunternehmen Megavision die Reihe La Entrevista con Mauricio Funes aus dem Programm von Canal 12. Im September 2007 erklärte Funes in seiner Sendung auf Canal 15, dass es seine letzte Sendung sei, da er seine Laufbahn als Kommentator beenden werde, um sich der Politik zu widmen.

Am 27. September 2007 schlug die Comisión Política der FMLN Mauricio Funes als Kandidaten der FMLN für die Präsidentschaftswahlen im März 2009 vor. Am 11. November 2007 wurde bekannt gegeben, dass das Consejo Nacional, welches in der FMLN für die Kür von Präsidentschaftskandidaten zuständig ist, Mauricio Funes als Präsidentschaftskandidaten bestimmt hat.[4] Erst im August 2008 war er der FMLN beigetreten.[5] Funes war der erste Präsidentschaftskandidat der FMLN, der nicht Mitglied der Guerilla während der salvadorianischen Militärdiktatur war.

Am 10. Oktober 2007 kam Alejandro Funes, der älteste Sohn von Mauricio Funes, in Paris bei einer Gewalttat ums Leben. Den polizeilichen Angaben zufolge wurde der 27-Jährige in der Nähe des Louvre überfallen. Alejandro Funes war in Paris, um Fotografie zu studieren.[6]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als moderater Kandidat der linksgerichteten FMLN gewann Funes am 15. März 2009 die Präsidentschaftswahl gegen Rodrigo Ávila mit 51,3 % der Stimmen.[7] Für seine Wahlkampagne hatte Funes einiges von Barack Obama übernommen. So spielte unter anderem das Internet in der Mobilisierung seiner Anhänger eine wichtige Rolle.[8] Vizepräsident wurde Salvador Sánchez Cerén, der schon in der Guerilla eine leitende Funktion hatte.[9]

Nach seinem Amtsantritt am 1. Juni 2009 ließ Präsident Mauricio Funes die Preise für Mais und Bohnen subventionieren – eine Geste und eine Hilfe für die ärmsten Familien. Seine Regierung investierte mehr als die Vorgängerregierungen in die Schulen und sorgte dafür, dass für diejenigen, die sich keine Arztbesuche leisten können, an den staatlichen Krankenhäusern kostenlose Sprechstunden einführt wurden. Unter bestimmten Bedingungen konnten die Bewohner der durch Landbesetzungen entstandenen Hüttensiedlungen den Besitz dieser kleinen Grundstücke nachträglich legalisieren lassen.[10] Wirtschaftspolitisch setzte Funes nicht auf eine Planwirtschaft, sondern auf eine Marktwirtschaft – eine Grundentscheidung, die in der FMLN umstritten war.[11] Schon im Wahlkampf hatte er angekündigt, die unter der ARENA-Regierung durchgesetzten Privatisierungen nicht rückgängig machen zu wollen. Hinsichtlich der Verbrechen der bis 1992 herrschenden Militärdiktatur waren Funes deren Aufklärung und (bescheidene) Entschädigungen der Opfer wichtiger als die Aburteilung der Täter.[12]

Allerdings besaß die FMLN während der Amtszeit von Präsident Funes keine Mehrheit im Parlament. So war sie auf die Zusammenarbeit mit kleineren Parteien angewiesen.[13] Bei der Steuergesetzgebung blieb es bei kleineren Schritten in Richtung auf mehr Steuergerechtigkeit. Die Steuerregression blieb bestehen. Der Steuerhinterziehung wurde Präsident Funes nicht Herr.[14]

Nach der Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2016 wurde Funes wegen ungesetzlicher Bereicherung angeklagt.[15] Ihm wurde vorgehalten, über die Herkunft von insgesamt gut 600.000 US-Dollar auf seinen Konten keine hinreichende Auskunft geben zu können. Funes erschien nicht vor Gericht, sondern setzte sich im August 2016 nach Nicaragua ab, wo er von Daniel Ortega politisches Asyl erhielt. Er bezeichnet sich als Opfer eines Rachefeldzuges, weil er die Ermittlungen gegen Francisco Flores eingeleitet hatte.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mauricio Funes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografia de Carlos Mauricio Funes, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  2. El Diario de Hoy, Mauricio Funes, el más visto.
  3. Radio Reloj, La verdad irrebatible de Cuba
  4. Angela Reyes: Langsamer Countdown für die Wende? In El Salvador beginnt der Wahlkampf – obwohl die Wahlen erst in einem Jahr stattfinden. In: ila – Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, ISSN 0946-5057, Nr. 315 (Mai 2008), S. 37–38.
  5. Tobias Lambert: Historische Chance. El Salvador könnte erstmals eine linke Regierung bekommen, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  6. Familia confirma muerte de Alejandro Funes, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  7. Pablo Ordaz: Victoria histórica de la ex guerrilla izquierdista en El Salvador. In: El País, 16. März 2009, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  8. Helene Kapolnek: Mit Kartenhandy gegen Wahlbetrug. Wie lokale Radiosender in El Salvador über den Wahlkampf und die Wahlen 2009 berichteten. In: ila – Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, Nr. 324 (April 2009), S. 38–40.
  9. Leo Gabriel: El Salvador: Unidos Creceremos – Gemeinsam werden wir wachsen. In: Lateinamerika anders. Österreichs Zeitschrift für Lateinamerika und die Karibik, ISSN 1010-7223, Jg. 2014, Heft 3 (Juli), S. 18.
  10. Tom Beier: El Salvador – Land in der Transition. Umstrittene Bilanz der ersten 100 Tage Linksregierung. In: Lateinamerika Nachrichten, ISSN 0174-6324, Jg. 37 (2009), Nr. 425, S. 11–13.
  11. Eduard Fritsch: Es ist vollbracht! FMLN-Kandidat Mauricio Funes wird Präsident El Salvadors. In: ila – Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, Nr. 324 (April 2009), S. 34–36.
  12. „Der Staat muss sich für Verbrechen entschuldigen“.
  13. NZZ: El Salvador erhält erstmals einen linken Präsidenten vom 16. März 2009.
  14. César Villalona: Die Last der neoliberalen Steuerreform. El Salvador: Warum der finanzielle Handlungsspielraum der Regierung Funes so eng ist. In: ila – Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika, Nr. 370 (November 2013) S. 20–22.
  15. El expresidente de El Salvador Mauricio Funes recibe asilo político en Nicaragua, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  16. Peter Gaupp: Ein Korruptionsskandal nach dem andern. In: Neue Zürcher Zeitung vom 24. November 2016.
VorgängerAmtNachfolger
Antonio SacaPräsident von El Salvador
2009–2014
Salvador Sánchez Cerén