Maut-Ausweichverkehr

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Unter Maut-Ausweichverkehr versteht man Verkehrsströme, die dadurch entstehen, dass Verkehrsteilnehmer ggf. weniger verkehrsgünstige, aber mautfreie Strecken verwenden, um Straßenbenutzungsgebühren zu vermeiden. Auf den Ausweichstrecken führt das zu einer höheren Verkehrsdichte und -stärke, während sie sich auf den vermiedenen Maut-Strecken vermindern.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da in Deutschland praktisch nur von Lastkraftwagen auf Autobahnen Maut erhoben wird, beschränkt sich das Phänomen im Wesentlichen auf LKW, die auch im Durchgangsverkehr Bundesstraßen und Landstraßen verwenden.

Nachtfahrverbote für den LKW-Durchgangsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hessen und Baden-Württemberg wurden auf einigen Ausweichstrecken Nachtfahrverbote bzw. allgemeine Verkehrsverbote für Lastkraftwagen verordnet. Dies hat jedoch das Verwaltungsgericht des Bundeslandes Hessen aufgehoben. In Baden-Württemberg bestehen sie aber noch, sind in der "BGL-Ausweichstreckenkarte 2008" einsehbar.

Mauterhebung auch auf Bundesstraßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um keine Einnahmen durch Maut-Ausweichverkehr zu verlieren, ist aufgrund einer Verordnung entschieden worden, LKW-Maut auch auf einigen Bundesstraßen zu erheben. Diese Strecken sind in der Verordnung benannt.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Autobahnen in Frankreich sind mautpflichtig. Es wird eine Maut erhoben, die sich nach der gefahrenen Entfernung richtet. Meistens wird das 'Geschlossene Mautsystem' verwendet: beim Auffahren auf die Autobahn bekommt man eine Karte (Schild „prennez votre ticket“), die an der Ausfahrt gezeigt werden muss, um den richtigen Mautpreis bezahlen zu können. Zwischendurch gibt es wenig Mautstellen direkt auf der Autobahn, dafür aber eine Mautstelle an jeder Ausfahrt. An kleineren Ausfahrten, die weniger benutzt werden, ist nicht immer ein Kassierer präsent, so dass nur Kartenzahlung möglich ist. (Schild: „peage automatique“) Auf den meisten Mautautobahnen liegen die Anschlussstellen 15 bis 30 km weit auseinander.

Wo die Nationalstraßen gut ausgebaut sind, gibt es oft Mautausweichverkehr. Beispiele: die D2020/N20 Paris-Arpajon-Étampes-Orléans bildet eine beliebte Alternative für die A10 Paris-Orléans. Im weiteren Verlauf macht die A10, auch Autoroute d'Aquitaine genannt, zwischen Poitiers und Bordeaux einen Bogen über Saintes. Dort ist der Mautausweichverkehr auf der N10 Poitiers-Angoulême-Bordeaux so massiv, dass die Nationalstraße auf 2 Fahrspuren je Fahrtrichtung verbreitert werde musste. Auf Nationalstraßen, die quer durch Städte und Dörfer verlaufen, gilt in Frankreich immer häufiger ein Durchfahrtsverbot für LKWs auf der Durchreise.

In Frankreich ist es immer eine wichtige Bedingung zur Erhebung von Maut, dass eine alternative Straße vorhanden sein sollte, die den Durchgangsverkehr sicher abwickeln kann. Mautautobahnen durften in Frankreich also nur als Ergänzung des Straßennetzes gebaut werden und nicht als Ersatz. Diese Bedingung wurde zum Problem bei der N10 zwischen Bordeaux und Biarritz, in der Region 'Les Landes'.

Die N10 zwischen Bordeaux und Biarritz war eine seit vielen Jahren stark überbelastete Fernstraße, zwar mit 2 Fahrspuren je Richtung. Sie entsprachen aber nicht dem modernen Ausbaustandard für eine Autobahn. Da dem französischen Staat das Geld fehlte, um die N10 umzubauen, wurde eine Konzession vergeben. Die alte N10 wurde mit privaten Mitteln umgebaut zur Mautautobahn A63,[1] mit 2x3 Fahrspuren. Besonders an dieser A63 findet sich das sogenannte 'offene Mautsystem': die 2 Mautstellen können sehr einfach umfahren werden, indem man an der Ausfahrt vor der Mautstelle von der Autobahn herunter fährt und über Nebenstraßen zur nächsten Auffahrt fährt. Da die Anschlussstellen der alten N10 beibehalten wurden, liegt die nächste Anschlussstelle nie sehr weit weg. Eine lokale Protestgruppe weist darauf hin dass es bei der A63 an einer vernünftigen Alternative fehlt und fördert deswegen über ihre Internetseite den Mautausweichverkehr über die kleinen Nebenstraßen der Region 'Les Landes'. [2]

Slowenien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autobahnen in Slowenien sind mautpflichtig. Die Maut wird erhoben durch Vignettenpflicht. Dies ist bei größeren Entfernungen oder oftmaligem Gebrauch des Autobahnnetzes oft billiger als die streckenbezogene Maut, die in Frankreich und Italien erhoben wird. Die Vignette für Slowenien stellt allerdings einen besonders großen Nachteil für Reisende dar, die aus Trieste in Italien zum kroatischen Teil der Halbinsel Istrien fahren möchten, da für eine nur sehr kurze Strecke über die Autobahn dieselbe Vignette für Slowenien gekauft werden muss. Urlauber haben den Mautausweichverkehr entdeckt und zeigen anderen Reisenden durch kurze Videofilme wo man als Mautflüchtling entlang fahren kann, um ohne Vignette durch Slowenien zu kommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internetseite von Atlandes, Betreiber der 'Autoroute des Landes'
  2. Contournement des Péages de Castets & Saugnacq-et-Muret (Französisch), Umfahrung der Mautstellen Castets & Saugnacq-et-Muret abgerufen am 10. August 2015