Max Honsell

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Max Honsell, badischer Finanzminister 1906–1910, LA BW
Max Honsell, Aus dem Nachruf der Badischen Presse vom 02. Juli 1910.

Max Honsell (* 10. November 1843 in Konstanz; † 1. Juli 1910 in Karlsruhe) war ein Wasserbauingenieur, Professor in Karlsruhe sowie badischer Abgeordneter und Finanzminister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Max Honsell mit drei Brüdern und einer Schwester als Sohn des Hofgerichtsrates Carl Honsell in Konstanz bzw. an den Wochenenden auf der nahegelegenen Bodenseeinsel Reichenau, wo die Familie ein großes Haus direkt am See hatte.[1] Sein beruflicher Wirkungsort war aber die badische Landesresidenz Karlsruhe. Dort starb er auch im Alter von gerade mal 66 Jahren in folge einer langanhaltenden, schmerzhaften Erkrankung[2].

Seine Frau, Sophie, war die Tochter des Kreis- und Hofgerichtsrats Bernhard August Prestinari.

Die Reichenau Schriftstellerin Lilly Braumann-Honsell ist seine Nichte.

Die Familie war immer wieder in der badischen Politik aufgefallen. Schon sein Schwiegervater Bernhard August Prestinari und sein Onkel Eugen von Seyfried waren Mitglieder der Badischen Ständeversammlung. Seine Tochter Luitgard Himmelheber engagierte sich in der Frauenpolitik und war eine der ersten zehn weiblichen Vertreter im Stadtrat von Karlsruhe.[3]

Die Ingenieurs Tradition setzte sich nicht zuletzt in seinem Enkel Max Himmelheber fort, der aus den Erfahrungen der elterlichen Möbelfabrik heraus die Spanplatte erfand.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

technisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Honsell war ein Absolvent der Polytechnischen Schule Karlsruhe und trat 1865 in den Dienst der Großherzoglich Badischen Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues ein und übernahm rasch Verantwortung.[4]

Er plante und leitete den Bau des Karlsruher Rheinhafens und den Ausbau des Hafens Mannheim.

Die von Johann Gottfried Tulla begonnene Korrektion des Oberrheins war in großen Teilen schon abgeschlossen, allerdings führte Honsell sie zu Ende, korrigierte sie, wo neue Herausforderungen entstanden und verteidigte sie auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Seine größte wasserbauliche Leistung besteht in der Schiffbarmachung des Rheins von Mannheim aufwärts bis Straßburg, wofür er die Planung erstellte. Die Fertigstellung der Ausführung der 1907 begonnenen honsell'schen Rheinregulierung erlebte er freilich nicht mehr. Die ersten Schleppschiffe verkehrten ab 1913 [5]. Honsell musste sich lange von Amts wegen zurückhalten in der Frage der Frachtschifffahrt oberhalb des im badischen Mannheim gelegenen Endpunktes. Erst mit dem Erstarken mehrerer Kanal-Projekte, besonders auf elsässischer Seite, ließ sich der Großherzog davon überzeugen, dass eine Schifffahrt auf einem regulierten Rhein - an der Baden dann auch Teil haben konnte - allemal besser war, als eine Reihe von ausländischen Kanälen, die allesamt an Baden vorbei führten. Mit der Rheinregulierung setzte sich Baden gegenüber den französischen Plänen durch. Die fachliche Begründung dazu lieferte Honsell auch gleich in dem Deutschland weit renommierten Centralblatt der Bauverwaltung in mehreren aufeinanderfolgenden Ausgaben als Fortsetzungsgeschichte.[6] Nach dem 1. Weltkrieg setzte Frankreich über den Versailler Vertrag 1919 allerdings die totale Nutzung des Rheins für sich durch und baute ab 1928 den Rheinseitenkanal mit zum Teil verheerenden Umweltfolgen[5].

Alle baulichen Maßnahmen wurden von Honsell auf ihren volkswirtschaftlichen Nutzen hin überprüft und wenn der nicht erkennbar war, abgelehnt.

Ab 1886 richtete er eine systematische Pegelbeobachtung ein und verbesserte den Hochwassernachrichtendienst am Rhein.[7]

organisatorisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner - auch international - rasch anerkannten fachlichen Autorität besaß er ein hohes Maß an organisatorischem Geschick und Durchsetzungsvermögen. So ordnete er die Verwaltung und Aufsicht über die badischen Wasserwege neu, in dem er sie zumindest für die badische Hauptwasserstraße, den Rhein, zunächst vom Straßenbau trennte und auf drei Rheinbauinspektionen konzentrierte. Nach den verheerenden Hochwasserkatastrophen der Jahre 1882/83 nutzte Honsell die Gunst der Stunde und setzte 1883 die Gründung des Zentralbüros für Meteorologie und Hydrographie durch und übernahm dessen Leitung.[8]

wissenschaftlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das badische Büro war das führende Amt auf dem Gebiet des Wasserbaus in Deutschland. Am 9. März 1883 beschloss der Reichstag die Einsetzung einer Reichskommission zur Untersuchung der Stromverhältnisse des Rheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse in der Honsell und sein wissenschaftlicher Hilfsarbeiter Maximilian von Tein die Hauptarbeit leisteten. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in 8 Heften (in Wahrheit teilweise mehrbändige Bücher) herausgegeben. Diese Arbeiten sind auch heute noch von grundlegender Bedeutung, was die Hochwasserereignisse und den Hochwasserschutz im 19. Jh. in diesem Raum betrifft. Hinsichtlich des Rheins wurde ein weiterer wesentlicher Schritt erst wieder in den 1970er Jahren von der ‚Hochwasserstudienkommission für den Rhein’ unternommen. [9]

Von Kaiser Wilhelm I. wurde er 1883 zum außerordentliches Mitglied der Königlichen Akademie des Bauwesens ernannt.

Von 1887 bis zur Übernahme des Finanzministeriums war er Professor des Wasserbaus an der Technischen Hochschule in Karlsruhe.[10] In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistung verlieh ihm die Technischen Hochschule in Karlsruhe im November 1906 die Ehrendoktorwürde.[11]

Mit der Studie Der Bodensee und die Tieferlegung seiner Hochwasserstände[12] schlägt Honsell 1879 das erste von bis heute (2017) neun Projekten zur Bodensee-Regulierung vor. Keines davon ist je zur Ausführung gekommen, weil die Interessen der vielen beteiligten Anrainer offenbar zu unterschiedlich sind und inzwischen die Angst vor einem nicht wieder gutzumachenden Schaden wohl auch zu groß geworden ist. Nichtsdestotrotz flammt die Diskussion dazu bei jedem Hochwasser erneut auf, zuletzt 1999.[13]

politisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1902 hielt Max Honsell den Festvortrag zur Jubelfeier anlässlich des 50 jährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Friedrich in dessen Anwesenheit in der Aula der Technischen Hochschule in Karlsruhe.[14] Neben der offensichtlichen persönlichen Wertschätzung für Max Honsell zeigt der Vortrag aber auch welch hohe Bedeutung Friedrich I. der technischen Entwicklung zumisst, dass er die Hochschule zum Zentrum seines Regierungsjubiläums macht.

Max Honsell gehörte von 1903-1906 der Ersten Badischen Kammer als vom Großherzog berufenes Mitglied an. Als Kommission wählte er für sich die Budgetkommission. Einer politischen Partei gehörte Honsell nie an.

Im Oktober 1906 ernannte ihn der Großherzog zum badischen Finanzminister. Er war der erste Ingenieur auf diesem Posten, den er bis zu seinem Tod ausfüllte.[15]

wissenschaftliche Politikberatung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die (fragwürdige) wissenschaftliche Begründung des Rheinhochwassers von 1882/83 als Folge außergewöhnlich hoher Niederschläge, die der Abgeordneten Georg Thilenius im deutschen Reichstag anhand von Diagrammen aus Max Honsells Schrift Hochwasser-Katastrophen veranschaulicht, gilt als ein frühes Beispiel wissenschaftlicher Politikberatung in Deutschland.[16]

ein Honselle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Finanzminister machte sich Max Honsell wenig Freunde. Seine Amtszeit war geprägt von rückgängigen Staatseinnahmen und explodierenden Staatsausgaben. Besonders im Bereich der Eisenbahnen hatte sich Baden über seine Verhältnisse engagiert. Die Aufgabe des Finanzministers bestand in der Sanierung der Staatskasse - er ist deshalb auch als "Sparminister" bezeichnet worden. Die Beamten ärgerten sich über die Streichung so mancher Privilegien. Mit dem 1. Januar 1909 trat das "Gesetz die Kosten der Dienstreisen und Umzüge der Beamten betreffend" in Kraft. Demnach wurden Tagessätze von Dienstreisen nicht mehr pauschal gewährt sondern gestuft nach tatsächlicher Dauer "des auswärtigen Geschäfts (einschließlich der erforderlichen Ruhepausen und etwaigen Wartezeiten auf den Abgang des Zuges usw.)"[17] In Daxlanden: Die Ortsgeschichte heißt es dazu: Die verärgerten Beamten entdeckten bald, dass sie, wenn sie eine Dienstreise durch eine Rast im Wirtshaus etwas ausdehnten, mit dem Unterschiedsbetrag im gestuften Tagegeld ihren Verzehr bezahlen konnten. Das bei dieser Gelegenheit genossene Viertele wurde so zum Honselle.[18]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihm ist in Karlsruhe eine Straße, eine Brücke und auch ein Messschiff benannt, das den Rhein und den Neckar befährt, um die Wassergüte zu überwachen. Frankfurt am Main hat sowohl die Honsellstraße als auch die Honsellbrücke nach Max Honsell benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Fuchs: Max Honsell, G. Graunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, 1912 (Sein erster Biograph ist übrigens gleichzeitig sein Schwiegersohn und Ingenieur im badischen Wasser- und Straßenbau)
  • Walter Bleines: Honsell, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 602 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lilly Braumann-Honsell: Kleine Welt - Große Welt! Oberbadische Verlagsanstalt Merk & Co., K.-G., Konstanz, 1938, S. 126-135
  2. Karlsruher Zeitung, Karlsruhe, 1. Seite, 3. Juli 1910,[1], abgerufen am 05. November 2017
  3. Barbara Guttmann: Zwischen Trümmern und Träumen – Karlsruherinnen in Politik und Gesellschaft der Nachkriegszeit. [Hrsg.: Stadt Karlsruhe]. – Karlsruhe: Stadt Karlsruhe, Frauenbeauftragte und Stadtarchiv, 1997, ISBN 3-923344-39-2, S. 61 (PDF; 21,6 MB)
  4. Rudolf Fuchs: Max Honsell, G. Graunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, 1912, S. 4
  5. a b http://www.kaiserstuhl.eu/natur-am-kaiserstuhl/rheinbegradigung/ Rheinbegradigung
  6. Max Honsell: Die Wasserstraße Mannheim-Ludwigshafen und Kehl-Straßburg, Canal oder freier Rhein?, I, Zentralblatt der Bauverwaltung : Nachrichten d. Reichs- u. Staatsbehörden, Ernst & Korn, Berlin, 15. März 1890 Teil 1 von 5, gefunden bei Karlsruher Institut für Technologie (KIT) - KIT-Bibliothek, abgerufen am 11. Juni 2017
  7. Max Honsell, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt des Bundes, Mannheim, abgerufen 23. Juni 2017
  8. Rudolf Fuchs: Max Honsell, G. Graunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, 1912, S. 24
  9. Iso Himmelsbach: Erfahrung - Mentalität – Management : Hochwasser und Hochwasserschutz an den nicht-schiffbaren Flüssen im Ober-Elsass und am Oberrhein (1480-2007). Freiburg : Universität, 2013, urn:nbn:de:bsz:25-opus-89694 online, abgerufen am 11. Juni 2017
  10. Theodor Rebbock: Großherzoglich Badischer Finanzminister Dr. Ing. Max Honsell (Nachruf).. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Ausgabe XXX. 1910, Nr. 55, Seite 369 online, abgerufen 15. Juni 2017.
  11. Karlsruher Institut für Technologie, KIT-Archiv, Karlsruhe. online, abgerufen: 15. Juni 2017
  12. Max Honsell: Der Bodensee und die Tieferlegung seiner Hochwasserstände Witter, Stuttgart, 1879 online, abgerufen: 15. Juni 2017
  13. Werner Konold: Die Regulierung des Bodensees: eine alte Geschichte. In: Zeitschrift: DER BÜRGER IM STAAT. Heft 2/2000. Der Rhein, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart online, abgerufen: 15. Juni 2017
  14. Max Honsell: Fünfzigjähriges Regierungs-Jubiläum seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs Friedrich : Festvortrag und Ansprachen gehalten zur Jubelfeier in der Aula der Technischen Hochschule Fridericiana am 1. Mai 1902 - Geschichtlicher Abriss des badischen Ingenieurwesens. Braun, Karlsruhe, 1902. online, abgerufen: 15. Juni 2017
  15. Badische Presse, Karlsruhe, Titelseite Mittagsausgabe, 2. Juli 1910 online, abgerufen 20. Juni 2017
  16. Patrick Masius: Risiko und Chance: Das Jahrhunderthochwasser am Rhein 1882/1883 Eine umweltgeschichtliche Betrachtung, Universitätsverlag Göttingen, 2013, Seiten 114-116
  17. Badischer Landtag, 2. Kammer, Beilagen Band 2, Beilagen zur 58. Sitzung, Seite 253, "zu § 4" online, abgerufen: 15. Juni 2017
  18. Gottfried Ganz, Hans Peemüller: Die Rheinbegradigung und ihre Bedeutung für Daxlanden in: Werner Burkart(Hrgb.) Daxlanden: Die Ortsgeschichte, INFO Verlag, Karlsruhe, 2007, Seite 210, online, abgerufen 20. Juni 2017