Mestre de camp

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Armand Louis de Gontaut-Biron, 1783 Mestre de camp im Régiment des Hussards de Lauzun.
Epauletten eines Mestre de camp 1786 (Regiment mit goldenen Knöpfen)

Mestre de camp (entspricht etwa einem Oberst bzw. Colonel) war ein Dienstgrad im Militär des Ancien Régime in Frankreich. Er löste den erst am 8. Juni 1657 auf Wunsch von Turenne eingeführten „Brigadier“ ab.

Der Rang war in drei Klassen unterteilt:

  • Mestre de camp commandant (Oberst und Regimentskommandeur)
  • Mestre de camp en second - auch Mestre de camp-lieutenant (Oberst bzw. Oberstleutnant und stellvertretender Regimentskommandeur). Er führte das Regiment, wenn der eigentlich Mestre de camp z.B die Königin war, wie beim Régiment la Reine Cavalerie.
  • Mestre de camp à la suite (Oberstleutnant)

Seit 1569 wurde die Dienststellung eines Regimentskommandeurs der Kavallerie und der Infanterie als Mestre de camp bezeichnet. Als in der Infanterie im Jahre 1661 der Rang des „Colonel général“ abgeschafft wurde, übernahmen dort die Mestre de camp dafür die Bezeichnung „Colonel“. Dies galt bis 1721, dann wurde die alte Bezeichnung wieder eingeführt, was aber nur bis 1730 Bestand hatte, dann wieder Mestre de camp bis 1780 und danach Colonel bis 1793, (der in den Jahren von 1793 bis 1803 Chef de brigade abgelöst wurde). Der nächsthöhere Rang war der Brigadier des armées du roi.

Die erste Kompanie des Infanterieregiments war die vom Regimentskommandeur persönlich geführte Leibkompanie und wurde als la Mestre de camp (oder, je nachdem, als Compagnie colonelle) bezeichnet.

Die Kavallerieregimenter verblieben dagegen unter dem Oberkommando eines Colonel général und wurden bis zur Revolution von ihren Mestre de camp kommandiert. Die erste Kompanie des Reiterregiments war die vom Regimentskommandeur persönlich geführte Leibkompanie und wurde als la Mestre de camp bezeichnet.

Auch wenn die Stelle des Mestre de camp von älteren und erfahrenen Soldaten besetzt werden sollte, (gemäß dem „Èdit du mois de mars 1600“), bestand die zur damaligen Zeit gebräuchliche Unsitte, die Kommandeursstellen zu verkaufen. D.h. nicht unbedingt der bessere Mann erhielt ein vakant gewordenes Regiment übertragen, sondern der, der unabhängig von Erfahrung, Lebensalter oder militärischer Ausbildung die besseren finanziellen Möglichkeiten hatte.

Der Rang eines Mestre de camp war nicht grundsätzlich an eine adlige Herkunft gebunden. (Arrêt du conseil du 4 juin 1668), was allerdings eher reine Theorie war.

Nach der Einführung von Rangabzeichen bestanden diese aus Epauletten mit goldenen oder silbernen Kantillen (der Mestre de camp à la suite hatte nur auf der linken Schulter eine Epaulette).

Während der Französischen Revolution wurde der Mestre de camp 1791 durch den Colonel und von 1793 bis 1803 durch den Chef de brigade ersetzt.

Das 2e régiment de cavalerie der französischen Kavallerie trug zeitweilig den Namen „Régiment Mestre de camp géneral“. Dies war jedoch kein verliehener inhaberbezogener Ehrennahme.

Auch die Militärgeschichte Spaniens kennt diesen Dienstgrad. Karl V. führte 1534 einen „Maestre de Campo“ ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 175.
  • Nicolas Viton de Saint-Allais „Dictionnaire encyclopédique de la noblesse de France“ Paris, 1816.